Bewertung: 5
Neil Burger

Bestimmung, Die - Divergent

"I'm not abnegation, I'm not dauntless - I am divergent and I can't be controlled."

Foto: Copyright: 2014 Concorde Filmverleih GmbH
© 2014 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Seit dem letzten Krieg sind die Bewohner der Stadt Chicago in fünf Fraktionen gegliedert, die ihre Persönlichkeit widerspiegeln. Die 16-jährige Beatrice Prior (Shailene Woodley) muss sich ihrem Eignungstest stellen, welcher ihr darüber Auskunft geben soll, für welche der Fraktionen sie sich, ihrer Persönlichkeit nach zu urteilen, am besten entscheiden sollte. Doch ihr Ergebnis ist schockierend: Sie gehört zu den Unbestimmten, die verschiedene ausgeprägte Begabungen in sich tragen. Diese gelten als große Gefahr für die Gesellschaft und müssen beseitigt werden. Beatrice entschließt sich, den Ferox beizutreten und somit ihrer Familie und den Altruan den Rücken zu kehren. Doch was sie in der Fraktion der Furchtlosen erwartet, damit hätte das junge Mädchen niemals gerechnet...

Kritik

"Die Bestimmung Divergent" ist eine der zahlreichen Jugendbuchverfilmungen, die im Jahre 2014 über die Kinoleinwände der Welt flimmern. Der Film basiert auf dem erstmals 2011 erschienenen gleichnamigen Debütroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Veronica Roth, die viel Herzblut in ihre Geschichte steckte. Lange Zeit war "Divergent" in den Bestsellerlisten zu finden und so war schnell klar, dass es eine Filmadaption geben würde.

Mit Shailene Woodley wurde eine großartige Darstellerin gecastet, die die junge Beatrice Prior verkörpern sollte. Sie steckt viele Emotionen in ihre Rolle und hat sichtlich Spaß beim Filmen gehabt das merkt man der heute 22-jährigen in den gesamten 139 Minuten an. Sie ist eine einzigartige Schauspielerin und es würde mich nicht wundern, wenn sie in die Fußstapfen einer Jennifer Lawrence treten und sich auch bald eine Oscarnominierung einholen würde. Verdienen würde sie es allemal. So ist es für mich noch viel schmerzvoller sagen zu müssen, dass mich "Divergent Die Bestimmung" trotz Woodleys fantastischer schauspielerischer Leistung alles andere als überzeugen konnte.

Meine Missbilligung hat zu einem großen Teil etwas mit der männlichen Besetzung zu tun. Nicht nur Theo James kann als Tobias Eaton nicht überzeugen, sondern ebenso wenig Ben Lloyd-Hughes als Will und Miles Teller als Peter. Diese Charaktere sind sehr wichtig für den gesamten Handlungsverlauf, doch wirken sie platt und emotionslos. Die Dialoge werden wie auswendig gelernt runtergerattert, ohne dass Gefühl in die Worte gelegt wird, was ich sehr schade finde. Ich konnte Tobias seine Liebe zu Beatrice "Tris" Prior nicht glauben, da diese viel zu plötzlich kommt und man dem Zuschauer keine Sekunde gibt, sich gemeinsam mit den beiden zu verlieben. Ich habe leider keine Funken gespürt, sondern habe mich wie ins kalte Wasser geworfen gefühlt. Sehr schade, da mir gerade die Momente mit Tobias "Four" Eaton und Tris in den Büchern sehr gut gefallen haben. Ich habe mir eine weitaus schönere Liebesgeschichte mit mehr Leidenschaft für die beiden gewünscht. Meiner Meinung nach stimmt die Chemie einfach nicht, was eventuell daran liegt, dass Darsteller Theo James 28 Jahre alt ist und einen 18-jährigen verkörpert, was nicht passt, da man ihm sein Alter viel zu sehr ansieht.

Bedauerlicherweise haben Regisseur Neil Burger und die Produzenten Lucy Fisher und Douglas Wick sich viel zu stark auf Tris und ihre körperliche und geistliche Entwicklung bei den Ferox fokussiert, sodass die Nebencharaktere sehr in den Hintergrund gedrängt und dem Zuschauer nicht näher gebracht werden. Einige werden kurz namentlich vorgestellt, doch tauchen sie nur zwischenzeitlich kurz auf. Ich finde es ärgerlich, dass auf diese kaum Wert gelegt wurde, da gerade das Zusammenspiel von Haupt- und Nebencharakteren einen unvergesslichen Film ausmacht. Außerdem spielen einige von ihnen in den Folgeteilen eine wichtige und zentrale Rolle, sodass man sie meiner Meinung nach schon hätte einführen sollen, damit der Zuschauer halbwegs weiß, wer wer ist und nicht im zweiten Film mit viel zu vielen neuen Informationen und Personen überflutet wird.

Doch ich möchte nicht alles von vorne bis hinten schlecht machen, denn das wäre dem Film gegenüber einfach nicht fair. Leute, die die Trilogie von Veronica Roth nicht kennen, werden sicherlich viel Freude beim Zuschauen haben, wenn "Die Bestimmung Divergent" ist eine interessante, gesellschaftskritische Zukunftsvision der besonderen Art. Man bekommt einen Einblick in das Fraktions-System, in welches Chicago gegliedert ist und man kann erste Eindrücke über die verschiedenen Fraktionen (Altruan, Candor, Ken, Amite und Ferox) gewinnen und sich gut in das Geschehen hineinversetzen. Zudem bekommt man eine fantastische Shailene Woodley, einen überzeugenden Ansel Elgort und eine machtgierige Kate Winslet geboten, was ein einmaliger Anblick ist.

Als Fan der Trilogie muss ich allerdings sagen, dass mich die Verfilmung leider Gottes nicht überzeugen konnte. Einige Szenen wurden sehr gut dargestellt, doch durch die Verfilmungen der "Die Tribute von Panem"-Saga (die bekanntlich sehr nah am Buch war), bin ich zu verwöhnt und hatte mir etwas ähnlich Beeindruckendes für "Die Bestimmung" gewünscht. Leider ist der Film kaum originalgetreu, was mir den Spaß am Zusehen genommen hat. Zu viele für die Handlung zwingend notwendige Aspekte wurden weggelassen oder komplett abgeändert und einige zentrale Charaktere einfach gestrichen. Hätten die Drehbuchautoren sich mehr an die Vorlage gehalten, dann hätte ich vielleicht sogar über den schlecht besetzten Four hinwegsehen können. So ist der Film in meinen Augen nicht mehr als ein durchschnittlicher Science-Fiction-Streifen, der mich nicht vom Hocker hauen konnte.

Fazit

Wenn man als Fan der Bücher mit wenigen Erwartungen an diesen Film geht und sich nicht daran stört, dass die Buchvorlage kaum beachtet wird, dann wird man viel Spaß an "Die Bestimmung Divergent" haben. Für diejenigen, die die Bücher nicht kennen und sich gerne dystopische Filme der besonderen Art anschauen, für die ist diese Jugendbuchverfilmung genau das richtige.

Zum großen "Die Bestimmung"-Filmspecial auf myFanbase

Sanny Binder - myFanbase
08.04.2014

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