Bewertung: 7

Review: #6.04 Der Kopf des Kopfgeldjägers

Nachdem die beiden letzten Folgen im Bezug auf den Handlungsstrang zwischen Booth und Brennan eher traurig gewesen waren, steht bei dieser Episode der Fun-Faktor sicherlich im Vordergrund. Verantwortlich dafür ist vor allem Professor Bunsen Jude, ein Professor, der eine Kindersendung über die Wissenschaft moderiert und dessen Wunsch es ist, dass Brennan bei ihm in der Sendung als Gast auftritt.

"It's a Potato Gun" – "Did you get that issue from the Dude? " – "That will be correct." – "Okay murderd by vegetable?"

Den Fall an sich fand ich nicht unbedingt speziell, was mich aber überhaupt nicht gestört hat, da er dadurch, das kein wahnsinnig ernstes und kritisches Thema angeschnitten wurde, eher unbeschwert und manchmal sogar witzig aufgebaut war. Schon der Anfang, das heißt der Fund der Leiche, passt in dieses Schema. Es war nicht ein einzelner Obdachloser, der die menschlichen Überreste gefunden hat, nein es war ein obdachloses Pärchen, welches bei seinem Date durch die grausige Entdeckung gestört wurde. Und ich glaube, der Fund des Schädels wirkte so noch um einiges schlimmer, weil die Szene davor so unglaublich süß und friedlich gewirkt hat. Ein solcher Kontrast ist in den Eröffnungsszenen von "Bones" häufig zu sehen und obwohl ich eigentlich weiß, dass in den nächsten Sekunden eine Leiche entdeckt wird, erschrecke ich mich immer wieder aufs Neue, was mir zeigt, wie gut diese Einstiege jedes Mal gemacht sind.

Als die gefundenen Teile der Leiche schließlich im Labor untersucht werden, kann ich die erste Reaktion von Professor Bunsen Jude absolut nachvollziehen. Die Haare, die noch an den Hautfetzen kleben, sehen nicht wirklich appetitlich aus und der erste Eindruck des Zuschauers ist, dass das Team des Jeffersonians in dieser Episode mit einem wirklich üblen Mörder zu kämpfen hat. Doch dieser Eindruck täuscht und der Tod des Opfers fällt mehr unter die Kategorie Unfall.

Wie schon erwähnt, war der Fall als solches meines Erachtens nach eher unspektakulär und es waren eher die Personen, allen voran natürlich der Dude, welche an dem Fall mitgewirkt haben, die ihn zu etwas besonderem gemacht haben. Dazu gehörte unter anderem auch Sweets, der zwar wieder einmal viel zu wenig Screentime hatte, aber in seinen wenigen Szenen dafür brillant war. Auch betreffend Sweets fand ich es gut, dass in dieser Folge weder seine Gefühle für Daisy noch seine Beharrlichkeit betreffend Booth und Brennans Beziehung thematisiert wurde.

Dafür wurde wieder einmal Sweets und Brennans ewiger Kampf um die Psychologie aufgegriffen und Booth markierte dem Psychologen gegenüber die alte Präsenz, indem er einfach in sein Büro stürmt und ihn aus einer Sitzung holt. Beides sind eigentlich alte Verhaltensmuster von Brennan und Booth. Geändert hat sich jedoch Sweets Reaktion auf diese Handlungen. Als Booth in Sweets Büro stürmt, reagiert dieser zwar etwas verwirrt und überrascht, ist jedoch nicht wütend oder genervt über die Unterbrechung, sondern findet diese eher belustigend. Dies kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass er die Sitzung mit seinem Patienten sofort beendet um Booth bei dem anstehenden Fall zu helfen. Früher hätte ich das als Unterwerfung gegenüber Booth interpretiert, heute weiß ich, dass sich Sweets berufliche Leidenschaft gewandelt hat. Denn inzwischen liebt er es, die Zeugen und die Verdächtigen zu analysieren und damit Booth und Brennan jedesmal wieder von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und sie in gewisser Weise auch immer wieder zu überraschen. Letzteres gilt vor allem für Brennan, die zwar dank Sweets nicht mehr so extrem negativ der Psychologie gegenüber eingestellt ist, sie jedoch wohl immer noch nicht als Wissenschaft akzeptieren kann. Und weil es ihr im Bezug auf Sweets Fähigkeiten langsam an sachlichen Argumenten fehlt, bezeichnet sie ihn einfach als Medium. Auch hier hätte Sweets früher verletzt und wahrscheinlich sogar ein bisschen ärgerlich reagiert. Heute bleibt er ruhig, beharrt auf seinem Standpunkt und begegnet Brennans Kritik damit, dass er seine Ausführungen nur noch konkretisiert. Das zeigt mir, dass Sweets Selbstvertrauen bezüglicher seiner Arbeit in den letzten Jahren, sicherlich auch, wenn nicht sogar vor allem dank Booth und Brennan, extrem gestärkt wurde.

"Dr. Brennan, I am Professor Bunsen Jude, the Science Dude." – Nice to meet you" – "Amazing."

Eigentlich habe ich mich unter anderem so sehr auf diese Episode gefreut, weil ich mir erhofft hatte, dass Vincent Nigel-Murray zu "Bones" zurückkehrt. So war ich zuerst etwas enttäuscht, als ein Professor und Moderator einer Kindersendung in dieser Folge den Posten des Assistenten übernimmt. Doch diese Enttäuschung ist spätestens dann vollkommen verflogen, als sich mein Schmunzeln bei den Auftritten des Dudes in ein lautes Lachen verwandelt hat. Sein Auftreten, seine Wortwahl, seine Ausdrucksweise, ja sein ganzes Wesen trägt dazu bei, dass er es sogar geschafft hat mich bei ernsten oder schrecklichen Szenen zum Lachen zu bringen. Für einige mag er mit seinem ewigen "amazing" vielleicht schon nervig sein, für mich war er eine gelungene Unterhaltung, die der Unbeschwertheit dieser Folge den nötigen Witz gegeben hat.

Doch neben seiner Hilfe bei der Aufklärung des Falles und all den witzigen Gesten und Sprüchen, hat er auch eine Sensation vollbracht. Er hat es geschafft, dass Brennan in ein absolut lächerliches Kostüm schlüpft und in einer Kindersendung über wissenschaftliche Themen auftritt. Ich glaube, niemand hätte in den Anfängen von "Bones" gedacht, dass Brennan je so etwas tun würde. Doch durch die langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft mit Booth, der ihr gezeigt hat, dass es nicht nur Fakten sondern auch Gefühle im Leben gibt, hat sie gelernt, dass man ab und zu etwas tun muss, um anderen eine Freude zu bereiten, auch wenn es einem selber eigentlich widersinnig erscheint. Und ich glaube am Schluss war Brennan selber überrascht. denn sie hat dank des Dudes gemerkt, dass ihr der Auftritt bei den Kindern eigentlich Spaß macht, etwas was sie selber wohl am wenigsten erwartet hätte.

Doch es ist nicht nur der Verdienst von Booth und dem Dude, dass Brennan im Fernsehen auftritt. Nein auch Angela hat einen wichtigen Teil dazu beigetragen und dies sicher nicht erst in dieser Folge. Angela hat all die Jahre ihre Freundschaft zu Brennan aufrechterhalten, auch wenn dies nicht immer einfach war und Angela ohne Zweifel mehr in diese Freundschaft investiert hat, als sie von Brennan zurückerhalten hat – was nicht bedeutet, dass Brennan eine schlechte Freundin ist, sondern nur, dass Angela gefühlsmässig mehr in diese Freundschaft einbringt als Brennan. Doch für Angela spielt dies keine Rolle, sie hat so ein großes Herz und sie nimmt Brennan so wie sie ist, da ihr die guten Seiten ihrer Freundin genauso bewusst sind wie die schlechten. Und genau aus diesem Grund will sie auch, dass ihr Kind Brennan kennenlernt und eine Beziehung zu ihr aufbauen kann. Ich glaube, genau mit diesem Argument dringt sie zu Brennan durch und erreicht damit, dass sich diese überwindet, ihre Abneigung gegen Kinder zurückstellt, in das Knochenkostüm schlüpft und sich für die Kinder in einen wissenschaftlichen Clown verwandelt.

"When I was in college we started this drinking game. Every time you said the word amazing we... well anyway."

Hodgins wird in dieser Episode wieder zum Kind und schafft es damit, dass die Szenen zwischen ihm und dem Dude zu den Besten der ganzen Folge gehören. Seine Leidenschaft für Experimente wird immer wieder von dem einen oder anderen Assistenten geteilt, doch mit dem Dude wird das Experiment schon fast zu einem Spiel und verliert damit vollkommen die Ernsthaftigkeit, die sich dahinter verbirgt. Hodgins hat meiner Meinung nach viel zu wenig solche Szenen und wirkt somit oft hinter Booth, Sweets, Brennan und sogar Cam zurückgesetzt. Es war schön, dass er einmal etwas in den Mittelpunkt rücken konnte und so sein witziger Charakter zur Geltung kam. Eins ist nach dieser Episode auf alle Fälle sicher: Hodgins wird einen hervorragender Vater abgeben und sein Sohn oder seine Tochter muss sich wohl nie über mangelnde Spielkameraden beschweren, schließlich wird es einen Dad haben, der bei solchen Dingen nur zu gerne wieder zum Kind wird.

"Her name is Dr. Temperance Brennan, but she's better known as the bonelady."

Auch wenn ich von Hannahs Auftauchen und der daraus folgenden Storyline wirklich begeistert bin, fand ich es trotzdem schön, dass Booth' neue Beziehung eine Folge lang unerwähnt blieb und somit die Szenen zwischen Booth und Brennan etwas Entspannendes an sich hatten. Und auch wenn sich in dieser Folge Brennans und Booth' Beziehung nicht groß verändert hat, so war meiner Meinung nach diese Episode doch etwas Besonderes. Denn Brennan hat einen wahnsinnig großen Schritt in emotionaler Hinsicht gemacht und ich denke, diese Veränderung ihres Charakters hat sie größtenteils Booth zu verdanken. Schliesslich war er derjenige, der ihr in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, gesagt und bewiesen hat, dass es außerhalb der Welt der Wissenschaft und außerhalb des rationalen Denkens noch etwas anderes gibt, etwas das genauso wichtig, wenn nicht wichtiger ist. Er hat ihr vor Augen geführt, dass es für manche Dinge keine Erklärung gibt und vor allem, dass man manchmal durch Handlungen, die anderen Menschen eine Freude machen, die jedoch nicht rational erklärbar sind und einem keinen Vorteil verschaffen, selber auch Befriedigung finden kann.

Brennan in diesem lächerlichen Kostüm vor einer Schar Kinder zu sehen, hat mich natürlich zum Lachen gebracht, doch anderseits hat es mich auch emotional berührt. Denn wenn man die Serie von Anfang an verfolgt, weiß man welche Entwicklung Brennan in den letzten Jahren durchgemacht hat und für mich ist dies so etwas wie ein Höhepunkt dieser Entwicklung. Ich stelle mir vor, dass genau solche Gedanken auch durch Booth' Kopf kreisten, als er Brennan auf diesem Podium sieht und die Kinder ihr zuklatschen und sich an ihr erfreuen. In diesem Augenblick sieht man, wie in Booth' Augen der Stolz aufflackert und der Blick, den er Brennan am Schluß zuwirft, zeigt erneut, dass seine Gefühle für sie noch lange nicht erloschen sind.

Fazit

Eine Folge, bei der man herzhaft lachen konnte, die jedoch trotzdem oder vielleicht gerade deswegen qualitätsmäßig ohne Problem mit den vorhergehenden Episoden der sechsten Staffel mithalten kann. Der Gastauftritt von David Alan Grier als Professor Bunsen Jude war meiner Meinung nach absolut gelungen. Sein Witz und seine verrückte Art haben Hodgins eine Episode lang wieder in die Welt des Kindes zurückgeführt und Brennan dazu gebracht, über ihren Schatten zu springen und sich zur Freude von anderen zum Narren zu machen. Dinge die in mir, als Zuschauer, den Wunsch wecken, dass der Dude nicht zum Letzten mal in einer Episode "Bones" zu sehen war.

Maria Schoch – myFanbase

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