Bewertung: 8

Review: #9.08 Fractures

Oha, während ich in meiner letzten Review bemängelt habe, dass im Konflikt zwischen Hank Voight, Jay Halstead und Hailey Upton zu viel hinausgezögert wird, wird diesmal alles nachgeholt, denn der Fall läuft tatsächlich nur nebenher, während im Mittelpunkt steht, wie Special Agent Walker North dem Trio auf die Schliche kommt, bis es zu einem Knallermoment am Ende der Episode kommt, das ein wahnsinniges Midseason-Finale erahnen lässt.

Den Fall der Woche können wir gleich am Anfang schnell abhandeln, denn er war zum einen nur dafür da, dass Hank regelmäßig eine Ausrede hatte, seine Leute den Befragungen von North zu entziehen und zum anderen war es mal wieder ein Fall, der die echte Hailey hervorgekitzelt hat, die sich auf ihren untrüglichen Spürsinn verlassen kann. Denn was zunächst nach einem Fall von häuslicher Gewalt aussieht, entpuppt sich als was ganz anderes. Hailey spürt bei den Schwestern, die angeblich von ihrem Vater geschlagen wurden, schnell, dass diese nicht die entsprechenden Verhaltensmuster zeigen, denn die Verhaltensmuster kennt sie schließlich von sich selbst. Tatsächlich zeigt sich, dass die jüngere Schwester Candace eine Psychopathin ist, deren Taten Vater und Schwester zulange gedeckt haben. Es ist immer wieder entsetzlich und gleichzeitig faszinierend, wenn TV-Produktionen sich mit Psychopathen im Kindesalter auseinandersetzen. Bei Candace wurde hier sicherlich nicht alles herausgeholt, dafür war der Fall der Woche im Gesamtkontext der Episode nicht wichtig genug, aber es war doch auch nett, dass es dennoch einen echten Aha-Effekt gab, weil es eine spannende Auflösung eines Falles war.

Nun kommen wir aber zu Special Agent North, der in seiner Art gleich Eindruck hinterlassen hat. Dieser Mann ist ein echter Luchs, das merkt man sofort, vielleicht sogar ein Chamäleon, weil er sich problemlos seiner Umgebung anpassen kann und trotz einer eigenen Agenda diese nicht nach außen durchblicken lässt. Einzig in seiner offiziellen Befragung mit Hailey hat er die Maske fallen lassen, ansonsten war er stets die Freundlichkeit in Person, die sich eher kumpelhaft und zuvorkommend anbiedert. Sei es, als er Hank erstmals in seinem völlig chaotischen Büro begrüßt oder als er Kim Burgess mit Ehrfurcht begegnet, dieser Mann spielt eine Rolle, das ist mit jeder Faser zu spüren. Trudy Platt, die von Hank angeheuert wird, alles über North herauszufinden, hat schließlich die Antworten parat: dieser Mann will Köpfe innerhalb der Polizei rollen sehen, um sich seine Position in der Stadt zu erkämpfen, um so irgendwann auf den Posten des Bürgermeisters schielen zu können. Das sind wahrlich große Ambitionen, aber so agiert der Mann auch. Zudem beweist er im Verlauf der Episode, dass er auch wirklich akribisch für seine Ziele arbeitet und dabei ähnlich wie Hailey einen untrüglichen Spürsinn beweist. Wie er teilweise mit reinen Vermutungen alles auf den Nagel getroffen hat, das war schon beeindruckend. Er ist auf jeden Fall auf Anhieb ein Antagonist, wo man ahnt, dass er wohl Eindruck schinden wird und für die mindestens nächste Episode von großer Bedeutung sein wird.

Bei Trudy wiederum habe ich mich mehrfach gefragt, wie viel sie wohl weiß. Sie ist sicherlich nicht Alvin Olinsky 2.0, da sie nicht alles weiß und alles mitbekommt und doch hat sie auch schon viel vertuscht oder sich von Hank instrumentalisieren lassen. Bislang gab es aber keine Szene, in der angedeutet wurde, dass Trudy über das Schicksal von Roy Walton Bescheid weiß. Ahnt sie also nur etwas und ist eben der Unit treu wie eh und je ergeben oder ist sie doch schon Mitwisserin. Sie hat aber auf jeden Fall ein Vertrauensverhältnis zu Hank und in dieser Episode werden auch die Andeutungen aus der letzten Folge fortgesetzt, denn dem Mann schwimmen die Felle weg, da die Beweiskette sich immer enger zuschließt. Er bleibt zwar äußerlich ruhig, bemüht sich fast schon um eine übertriebene Lässigkeit im Umgang mit North, aber spätestens als er Haileys Wagen verwanzt vorfindet und erfährt, dass North mit der Zeugin gesprochen hat, die alles von Mark Irwin mitgehört hat, ist ihm klar, dass der Agent nicht so einfach abzuschütteln sein wird.

Interessanterweise ist der Moment, wo Hank langsam den Boden unter den Füßen verliert, der Moment, wo Hailey wieder zu ihrer stoischen inneren Ruhe findet. In der ersten Befragung mit North wirkte sie noch etwas überfordert, doch da trog der Schein offenbar schon, denn sie verfällt zu keinem Zeitpunkt in Panik. Sie macht Jay sogar im Grunde eine Ansage, dass er sich nun entscheiden muss, ob er eine Zukunft mit ihr will oder nicht. Spätestens in der offiziell aufgenommenen Befragung war Hailey aber so cool, dass ich innerlich applaudiert habe. Ich werde zwar wohl nie ihr größter Fan werden, aber ich fand es doch wichtig, dass sie wieder dorthin zurückkehrt, wo sie vor Roy mal war. Und die Art und Weise, wie sie North hat abgebügelt, das war wirklich extrem beeindruckend. Danach kehrt sie auch völlig seelenruhig aufs Revier zurück und löst mal 'eben' den Fall. Die Frau hat definitiv gelernt, dass diese innere Stärke und nach außen getragene Selbstüberzeugung der Schlüssel ist.

Aber es ist eben nicht die ultimative Lösung, denn North (wie gesagt, nicht zu unterschätzen der Mann!) findet Roys Leiche, was nun mal Beweis genug ist. Und wer hat ihn dorthin gebracht? Jay! Zwar wäre er wohl auch ohne ihn irgendwann auf die Idee gekommen, die GPS-Daten von allen zu analysieren, aber da North sich akribisch auch erstmal mit dem Verhalten der einzelnen nach Roys Verschwinden beschäftigt hat, ist er im System darauf gestoßen, dass Jay seinem eigenen Boss hinterher spioniert hat, was berechtigterweise mehr als verdächtig ist. Da die Leiche nun gefunden ist, plant North schon die weiteren Schritte seines Plans und setzt – völlig richtig gedacht – bei Jay selbst an. Denn dieser ist ein guter Polizist. Im Roy-Fall selbst hat er in der Suche nach Kim bewiesen, dass reguläre Polizeiarbeit zum Ziel führen kann, weswegen North ihn richtig einschätzt. Er weiß aber auch, dass Jays große Schwäche Hailey ist. Diese Episode unterstreicht auch, dass er zur absoluten Versöhnung mit seiner Verlobten bereit ist, dementsprechend ist er mehr denn je bereit, sie zu schützen. Deswegen hat man diesmal auch nicht mehr so viel von seinen Spannungen mit Hank gemerkt, weil er sich für sie zusammengerissen hat, wohlwissend, dass nun alles unter Beobachtung steht. Daher müsste die Wahl, vor die North Jay stellt, eigentlich einfach sein. Hank verraten, um Hailey und sich zu retten, oder? Wenn ich aber eins in bald neun Jahren "Chicago P.D." gelernt habe, dann ist es, dass die einfachste Lösung nicht immer die ist, die letztlich auch eintrifft. Zwar habe ich in der letzten Review schon angesprochen, dass ich Hank als Figur am ehesten aufgeben würde, aber gleichzeitig hat man immer gemerkt, dass die Serie an ihm klebt. Deswegen habe ich keinerlei Idee, was uns im Midseason-Finale erwartet. Aber sollte die Lösung sein, North auch noch verschwinden zu lassen, weil er Bluthund schlechthin ist, das wäre zu billig. Ich will einen wirklichen Knall sehen und wie ich den dann bewerte, das werden wir sehen…

Fazit

Diesmal macht "Chicago P.D." alles richtig, denn mit Special Agent North wird ein gerissener Antagonist eingeführt, der das Fortbestehen der Intelligence Unit arg ins Wanken bringt, indem er den ultimativen Beweis findet, um nach Belieben die Köpfe rollen zu lassen. Das war der letzte Schachzug, den die Serie nun noch vor dem Midseason-Finale brauchte, denn von hier an ist alles möglich und ich bin extrem gespannt, für welche Lösung sich letztlich entschieden wird.

Lena Donth – myFanbase

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