Bewertung: 4

Review: #11.17 Mit Dir oder Ohne Dich

Foto: Sara Ramirez & Jessica Capshaw, Grey's Anatomy - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Sara Ramirez & Jessica Capshaw, Grey's Anatomy
© 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

Was haben Derek und Meredith nicht alles durchgestanden? Neben Bomben, Amokläufen und Flugzeugabstürzen um nur einige zu nennen, sind vor allem Dereks erste Ehe, Merediths Bindungsängste und ihr Betrügen in seiner Alzheimerstudie Probleme auf ihrem steinigen Weg zum Glück gewesen. Doch am Ende waren es genau diese Dinge, die die beiden zusammengeschweißt haben. Durch die Katastrophen haben die beiden immer wieder realisiert, dass sie einander brauchen, dass sie einander lieben, dass sie nicht voneinander getrennt sein wollen und haben schließlich oft so ihre Krisen gelöst.

Insbesondere in den letzten beiden Staffeln war die Ehe der beiden sehr stabil und hatte eine bilderbuchähnliche Tendenz. Dass dieser Streit um die Karrieren nun tatsächlich der größte Stolperstein für die beiden war, hat sich deutlich gezeigt - in der ersten Staffelhälfte verging keine Folge ohne einen weiteren Disput, ohne mehr Vorwürfe. Doch dieser Konflikt hat Derek tatsächlich schlussendlich in die Arme einer anderen Frau getrieben - okay, es war nur ein Kuss, aber im Grunde genommen hat sich die Geschichte tatsächlich wiederholt. Bis zuletzt hatte ich auf meiner Hoffnung beharrt, dass er es nicht tun würde. Zwar hat er es nicht eskalieren lassen - ein Unschuldsengel war McDreamy trotzdem nicht.

Lassen wir mal kurz Meredith für einen Moment außen vor - so schwer es auch fällt: Derek ist ein verheirateter Mann, der seine Frau kein einziges Mal bei seiner Arbeit erwähnt. Stattdessen flirtet er mit einer Assistenzärztin seit Beginn ihrer Bekanntschaft (man kann mir nicht weißmachen, dass Dereks Blicke kein Flirten waren!), was sich über Wochen mit beiläufigem Halten der Hände oder Austausch bedeutungsschwanger Blicke intensiviert. Schließlich kulminiert diese Annäherung in einem Kuss; dieser bringt ihn schließlich zur Erkenntnis, dass er niemanden anderem in seinem Leben braucht als seine Frau. Zusammengefasst: Derek genießt die Aufmerksamkeit dieser jungen Frau, sucht ihre Nähe und macht ihr damit Hoffnungen, nur um sie dann einfach fallen zu lassen, weil er nicht wirklich was für sie empfindet. Das ist einfach nur ein unreifes, rücksichtsloses und egoistisches Verhalten. Für mich kam es so rüber, dass Derek einfach nur Sehnsucht nach einer Frau hatte, die Meredith ähnelt - was bei Meredith Alzheimer ist, ist bei Renée schließlich Autismus. Es ist natürlich ein ganz interessanter Kniff, dass Derek sich einer Kopie seiner eigenen Frau annähert, aber betrachtet man das von einer kreativen Seite, ist das einfallslos und platt. Ich hätte mir einen viel durchdachteren, überraschenderen Handlungsstrang gewünscht, in welchem Derek dieselbe Erkenntnis durch ein anderes Erlebnis bekommt als eine weitere Frau. Eine Identitätskrise wurde immerhin bereits in der Folge #11.07 Noch mal von vorne, bitte angedeutet, über so eine Geschichte hätte ich mich richtig gefreut! So wirkt das alles in allem nur platt und durchschaubar und lässt den Charakter Derek, der ohnehin bei mir nicht viele Sympathiepunkte hat, noch einige mehr verlieren. Zur Strafe gehört ihm der Titel McDreamy aberkannt.

Von einem anderen Mann in Merediths Leben könnte er sich dabei eine schöne Scheibe abschneiden, denn Alex war in dieser Folge einfach nur großartig. Er realisiert von Anfang an, dass etwas mit Meredith nicht stimmt und fragt sie immer wieder, wie es ihr geht, ohne sie dabei zum Reden zu zwingen. Die Umarmung war einfach nur großartig, denn diese beweist eindeutig, dass Alex die Rolle als Merediths Person nun vollkommen angenommen hat. Er lässt sich weder von Merediths Negativität oder ihren Vorwürfen ablenken, da er weiß, dass sie nicht an ihn, sondern an Derek gerichtet sind. Gleichzeitig tröstet er sie, richtet sie auf und macht ihr klar, was für eine tolle Ärztin sie ist. Alex hat sich hier wirklich bewiesen und konnte durch Meredith typisches "dark und twisty"-Verhalten durchbrechen, was wirklich der beste Aspekt dieser Folge darstellte.

Was sagt uns nun die letzte Szene? Meredith und Derek gehen ja eigentlich ziemlich unterschiedlich an ihre Beziehung heran - Derek braucht Meredith, Meredith braucht ihn nicht, will ihn aber in ihrem Leben. Ist das eine Versöhnung? Ich bleibe skeptisch. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass der Kuss ein Thema bleibt, aber ich schätze, dass die Tatsache, dass Derek gelogen hat, für Meredith schlimmer war, als der eigentliche Kuss. Vielleicht hat sie ihm deshalb verziehen bzw. wird sie ihm verzeihen? Derek scheint ja selbst einen radikalen Sinneswandel durchmacht zu haben: Er will seine Karrierewünsche hinter sich lassen und wirklich um die Ehe kämpfen - ob man ihm da tatsächlich trauen kann?

Von Müttern und Söhnen

Erinnern wir uns zurück, als Lexie die neue Freundin ihres Vaters Thatcher kennenlernte und sich eindeutig nicht mit der Tatsache anfreunden konnte, dass diese so alt war wie sie selbst. Nun findet sich Owen in eigentlich derselben Situation - doch während sich Lexies Verhalten damals auf die Trennung von Mark schieben lässt, gibt es eine solche Ausrede für Owen nicht. Er hat einfach genervt in dieser Folge. Es lässt sich mit keinem anderen Wort beschreiben, denn sein unsensibles, unreifes Verhalten erinnert mehr an einen pubertierenden Teenager als an den Chefarzt der Chirurgie. Er nimmt seiner eigenen Mutter Selbstbewusstsein, indem er nicht eine Sekunde lang versucht, sie zu verstehen und ihr sämtliche Ausstrahlung und gutes Aussehen abspricht. Dazu hat er unnötige Vorurteile gegenüber John, attackiert ihn beinahe und will nicht einsehen, dass seine Mutter ein neues Glück gefunden hat. Was hier ebenfalls furchtbar stört, ist wie klischeehaft und vorhersehbar der Handlungsstrang ist - so war es natürlich klar, dass Owens Mutter sich zunächst wegen Owen von John trennt und Owen später natürlich Johns wahre Absichten realisiert und der Beziehung seinen Segen gibt. Owens generelles Verhalten gegenüber Amelia ist ebenfalls völlig daneben - er stößt sie vor den Kopf und zeigt ihr deutlich, dass sie sich aus seinen Angelegenheiten raushalten soll. Das ist einfach nur unnötig verletzend und hat mich schwer enttäuscht, nachdem sich die Annäherung der beiden für mich eine der überzeugendsten Storylines der letzten Folgen bewies. Dass Amelia ihm verzeiht, war ebenfalls abzusehen - doch was wirklich aufstößt, ist, dass niemand Owen wirklich zeigt, was für ein bescheuertes Verhalten er da an den Tag legt. VonWebber hätte ich schon erwartet, dass er Tacheles mit Owen redet und hatte diese Szene wirklich herbeigesehnt. Eine alles in allem enttäuschende Geschichte mit einem überaus nervigen Owen.

Kurze Eindrücke

  • Das Einzige, was mir an den Flashbacks gefallen hat, waren die Sequenzen mit den wichtigsten Meredith-und- Derek-Szenen der Serie - allerdings vom heutigen Standpunkt bis zur ersten Episode, was eine nette Gestaltung war.
  • Die Glückssträhne nimmt ein Ende und nervt mich erneut, denn sie endet natürlich genau dann, wenn Derek zurückkommt. In dieser Folge jagt ja eine einfallsreiche Idee die nächste.
  • Jos und Stephanies Geschichte war zwar nichts Besonderes, hatte aber vor allem Dank der verrückten Patientin einige lustige Momente. Außerdem war es das einzige bisschen Humor, das wir in dieser Folge bekommen haben.



Fazit

Wenn man beiden Haupthandlungssträngen nicht wirklich etwas abgewinnen kann, dann kann man auch nicht die Folge an sich genießen. Ich war einfach nur genervt von Owen und Derek und hätte mir von beiden ein erwachseneres und reiferes Verhalten gewünscht. Wie man es besser machen kann, hat eindeutig Alex bewiesen, da er den anderen Männern quasi die Stirn bietet. Vieles an der Episode ist fragwürdig oder klischeehaft geraten, was sehr schade ist, da die Folge an sich eigentlich Potenzial hatte. Für mich persönlich stellt sie nach den letzten guten Folgen ein eindeutiges Tief dar.

Lux H. - myFanbase

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