Bewertung

Review: #11.09 Blindsided

Diese Episode konzentriert sich in meinen Augen sehr auf das Zuhören, was sich vor allem in dem Fall von Daniel Charles und Theo Rabari zeigt. Dean Archer tritt versehentlich in ein Fettnäpfchen und enthüllt seine wahren Gefühle für Hannah Asher.

Ich hatte in meiner letzten Review vermutet, dass Daniel für längere Zeit ausfallen wird, weil sein gesundheitlicher Zustand nicht gerade der beste ist. Clever ist dabei nicht nur, dass man damit weiterhin auf der Schiene fährt, dass vom Hauptcast nicht alle in jeder Episode auftreten lässt, was macht die Story um ihn auch glaubwürdiger. Allerdings bin ich auch froh, dass es offensichtlich nichts Ernstes ist und man sich allzu große Sorgen um Daniel machen muss. Eine schleichende Entwöhnung von Medikamenten bringt auch seine Nebenwirkungen mit sich, die sich bei Daniel in Nasenbluten und Schlafproblemen äußert. Gerade im Alter bauen sich solche Dinge langsam ist und wenn man über längere Zeit Medikamente genommen hat, die man gebraucht hat, zeigt der Körper dennoch Entzugserscheinungen. Mich wunderte etwas, weswegen Daniel nicht selbst auf diese Erkenntnis bzw. Theorie kam, aber wahrscheinlich war er einfach zu nahe dran, als es aus einer 'gesunden' Perspektive sehen zu können. Ein weiterer cleverer Schachzug war dabei auch, Theo wieder auftauchen zu lassen. Im ersten Moment hatte ich zwar auch den Eindruck, man wolle Daniel außen vorlassen, was sich aber schnell gegeben hat. Überhaupt hat Theo in dieser kurzen Zeit eine unglaubliche Wandlung durchgemacht. Er hatte zwar schon bei seinem ersten Auftritt am Ende der Episode verlauten lassen, dass er gerne näher an den Patienten wäre, doch diesmal war es noch viel deutlicher und vor allem, hat Theo einiges von sich preisgegeben, was womöglich auch erklärt, warum er die Psychiatrie verändern will. Das war in seiner ersten Episode ohnehin ein Streitthema zwischen Daniel und Theo, da Letzterer mehr auf die Technik, als auf die Menschen setzen wollte, die den Beruf ausführen.

Wenn man aber bedenkt, dass er falsch diagnostiziert und medikamentiert wurde, dann kann man das durchaus verstehen. Aber schon bei ihrem ersten gemeinsamen Fall war es ihre Zusammenarbeit, die der Patientin geholfen hat. Ähnlich ist es auch bei Sebastian, einem Teenager, der seit Jahren schwere Depressionen hat und zwar wohlhabende Eltern hat, die aber nie da sind und auch nie da sind. Die aber auch nicht wollen, dass ihr Sohn als verrückt gilt, weswegen sie ihn nicht nur mit Medikamenten, einer Hirnstimulation und einer Anwältin abspeisen, der es nur darum geht, dass man ihren Aufforderungen nachkommt, die aber keinerlei Interesse daran hat, dass Sebastian wirklich geholfen, sondern nur ruhig gestellt wird. Dass der Junge gar nicht unter einer klinischen Depression leidet, macht den Fall noch viel härter. Hier greift man für mich eben auch nochmal den Diskussionspunkt von Daniel und Theo auf, dass die Menschlichkeit nicht verloren und durch die Technik bzw. die KI ersetzt wird. Auch in Sebastians Fall ist es eine Zusammenarbeit zwischen Menschlichkeit und Technik, die sich gegenseitig unterstützen. Wie oft hat man schon gehört, dass ein harter Schlag auf den Kopf zu Schäden führen kann? Denkt man nur mal ans Boxen oder ähnliche Sachen. Sebastian war im Lacrose-Team. Ich kenne mich zwar nicht sonderlich damit aus, aber auch das ist in meinen Augen eine Sportart, bei der man einiges einstecken muss und genau da liegt der Knackpunkt#, weshalb Sebastian depressives Verhalten und Selbstmordgedanken hat und es ist sowohl Daniel als auch Theo zu verdanken, dass der Junge richtig diagnostiziert wurde und die Familienanwältin mal eine Ansage bekommen hat. Da Sebastian lange fast behandelt worden ist und man ihm nicht zugehört hat, muss er einiges mit medizinischer Hilfe aufarbeiten. Immerhin hat er nicht nur sein eigenes Leben gefährdet, sondern auch noch das zwei bzw. drei anderer Menschen und das in seinem jungen Alter... somit wird wieder einmal unterstrichen, dass die Technik nie die Menschlichkeit wird ersetzen können. Es erinnert mich auch daran, wie wichtig es ist, den ganzen Menschen zu sehen und ihm zuzuhören. Ich denke, damit sind auch Daniel und Theo auf einen Nenner gekommen und Daniel hat dadurch erkannt, dass er sich eine Auszeit nehmen muss.

Kommen wir zu den zwei weiteren Unfallopfern. Zum einen haben wir da die schwangere und aufgebrachte Louisa, die dank Hannah Asher ein gesundes Kind zur Welt bringt und sich wegen des Unfalls Vorwürfe macht. Während sie nämlich nur leicht verletzt ist, hat es Taxifahrer Angelo Reyes schwerer erwischt. Dazu kommt noch, dass er erst ein Jahr in den USA lebt und von den Philippinen stammt, wo seine Frau und Tochter noch immer leben. Ähnlich wie bei Sebastian ist es auch bei Angelo das Zuhören, was ihn quasi vor einer vollständigen Lähmung gerettet hat und ihn gleich noch eine beginnende Freundschaft mit Louisa eingebracht hat.

Kommen wir zu dem eher amüsanten Teil, der ruhig noch ein bisschen hätte dauern können. Nach Lizzy Arsher lernen wir nun mit Mark Asher Hannahs Vater kennen. Wobei man sagen muss, dass Dean zuerst Bekanntschaft mit ihm gemacht hat und das auf eine Art, die man bei Sitcoms erleben kann. Mark beaufsichtigt die Bauarbeiten im Krankenhaus und macht sich durch seine unaufmerksame Art bei Dean gleich unbeliebt. Es hat unterstrichen, dass sie vom Charakter sehr ähnlich sind. Doch dieser kurze amüsante Augenblick war eben nur der Anfang von einer größeren Diskussion und einer Enthüllung, auf die viele schon gehofft haben. Ich konnte Mark durchaus verstehen, warum er sich ein Leben für sein Enkelkind wünscht und sowohl Mutter als auch Vater hat. Seine Herangehensweise war dabei ziemlich harsch und hat ihn unsympathisch gemacht. Wobei man auch hier von einem Generationskonflikt sprechen muss und davon, dass Mark sich als Elternteil noch immer schuldig fühlt, was Hannah in ihrem Leben schon durchstehen und mitmachen musste. Dabei vergisst er aber, sich mal in seine Tochter hineinzuversetzen. Dafür hat sie aber ihren Ritter Dean, der hinter ihrem Rücken eine Lanze für sie bricht und dabei versehentlich enthüllt, was er tatsächlich für Hannah empfindet. Ich hoffe, man lässt sich nicht allzu lange Zeit damit, wie sich alles weiterentwickelt. Ich bin mir nämlich nicht sicher, in welche Richtung man gehen wird. Spannend wird es jedoch in jedem Fall bleiben.

In einer der letzten Episode kam bei mir schon einmal der Gedanke auf, dass Bert Goodwin bald sterben würde. Nun war es soweit und von der Emotionalität her kam bei seinem Tod nicht sonderlich viel auf. Vielleicht lag es auch daran, weil man die Szene am Anfang gesehen hat. Viel emotionaler fand ich Sharon Goodwin. Dass sie sich nicht sicher ist, welche Erinnerungen sie an Bert haben wird, fand ich nachvollziehbar. Es heißt immer, man soll den Menschen so in Erinnerungen behalten, wie die Person war. Aber gerade bei Demenz/Alzheimer stelle ich mir das schwierig vor. Es hat eine enorme Wesensveränderung, die einiges an Energie kostet und die auch für längere Zeit an einem haften bleibt. Sehr gut hat mir daher auch das Gespräch zwischen Sharon und Tamika Jones gefallen, die auch den nötigen Abstand zu der Situation hatte, um Sharon genau das richtige sagen zu können, sodass sie am Ende Bert doch noch mit einer guten Erinnerung gehen lassen konnte. Unterstrichen wurden die derzeitigen Situationen von Daniel und Sharon mit einem schönen Freundschaftsmoment der beiden, der auch noch einmal gezeigt hat, dass die beiden schon einiges zusammen durchgestanden haben.

Fazit

"Chicago Med" liefert erneut eine tolle Episode ab, was diese Staffel bislang zu seiner stärksten macht. Die beginnenden Handlungsstränge werden wunderbar weitergeführt und Deans Enthüllungen ist die, auf dessen weiteren Verlauf wohl am sehnsüchtigsten warten und hoffen werde.

Daniela S. - myFanbase

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