Bewertung: 7

Review: #9.11 Lies

Wird man gerne eines Besseren belehrt? Nein, eher nicht, aber in diesem Fall nehme ich das gerne in Kauf. Letzte Woche habe ich vermutet, dass der Sorgerechtsstreit von Kim Burgess und Adam Ruzek um Makayla völlig aufs Eis gelegt wird, wurde es aber nicht! Es war nur eine Szene, aber es war doch eine Szene, die mir nach den Erfahrungen mit "Chicago P.D." die Welt bedeutet hat. Insgesamt hatte diese Episode etwas Fortfahrendes, als würde sie nicht für sich selbst stehen, sondern auf vieles aufbauen und auf vieles hinführen und das war wohl diesmal Trumpf!

Wir erfahren also in einer kurzen Szene, dass Kim und Adam eine Anwältin engagiert haben, die erstmal erforscht, ob der Sorgerechtsanspruch von Makaylas Onkel überhaupt rechtens ist. Das braucht offenbar seine Zeit, weswegen die Nerven blank liegen. Man merkt aber deutlich, dass Adam für Kim der Fels in der Brandung ist. Er wird vielleicht selbst nervöser, sollte es doch zu einem Prozess kommen, aber erstmal ist er die Stimme der Vernunft und das betont die Dynamik der drei auf eine einfühlsame Art und Weise.

Ein weiteres bindendes Element zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist das erneute Auftauchen von Informantin Anna Avalos, die wir erstmals in #9.07 Trust Me kennengelernt haben. Schon dort war klar, dass sie wohl noch einmal auftauchen wird, weil ihre Rache noch lange nicht abgeschlossen ist. In dieser Episode hat sie zwar noch nicht ihren nächsten großen Auftritt, sondern ist nur ein kleiner Zwischeneinschub, aber der macht doch effektiv deutlich, dass wir Anna ganz bald schon wiedersehen werden und dann wird es wohl wieder wirklich um sie gehen. Denn ihre interessierte Nachfrage, warum ein Informant wegläuft und Hank Voights kalte Antwort, dass es für viele ein Todesurteil sei, wenn das nicht eine Prophezeiung ist, dann weiß ich es auch nicht. Anna ist aber auch eine interessante Frau, denn sie ist cool ohne Ende und sie hat sich aktiv um diesen Job als Informantin bemüht, sie ist also das komplette Gegenteil von den meisten. Sie hat einen Plan vor Augen und da sie den alleine nicht umsetzen kann, braucht sie eben Hilfe. Wenn ich nicht wüsste, dass sie einen Sohn hat, würde ich sogar behaupten, dass es ihr egal wäre, drauf zu gehen, wenn sie denn nur ihr Ziel erreicht hätte. Aber in ihr stecken zwei Seelen und es ist klar, dass "Chicago P.D." damit noch spielen wird, es wäre sonst auch eine vertane Chance.

Den Hauptteil der Episode nimmt aber Kevin Atwater ein, der das erste Mal in seiner Serienlaufbahn in zwei Episoden mit derselben Frau zu tun hat. Was für ein Weltwunder! Aber im Vorfeld hätte ich eigentlich schon wetten können, dass er am Ende wieder alleine dastehen wird. Diese Serie gönnt einfach keine langfristigen Happy Ends, vor allem nicht Kevin. Was jetzt erstmal sehr frustriert klingt, soll aber trotzdem nicht verhehlen, dass es insgesamt eine sehr gute Kevin-Episode war. Man hat auch deutlich gemerkt, dass der Episodentitel 'Lies' Programm war und sich wie ein roter Faden von vorne bis hinten durchzog. Wir erleben anfangs nämlich Kevin, der sein Vorhaben umsetzt, im Stadtteil Burnside eine Immobilie zu kaufen, um dort etwas für seine Gemeinschaft aufzubauen. Das ist wirklich großartig, dass wir davon jetzt auch was sehen, denn es passt charakterlich hervorragend auf Kevin. Und es greift diesen Zwiespalt zwischen 'black' und 'blue' auf, der seinen Charakter nahezu von Anfang an begleitet hat. Trotz seiner Polizeimarke sich so klar für seine schwarze Gemeinschaft einzusetzen, um so zu zeigen, dass beide Herzen in seiner Brust schlagen, das ist eine schöne Symbolik.

Sie ist eben nur von den Lügen überschattet, die Kevin privat erzählen muss. Mit Celeste ist er nämlich weiterhin zusammen und es ist ihm offenbar überzeugend gelungen, sie an der Nase herumzuführen, denn einen Verdacht hat die gute Frau nicht im Geringsten geschöpft. Deswegen erfährt sie auch als Erste, dass er den Kaufvertrag abgeschlossen hat, aber sie darf nicht erfahren, was für eine doppeldeutiger Moment das für ihn ist. Dennoch ist es nicht so, als könnte ich Kevin gar nicht nachvollziehen. Celestes Worte gegenüber dem Polizeisystem waren doch sehr deutlich und da er sich sie nahezu auf Anhieb in sie verliebt hat, hat er das mitgenommen, was ihn glücklich macht, auch wenn es ihn immer mehr innerlich auffrisst. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass Kevin seit langer Zeit mal wieder richtig tolle Freundschaftsmomente mit Kim geschenkt bekommt. Denn sie kennt ihn, sie weiß, dass er etwas verbirgt und ihm wird dadurch übermäßig deutlich, dass er seine beiden besten Teile des Privatlebens nicht zusammenbringen kann, weil zumindest eine Seite keinesfalls von der anderen wissen darf. Und so sehr Kevin die Zeit mit Celeste genießt, völlig unbeschwert ist es damit nicht. Er kann sich mit ihr nicht einfach mal mit Kim und Adam in einer Bar treffen; er kann schlichtweg keinem normalen Pärchenalltag nachgehen.

Lügen begleiten Kevin aber auch in seinem Arbeitsleben, denn er hat akribisch undercover eine Beziehung zu Jimmy Chavez aufgebaut, um an dessen Boss, der Drogen gefährlich puncht und damit schon zig Todesfälle verursacht hat, ranzukommen. In nur wenigen Szenen wurde verdeutlicht, dass Kevin bei Jimmy und dessen Bruder Fernando schnell echte Freunde gefunden hat, nur dass es von seiner Seite eben gespielt war. Für Jimmy war es aber echt, weswegen er in dieser Episode den krassen Gegensatz zu Anna darstellt. Während bei dieser wohl kaum die Gefahr besteht, dass sie emotionale Bindungen eingeht, ist Jimmy ein ehrlicher Kerl, ein Träumer, den man, wie es auch Adam meinte, einfach gern haben muss. Er verkauft zwar Drogen, aber nur als Mittel zum Zweck, um seinem Bruder und sich Träume zu ermöglichen. Als die Unit also zuschlägt, um ihn festzunehmen, weist er sogar Kevin an wegzulaufen, um sich quasi für ihn zu opfern, einfach weil er so ein Mensch ist. Der Blick in seinen Augen, als er erkennt, dass Kevin ihn belogen und betrogen hat, herzzerreißend. Von da an ging es nur noch den Bach runter, denn Jimmy kann nicht einfach als Informant tätig sein, der Betrug wiegt zu sehr, weswegen er sich absetzt und Kevin hinterherspioniert, denn er muss für sich klären, ob nicht doch etwas in ihrer Beziehung echt war. Damit werden aber Ereignisse in Gang gesetzt, die Leben kosten. Kein Wunder also, dass Kevin vermutlich irgendwann nur noch 'Lies', 'Lies', 'Lies' vor seinem inneren Auge aufblitzen sah. Natürlich hat Kim recht, dass er nur seinen Job gemacht hat, weil undercover nun mal vorgespielt wird und doch waren die Lügen gegenüber Jimmy nicht weit weg von denen, die er Celeste erzählt hat und genau das hat seine Schuldgefühle immens gesteigert. Dass er sich am Ende also nicht auf Jimmys Bitte einlässt, dessen Ermordung an seinem Boss als Notwehr durchgehen zu lassen, ist nur konsequent und hat deutlich gezeigt, dass Kevin es mit den Lügen satt hat.

So kommt es zum abschließenden Gespräch mit Celeste, das definitiv emotional war, bei dem mir aber auch eine Komponente gefehlt hat. Natürlich stand über allem ihr Entsetzen, so lange belogen worden zu sein. Dass Kevin speziell gelogen hat, Polizist zu sein, kam da erst an zweiter Stelle. Als Celeste dann immer wieder betonte, dass sie Kevin als Privatmensch und als Polizist hätte auseinanderhalten können, da hat mir ihre Erkenntnis gefehlt, dass es Kevin war, der quasi dabei war, als ihr Schützling ermordet wurde. Sie war damals wirklich wütend und hat Dinge über diesen Polizisten, der für sie nur ein Mann in Uniform war, gesagt, wo es sie wahrscheinlich wie der Schlag getroffen hätte zu erfahren, dass eben dieser der Mann war, der mit ihr das Bett teilte. Aber dieser Punkt wird hier ausgespart; es geht nur um den Job an sich, was Celestes Aussage sogar dann glaubwürdig macht, aber richtig inhaltlich korrekt gepasst hat es nicht. Zwar muss zwischen den beiden noch nicht alles vorbei sein, aber es würde mich irgendwie auch wundern, wenn Celeste noch einmal auftauchen würde. Damit ist Kevin wieder alleine. Natürlich selbst verschuldet, deswegen tut er mir aber nicht weniger leid.

Fazit

Es war wieder eine gute Kevin-Episode, wenn auch leider (wieder!!!) mit keinem Happy End für ihn. Dennoch war sie inhaltlich auf vielen Ebenen gut gestrickt, zumal sie auch mehrere Handlungsbögen in einem behandelt hat, was für "Chicago P.D." selten ist. So merkte man als Zuschauer*in, dass wir irgendwo hingeführt werden und das hat hier ein gutes Sehvergnügen ausgemacht.

Lena Donth – myFanbase

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