Bewertung: 4

Die Hochzeit meiner Ex

"Also ich kann nicht sagen, ob du nur charmant bist oder ein unheimlich großes Arschloch."

Foto: Copyright: 2019 Studio Hamburg Enterprises GmbH
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Inhalt

Adam (Justin Long) bekommt überraschend die Nachricht, dass seine Exfreundin Allison (Cobie Smulders) heiratet. Obwohl ihn diese Nachricht sehr trifft, nimmt er die Einladung zur Hochzeit an und will zeigen, wie wenig ihn es stört. Nach einer verzweifelten Suche nach einem Date bekommt er schließlich heraus, dass Allison erst seit einem Jahr mit Aaron (Ryan Hansen) zusammen ist. Nicht nur, dass dieser Schritt zur Ehe für ihn viel zu früh kommt, findet er Aaron auch aus Prinzip unsympathisch und versucht alles, um sich selbst über ihn zu stellen. Doch er ist auch nicht bereit, Allison einfach die Wahrheit zu sagen, weil er selbst zu stolz dafür ist und weil er Allison auch nicht ihr Glück nehmen möchte. Trotzdem muss er mit seinen Gefühlen irgendwie zurecht kommen, was zu einigen peinlichen Momenten führt.

Kritik

Der Inhalt von "Die Hochzeit meiner Ex" ist tatsächlich schnell erzählt und im obigen Text fast schon ausgeschmückt. Ich hatte wegen des Titels und der Kurzbeschreibung gehofft, dass der Film vielleicht Ähnlichkeiten zu Julia Roberts' "Die Hochzeit meines besten Freundes" haben könnte, in der das Dilemma der Hauptfigur ja ähnlich ist, aber der Film reicht zu keinen Zeitpunkt auch nur ansatzweise an den Charme heran. Vielmehr erinnert "Die Hochzeit meiner Ex" an eher fade Teenie-Komödien, die mit Klamauk statt mit gutem Writing für Vergnügen sorgen wollen. Beispielhaft wäre hier ein sinnloses Tennisspiel zwischen Aaron und Adam, welches letzterer ohne den Sport überhaupt zu können, zu einem Duell ausarten lässt, bei dem er sich einfach nur peinlich benimmt. Aaron ist allerdings auch nicht souverän und lässt die Situation geschehen, damit der Film keine zu frühe Auflösung findet. Es ist also alles irgendwie offensichtlich und an vielen Stellen eher plump und wenig kreativ umgesetzt. Da hilft es auch nicht, dass man den Film als (anti-)romantische Komödie bewirbt, denn das anti wirkt nicht herausgearbeitet sondern eher wie eine Ausrede für offensichtliche Defizite.

Positive Momente gibt es aber auch und diese stehen meist im Zusammenhang mit Cobie Smulders, die als Braut in spe und ihrer Ausstrahlung wirklich bezaubernd ist und dabei sowohl amüsant als auch charmant bleibt, so wie man es aus ihren besten Zeiten in "How I Met Your Mother" kennt. Insbesondere die Rückblicke, in denen man miterleben kann, wie Allison Adam kennen lernt, wissen dabei wirklich zu gefallen. In diesen Szenen kann man sogar etwas mit Justin Long anfangen, dessen direkte Art in dieser Kennenlernphase zu überzeugen weiß, auch wenn es nicht nur sympathisch ist. Das Problem ist aber, dass Adam sich quasi nicht weiterentwickelt und im Hier und Jetzt des Films geradezu dämlich wirkt. Man kann ja emotional oder impulsiv sein, aber das immer nur in eine peinliche Richtung zu schieben, die regelmäßig Fremdscham auslöst, hilft nicht, um von diesem Charakter durch den Film getragen zu werden. Es gibt außer in der Szene in der Bibliothek quasi keinen einzigen Moment, in dem man sich wünschen würde, dass Adam Allison zurückerobert. Entsprechend fragt man sich, warum man den Film eigentlich schaut, denn wirklich witzig ist er auch nicht. Ryan Hansen bleibt ebenso größtenteils blass, da er zu wenig eigene Storyline bekommt. Man findet nicht heraus, warum er Allison heiraten möchte. Er ist immer nur in die absurden Kämpfe mit Adam verwickelt und bekommt so kein Profil, denn ein Auflösen des Konfliktes will der Film erst am Ende und so muss er eben den coolen Siegertypen raushängen lassen, der Allison an seiner Seite weiß. Das ist einfach zu wenig, um wirklich zu unterhalten, sodass man also summa summarum auch nicht von einem gelungenen Projekt von Ryan Eggold sprechen kann. Schade.

Fazit

Leider kann "Die Hochzeit meiner Ex" nur wenig überzeugen. Der Film bleibt in der Story vorhersehbar, der Hauptcharakter ist zu unsympathisch und die anderen bekommen zu wenig Tiefe. Cobie Smulders weiß als einzige wirklich zu gefallen. Man sollte diesen Film nur deswegen schauen, um ein paar bekannte Seriengesichter zu sehen zu bekommen. Denn in dem Genre selbst gibt es viele bessere Beispiele für ein ähnliches Grundsetting (auch mit antiromantischen Intentionen).

Emil Groth - myFanbase
15.05.2019

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