Bewertung: 8

Review: #12.22 Arizona Robbins und Calliope Torres

Foto: Sara Ramirez, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth
Sara Ramirez, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin kein Calzona-Shipper. Die Geschichte der beiden, die uns im Rückblick vor der eigentlichen Folge präsentiert wird, hat mich nie wirklich mitgerissen, obwohl ich beide Figuren, sowohl Callie als auch Arizona eigentlich immer mochte. So richtig konnte ich mich einfach nie für das Paar erwärmen und habe den freundschaftlichen Umgang der beiden Ex-Frauen in den letzten Staffeln viel besser gefunden, als das ewige Hin und Her der neunten und zehnten Staffel. Deswegen war ich mir auch nie sicher, was ich genau von dem Ausgangskonflikt halten soll: Callies impulsive und um ehrlich zu sein, ziemlich bescheuerte Idee, wegen ihrer Beziehung zu Penny umzuziehen und Arizonas Überreaktion, einen Sorgerechtsstreit zu beginnen, kamen mir wie ein gewaltiges Stoppschild vor, das die Freundschaft der beiden gefährdet. Und auch wenn ich grundsätzlich immer noch dieser Meinung bin, komme ich nicht umhin zuzugeben, dass mich die Folge wirklich mitgerissen hat. Schauspielerisch gesehen ist die Folge einfach nur hervorragend und die Folge schaffte es schnell, einen in den Bann zu schlagen und mitfiebern zu lassen. Für Humor ist kaum Platz – Drama, Baby, Drama!

Die ganzen Gerichtsszenen sind unglaublich intensiv gestaltet: Die Anwältinnen, die schrecklich gemein sind und genau dort nachhaken, wo die Ärzte keine Antwort drauf haben, Callies und Arizonas jeweils triumphierende oder besorgte Blicke, ihre jeweiligen herzzerreißenden Aussagen…Das alles nimmt unglaublich mit und präsentiert die beiden Darstellerinnen Sara Ramirez und Jessica Capshaw in Höchstform. Merediths König-Salomon-Voiceover erweist sich dabei als massiver Spoiler: Arizona, die schlussendlich während der Verhandlung aufgibt, da sie weiß, dass Sofia immer geliebt werden wird, bekommt das volle Sorgerecht, während Callie, die mit schmutzigen Mitteln gekämpft hat, mit leeren Händen dasteht. Es war aber auch sehr offensichtlich, dass Arizona hier als Siegerin dasteht, verfolgen wir ihre Sicht der Dinge schon seit Beginn dieser Storyline. Wir sind mit Arizona jeden Aspekt dieser Geschichte durchgegangen, haben vor allem mit ihr gelitten – ein anderes Ende wäre sehr enttäuschend gewesen.

Arizona darf sich aber auch in dieser Folge von ihrer besten Seite präsentieren. Ihre Verteidigung geht nie unter die Gürtellinie, stellt nie Callie als Person in Frage und hat immer nur Sofia im Vordergrund. So sind auch die Fragen, die ihre Anwältin an Meredith und Penny stellt, nur auf Sofia bezogen und begutachten vor allem, ob Sofia tatsächlich das beste Leben in New York mit Penny als Drittmutter hätte. Desweiteren kann Arizona in ihrem eigenen Verhör auch beweisen, dass sie nur das Beste für ihre Tochter will und stellt dazu, im Gegensatz zu Callie, in den Vordergrund, dass Sofia zwei liebende Mütter hat. Wie Arizona hierbei auch ihren Status als Adoptivmutter verteidigt, gleichzeitig aber auch ihre Pflichten als Ärztin betont, hat mir sehr gut gefallen. Mir hat es sowieso sehr gut gefallen, dass man den Patientenfall aus #12.17 I Wear the Face zurückbrachte und somit sofort eine emotionale Bindung bei dem Zuschauer hervorbrachte. Wir kennen und mögen das Mutter-Tochter-Gespann und können so gleich viel besser mitfiebern. Dazu hätte ein komplett neuer Fall Arizonas Einsatz für diese Familie in Frage gestellt.

An dieser Stelle muss ich auch Arizonas Entwicklung hervorheben. War sie zu Beginn noch diejenige, die nie Kinder wollte und sich auch gegen die Dreipartnerschaft mit Mark wehrte, ist sie nun diejenige, die die größte Hingabe und Liebe zu ihrer Tochter beweist und schlussendlich den größten Teil der Elternschaft übernimmt. Diese Entwicklung habe ich zuvor nie so sehr realisiert, weswegen mir diese Folge alleine deswegen schon sehr gut gefällt. Auch bin ich begeistert, wie sehr sich Arizona durch die letzten beiden Staffeln wieder profiliert hat, nachdem sie in der Zuschauergunst in der neunten Staffel so sehr gefallen war.

Warum Callie mit schmutzigen Mitteln spielt und deswegen vermutlich auch verliert, ist sehr leicht zu erklären – es ist verspätete Rache nach allem, was Arizona ihr in der Vergangenheit angetan hatte. Callie musste sich in der gemeinsamen Beziehung immer zusammenreißen und immer hinten anstellen, sie hatte stets versucht, für ihre Ehe und Familie zu kämpfen und ist daran beinahe zerbrochen. Das scheint noch an ihr zu nagen, anders kann ich mir die Vorwürfe ihrer Anwältin an Arizona nicht erklären. Diese versucht, Arizona als überarbeitete (Hermans Stipendium war schließlich auch ein Trennungsgrund) "Schlampe" (Lauren und Leah haben Callie auch sehr zugesetzt) darzustellen. So sind Arizonas viele Notfall-OPs und ihre Ausgehabende mit Webber natürlich Beweise, die das unterstreichen können. Diese unfaire Spielsweise trifft Arizona natürlich sehr schwer und ihre Worte "The things you let them say about me... I would never have done that to you" sollten wir nicht vergessen. In den nächsten Folgen wird Arizona wahrscheinlich härter gegenüber Callie agieren und ich bin mir ziemlich sicher, dass die letzte Schlacht noch nicht geschlagen ist. Callie, die sonst als Sympathieträgerin der Serie dient, hat sich leider ihr eigenes Grab geschaufelt.

Natürlich merkt man ihr auch die Liebe zu Sofia an (wer hatte nicht bei "Being a mother is what keeps me alive" Trännen in den Augen?) und auch die Umarmungsszene unterstreicht deutlich, wie sehr sie ihre Tochter braucht und liebt, aber es ist, wie sie es selbst Meredith gegenüber beichtet: Sie kann nicht zwischen der Liebe zu Sofia und der Liebe zu Penny entscheiden und dort liegt schlussendlich der Hund begraben. Sie hat sich nämlich für ein Leben mit Penny entschieden und damit nicht wirklich auf Sofias Leben und deren Zukunft geachtet.

Was ist aber Pennys generelle Rolle in diesem Konflikt? Ihre Zeugenaussage vermasselt sie nach einem durchaus starken Beginn, ihr Schweigen über den Streit mit Arizona in der letzten Folge war vermutlich ebenfalls eine schlechte Entscheidung. Dazu sagt der Moment, in welchem Callie Merediths Umarmung zulässt, Pennys Hand aber abschüttelt, einiges aus: Sie macht Penny nun für ihr Scheitern verantwortlich und wird wohl mit Penny Schluss machen. Ich wäre nicht wirklich traurig darüber. So richtig Sympathie konnte ich nie wirklich für das Paar entwickeln, obwohl zuletzt erstmals Chemie zu sehen war. Ähnliches lässt sich auch über die Figur Penny Blake an sich sagen. Auch wenn ich sie sympathisch und interessant finde, hat sie sich schlussendlich nur als Plot Device erwiesen: Sie hat Konflikte zwischen Meredith, Callie und Amelia ausgelöst, hat Unruhe bei Steph und Jo gestiftet und nun eben auch bei Arizona und Callie den Sorgerechtsstreit hervorgebracht. Damit ist es schwierig, mit ihr mitzufiebern und sie als eigenständige Figur wahrzunehmen und zu mögen. Dass die Figur durch ihren Umzug nach New York sowieso ein Ablaufdatum hat, hat diesen Umstand nur hervorgehoben.

Was mir an dieser Folge jedoch sehr gut gefällt, sind die Freundschaften von Meredith und Callie sowie von Webber und Arizona. Beide, Meredith als auch Webber, stehen ihren Freundinnen bei, versuchen sie zu beruhigen, abzulenken und auf den schweren Prozess vorzubereiten. Im Vorfeld konnte ich immer wieder die Frage lesen, warum sich Meredith auf Callies Seite schlägt und nicht wie Alex die löbliche Entscheidung trifft, sich nicht einzumischen. Das würde jedoch nicht zu Meredith passen. Wir haben das bereits bei dem Konflikt Nathan Vs. Owen gesehen – Meredith hat einfach Owens Sicht der Dinge übernommen, weil sie ihm gegenüber loyal ist und beschlossen, dass sie Nathan ebenfalls hasst. Und da sie und Callie über die Jahre hinweg eine wirklich enge Freundschaft entwickelt haben, ist es nur typisch für ihren Charakter, dass sie sich auf Callies Seite schlägt. Dazu hat mir Merediths Szene im Verhör sehr gut gefallen: Ihre Worte, was es bedeutet, eine Single-Mutter zu sein, haben mich dazu sehr berührt. Auch die Erwähnung von Mark hat mir sehr gut gefallen. Wäre Mark noch am Leben, hätte es diesen ganzen Konflikt wohl nie gegeben und Callie und Arizona hätten sich zusammengerauft. So sehr wie in dieser Folge habe ich ihn schon lange nicht vermisst.

Kurze Eindrücke

  • Wie großartig war bitteschön Baileys Zeugenaussage? "Objection, Speculation!" Ich lache generell viel bei "Grey's Anatomy"- Episoden, doch hier konnte ich gar nicht mehr aufhören! Darüber hinaus hat mir sehr gut gefallen, wie sie mit Feminismus Arizona verteidigt hat – in solchen Momenten wie diesen muss man Bailey einfach mögen.
  • Stephanie hat ihren Fehler, mit Kyle Schluss gemacht zu haben, realisiert, aber ist es jetzt dafür schon zu spät? Kyles verletzte Reaktion, als Stephanie besorgt zu ihm eilt, sagt schon vieles aus. Und geht es nur mir so oder sieht Kyle wirklich schlimm aus? Richtig punkten in diesem Handlungsstrang konnte zu meiner Überraschung Jo, die vor allem in der Szene in der Bar zeigen konnte, was für eine tolle Freundin sie für Steph sein kann.
  • April und Jackson wollen scheinbar einem Sorgerechtsstreit vorbeugen und beschließen, bereits grundlegende Regelungen für ihre gemeinsame Elternschaft. Dieser zögerliche und wunderbar friedliche Umgang der beiden freut mich sehr, da sich die beiden sich dabei immer näher kommen.


Fazit

Eine unglaublich intensive und nervenaufreibende Folge, die die Darstellerinnen Sara Ramirez und Jessica Capshaw in Bestform zeigt und damit einen zwar fragwürdigen, aber dramatisch hervorragenden und berührenden Handlungsstrang liefert. Durch Arizonas Entwicklung und Callies tiefen Fall sehe ich voller Vorfreude den Folgen bis zum Finale entgegen, wofür auch die Annäherung zwischen April und Jackson und die Szenen von Stephanie gesorgt haben.

Lux H. - myFanbase

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