Bewertung: 6
Shawn Levy

Sieben verdammt lange Tage

"It's hard to see people from your past when your present is so cataclysmically screwed up."

Foto: Copyright: 2014 Warner Bros. Ent.
© 2014 Warner Bros. Ent.

Inhalt

Nach dem Tod ihres Vaters treffen die vier Geschwister Judd (Jason Bateman), Wendy (Tina Fey), Paul (Corey Stoll) und Phillip (Adam Driver) im alten Elternhaus nach langer Zeit wieder aufeinander. Dabei haben alle Geschwister auf ihre eigene Weise mit Problemen zu kämpfen: Judd hat kürzlich erfahren, dass seine Frau Quinn (Abigail Spencer) ihn mit seinem arroganten Chef Wade (Dax Shephard) betrügt und befindet sich mitten in der Trennungsphase, Wendy steckt in ihrer unglücklichen Ehe fest und trauert ihrer alten Jugendliebe Horry (Timothy Olyphant) nach, Phillip will einfach nicht erwachsen werden und hat kürzlich eine Beziehung mit seiner Therapeutin Tracy (Connie Britton) angefangen und Paul und seine Frau Alice (Kathryn Hahn) versuchen bisher vergeblich ein Kind zu bekommen. Die vier werden dort mit dem letzten Willen des Vaters konfrontiert, ein siebentägiges jüdisches Trauerritual abzuhalten, bei dem die Familie sieben Tage lang zu Hause bleibt, um dem Toten zu gedenken. In dieser Zeit kommen alte Familienkonflikte wieder hoch, welche die Familienmitglieder aber dazu bringen, sich langsam wieder einander anzunähern.

Kritik

Das Aufeinandertreffen verschiedener Familienmitglieder nach dem Tod des väterlichen Familienoberhaupts und die damit verbundene Auseinandersetzung mit persönlichen Entwicklungen und Krisen der Vergangenheit stellt ein bewährtes erzählerisches Mittel dar und stand zuletzt unter anderem in der Theaterstückverfilmung "Im August in Osage County" oder auch in dem seriellen Meiststück "Six Feet Under" im Zentrum. Die Romanverfilmung "Sieben verdammt lange Tage" oder im Original "This Is Where I leave You" bedient daher altbekannte erzählerische Konventionen, füllt diese aber charmant, oftmals sehr witzig und an einigen Stellen auch sehr bewegend aus und weiß schlussendlich vor allem aufgrund seiner fast unglaublichen Besetzung zu überzeugen, die größtenteils aus zahlreichen bekannten Serienstars besteht, was den Film an machen Stellen fast schon an einen Serienpiloten erinnern lässt.

In einem Ensemblefilm wie diesem kann meist schwerlich von einer klaren Hauptfigur gesprochen werden, in diesem Fall steht aber schon "Arrested Development"-Star Jason Bateman deutlich im Zentrum des Geschehens. Ähnlich wie in dem schräg-genial-verspielten Sitcom-Klassiker kämpft Bateman mit seiner unkonventionellen Familie und versucht irgendwie etwas Ruhe in das turbulente Geschehen zu bringen, hat dabei aber auch mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen, erfährt er doch gleich in einer der ersten Szenen des Films, dass seine Frau ihn mit seinem überheblich-arroganten Chef betrügt. Dieser wird wunderbar unsympathisch von "Parenthood"-Star Dax Shephard gespielt, welcher zwar nur einige wenige Szenen hat, diese aber gekonnt zu nutzen weiß.

Die inhaltliche Klammer des Films stellt eine durch den Tod des Vaters herbeigeführte Familienzusammenführung dar, die dadurch noch verlängert wird, dass der letzte Wunsch des Vaters darin bestand, dass seine Familie ein siebentägiges jüdisches Trauerritual zelebriert, bei dem das Familienanwesen nicht verlassen werden darf und dem Toten dadurch gedenkt werden kann. Diese Ausgangsprämisse, die an die im Serienbereich beliebten "bottle episodes" erinnert, in der die zentralen Charaktere alle an einem Ort feststecken und sich dadurch zwangsläufig miteinander auseinandersetzten müssen, sorgt dann auch für eine spezielle Dynamik, die vor allem wegen der außergewöhnlich starken Besetzung funktioniert.

Beim Schauen kommt man dann als serieninteressierter Mensch auch nicht mehr aus dem Staunen heraus: Neben Jason Bateman werden die anderen drei Geschister von der ehemaligen "30 Rock"-Hauptdarstellerin Tina Fey, dem in der ersten Staffel von "House of Cards" glänzenden Corey Stoll und dem eigentlichen Helden der Serie "Girls" Adam Driver gespielt. Dabei überzeugt auf der komödiantischen Ebene vor allem Driver, der sich für den Großteil der besten Lacher des Films verantwortlich zeigt und als verantwortungsloser und kindischer jüngster Familienspross deutlich zeigen kann, warum er zu den vielversprechendsten Nachwuchsstars Hollywoods gehört und folgerichtig auch bald im neuen "Star Wars"-Film eine tragende Rolle übernehmen wird. Besonders interessant ist dann auch die Freundin des von Driver gespielten Phillip, welche von "Friday Night Lights"- und "Nashville"-Star Connie Britton gespielt wird. Britton wird in diesem mit Stars vollgestopften Film zwar nicht wirklich der Raum gelassen, groß aufzuspielen, trotzdem ist sie als Therapeutin, die sich in ihren kindischen Patienten verliebt hat, eine Bereicherung für den Film und Adam Driver und Connie Britton ein Paar spielen zu sehen, ist schon außergewöhnlich und besonders für Fans der beiden Schauspieler sehr sehenswert.

Neben Driver und Bateman bekommt dann auch die von Tina Fey gespielte einzige Schwester einige Szenen zugestanden, in denen sie vor allem auch in dramatischer Hinsicht überzeugen kann und schließlich verantwortlich ist für die berührendsten Momente des Films, welche sich vor allem um ihre Jugendliebe zum Nachbarn Horry kreisen, welcher gespielt wird von "Justified"-Hauptdarsteller Timothy Olyphant. Der heimliche Star und eine Sympathiegranate sondergleichen ist dann die ehemalige "Damages"-Hauptdarstellerin Rose Byrne, die zuletzt schon in der spaßigen Seth-Rogen-Komödie "Bad Neighbors" ihren männlichen Kollegen die Schau stiehl, auch hier wahnsinnig liebenswert aufspielt und deshalb aus dem beeindruckenden Cast nochmal besonders heraussticht. Zu erwähnen ist schließlich natürlich auch noch Jane Fonda, die als Witwe und Mutter zweifellos eine Stärke des Films ist.

An der Aufzählung der beteiligten Schauspieler, zu denen unter anderem auch noch Kathryn Hahn und Abigail Spencer gehören, offenbart sich auch schnell eine deutliche Schwäche dieses Ensemblefilms, der von seiner schieren Anzahl an Figuren, die alle auch noch all ihre kleinen einzelnen Geschichten mitbringen, förmlich erdrückt wird. Der Film erinnert deshalb in vielen Momenten auch mehr an den Auftakt einer Serie, in dem einzelne Storyelemente kurz angerissen werden, damit diese später weiter ausgeführt werden können, was im Rahmen eines Films mit begrenzter Laufzeit dann aber nicht möglich ist. So gibt es in dem Film einen Haufen an Themen und Konflikten und Verwicklungen, die größtenteils aber nur an der Oberfläche bleiben und nur in einzelnen Fällen an Tiefe gewinnen. Der beachtliche Cast kann das in vielen Fällen aber wieder auffangen und aufgrund vieler toller Einzelmomente kann der Film trotzdem als sehenswert eingestuft werden, auch wenn die verschiedenen kleinen Einzelteile am Ende kein rundes Gesamtwerk ergeben.

Fazit

Der tragisch-komische Ensemblefilm "Sieben verdammt lange Tage" wird vor allem getragen von seiner spielfreudigen Besetzung, die größtenteils aus bekannten Gesichtern aus diversen US-amerikanischen Serien besteht und einigen rührend-komischen Einzelmomenten. Die schiere Masse an Figuren und aufgemachten erzählerischen Nebensträngen hindert das Werk von Regisseur Shawn Levy dann schließlich aber daran, ein homogenes Gesamtwerk zu sein.

Moritz Stock - myFanbase
03.10.2014

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