Bewertung: 5

The Midnight Sky

Foto: Copyright: 2020 Netflix, Inc.
© 2020 Netflix, Inc.

Inhalt

Ein schwerkranker Wissenschaftler namens Augustine (George Clooney) arbeitet alleine in einer abgelegenen arktischen Forschungsstation, als er von einer globalen Katastrophe erfährt. Gleichzeitig trifft er auf ein fremdes Mädchen (Caoilinn Springall), das er unbedingt zurück in die Obhut seiner Familie übergeben will. Also wagen sie ein schwieriges Manöver, um Funkkontakt herstellen zu können und bekommen dabei zufällig Kontakt zum Raumschiff 'Ether', das auf dem Rückweg zur Erde ist und nun gewarnt werden muss.

Kritik

Wer hätte bei dem Start des Streamingdienstes Netflix gedacht, dass sich schon 2020 zahlreiche Hollywoodstars mit ihren Produktionen hier tummeln würden? Gerade in dem Pandemie-Jahr war es natürlich ein Geschenk, dass Netflix einfach weitermachen konnte, als ob nichts wäre, denn Streaming erfuhr durch Social Distancing, die Schließung vieler Kinos und Ausgangssperren einen noch größeren Boom als ohnehin schon. Kein Wunder also, dass auch George Clooney mit seiner Produktion "The Midnight Sky" eine dankbare Heimat beim Streamingriesen gefunden hat. Der Sci-Fi-Film beruht auf dem Roman "Good Morning, Midnight" von Lily Brooks-Dalton aus dem Jahr 2016. Ein apokalyptisches Endszenario gepaart mit Abenteuern im Weltall ist thematisch nun wahrlich nicht neu, was holt Produzent und Schauspieler Clooney also hier heraus?

Mir persönlich ist es sehr schwer gefallen, in den Film hineinzufinden. Es gibt mehrere Handlungsebenen, auch zeitlich haben wir zwei, dazu fehlt aber eine konkrete zeitliche Einordnung und generell eine Einführung in die Welt, die uns als Zuschauern dort präsentiert werde. Dass diese gestiftete Verwirrung wohl reine Taktik war, wird spätestens dann deutlich, wenn sich im weiteren Verlauf des Films jegliche Überraschungsmomente in Luft auflösen, weil stattdessen alles glasklar vor einem liegt. Vermutlich wollte Clooney so ein Mysterium aufbauen, das aber früh wie eine Seifenblase platzt. Man mag zu dem Zeitpunkt noch nicht alle Einzelmomente korrekt miteinander verknüpfen, aber die grobe Richtung ist dann schon sortiert. Gerade im Rückblick finde ich das Manöver, eine Frau nach ihrem Kind rufen zu lassen und dann schließlich ein Kind bei Hauptfigur Augustine auftauchen zu lassen, fast schon lächerlich oder sollte das nur ein ungeschickter Zufall sein? Aber egal, wie man es dreht oder wendet, spätestens mit dem genannten Namen erübrigt sich jegliche Spekulation, denn so ist nur noch eine Interpretation möglich. Und warum? Weil in diesem Film nicht mit neuen Elementen gearbeitet wird, sondern mit so vielem, was man schon in zig anderen Produktionen zu Gesicht bekommen hat.

Extrem stark ist mir das bei der Handlung auf der 'Ether' aufgefallen. Das Miteinander der Crew habe ich erst im September des vergangenen Jahres in der Netflix-Serie "Away" mit Hilary Swank sehr ähnlich erlebt. Natürlich bestehen unterschiedliche Voraussetzungen, denn in der Serie geht es zur Mission, bei "The Midnight Sky" ist die Mission mit einem Erfolg abgeschlossen und nun steht die Rückkehr zur Erde an. Dennoch geht es bei beiden Produktionen um das Miteinander und vor allem die ständigen Gedanken an die zurückgelassenen Familien. Auch technische Probleme am Raumschiff, die versorgt werden müssen, weisen beide Produktionen auf. Insgesamt muss ich daher auch bei "The Midnight Sky" zweifeln, warum von Genres wie Sci-Fi oder Fantasy überhaupt die Rede ist. Der Film mag einige Jahre in der Zukunft liegen, aber tatsächlich haben wir es eher mit einem ruhigen Drama zu tun, in dem das Zwischenmenschliche der Trumpf ist.

Wenigstens funktioniert das Drama dank guter Schauspieler tatsächlich. Sei es Clooney, der als Augustine ein Mann weniger Worte ist und viel über Mimik, Gestik und Körpersprache abliefern muss. Zudem hatte ich auch das Gefühl, dass "The Midnight Sky" für den einstigen ewigen Playboy ein richtiges Herzensprojekt darstellt, da seine späte Vaterschaft, von der er immer wieder zugibt, wie sehr diese ihn geändert habe, die Darstellung erheblich beeinflusst haben wird. Dieses Zusammenspiel mit Springall als Iris von der anfänglichen Distanzierung bis hin zum einzigen Ziel, das Mädchen zu retten, das war definitiv berührend. Auch auf der 'Ether' sind mit Felicity Jones, David Oyelowo, Kyle Chandler und weiteren keine Unbekannten an Bord und diese können auch aus ihren wenigen Szenen etwas herausholen. Dennoch habe ich mich bei dem Gedanken erwischt, dass ich von dem Raumschiffpersonal gerne mehr gesehen hätte. Da sind auch die Vergleiche zu "Away" egal, denn die Figuren haben gerade einen bewohnbaren Planeten entdeckt, zwangsweise muss es viel zu erzählen geben, aber das wird hier völlig ausgespart, denn der Film hat eben einen anderen Fokus. An dieser Stelle kommt dann wieder ins Spiel, dass aber genau diese Fokussierung zu durchschaubar ist. Es schließt ohne Frage am Ende ein Kreis, aber ich hätte mir einfach mehr gewünscht, wie auch immer dieses 'mehr' hätte aussehen können.

Fazit

"The Midnight Sky" ist trotz der Beteiligung von großen Namen wie Clooney, Jones oder Chandler nicht der nachhallende Film, den ich mir erhofft hätte. Nach einem anfänglichen Durcheinander verliert der Film schnell an Kredit, da die einzelnen Handlungselemente zu altbekannt und die Entwicklungen und vermeintliche Wendungen zu vorhersehbar sind. Wo der Film mit schauspielerischer Größe überzeugen kann, wird im Endeffekt aber zu wenig draus gemacht. So ist "The Midnight Sky" keine Produktion, die lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Lena Donth - myFanbase
25.01.2021

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