Bewertung: 8

Review: #5.04 Das Wunder lässt auf sich warten

Foto: Californication - Copyright: Paramount Pictures
Californication
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Hank bekommt Besuch aus New York, den er gleich in vollen Zügen genießt, aber am liebsten auch verheimlichen würde. Die Umstände ergeben das genaue Gegenteil.

Surprise

Carrie ist zurück. Das ist für Hank eine Überraschung, für den Zuschauer eventuell etwas weniger, weil man doch irgendwie gehofft hatte, dass man Carrie nach ihrem offensiven Auftritt aus dem Staffelstart doch noch mal wiedersehen wird, weil sie Hank doch wunderbar die Hölle heiß macht. Es ist eine seltsame Beziehung, die die beiden führen. Hank ist da doch ziemlich inkonsequent und lässt sich von seiner Lust auf Sex überwältigen statt nachtragend zu sein. Carrie wiederum ist offenbar so Hals über Kopf in Hank verknallt, dass sie selbst hin- und hergerissen ist. Sie wirft sich an ihn ran, obwohl sie weiß, dass er irgendwann wieder abweisend sein wird. Insofern läuft die gesamte Story von Anfang an auf das Unausweichliche hinaus. Es kommt erneut zu einem Zwist. Dieser ist aber wunderbar in die gesamte Entwicklung in der Episode eingebettet und gestattet uns letztlich einen intensiven Blick in Hanks Gefühlswelt.

Miracles

Es ist fast schon ein Selbstläufer, wenn sich die Charaktere zum Dinner treffen. Zunächst denkt man, dass es irgendwie unoriginell ist, die Charaktere immer wieder auf einen solchen Weg zusammen zu bringen, doch dann muss man auch zugegeben, dass es doch normal ist, dass man Freunde und bekannte regelmäßig zum Essen einlädt. Das Stilmittel ist also völlig in Ordnung und vor allem realistisch. Auf jeden Fall besser, als ständig irgendwelche Geburtstage oder sonstige Feiertage vorzuschieben. Das Essen verläuft dann eigentlich ziemlich unaufgeregt, zumindest werden keine Gabeln durch Hände gestochen oder Ähnliches. Trotzdem hatten diese ganzen Szenen eine ungeheuer hohe Intensität, weil sie, eventuell abgesehen vom Gesprächsthema, so alltäglich wirkten. Die Szenen nutzen eine der großen Stärke der Serie optimal aus. Die Dialoge sind und bleiben einfach phantastisch. Man ist von den Unterhaltungen gefesselt, wartet immer darauf, dass irgendetwas Großes passiert und saugt die Atmosphäre regelrecht auf. Wie unterschwellig hier die Charaktere versuchen, sich in Stellung zu bringen, sich gegenseitig vergleichen, versuchen gut auszusehen und somit auch irgendwie anzugeben, ist einfach grandios. Es ist begeisternd, mit wie wenig man so viel erreichen kann. Dass das gesamte Essen letztlich nur dazu dient, dass Hank und Karen am Ende ein persönliches Gespräch führen, das wieder mal wunderbar mit Musik unterlegt wurde, ist hervorragend inszeniert. Zumal die ganzen Dialoge eine wunderbare Einsicht in die Charaktere gegeben haben. Nachdem Carrie schon feststellen musste, dass Hank nur Karen lieben wird, ist diese es nun, die Hank das ebenfalls vorhält und ihm letztlich seine Hoffnungen raubt. Das ist enorm bitter für Hank, vor allem es so direkt zu hören. Spannend war dabei vor allem, wie Karen erläuterte, dass sie mit Hank einfach nicht glücklich geworden ist, obwohl sie ihn liebt. Eigentlich ist das alles nichts Neues, denn aufgrund der aktuellen Konstellationen ist alles jedem Beteiligten bewusst gewesen, aber die ausgesprochene Wahrheit schmerzt eben noch mal mehr.

Interessant ist auch die Einstellung von Richard Bates gewesen, der einen ungeheuer lässigen Umgang mit Karens Gefühlen zu Hank hat und ihr da offenbar vollständig vertraut. Zu diesem Zeitpunkt der Staffel lässt sich der Gedanke aber nicht entkräften, dass man genau daran noch mal ansetzen wird. Kann Richard Karen dauerhaft glücklich machen? Auch die Analogie zu Becca und Tyler ist äußerst gelungen gewesen und war schließlich auch der entscheidende Impuls, um die Episode in die finale Richtung zu lenken. An der Argumentation von Hank ist durchaus was dran, aber er muss damit zurecht kommen, dass er auch sich selbst angreift, wenn er Tyler angreift. Es ist auf jeden Fall toll, dass Tyler noch eine Rolle spielen wird. Ob es dazu führt, dass Hank tatsächlich mal eine entscheidende Entwicklung nimmt, die vielleicht sogar sein Wunder wieder etwas wahrscheinlicher werden lässt, muss sich noch zeigen. Es kommt mir aber so vor, als will die Episode sagen, dass das Unmögliche zumindest zu diskutieren ist, so entschlossen, wie man es hier abgearbeitet hat. Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Das Leben ändert sich so schnell und gerade "Californication" schafft es doch immer wieder, mit viel Gefühl und guter Charakterarbeit die Beziehungen zu verändern.

The right guy

Unterbrochen wurde die äußerst gelungene Storyline von kurzen Szenen mit Charlie, der von Lizzy ein Date vermittelt bekommen hat. Lizzy versucht also erst mal alles, um sich Charlie vom Leib zu halten, wobei ich immer noch glaube, dass sie selbst sich zu ihm hingezogen fühlt und sie das nur macht, um sich selbst zu schützen. Charlie nutzt unterdessen weiterhin jede Gelegenheit um neue Frauen kennen zu lernen und so etwas wie Normalität in sein Leben zu bringen. Das geht dann aber auch irgendwie schief. Aus einem sehr gezwungen Gespräch entwickelt sich aber doch noch was. Mary forciert schließlich den Abend und will Sex mit Charlie haben. Das findet er natürlich gut, aber dass Mary (der Name ist definitiv bewusst so gewählt worden) noch Jungfrau ist, die bisher auf den richtigen Mann gewartet hat, bringt ihn doch durcheinander. Es gibt wohl keinen falscheren Mann auf der Welt als Charlie, um sein erstes Mal zu erleben. Da so etwas wie Intimität bei einem One Night Stand eh fehlt, sollte zumindest der Sex toll sein, doch da war Charlie noch nie ein Vorzeigemodell. Es ist also wirklich zum Heulen, was da passiert ist. Und was ist die Aussage dieser Story? Bring' es lieber früher als später hinter dich, denn gut wird es beim ersten Mal eh nicht? So richtig anfangen kann ich mit der Story nichts. Sie hat eher gestört und zu wenig bewirkt. Ich nehme aus der Geschichte nur mit, dass Charlie vorerst noch nichts mit Lizzy angefangen hat, andere Frauen aber offenbar auch nicht in sein Leben treten werden, was also nur ein kleiner Knick in der Geschichte ist, die nächste Episode hoffentlich wohl wieder geradliniger verlaufenden wird.

Fazit

Mit großartigen Dialogen und einer wichtigen Einsicht in das Gefühlsleben von Karen und Hank kann die Episode ordentlich punkten. Nur die Geschichte von Charlie, deren Zweck noch nicht so richtig deutlich wird, stört im Gesamtpaket.

Emil Groth – myFanbase

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