Bewertung: 6

Review: #5.03 Das Versprechen

Foto: Marina Squerciati & Jason Beghe, Chicago P.D. - Copyright: 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC
Marina Squerciati & Jason Beghe, Chicago P.D.
© 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC

Nach der vorangegangenen Episode, die mich fast ausnahmslos überzeugen konnte, weil sie ein Mitglied der Intelligence Unit, Kim Burgess, in den Vordergrund stellte, wird diese Strategie auch in der dritten Staffelepisode gefahren und zwar in Form von Kims Partner Antonio Dawson. Doch gelingt dies ebenso überzeugend?

Dass Antonio zeitnah im Fokus stehen würde, habe ich mir erhofft, da seine Wiederkehr zur Unit den Zuschauern sehr überhastet präsentiert wurde. Zudem fand ich es unschön, dass ein wenig rund um das Team von Peter Stone aus der Ableger-Serie "Chicago Justice" nachgetreten wurde, ohne dass die Gründe ersichtlich waren. Doch all diese Themen behandelt die Fokussierung auf Antonio nicht. Stattdessen wird seine Tochter Eva Dawson und seine Latino-Herkunft in den Vordergrund gestellt und dieser Ansatz hat mir überraschend gut gefallen. Ich habe mir für "Chicago PD" immer schon gewünscht, dass das Privatleben der Ermittler mehr thematisiert wird und diese Folge erhört meine Gebete, da Eva nach langer Zeit mal wiederauftaucht. Da Diego Dawson, der jüngere Sohn von Antonio, bereits in der fünften Staffel von "Chicago Fire" auftreten durfte, finde ich es nur konsequent, nun auch Eva zurückkehren zu lassen. Diese steht kurz vor dem High School Abschluss, somit ist aus ihr eine junge Frau geworden und die Interaktion von Vater und Tochter hat mir gut gefallen, auch weil es eben zeigt, dass Antonio ein Familienmensch durch und durch ist und dass es ihn zerreißt, zwischen Beruf und Familie öfters mal zwischen den Stühlen zu stehen.

Mit Evas Rückkehr wird auch ihre und seine lateinamerikanische Herkunft thematisiert. Dieses Thema ist großartig gewählt, zumal es die Leitlinie dieser Staffel, aktuelle Themen zu behandeln, nahtlos fortsetzt. Seit Trumps Wahl zum US-Präsidenten, sieht die Zukunft für illegale Einwanderer aus Mittel- und Lateinamerika wirklich düster aus und das wird durch den Fall der Woche und die Unterhaltung von Antonio und Eva zu ihrer Herkunft simpel und doch so authentisch gestreift. Eva versteht zunächst nicht, warum sie in ihrem College-Essay auf ihre Latina-Herkunft hinweisen soll, da sie sich nicht ausgegrenzt fühlt. Erst durch die Ermordung der Latina-Frau Gloria Morales wird ihr schließlich klar, dass sie nur ein privilegiertes Leben führt, weil ihre Großmutter als junge Frau das Wagnis eingegangen ist, ihre Heimat für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu verlassen und damit alles richtig gemacht hat. Doch durch die veränderte Innen- und Außenpolitik Trumps sieht die Zukunft für andere Latinos alles andere als rosig aus.

Diese Folge zeigt mir wieder, dass ich noch nicht so recht verstanden habe, was einen Kriminalfall für die Intelligence Unit geeignet macht und was nicht. Hailey Upton und Antonio werden von der Mordkommission zum Fundort von Gloria beordert, weil diese den Fall ungerne behandeln will. Haileys Blick zeigt deutlich, dass sie den Fall für nicht geeignet sieht und auch die anderen Teammitglieder zeigen sich hinterher skeptisch, nur Antonio setzt sich eben wegen Eva und auch seiner selbst für die Übernahme dieses Falls ein. Da das Team schon zahlreiche Morde übernommen hat, frage ich mich daher wirklich, ob ich die Grundprämisse des Teams nach vier Staffeln immer noch nicht verstanden habe oder ob diese Spannung nur konstruiert werden musste, damit es zwischen Antonio und Hank Voight mal wieder zum Knall kommt?!

Dieser Knall zwischen den beiden steht nämlich auf der Liste der Aspekte, die ich an dieser Folge zu kritisieren habe. Als Hank Antonio das Angebot machte, wieder zur Unit zurückzukehren, lagen sich die beiden Männer in den Armen und das zeigte doch anschaulich, welch freundschaftliche Wendung die Beziehung der beiden genommen hat, die man durchaus als Highlight bisher bezeichnen kann. In dieser Folge wird das nun mehr oder weniger wieder mit Füßen getreten. Zunächst zeigt sich Hank überrascht, dass sie den Fall angenommen haben, um dann mit Blick auf Antonio diesen Schritt abzusegnen, nach dem Motto "Weil du es bist!". Als danach aber die Ermittlungen stocken und Antonio unbedacht die Deportation von einigen illegalen Einwanderern einleitet, knallt Hank ihm mehrfach an den Kopf, dass er falsch ermittelt und dass sie nur noch Fälle übernehmen, die auch erfolgsversprechend sind. Diese Missstimmung wirkte auf mich sehr konstruiert, weil eben deutlich zu merken wahr, wie tief sich Antonio in den Fall gehängt und weil Hank sowas normalerweise bedingungslos akzeptiert. Dass Hank am Ende den Täter lynchen lässt, weil die Unit ihm nicht genug nachweisen kann, ist typisch für ihn. Antonio wiederum hat großes Bauchgrummeln damit, auch wenn sein Entsetzen sicherlich auch von Erleichterung begleitet war. Aber diesen Konflikt hatten wir schon mal und wie unnachgiebig sich Antonio und Hank am Ende der Folge gegenüberstanden, das wirkte auch wie um drei Staffeln zurück geschmissen.

Etwas holprig habe ich diesmal auch die Partnerschaft Kim/Antonio gesehen. Hank erklärt die beiden offiziell zu Partnern, was ich sehr begrüße, aber danach führen die beiden ein etwas verkrampftes Gespräch und auch Gabriela Dawson scheint sich skeptisch zu äußern, so dass ich zwischendurch das Gefühl hatte, dass die letzte Folge überhaupt nicht existiert hat. Denn dort hatte ihre Partnerschaft so intuitiv gut funktioniert, dass diese Holprigkeit auch wieder konstruiert wirkte.

Fazit

Die Grundprämissen der fünften Staffel von "Chicago PD" werden nahtlos fortgeführt. Es gibt die Fokussierung auf ein Unit-Mitglied, diesmal Antonio, und ein aktuelles gesellschaftlich bedeutendes Thema wird angesprochen, in diesem Fall die problematische Situation für illegale lateinamerikanische Einwanderer. Beide Prämissen haben ihre Stärken, aber vor allem die Fokussierung auf Antonio gelingt nicht so gut wie es noch vor einer Woche bei Kim der Fall war. Die Folge wirkte in zu vielen Aspekten konstruiert, nur damit die Partnerschaft Kim/Antonio nicht ganz rund wirkte und damit Hank und Antonio sich mal wieder in der Wolle hatten. Die Thematisierung der Latinos in Verbindung mit der Wiederkehr von seiner Tochter Eva war dagegen geschickt gelöst und ist als Highlight der Folge zu bezeichnen.

Lena Donth - myFanbase

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