Bewertung

Review: #2.09 Lektionen

Diese Episode ist nichts anderes als ein Meisterwerk.

Wie ihr seht, bekommt #2.09 Lektionen daher auch glatte 9 von 9 Punkte. Damit hätten wir drei 9/9 Episoden nacheinander. Ist mein leicht suchtartiges "Heroes"-Fandom dafür verantwortlich oder die schlichte Tatsache, dass die letzten drei Episoden einfach unglaublich gut waren? Letzteres, natürlich. Diese Folge war einfach so phänomenal, dass alles unter der vollen Punktzahl eine Schande wäre.

Und wenn ich sage phänomenal, dann rede ich von einer grandiosen Regiearbeit, einem von vorne bis hinten genialen Script und einer Schauspielleistung des Casts, die mal wieder alles andere übertrifft.

"I hate you."

#2.09 greift drei große Storylines auf – die Bennets in Kalifornien, Hiro und der Tod seines Vaters sowie Matt auf der Suche nach Antworten – und stellt sie komplett auf den Kopf. Ich liebe es, wenn die Dinge auf den Kopf gestellt werden.

Wir beginnen mit Familie Bennet, die sich für den Umzug bereit macht – außer natürlich Claire, die sich aufmüpfig gegen Hornbrille stellt. All die Anschuldigungen, die Claire in dem folgenden Streit ihrem Vater an den Kopf wirft, sind natürlich mehr als berechtigt, doch man fragt sich irgendwie, wieso Claire so lange damit gewartet hat, HRG ihre Meinung zu sagen. Gleiches gilt für Sandra und Lyle: während Lyle vielleicht einfach noch etwas zu jung und naiv ist, um das alles zu kapieren, finde ich es schade, dass man Sandra erst jetzt die Absichten ihres Mannes in Frage stellen lässt. Schließlich ist dieser dafür verantwortlich, dass sie fast an einem Gehirntumor draufgegangen wäre, ein Psychopath sie in eine Vitrine warf und ihr Haus abgefackelt wurde. Diesmal tritt Sandra aber endlich mal in Aktion und ist schließlich diejenige, die Vater und Tochter davon abhält, mit Klebeband aufeinander loszugehen.

Die Szenen zwischen Hornbrille und Sandra waren nicht nur absolut überfällig, sondern auch richtig gut gelungen. Jack Coleman und Ashley Crow agieren mal wieder großartig zusammen. Hornbrille gesteht sich in dieser Folge einige seiner Fehler ein, so auch den, dass er Sandra weiterhin angelogen hat. Nun kommt er endlich mit der Wahrheit, erzählt ihr von dem Bild, das seinen Tod zeigt und bittet Sandra, an seiner Seite zu bleiben. Diese jedoch reagiert zunächst mit einer Mischung aus Sorge, Enttäuschung und Ablehnung – eine Reaktion, die ich für mehr als berechtigt halte. Umso schöner ist es aber, dass Sandra trotz allem, was ihr Ehemann getan hat, nicht um die Tatsache kommt, dass sie ihn liebt und ihn schließlich unterstützt.

Als ob die zerbröckelnde Vater-Tochter-Beziehung und die Ehekrise nicht schon genug wären, muss HRG sich auch noch mit einer weiteren Person herumschlagen: West. Und – ich glaube es fast selbst nicht, dass ich das jetzt sagen werde – West war in dieser Folge tatsächlich nicht nervig, sondern... sympathisch!

"I want to trust you… but I don't."

Sympathisch wurde West schlagartig in der Szene zwischen ihm und Claire. Vorbei sind die Zeiten, in denen West ein Eidechsen liebender Freak war, dem keine andere Möglichkeit einfiel, das Mädchen seiner Träume zu bekommen, als sie zu stalken. Diesmal zeigte West tatsächlich mal Gefühle. Und Ehrlichkeit. Und Nick D'Agosto verdient einen Applaus, da der Charakter ohne ihn schon von vorne herein total verloren gewesen wäre.

Prinzipiell machte West in dieser Folge einige sehr lustige Dinge. Zum Beispiel entführte er Hornbrille direkt vor seinem Hauseingang und flog mit ihm in die Wolken, sodass HRG nichts anderes tun konnte, als sich wie wild an den Freund seiner Tochter zu klammern. War ich die Einzige, die das wunderbar komisch fand?

In der unteren Troposphäre angekommen fragt West, ob er Claire etwas bedeuten würde. Ach, West. Schon mal darüber nachgedacht, ob jemand in dieser Situation nicht einfach alles sagen würde, was du hören willst, nur um wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? HRG sagt West natürlich, dass er Claire etwas bedeutet. Zufrieden mit dieser Antwort fliegt West wieder zurück auf die Erde und HRG renkt ihm erstmal den Arm aus. Nett! Dann ruft Mohinder an – und die Dinge nehmen ihren Lauf...

"No offense, Mohinder, but your word isn't what it used to be."

Die Idee des Mohinder-Hornbrille-Gespanns fand ich bereits am Anfang großartig – aber noch großartiger ist die Entwicklung, die sich hier abgezeichnet hat: HRG hat Mohinder nicht zuletzt durch sein skrupelloses Handeln direkt in die Arme der Company getrieben, sodass Mohinder jetzt mehr oder weniger auf deren Seite steht. Zu verdenken ist es Mohinder nicht: von vornherein war klar, dass Bennet ihn nur benutzt hat und es eigentlich nie eine gleichwertige Partnerschaft zwischen den beiden gab. Dies wurde Hornbrille wahrscheinlich auch bei seinem Telefonat mit Mohinder bewusst, als er ihm zum ersten Mal dankte – sorry HRG, zu spät.

Mohinder gibt HRG also an, wo sich West angeblich befindet – Pech nur, dass HRG bereits genau weiß, wo West ist und die Falle somit durchschaut. Die Kameraeinstellung mit den Straßenschildern (auf denen sogar "Costa Verde" stand) war wunderbar graphisch und wirkte fast schon wie ein Comic – eines von vielen tollen Details in dieser Episode. HRG fährt also zum angegebenen Ort und Mohinder steigt in sein Auto. Es ist wie die Neuauflage der ersten Begegnung zwischen den beiden, bei der Mohinder am Steuer saß und Bennet als Taxigast auf dem Rücksitz. Nur sitzt diesmal Bennet vorne und Mohinder hinten.

Mohinders Zwickmühle wird in dieser Folge wohl deutlicher, denn je: er will das Richtige tun, weiß aber nicht, wem er vertrauen kann. HRG? Teelöffel? Keinem von beiden?

"Hey Fight Club, check this out!"

Mohinder vertraut also erstmal auf Teelöffel und trifft so seine neue Partnerin Elle, die ihn trotz seiner unsäglich kaputten Nase total süß findet. Wie bereits alle vermutet hatten, ist Elle also Teelöffels (richtige?) Tochter. Und je mehr wir von ihr sehen, desto mehr finde ich Elle einfach klasse.

Wie sie den Daiquiri am Pool zerschießt? Der Rauch aus ihrem Finger? Herrlich.

Das Motiv der Vater-Tochter-Beziehung ist ein zentrales in dieser Episode und so bilden Elle und Teelöffel so etwas wie den Gegenpol zu Claire und Hornbrille. Während Hornbrille seine Tochter nicht der Company auslieferte, experimentierte Teelöffel solange an Elle herum, bis aus ihr ein sadistischer, leicht psychopathischer Toaster wurde. Ob sich Elle einmal gegen ihren Vater auflehnen wird?

"Have you packed Mr. Muggles' doggie bath?"

Kurzer Einwurf: Jack Coleman sollte alle Awards der Welt dafür bekommen, dass er diesen einen Satz mit einer Ernsthaftigkeit ablieferte, die absolut unglaublich ist. Ich will nicht wissen, wie viele Takes man hierfür brauchte. GENIAL! Outtakes, BITTE?

Aber wo war ich? Richtig, Elle. Damit kommen wir zum ersten kleinen Showdown der Episode. Mohinder hält HRG eine Knarre an den Kopf und fordert ihn auf, zu seinem Treffpunkt mit Elle zu fahren. Diese zwitschert Hornbrille ein keckes "Hey you!" zu, bevor sie von West gegen einen – Achtung, Product Placement – Nissan Rogue geflogen wird. Mohinder steht kurz davor, Hornbrille zu erschießen, doch er zögert zu lange, sodass Hornbrille schließlich die Waffe in die Hände bekommt und ihn hundertprozentig erschossen hätte, wenn...

... West ihn nicht davon abgehalten hätte.

Seht ihr jetzt, was ich damit meinte, dass West diesmal echt sympathisch war?

HRG eilt nach Hause, gefolgt von West, der Elle mitbringt. Es folgt eine weitere, grandiose Szene: Elles Verhör durch HRG, möglich gemacht durch Mr. Muggles' Hundebadewanne. Fantastisch!

"But if you die, Bob, the Company dies with you."

So kommt es schließlich zum ultimativen Showdown am Strand. Eine der tollsten Sequenzen, die uns die Show je geboten hat. Der Ort, das Licht, die Kamera, es hat einfach alles gestimmt. Hornbrille und Teelöffel tauschen die Töchter, Elle toastet Claire und West, Hornbrille schießt Elle in den Arm und steht kurz davor, Teelöffel zur Strecke zu bringen. Und dann...

... der Schuss. Die Hornbrille zerspringt. Noah Bennet fällt zu Boden.

Mein Herz blieb stehen. Ehrlich. Für etwa fünf Sekunden oder so.

Im ersten Moment dachte ich: DKDNWS! Das kann doch nicht wahr sein! Wie um alles in der Welt können sie einen der besten Charaktere der Show killen? Hat mein Leben jetzt noch einen Sinn? Und wie perfekt kann eine Szene eigentlich sein? Egal, wie oft ich mir diese Szene ansehe, ich komme einfach nicht drum rum, dass sie makellos ist.

"We have the power of Gods. That does not mean we can play God."

Wahrscheinlich könnte ich noch endlos ausführen, was an der Storyline in Costa Verde noch genial war, doch kommen wir zu Hiro, der in dieser Episode um ein ganzes Stück erwachsener wird. Er erkennt, dass er nicht in der Zeitgeschichte herumreisen und Dinge nach seinem Belieben verändern darf und wird mit dem Tod seines Vaters konfrontiert.

Hiros Zeitreise zurück zur Beerdigung seiner Mutter gefiel mir sehr gut, nicht zuletzt, da der Schauplatz am Friedhof beeindruckend war. Sie machte uns klar, dass auch in dem stets positiv eingestellten Hiro eine ernsthaftere Seite steckt, etwas, was man leicht vergisst. Durch die Konfrontation mit seinem jüngeren Ich sieht Hiro letztlich ein, dass er nicht Gott spielen kann und reift an dieser Erkenntnis. Dies merkt man vor allem am Schluss bei der Beerdigungsrede für Kaito, die die Montage am Ende begleitet.

So muss sich Hiro von seinem Vater für immer verabschieden, doch er kehrt nicht zurück, ohne dessen Mörder ausfindig zu machen: wie wir es alle vermutet hatten, ist dieser Adam/Kensei! Und ich kann es kaum noch erwarten, wenn sich Hiro und er nach 400 Jahren wieder gegenüber stehen.

"If you take this secret from me, you are not just like your father... you are him."

Ich sprach vorher davon, dass Jack Coleman alle erdenklichen Awards verdient hätte (übrigens nicht nur wegen dieses einen Satzes) – bei den Frauen sollten diese Awards an Cristine Rose gehen. Ich meine, wie unglaublich ist diese Frau?

Matt entdeckt in dieser Folge, dass seine Fähigkeiten sehr, sehr mächtig sind. Er kann nicht nur Gedanken lesen und jemanden in egal welchen Szenarien gedanklich festhalten, sondern auch andere dazu bewegen, genau das zu tun, was er will. Dies nützt er nicht nur bei seinem Vorgesetzten, sondern auch bei Angela Petrelli aus.

Angelas Verhör war eine ungemein intensive Szene. Greg Grunberg war klasse, aber Cristine Rose stellte ihn einfach komplett in den Schatten. Das anfängliche Selbstbewusstsein spielt sie genauso überzeugend wie die schlagartige Angst, als sie erkennt, zu was Matt nun fähig ist. Man spürt es förmlich, wie Angela sich innerlich dagegen wehrt, Matt die Wahrheit zu sagen, doch sie kommt nicht gegen ihn an. Matt prügelt das Geheimnis quasi gedanklich aus ihr heraus und erfährt den Namen der mysteriösen Frau, der Einzigen der Gruppe, die neben Teelöffel und Angela noch am Leben ist: Victoria Pratt.

"God has given us the gift of choice."

Nach fulminanten 41 Minuten endet #2.09 Lektionen schließlich damit, dass Hornbrille ohne Hornbrille dank einer wundersamen Blutinfusion irgendwo in einem schäbigen Zimmer von den Toten aufersteht. HRG ist also nicht tot und ich kann beruhigt ins Bett gehen. Der perfekte Abschluss einer perfekten Episode. Und wie anfangs schon erwähnt, ist diese Folge einfach nur eins: ein Meisterwerk.

Maria Gruber - myFanbase

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