Bewertung: 6
Cindy Chupack

Otherhood

Foto: Patricia Arquette, Angela Bassett & Felicity Huffman, Otherhood - Copyright: 2019 Netflix; Linda Kallerus
Patricia Arquette, Angela Bassett & Felicity Huffman, Otherhood
© 2019 Netflix; Linda Kallerus

Inhalt

Drei Mütter, die sich seit der Kindheit ihrer Söhne kennen und nun allesamt diese ihr eigenes Leben beginnen lassen mussten, entscheiden, dass sie nach New York City aufbrechen, um mit ihren Söhnen wieder in Kontakt zu kommen. Während dieser Zeit merken sie, dass sie nicht die einzigen sind, deren Leben eine Veränderung braucht.

Kritik

Mit Angela Bassett, Patricia Arquette und Felicity Huffman konnte Netflix drei sehr große Namen im Filmgeschäft für diese Produktion gewinnen. Alle drei haben sehr exzentrische Rollen auf den Leib geschneidert bekommen, in denen sie sich vollauf entfalten können und das merkt man ihrem Schauspiel durchweg an. Vor allem Bassett, die sich seit "9-1-1" ohnehin in mein Herz gespielt hat, hat es mir in der Rolle von Carol Walker angetan. Carol ist Witwe geworden und leidet unter ihrer Einsamkeit. Durch ihre Kontaktversuche zu ihrem Sohn Matt (Sinqua Walls) merkt sie irgendwann, dass ihr Mann nicht nur sie, sondern auch ihn sehr gefordert hat, so dass er ein Leben fernab seines Elternhauses gesucht hat. Sie wiederum muss erkennen, dass das Leben nun wieder mehr als nur ein Hausfrauen-Dasein für sie bereithält. Bassett kann diese Frau, die sich während ihrer Ehejahre zurückgenommen hat und sich nun wieder entfalten darf, wirklich einnehmend und herzerwärmend darstellen.

Arquettes Gillian Lieberman und Huffmans Helen Halston sind da die deutlich anstrengenderen Persönlichkeiten. Gillian ist die betrogene Ehefrau, die für ihren jüdischen Sohn Daniel (Jake Hoffman) verzweifelt die perfekte Ehefrau sucht und Helen hat ihren Mann wegen Betrugs verlassen und leidet nun darunter, dass ihr Sohn Paul (Jake Lacy) ein engeres Verhältnis zu seinem Vater hat. Ihr Schauspiel ist an einigen Stellen fast schon übertrieben, aber da sie genug ruhige Momente haben, in denen ihre Verletzlichkeit durchblitzen darf, kann man damit gut leben. Vor allem aber die gemeinsamen Szenen der drei Protagonistinnen strotzen nur von Energie und Chemie. Hier merkt man deutlich, dass alle drei auch Lust auf diesen Dreh hatten.

Thematisch geht es um das Loslassen der Kinder und die Schwierigkeit, sich wieder selbst neu zu entdecken, weil eben die Sprösslinge nicht mehr das Zentrum des Daseins sind. Aus Motherhood wird eben Otherhood. Die Thematik wurde von der Frauenseite aus durchaus gut umgesetzt, weil man allen dreien diesen inneren Konflikt gut abnehmen konnte. Auf der einen Seite verspüren sie immer noch den Drang, für ihre Söhne deren Leben zu organisieren, aber insgeheim wissen sie auch, dass diese auf ihren eigenen Beinen stehen müssen und dass man sie ihre eigenen Fehler machen lassen muss. Daher war es eine interessante Wendung, dass sie schließlich alle ein neues Ich finden mussten, das ganz unabhängig von ihren Söhnen funktioniert.

Leider fand ich die Perspektive der Söhne eher unbefriedigend umgesetzt. Zunächst ist es nachvollziehbar, dass sie alles andere als erfreut sind, dass sich ihre Mütter wieder in ihre Leben drängen. Aber als schließlich der Punkt kommt, bei dem sie eigentlich erkennen, wie viel sie den Frauen verdanken, da fehlt es ein wenig an großen Gesten. Insgesamt kommt mir die Hommage an das Muttersein zu kurz. Auch wenn der Humor für mich durchweg wunderbar funktioniert hat, muss ich doch sagen, dass das letzte Drittel des Films so insgesamt qualitativ etwas abfällt. Spätestens, wenn dann auf den Tisch kommt, dass alle drei Frauen gleichzeitig betrogen wurden, war das nur noch ein Augenverdreher wert. Aber der Film endet auf einer positiven Note, so dass ein guter Eindruck zurückbleibt.

Fazit

"Otherhood" ist starbesetzt und kann vor allem daraus Kapital schlagen, dass man von drei erfahrenen Schauspielerinnen, die Lust auf das Projekt hatten, nur mitgerissen werden kann. Den Eindruck einer ansonsten kurzweiligen Komödie trüben nur die qualitativ abfallende Perspektive der Söhne und das schwächere letzte Drittel.

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Lena Donth - myFanbase
05.08.2019

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