Bewertung

Review: #2.08 Ryan

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Smallville
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Eigentlich sollte es ein Grund zur Freude sein, dass wir in dieser Episode Ryan James wiedersehen. Immerhin hat es sich für die Kents durch seinen kurzen Aufenthalt bei ihnen in #1.16 Wie ein kleiner Bruder so angefühlt, als habe Clark Kent einen kleinen Bruder. Da er selbst über besondere Fähigkeiten verfügt, Gedanken lesen zu können, musste sich Clark vor ihm nicht verstellen, was ihn deutlich gelöster wirken ließ. Nun symbolisiert Ryan in dieser Folge aber die schlimmsten Befürchtungen der Kents. Sie hatten Clark ihr Leben lang beschützt, damit er nicht ausgebeutet wird oder gar Experimente an ihm durchgeführt werden. Genau das passiert nun aber mit Ryan, der in einer Forschungseinrichtung gefangen gehalten wird. Schade, dass das Zusammenleben mit seiner Tante letztendlich zu diesem Moment geführt hat, dass er durch andauernde Kopfschmerzen irgendwann an einen Arzt geraten ist, der ihn zu seinem Versuchsgegenstand machen wollte. Dass sie mit dem Jungen und seinen Fähigkeiten überfordert war, insbesondere als die Schmerzen dazu kamen, kann man durchaus nachvollziehen. Dass sie aber die komplette Verantwortung abgegeben und ihn in die "Obhut" dieses Arztes gegeben hat, finde ich absolut unverständlich. Zumindest hätte sie nach all dem, was dem Jungen schon widerfahren war, bevor er zu ihr kam, doch wenigstens Kontakt zu den Kents aufnehmen können. Schließlich hatten sie sich liebevoll um ihn gekümmert und Clark stand ja zumindest durch eine Brieffreundschaft auch weiterhin in Kontakt mit Ryan. Auch an der Reaktion der Kents, als sie erfahren, dass Ryan in Gefahr ist, sieht man, wieviel besser es ihm dort wohl ergangen wäre. Für den Spannungsbogen war es aber sicherlich ein gelungener Schachzug eine so nahestehende Person als Anschauungsbeispiel dafür herzunehmen, um zu zeigen, welche Gefahr Clark droht, sollte man hinter sein Geheimnis kommen. Zwar ist er ein wenig älter und auch deutlich stärker als Ryan, doch wir wissen, wie schnell Clark grünes Meteoritengestein ihn außer Gefecht setzen kann. Sollte also jemand diesen Zusammenhang kennen, wäre nicht auszuschließen, dass man ebensolche Experimente an Clark durchführt.

Lex Luthor befindet sich derweil an einem Punkt in seinem Leben, wo er ein Gewissen besitzt. Er hat die rebellischen Jahre in Metropolis hinter sich gelassen und sucht nun nach einem redlichen Weg, Geschäfte zu machen. Dass er dabei an einen korrupten Bürgermeister gerät, der nicht nur von dem düsteren Raucher aus "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" dargestellt wird, sondern auch offen zugibt, dass Schmiergelder Lex' Anliegen voranbringen würden, lässt das Publikum kurzzeitig in Frage stellen, ob Lex darauf eingeht. Immerhin wird mehr als deutlich, dass sein Vater Lionel Luthor auf diesem Weg immer ans Ziel kam. Dass Lex jedoch nicht um jeden Preis in die Fußstapfen seines Vaters treten will, hat mir dann durchaus imponiert. Immer wieder wird versucht, ihn auf die dunkle Seite zu ziehen, doch er findet einen gerissenen Weg, seine Gegner auszuspielen. Dabei greift er zwar auch wie in diesem Fall zu Erpressung, um seine Ziele zu erreichen, doch gleichzeitig tut er Smallville damit auch etwas Gutes, denn wer hat schon gerne einen so korrupten Bürgermeister?

Lana Lang hat derweil eine Hiobsbotschaft zu verarbeiten. Ihre Tante Nell Potter hat beschlossen, zusammen mit ihrem neuen Freund Dean nach Metropolis zu ziehen und Lana soll mitkommen. Ja, Nell ist nach dem Tod ihrer Eltern Lanas Erziehungsberechtigte, doch sie ist nunmal kein kleines Kind mehr, über dass sie so einfach bestimmen kann. Ich kann Lana also durchaus verstehen, dass sie sich hintergangen fühlt, indem Nell diesen Plan nicht mal mit ihr besprochen hat, sondern einfach mit der Entscheidung rausrückt, die Lana zu akzeptieren hat. Lana ist verständlicherweise wütend und enttäuscht, weshalb sie nach einem Weg sucht, den Umzug zu vermeiden. Dass die Diskussionen und der Streit mit ihrer Tante dabei aber vor allem im Off stattgefunden haben, fand ich sehr schade. Ich kann mir das eigentlich nur damit erklären, dass man die Schauspielerin der Nell, Sarah-Jane Redmond, nicht für weitere Drehtage hatte bzw. hiermit generell rausschreiben wollte. Durch den frühen Tod ihrer Eltern hat Lana immer wieder mit Verlustängsten zu kämpfen. Das hat man auch in Staffel 1 gesehen, als sie damit hadert, mit Whitney Fordman Schluss zu machen, es ihr dann aber schwer fällt, als dieser zu den Marines geht. Jetzt ihre Heimatstadt und damit die Verbindung zu ihren Eltern aufzugeben, ihre Freund*innen zurückzulassen und das Talon, das sie mit soviel Herzblut wieder aufgebaut hat, abzugeben, sind doch einige schwere Schläge, die sie hinnehmen müsste. Es gibt für sie in Smallville noch so viele Verbindungen und Erinnerungen an ihre Eltern, was schließlich auch ein Grund war, warum sie das Talon erhalten wollte. Und in Staffel 1 haben wir so noch regelmäßig an deren Grab gesehen, wo sie lange Gespräche mit ihnen geführt hat. Auch die Suche nach ihrem leiblichen Vater hatte zuletzt einiges aufgewühlt. Darunter nun einen Schlussstrich zu ziehen, halte ich selbst für einen Menschen, der weniger emotional ist als Lana, für sehr schwierig. Dass sie das Ganze erstmal für sich verarbeiten und mit sich selbst ausmachen muss, kann ich daher gut verstehen. Dank Ryan erfährt aber auch Clark bald davon und bietet ihr sogleich sein offenes Ohr an. Nicht ganz uneigennützig sagt er ihr, dass sie nicht nach Metropolis gehen soll, was ein weiterer Schritt in einer Kette von gemischten Gefühlen ist. Mal sind sie befreundet, mal kommen sie sich näher, und dann sorgt irgendein Geheimnis und das nächste Fettnäpfchen dafür, dass sie wieder im Streit auseinander gehen. Dennoch ist es schön, dass es zwischen ihnen eine Art Urvertrauen gibt, dass sie trotz allem immer füreinander da sind. Wer hätte gedacht, dass sich aus den tollpatschigen und unbeholfenen Anfängen eine so enge Freundschaft entwickelt.

Für Fans des "Superman"-Universums gibt es in dieser Episode wieder einige schöne Teaser, die solche Momente zu kleinen Highlights machen. Als Ryan von Lex den ersten "Warrior Angel"-Comic präsentiert bekommt, erkennt man sofort, dass das Cover an das des ersten "Superman"-Comics angelehnt ist. Auch sonst gibt es immer wieder kleine Anspielungen auf die Geschichte Supermans – so bspw. Lanas Bemerkung an Clark, wie er es finden würde, einfach aus seiner Heimat herausgerissen zu werden, oder Ryans Hinweis auf die sinnbildliche Festung der Einsamkeit. Letztere bringt Clark schließlich auch auf eine Idee, wie er dem Jungen helfen kann, den vielen Stimmen in seinem Kopf zu entkommen.

Dass es für Ryan kein Happy End gibt, ist bitter. Aber es zeigt eben auch die Grenzen auf, die Clark gesetzt sind. Er mag Superkräfte haben, die Liebsten in seinem Umfeld vor Angriffen oder Gefahren schützen, aber gegen eine medizinische Ursache hilft ihm Stärke und Unverwundbarkeit leider nichts. Selbst Lex' Unterstützung, den besten Arzt für Ryan zu finden, bringt nicht die gewünschte Heilung für den Jungen. Daher fand ich das kurze Gespräch zwischen Lex und Clark auch sehr schön, da er sich beim Tod seiner Mutter ebenfalls in einem Hamsterrad befand, alles in Bewegung zu setzen, um sie zu retten, anstatt die letzten Momente mit ihr zu genießen. Dass Clark nicht so schnell aufgeben möchte, ehrt ihn, aber auch dank Ryans Einwänden findet er einen Mittelweg am Ende für seinen "kleinen Bruder" da zu sein. Schade, dass wir dieses Familienglück nicht mehr zu sehen bekommen werden. Nach allem was geschehen ist, hätte man Ryan sein Happy End gewünscht. Immerhin sorgte sein erneutes Auftauchen dafür, dass Clark sein Leben umso mehr wertzuschätzen weiß.

Fazit

Eine emotionale Episode, die Clark nicht nur vor Augen führt, wieviel Glück er hatte, dass Martha und Jonathan diejenigen waren, die ihn als Kind gefunden haben, sondern die ihn auch daran erinnert, was im Leben wirklich wichtig ist. Auch Lex und Lana haben in dieser Episode mit ihren Storylines einige große Schritte in der Entwicklung gemacht, was mich weiterhin sehr positiv stimmt, wie sich die zweite Staffel von "Smallville" bisher allgemein entwickelt.

Catherine Bühsack - myFanbase

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