Bewertung

Review: #1.15 Semper Fidelis

Jericho kommt Besuch und damit Hoffnung auf ein Ende des Schreckens, doch die Wahrheit sieht ganz anders aus. Was fast wie eine Stand-Alone-Episode wirkt, wird dann durch Robert Hawkins und dessen Storyline bedeutsam.

Gerettet?

Das war schon ein beeindruckendes Bild, als der Panzer plötzlich durch die Stadt rollte und mit seinem Geräusch das Interesse aller Bewohner auf sich lenkte. Es ist eben in der Regel ein beruhigendes Zeichen, wenn die Streitkräfte des Landes einmarschieren und somit den Eindruck erwecken, als hat alles wieder seine geregelten Bahnen und wird irgendwo bewusst organisiert. Auch der nicht unmittelbar Beteiligte (aka der Zuschauer) wollte die militärische Hilfe glauben, denn auch wenn die Situation noch so chaotisch gewesen sein mag, so glaubt man eben doch, dass nach Hilfspaketen und der Verknüpfung mit ausländischen Fernsehsendern auch politisch langsam wieder eine Routine entsteht, die eine Art organisierte Hilfe ermöglicht. Das war also alles sehr logisch und die große Freude und Gastfreundschaft, die man den Besuchern zukommen ließ, war ein schöner Ausdruck der Erleichterung. In diesen Zeiten glaubt man eben jedem, der einen offiziellen Eindruck macht. Wem wäre es nicht auch so gegangen.

Doch der Schein trügt. Jake Green findet durch Zufall heraus, dass sie nur verzweifelten Laienschauspielern gegenüber stehen, die um ihr Überleben kämpfen und mit ihrer Tarnung einen Weg gefunden haben, die Hoffnung der Menschen auszunutzen und ohne Gewalt an Nahrung zu gelangen. Auch das kann man komplett nachvollziehen und man war am Ende der Episode sogar dazu verleitet, aufrichtiges Mitleid mit den Lügnern zu empfinden, weil diese in diesen chaotischen Tagen auch nur versucht haben, das Beste aus der Situation zu machen. Dass sie noch immer Menschen sind, hat man schließlich daran erkennen können, dass sie von ihren Waffen keinen Gebrauch machen konnten. Der Trupp zieht nun ohne Munition weiter und eigentlich kann es nur ihren Untergang bedeuten. Ob wir von denen noch mal was hören?

Es ist also noch lange nicht so weit, dass man in Jericho an Rettung und einer Rückkehr zur Normalität denken könnte. Das belastet Gray Anderson natürlich sehr, wollte er das frohe Ereignis doch gleich für die Stadt nutzen und sich so als genialer Bürgermeister gleich in die Stadtbücher einschreiben. Er setzt sich fast schon übertrieben ein und zeigt Tendenzen der Arschkriecherei, natürlich nur zum Wohle der Stadt. Doch Gray muss erkennen, dass es noch andere Seiten des Jobs gibt. Es gilt manchmal schwierige Entscheidungen zu treffen, die trotz einer Lüge der Stadt zugute kommen. Gray lässt sich von Johnston Green überzeugen, dass man der Bevölkerung weiter vorgaukeln soll, dass sich das Militär um sie kümmern werde, weil Hoffnung eine entscheidende Zutat ist, um über einen harten Winter zu kommen. Eine vollkommen richtige Entscheidung, die Gray um eine wichtige Erfahrung reicher macht. Dass Johnston und er zusammen arbeiten, ist auch weiterhin der einzig sinnvolle Weg. Auch das haben die Autoren offenbar gut durchdacht.

Das Leben verändert

Die Hoffnung auf baldige bessere Zeiten lassen Mimi Clark davon träumen, nach New York zu können und einen Teil ihres alten Lebens wieder führen zu dürfen. Für den sesshaften Stanley Richmond ist das natürlich keine schöne Vorstellung und prompt spielt er auch das verletzte Reh. Diese emanzipatorische Tendenz kann er damit gekonnt ihm Keime ersticken, denn Mimi hat sich in der kurzen Zeit doch so sehr in ihn verliebt, dass sie nicht mehr ohne ihn kann und lieber bei ihm bleibt. Die kleine Krise war wie so Vieles bei den beiden Turteltäubchen ziemlich niedlich. Trotzdem ist es dann vielleicht doch insgesamt etwas sehr schnell gegangen. Aber gut, ob Mimi im Falle des Falles wirklich in Jericho bleiben würde, steht auch auf einem anderen Blatt. Erst mal musste sie Stanley wieder besänftigen und da sagt man auch mal Dinge, die man noch nicht 100%ig meint. Und Stanley war womöglich auch einfach in seinem Stolz verletzt und konnte Mimis Freude nicht in sein konservatives Weltbild einordnen. Ich fand es insgesamt einfach schön, dass die beiden in jeder Episode ihre Szenen bekommen und die düstere Grundstimmung etwas erleuchten.

Showdown

Die Episode hätte für die gesamte Handlung eigentlich als belanglos abgetan werden können, weil man am Ende der Episode nicht mehr über die USA oder deren Neuordnung weiß als vorher und auch diverse Versorgungsprobleme wurden nicht weiter verfolgt. Dass die Episode neben der gut durchdachten und irgendwie auch notwendigen Episodenhandlung aber ein weiterer, wichtiger Bestandteil der Serie ist, liegt an den Ereignissen in der Hawkins-Villa. Robert hat Sarah Mason misstraut und ihr Gegenteiliges vorgespielt, um Unachtsamkeit zu provozieren. Leider bemerkt Sarah ihren Fehler schnell und macht das wahr, was sie schon vor ein paar Episoden androhte. Sie zieht die Familie mit hinein, doch das soll ihr letztlich zum Verhängnis werden. Nach einem spannenden Kampf, über dessen Ausgang ich nicht wirklich sicher war, ist es Allison Hawkins, die dem Ganzen ein Ende macht. Die Hoffnung ist nun, dass Robert sich endlich rechtfertigen muss und auch wir noch etwas mehr über seine Rolle erfahren. Dass der Charakter immer weiter in den Mittelpunkt gerückt wird und sich seine Lage so zuspitzt, sorgt weiter dafür, dass ich immer weiter schauen will. Robert wird jetzt sicherlich den Kontakt von Sarah aufsuchen.

Fazit

Auch diese Episode konnte überzeugen, weil die Idee sehr gut war, die Spannung konstant hoch gehalten wurde und man jedes Mal nicht abwarten kann, bis es weiter geht.

Emil Groth - myFanbase

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