Bewertung: 7

Review: #9.09 A Way Out

Das Winterfinale. Nahezu die komplette erste Staffelhälfte hat auf diese Episode hingearbeitet, denn nun erfahren wir, wie es nach dem Fund der Leiche von Roy Walton für die Beteiligten weitergeht. Ich war wirklich extrem gespannt auf diese Episode und muss sagen, dass eine gewisse Enttäuschung mitschwang, aber im zweiten Gedanken sofort wieder Zufriedenheit, weil alles perfekt in der Tradition der Serie verpackt war.

Der Fall der Woche war eigentlich völlig uninteressant, auch weil er nur bedingt Parallelen dargeboten hat. Mit der Lupe konnte man wahrscheinlich Ansätze finden, aber es war nicht wie sonst oft, dass es sich regelrecht aufgedrängt hat. Aber das ist auch egal. Der Fall war jedenfalls für sich gesehen durchaus spannend, weil er sich von dem Aufstand im Stadtbus ganz anders entwickelt hat, als man im Vorfeld gedacht hätte. Aber am Ende wurde es dann doch sehr schnell abgehandelt; hier hat sich dann doch deutlich gezeigt, dass es zwar einen Fall geben sollte, aber diese hat nur nötiges Füllmaterial beigesteuert.

Hauptfokus der Episode war stattdessen der innere Kampf von Jay Halstead, wie er sich nun entscheidet. Wobei seine Entscheidung für mich persönlich überraschend schnell feststand. Es hat offenbar keinerlei Zweifel bei ihm gegeben, Hank Voight für sich und Hailey Upton zu opfern. Das hat mich doch etwas stutzig gemacht und ist auch verantwortlich für die Enttäuschung, die ich anfänglich benannt habe. Ohne jetzt für mich endgültig beurteilen zu können, dass ich Hanks Tage bei "Chicago P.D." tatsächlich gezählt sehe, so hatte doch auch einiges darauf hingearbeitet. Von seiner Seite aus selbst, aber auch weil Jay so scharf in Opposition zu Hank gestellt worden ist. Dennoch ist für ihn sofort klar, sie alle müssen gerettet werden. Das erschien mir dann irgendwie wie die 'einfache' Lösung, zumal das anschließende Ausgraben von Leichen im Keller durch Trudy Platt sehr typisch ist. Sie hat diese Arbeit schon oft für Hank leisten müssen und er wählt auch immer diesen Weg. Dass Hailey wiederum bei dieser Episode außen vorgelassen wurde, das war für mich in Ordnung, denn gerade die zweite Episodenhälfte hat deutlich gezeigt, dass es speziell um Jay und Hank sowie ihr Verhältnis ging. Hailey hatte sich dort in zweiter Reihe einzusortieren.

Hank mag zwar seinen typischen Weg gewählt haben, Walker North zu erpressen, aber dennoch haben sich letztlich doch neue Nuancen eingeschlichen und dort wurde es für mich interessant. Denn Hank merkt deutlich, wie schwer sich Jay damit tut, den drogenabhängigen jüngeren North in die Pfanne zu hauen, um so den älteren Bruder in die Hand zu bekommen. Das passt auch perfekt auf Jay, dem es immer schon große Bauchschmerzen bereitet hat, Beweise zu fälschen, um die eigene Haut zu retten. Aber deswegen macht Hank ihn nicht mundtot. Im Gegenteil, er ist bereit, ihm alles an Gehör zu verschaffen, was Jay wünscht. Deswegen kommt es zur stärksten Szenen und dort werden die neuen Tendenzen bei Hank sehr deutlich. Dieser wird zwar niemals der Typ sein, der sich von sich aus stellt, weil er dafür viel zu stolz ist und lieber bis zum allerletzten Moment kämpft, aber er hat Jay doch regelrecht gedrängt, ihn zu opfern. Und ich hatte tatsächlich keinen Moment lang Zweifel, dass er das nicht so gemeint hat. Hier kommt wieder meine Theorie ins Spiel, dass Hank möglicherweise amtsmüde ist, aber nicht von sich aus den Schlussstrich ziehen kann und ihn deswegen durch Jay für sich gezogen haben wollte. Aber dieser tut es eben nicht.

Jay und Hank war aus vielerlei Gründen nie eine Liebesgeschichte und ich war wirklich überzeugt, dass wegen Hailey zu viel zwischen ihnen zerbrochen ist, aber nein. Die Ansprache von Jay an Hank war zwar nicht mit klassischen Liebesbekundungen gespickt, aber sie war voll von Respekt und Anerkennung. Ob Hank das alles in dem Ausmaß verdient hat, das sei mal dahingestellt, aber es war deutlich zu verstehen, warum Jay das so sieht. Er ist von ihm begleitet von vielen Reibereien herangezogen worden und stets haben sie viele Kriminelle von der Straße geholt. Ob das wirklich alleine an Hank liegt? Ich glaube es nicht, aber in einem Job, wo es alles so auf Hierarchien angelegt ist, ist Jays Interpretation die Sinnigste. Deswegen erpresst er North schließlich und muss sich dafür einige gut getarnte Kritik anhören. Aber Jay wusste sich zu verteidigen. Auch wenn Norths Kritik berechtigt war, auch Jay war nie ein völliger Saubermann. Auch er hat seine Fehler, es war daher schon falsch, 100% darauf zu setzen, dass er Hank opfert. Dennoch hätte die Episode ganz anders aussehen können, wenn eben nichts an Dreck über North herausgefunden worden wäre. Alles in allem scheint sich aber dennoch etwas zwischen Hank und Jay verändert zu haben und ich hoffe sehr, dass "Chicago P.D." dementsprechend auch agiert. Denn das Machtverhältnis zwischen den beiden hat sich merklich gewandelt. Die Ansage, die Hank am Ende gemacht bekommen hat, die hat ihn wie einen bedröpelten kleinen Jungen im Regen stehen lassen. Aber ich glaube dennoch nicht, dass Hank sich dadurch auf den Schlips getreten gefühlt hat. Denn wenn er wirklich amtsmüde ist, dann nimmt er es wahrscheinlich sogar anerkennend zur Kenntnis, dass Jay sich eine Position verschafft, an der nichts mehr vorbeigehen darf. Früher war für mich immer Antonio Dawson der logische Nachfolger. Dieser ist inzwischen lange Geschichte und Jay hat sich klar positioniert, wenn vielleicht auch noch unbewusst.

Am Ende haben wir dann noch eine Hochzeit, die doch überraschend kam. Außer für meine Freundin, die die Theorie aufgestellt hat, dass Upstead vielleicht anlässlich des Zeugnisverweigerungsrechts heiraten. Die Theorie fand ich zunehmend interessant, aber "Chicago P.D." ist den Weg so doch nicht gegangen. Natürlich waren Jay und Hailey schon verlobt, es war also nicht völlig überraschend, dass sie nun auch tatsächlich geheiratet haben, aber für diese spezielle Folge und diesen Ausgang hatte ich es nicht mehr erwartet. Dementsprechend hat es mich emotional auch nicht überzeugend mitgerissen. Ich gönne es den beiden schon irgendwie, aber für mich ist der Umstand immer noch nicht ausgeräumt, dass Jay sehr vieles nicht über seine Frau weiß. Gleichzeitig ist diese Hochzeit aber auch voller Potenzial. Denn wie reagieren die anderen? Wie sehr wird das die Arbeit doch noch mal verändern und was kommen für neue Schwierigkeiten auf sie zu? Von daher, die Hochzeit war nicht übertrieben romantisch, aber sie wird inhaltlich definitiv spannend sein!

Fazit

"Chicago P.D." geht zufriedenstellend in die Winterpause. Ich hätte mir zwar den Showdown rund um Roy Walton etwas anders vorgestellt, aber letztlich wurde ein Weg gefunden, der dennoch funktioniert und möglicherweise auch neue Möglichkeiten für Hank und Jay anbietet. Ebenfalls neue Möglichkeiten gibt es für unser neues Ehepaar. Hier war es zwar nicht Romantik pur, aber wäre es dann auch wirklich "Chicago P.D." gewesen? Von daher gehe ich optimistisch in ein neues Jahr 2022 mit der Cop-Serie!

Lena Donth – myFanbase

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