Bewertung: 7
Rodrigo García

Mütter und Töchter

Leticia: "Du gibst etwas von dir, von dir erschaffen, ein Teil von dir, für immer und ewig."
Ray: "Ich möchte es nicht haben."
Leticia: "Ich wollte dich auch nicht!"
Ray: "Ich bin nicht du."
Leticia: "Und jetzt bist du hier. 20, schwanger und Single, so wie ich damals. Du siehst. Ich wollte dich nicht, und nun kann ich keinen Atemzug nehmen, ohne an dich zu denken, und dir nur das Beste vom Besten zu wünschen."

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Inhalt

Vor 40 Jahren hatte ein junges Mädchen, gerade einmal 14 Jahre alt, zum ersten Mal Sex. Sie wurde kurz darauf schwanger, und gab das Kind anschließend zur Adoption frei. In der Gegenwart treffen wir nun auf drei verschiedene Frauen, die alle ihren eigenen Lebenskampf zu bestreiten haben. Da wäre Elzabeth (Naomi Watts), eine schlaue und erfolgreiche Anwältin, die oftmals ihren Körper für ihren Vorteil ausnutzt. Immer wenn sie das Gefühl hat, die Kontrolle in einer Situation zu verlieren, oder nicht mehr die Oberhand zu haben, benutzt sie ihren Sex Appeal - egal ob bei ihrem neuen Vorgesetzten, mit dem sie eine Affäre beginnt, oder mit ihrem Nachbar, der verheiratet ist und einen Sohn erwartet.

Dann wäre da Karen (Annette Bening), eine verbitterte Krankenpflegerin, die offensichtlich viel Feingefühl und Herzlichkeit hat, es jedoch nie zeigt. Als sie vierzehn Jahre alt war, gab sie ein Kind zur Adoption frei, und ist nie darüber hinweg gekommen. Ihre Verbitterung zeigt sie offenkundig allen Menschen in ihrer Umgebung, selbst einem Mann, der versucht, eine Verabredung mit ihr zu bekommen.

Zuletzt bleibt noch Lucy (Kerry Washington), die mehrmals versucht hat, mit ihrem Mann ein Kind zu zeugen. Nach langer Zeit entschließen sich die beiden, ein Kind zu adoptieren.

Kritik

Was ist Familie? Wie ist diese definiert? Ist Familie alljene, bei denen ohne zu Fragen der Kühlschrank geöffnet werden kann, oder sind Familie diejenigen, welche nicht ausgesucht werden können und eine Entfremdung schwer vorstellbar ist? Rodrigo García will sich dieser Frage stellen, und wie es in Leo Tolstois "Anna Karenina" geschrieben steht - "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich" - sucht er hier nach dem besonderen Reiz, welchen eine unglückliche Familie bietet.

Dieses Unglück trifft alle drei Hauptcharaktere. Es ist Karen - wunderbar gespielt von Annette Bening und zuletzt für den Zuschauer zu bewundern gewesen im Film "The Kids Are All Right", obwohl er nach "Mütter und Töchter" gedreht wurde -, die ihre Bitterkeit ohne Nachdenken allen Menschen in ihrer nahen Umgebung zeigt. Selbst ihre eigene Mutter, die im Sterbebett liegt, aber weiterhin von Karen gepflegt wird, ist nicht auf sie stolz oder auf das, was sie aus ihrem Leben gemacht hat. Anfangs ist dem Zuschauer nicht verständlich ist, woher diese Abneigung zu anderen ihre Wurzeln hat. Erst mit dem Auftreten von Paco (Jimmy Smits) wird das kleine Geheimnis gelüftet.

Auf einer ganz anderen Ebene tritt Elizabeth auf, welche von Naomi Watts preisverdächtig dargestellt wird. Sie verbirgt ihre Gefühle hinter einer Fassade von Coolness und Zynismus. Garcia verpasste ihrem Charakter eine fast abscheuliche Kälte, die keine Skrupel hat, die Verlogenheiten von Menschen bloßzustellen und sie auszunutzen. Ihr Bild über die Menschen lässt sich letztlich nur dadurch begründen, dass sie nie ihre leibliche Mutter kennen gelernt hat, und ein intaktes Familienleben nie erleben konnte. Da erscheint das Bild von ihrem Auftreten bei der Familie ihres Chefs Paul (Samuel L. Jackson) mehr als befremdlich.

Zu guter Letzt bleibt in dieser Runde voller Hochstimmung der Traurigkeit Lucy (Kerry Washington), die ihrerseits einen Kinderwunsch verspürt, aber auf eine Adoption zurückgreifen muss. García widmet Ihr jedoch deutlich weniger Zeit, als Karen und Elizabeth, was in Angesicht der Emotionsbreite kaum verwunderlich ist. Sie dient García im Grunde nur als kleine Lückenfüllerin, um den Kreis zwischen Elizabeth und Karen zu schließen, und aufzuzeigen, wie wichtig eine Familie für die Psyche eines Menschen ist.

Fazit

Ein meisterhaftes Drama um drei Frauen, die sich ihren Schicksalen stellen, und nicht immer zum gewünschten Ergebnis finden.

Ignat Kress - myFanbase
31.03.2011

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