Bewertung: 9

Review: #4.03 Die drei Furien

Foto: Rose McGowan, Charmed - Copyright: Paramount Pictures
Rose McGowan, Charmed
© Paramount Pictures

Schön ist es mitzuverfolgen, wie die Autoren geschickt mit dem Tod von Prue umgehen. Auch in der dritten Episode der vierten Staffel ist das Thema omnipräsent und die hinterlassene Lücke von Prue weiterhin sehr stark ersichtlich und spürbar.

Piper leidet nach wie vor besonders darunter und kocht zudem vor Wut. Doch anstatt sich zurück zu ziehen, ist sie im Übermaß damit beschäftigt das Böse zu vernichten. Da sie ihre Gefühle nicht verarbeiten will, ist sie sehr anfällig auf das Böse selbst. So ist es in dieser Folge und Piper verwandelt sich in eine Furie. Steht dabei kurz davor einen Unschuldigen zu töten und kann nur mit Mühe davon abgehalten werden. Phoebe dagegen ist auch mit der Integrierung von Paige bei den Halliwells beschäftigt. Letztere richtet zudem ein ordentliches Chaos an, als sie das Buch der Schatten entführt und in die Arbeit mitnimmt.

Verarbeitung der Gefühle

Die übergeordnete Storyline bringt sehr viel Action und Tempo ein. Piper hat keine Lust mehr, sich aufgrund ihrer Trauer, dem Hexendasein zu trotzen. Nein, sie zieht nun lieber um die Häuser, um die Dämonen schnell ins Jenseits zu befördern. Die in ihr, seit Prues Tod ausgelöste schlummernde Wut, kehrt nun nach außen und bringt Phoebe und Cole ganz schön ins Schwitzen. Piper reißt die Beiden mit ins Chaos und in ihren Zerstörungstrip. Mir gefällt es hier sehr gut, wie Phoebe die Vernünftige mimt und an Piper appelliert. Auch Cole bringt sich da sehr unterstützend ein und letztendlich ihr Mann Leo. Doch niemand hat Durchschlagskraft und so läuft Piper sozusagen blind ins offene Messer. Genau so, wie sie es zuletzt in #4.01 Die neue Macht der Drei bei Phoebe kritisierte. Im Kampf gegen auftauchende Furien wird Piper infiziert und zur Gefahr für andere aber auch für sich selbst. Tötet sie auch nur einen Unschuldigen, so bleibt sie für immer eine Furie. Ich finde diese kreierten Regeln sehr clever, da diese enorme Spannung mit sich bringen. Und immer wieder werden von den Autoren, private Schicksalschläge mit übersinnlichen Situationen, perfekt verknüpft. Zuletzt war es Phoebe, die in eine Todesfee verwandelt wurde, da sie so sehr an der Trennung zu Cole litt. Nun ist es bei Piper so, dass sie den Tod von Prue nicht verarbeiten kann und wie es der unschöne Zufall will, stößt sie eben mit Furien zusammen. Ich finde das Styling der Furien übrigens eher schick als furchteinflößend. Piper verändert sich als Furie zudem kaum. Die gesamte Episode ist sie enorm aufgebracht und so gut wie nicht ansprechbar. Ihr Charakter hat sich seit Prues Tod ziemlich verändert. Das bringt Phoebe hier auch treffend zum Ausdruck.

Dass jedoch Hoffnung dazu besteht, demnächst wieder die sanftmütige, warmherzige Piper zu erleben, beweisen die herzlichen Szenen am Schluss der Folge. Holly Marie Combs lässt diese Episode zu einer absolut denkwürdigen werden, durch ihren perfekt inszenierten Gefühlsausbruch. Wie Piper vor Prues Grab die Kontrolle über ihre Emotionen verliert und dabei zusammenbricht, verursachte mir eine richtige Gänsehaut. Gleichzeitig stellt es ihre Rettung dar und sie wird rechtzeitig wieder zurück verwandelt. Paiges Erkenntnis übrigens, dass Piper in Wirklichkeit auf Prues Ableben wütend ist, beweist deren Einfühlungsvermögen. Jetzt schon ist mir Paige äußerst sympathisch und bereichert Charmed sehr.

Wer hat das Buch der Schatten gestohlen?

Paige ist es auch zuzuordnen, dass diese sehr ernste Episode auch viel Humor enthält. Man kann ihr kaum einen Vorwurf darin machen, dass sie sich das Buch der Schatten einfach mal so "ausleiht". Weder Piper noch Phoebe erklärten ihr bereits die große Bedeutung davon. Nicht mal Leo oder Cole gaben ihr dazu einen Hinweis. Lediglich Phoebe erwähnt, dass das Buch der Schatten das Haus nicht verlassen dürfe. Doch den Grund dazu nennt sie nicht wirklich. Somit kommt das, was einfach kommen muss. Paige lernt durch die Lektion die Bedeutung des Hexenbuches erst kennen. Sie entführt dieses zu ihrer Arbeitsstelle, um ihren Arbeitskollegen zu helfen. Hier möchte ich kurz erwähnen, dass mir die Nebencharaktere Billy und Lila auf Anhieb positiv sind. Ein nettes Arbeitsumfeld hat Paige zudem, da das Büro wirklich hübsch dekoriert und eingerichtet ist. Schmunzeln musste ich zuerst einmal als Paige dann versucht, dass Buch der Schatten zu kopieren. Oder als dann Lila so herrlich irritiert ist, da Paige plötzlich einen Glücksfall nach dem anderen erlebt.

Doch der richtige Lachkrampf folgt daraufhin: Nachdem Paige Billy auch noch von der Akne befreite und bis zu der Stelle noch keinen Zauber für das Negative nutzte, ändert sich das nun. Denn Donnie erweist sich als äußerst unsympathischer und fieser Arbeitskollege. Offenbar auch als ein sehr unsicherer Zeitgenosse, der seine Selbstzweifel damit zu kaschieren versucht, indem er sich bei anderen und über deren Schwächen lustig macht. Paige dagegen baggert er stets aufs Neue derbe an und diese weiß sich nun zu wehren. Donnie erleben wir schon kurz darauf als das Objekt der Begierde und wird von einer kreischenden, zauberbedingt verrückt gewordenen Frauengruppe verfolgt. Da musste ich einfach lachen, da das so herrlich komisch wirkt. So hat sich das der Donnie bestimmt nicht gewünscht. Paige dagegen erhält zur Strafe einen super großen Busen, was das nächste Schmunzeln bereitet. Und im Bezug auf die Reaktion von Phoebe und Piper weitere Lacher verbuchen kann. Inwiefern es eine Strafe gilt, dass Paige plötzlich mit übergroßen Brüsten ausgestattet ist, sei mal dahin gestellt. Es soll ja Personen geben, die sich hierfür ja gerne unters Messer legen. Jedem das Seine sage ich da nur. Zu lustig dann übrigens auch die Szenen im Auto als Phoebe für Paige die Gangschaltung bedienen muss. Oder auch als Phoebe dann später den Zauber umkehrt und Paige fürchtet, dass es zu gut geklappt haben könnte.

Trotz Pipers dominierender Story als Furie stiehlt Paige doch allen hier so ziemlich die Show. Denn sie überrascht im weiteren Verlauf der Folge dann nochmals sehr. Ihr Vorschlag, dass Cole sich als Köder bereit stellen soll, um Piper als Furie Nachhause zu locken, hat es in sich. Sie zögert auch keine Sekunde Cole das Messer dafür zu geben. Also wissen wir somit schon mal, dass Paige das Risiko nicht scheut und bereit ist weit zu gehen, wenn ihr was am Herzen liegt. In diesem Fall Piper, die sie eben wie Phoebe auch als Schwester kürzlich neu dazu gewonnen hat. Die Endszene mit Piper und Paige geht einem richtig nahe. Piper kreuzt mit Muffins auf, spricht sich mit Paige aus und bezeichnet diese sogar offiziell als ihre Schwester. Eine Herz erwärmende Szene. Man sieht Paige dabei an wieviel ihr diese Aussage bedeutet. Wirklich schön umgesetzt dieser Moment. Jetzt ist es natürlich umso interessanter wie es mit den drei Schwestern weitergeht? Vorerst hat sich die Quelle des Bösen ja zurück gezogen. Wäre ideal für Paige sich ihre neu entdeckten magischen Fähigkeiten zu trainieren.

Kurz zu Phoebe: Sie ist diesmal die Chaos-Aufräumerin. Sei es rund um Piper als auch bei Paige, Phoebe hat viel zu tun diesmal. Sie ist jetzt ironischer Weise in der Vermittlungsposition wie es ganz zu Beginn Piper war. Diese versuchte früher ja regelmäßig die Wogen zwischen Phoebe und Prue zu glätten. Jetzt macht dies Phoebe zwischen Piper und Paige. Phoebe gefällt mir aber in dieser Episode besonders gut als Kämpferin. Ihre Levitation setzt sie geschickt ein und das will ich gerne öfters zu Gesicht bekommen. In der Kombination zu ihrer erlernten Kampfkunst erweist sich Phoebe damit als echte Kampfbraut.

Fazit

Die Episode überzeugt vor allem durch die geschickte Handhabung von Emotionen. Piper erleben wir hier in einer der denkwürdigsten Gänsehautszenarien seit Serienbeginn. Davor erleben wir Action, Spannung und viel Humor durch Paiges Entführung des Hexenbuches. Überhaupt ist es Paige, die richtig Schwung einbringt und der Trauer um Prue Lockerheit entgegen setzt. Man will ja schließlich nicht nur emotional die Talfahrt miterleben, wenn man eine "Charmed - Zauberhafte Hexen"-Folge schaut.

Samuel W. – myFanbase

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