Review: #13.20 The Lost Years
Ich hatte vermutet, dass die Suche von Eva Imani nach ihrer Schwester das Staffelfinale bestimmen wird. Jetzt sind wir erst in der vorletzten Episode der Staffel 13 und es war schon soweit. Da aber ein inhaltlicher Doppelpack zum Abschluss gedacht ist, habe ich dann doch richtig gelegen. Da "Chicago P.D." für mich auch ein Händchen für vorletzte Episode hat, war ich jetzt auch schon sehr optimistisch, aber hält die Storyline auch wirklich das, was sie verspricht?
Ich bin echt ein Fan von den Montagen, auf die die Cop-Serie seit einigen Staffeln vermehrt zu Beginn einer Episode setzt. Dadurch, dass der Fokus zwischen den Hauptfiguren immer so wechselt, erzeugt das einen Eindruck von Kontinuität und vermittelt uns das Gefühl, nur weil sie mal im Hintergrund waren, ist dennoch viel bei ihnen los gewesen. Hier werden wir nun Zeugen davon, wie sich die Arbeitsbeziehung zwischen Eva und Hank Voight immer mehr intensiviert. Es waren so die kleinen Hinweise, dass sie immer mehr aneinander gedacht haben, indem sie sich gegenseitig versorgt haben, die das unterstrichen haben. Ich finde es auch gut, dass es sich zu den anderen beiden Beziehungen, die ich wiederholt für einen Vergleich hinzugezogen habe, bislang so entspannt entwickelt. Es geht gar nicht so sehr um moralische Ähnlichkeit etc. Es sind einfach zwei Menschen, die sich immer besser kennenlernen und Hank hat einen Aspekt gefunden, in dem er Eva helfen kann.
Nachdem dann mit einem Leichenfund einer Prostituierten tatsächlich die heiße Spur zu Shari Imani da ist, geht der Fall also los. Ich fand einen Aspekt direkt sehr wichtig, weil er die ganze Episode über dem Geschehen schwebte und das war Evas Überzeugung, dass sie Shari fühlen wird, wenn sie sie sieht. Das fand ich so wichtig, weil Eva ihre Schwester seit deren 6. Lebensjahr nicht mehr gesehen hat und inzwischen sind 22 Jahre vergangen. Ich habe mich natürlich unweigerlich gefragt, ob ich in einer solchen Situation meine Schwester intuitiv erkannt hätte. Aber das Gedankenspiel habe ich schnell wieder aufgegeben. Es gab kein Jahr ohne sie, ich kenne sie aus dem Effeff, wie soll ich mir also das Gegenteil vorstellen? Aber der Gedanke ist für diese Folge so wichtig, weil es sie emotional aufbaut und bis zum Ende steuert. Und als Eva dann den Startbildschirm von der Toten sieht, da spürt sie tatsächlich was. Da war für sie klar: Das ist Shari.
Abseits vom Inhalt muss ich wirklich den Hut ziehen, dass es schon wieder eine Episode ist, die dem Gefühlsleben einer Hauptfigur so viel Raum gibt und auch ohne Worte alles darlegt, was man als Zuschauerschaft wissen muss. Hier ziehe ich dann zusätzlich noch den Hut vor Arienne Mandi, die es mit den Vorgaben des Drehbuchs und mithilfe des Regisseurs geschafft hat, die Szenen ohne Handlung auszufüllen und so greifbar zu machen, dass ich irgendwann dachte, ich fühle das alles selbst. Nachdem der Tatort von Lauras Mord gefunden war und sich Eva ihren Moment alleine nehmen muss, da passierte so wenig und gleichzeitig so viel. Es tauchen auch erstmals die noch so wichtig werdenden Bonbons auf, von denen sich Eva eins in den Mund steckt und man hat richtig gesehen, wie der Zuckerschock sie runtergeholt hat, weil überall wieder Energie war und sie sich dadurch auf den Gedanken besinnen konnte, dass es noch Hoffnung gibt, Shari lebend zu finden. Genauso passte für mich auch die Szene in dem Haus, in dem Shari mit ihrem Entführer lebt. Eva findet all die Erinnerungen, die ihr einerseits zeigen, dass Shari nicht nur unglücklich war, die ihr andererseits aber auch vor Augen führen, wie viel Zeit sie verloren haben, siehe Episodentitel. Und zum Abschluss muss noch erwähnt werden, als Eva über Funk gemeldet bekommt, dass Shari lebend gefunden wurde. Wir kleben mit ihr am Geschehen und begleiten sie zu dieser weltbewegenden Begegnung, auf die wir in dem Moment alle 22 Jahre gewartet haben. Das zusammengenommen waren alles Momente, die mich echt sehr berührt haben und es ist schön, dass ich das mit einer Figur empfinden kann, die ich erst knapp eine Staffel lang kenne.
Inhaltlich war die Episode auch durchgängig gut aufgebaut. Es war viel gute Ermittlungsarbeit zu sehen und die Abwechslung aus Fortschritten, mit Wendungen etc. sowie dann die eben dargestellten ruhigen Momente, das passte alles überzeugend. Ich fand es auch gut, dass wir hier wieder so einen starken Teamgedanken haben. Nachdem die restlichen Kollegen erstmals von Evas Geschichte hören, da war die Betroffenheit bei allen groß. Neben Hank war es dann aber vor allem Dante Torres, der Eva loyal an der Seite stand. Aus eigener Erfahrung weiß er, was es bedeutet, wenn es die 'eigenen' Fälle sind. Man will nicht mehr schlafen, man will einfach Antworten und Lösungen finden. Aber sie sind alle Menschen und es muss Pausen und Durchatmen geben, weswegen die Szene der beiden auf dem Vorplatz des Reviers auch echt toll war. Es war auch der Moment, in dem Eva Torres die Hintergrundgeschichte der Bonbons anvertraut hat. Und diese Bonbons hat sie in Sharis Sachen gefunden. Daraus hat sich bei Eva noch intensiver abgebildet, warum sie ihre Schwester finden muss. Es war für sie das Zeichen, das Shari sich an denselben Erinnerungen wie sie festhält und vielleicht sogar auf sie wartet.
Aus genau diesem Gedankenkonstrukt heraus schlägt die Endszene dann ein wie ein brutaler Hieb in die Seele. Denn Shari erkennt Eva nicht. Diese Überzeugung von ihr, dass sie ihre Schwester immer erkennen würde, die spiegelt sich hier nicht wider. Shari wirkt stattdessen sogar abweisend. Dieser emotionale Aufbau, dass man sich auf eine tränenreiche Zusammenführung freuen kann, der wird komplett umgekehrt. Das war gemein, macht aber auch gutes TV aus, weil jederzeit alles passieren kann. Mit diesem Ende rechtfertigt sich der inhaltliche Doppelpack auch sofort. Es ist sicherlich zu erahnen, dass es um die Suche nach Kirby gehen wird, doch Shari wird nicht die Hilfe sein, die sich die Intelligence Unit wohl erhofft. Gleichzeitig wird sicherlich ergründet werden, wer Shari ist. Ich denke schon, dass sie noch Erinnerungen hat. Trotz verschiedener Identitätswechsel hat sie den Namen Shari durchaus noch in Ehren gehalten und dem Marine gegenüber erwähnt, dessen Hinweis dann wiederum Eva erhalten hat. Und auch nur weil sie Eva nicht erkannt hat, muss Shari ihr nicht generell negativ gegenüber eingestellt sein. Da wird noch einiges auf uns zukommen. Ich frage mich aber vor allem, was der persönliche Preis für die Unit sein wird. Das war immer das Thema von Staffelfinalen bei "Chicago P.D.". Meistens musste sich dann einer Leiche entledigt werden, weil man wieder moralische Grauzonen ergründet wurden. Da wären wir dann wieder bei Hank und Eva. Ich könnte definitiv eine Version dieser Episode schreiben, wie wir es schon oft erlebt haben. Deswegen drücke ich für mein eigenes Seelenheil die Daumen, dass wir ein 'frisches' Staffelfinale bekommen.
Fazit
Die Suche nach Shari Imani wurde spannend und vor allem emotional überzeugend dargestellt. Arienne Mandi hat als verzweifelte Eva dieser Episode ihren Stempel aufgedrückt und Lust auf mehr Staffeln mit dieser Rolle gemacht. Die emotionale 180°-Wende am Ende, die saß auch brutal. Dementsprechend ist alles für ein fesselndes Staffelfinale vorbereitet, aber es könnte leider wie so viele andere auch werden…
Lena Donth – myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: The Lost YearsErstausstrahlung (US): 06.05.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Regie: Victor Macias
Drehbuch: Gavin Harris & Gwen Sigan
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