Bewertung: 7

Review: #4.04 Der Finger im Vogelnest

"Bones" ist auf den Hund gekommen. Besser: Auf viele Hunde. Ein paar Hunde zuviel für meinen Geschmack, denn dass auch der Drogendealer Payne eine Monstertöle mit dem aparten Namen "Schatzi" besitzt, strapaziert den Zufall unnötig. Überhaupt, das liebe Vieh. Mensch und Tier, das ist nicht nur im trivialen Sinne eine besondere Beziehung. Was in dieser Folge deutlich wurde: Tiere sind auf das Wohlwollen derer angewiesen, die für sie verantwortlich sind ("besitzen" klingt hier wirklich etwas herzlos), aber der Mensch wird für seine Aufmerksamkeit auch sehr belohnt. Das hört sich simpel an, es funktioniert aber leider – wie das Beispiel der abscheulichen Hundekämpfe zeigt oder auch die Praxis, das eigene Tier aus absurden Gründen einschläfern lassen zu wollen – zu oft nicht.

Nach diesem kurzen Exkurs zurück zu "Bones": Auch wenn diese Episode für mich kein besonderes Highlight darstellt, ist sie doch ein schönes Beispiel dafür, auf welch angenehme Weise traurige, warmherzige, komische und absurde Momente gleichermaßen in die Story integriert sind. "Bones" kann umwerfende Situationskomik bieten: Brennan und Booth sind fabulöse Sparringspartner in dieser Beziehung und die Szene mit dem Opossum war einer dieser vielen wunderbaren kleinen Momente, für die ich die Serie liebe. Wie Bones das arme Tier, das angeblich so scheu sein soll, vertreiben will und das stattdessen wie ein Opa-Opossum mit Arthritis wegzuckelt, um gleich danach auch noch wegzuschnarchen, war schon zu putzig. Dagegen berührte das Ende sehr: Einer selten enthusiastischen Bones, die für Ripley sogar schon ein Halsband mit dem Namen "Ripley Brennan" besorgt hatte, wird von Booth beigebracht, dass man den Hund bereits eingeschläfert hat. Fußnote: Die Halsband-Aktion und eigentlich überhaupt den Gedanken, dass Brennan derart euphorisch und in so kitschiger Weise ihr Herz an einen Hund verliert, finde ich etwas zu sehr zum Zwecke der Handlung herbeikonstruiert und nicht ganz vereinbar mit der Brennan, die wir sonst kennen. Aber gut.

Auch wenn das, was Bones dann am Grab über Ripley und über alle Hunde geäußert hat, schlichte Wahrheiten waren, gewinnt das Ganze doch eine besondere Note: Der Gedanke an Zach liegt nahe. Klar, einen Menschen kann man nicht für seine Handlungen in derselben Form entschuldigen, wie man sie einem Hund nachsehen kann. Aber ein bisschen was Wahres liegt schon in der Idee, dass auch Zachs Umtriebe das tragische Resultat einer eigentlich guten oder zumindest wertfreien Veranlagung sind, die ein Anderer auszunutzen verstand. Und man versteht gleichzeitig, wie sehr Brennan diese ganze Geschichte getroffen hat. Auch hier gilt allerdings wieder: Die Analogien sehen ein bisschen zu bemüht aus.

Ein letzter wichtiger Punkt dieser Episode, und einer, dessen Bearbeitung endlich fällig war: Wie kommt Hodgins damit klar, dass seine Verlobung gelöst ist und sein bester Freund sich als Handlanger eines Serienkillers entpuppt hat? Er reagiert auf seine eigene Weise. Aus dem Paranoiker wird kurzerhand ein Misanthrop. Sweets begrüßt überraschenderweise diese Wandlung als legitime Form der Verarbeitung, und ein bisschen grotesker Humor steckt schon in dem neuen Miesmacher. Dass es ausgerechnet der allerneueste Assistent (wird dessen permanente Neubesetzung etwa zum Running Gag der Staffel?) ist, durch den Hodgins einiges klar wird, war ein netter Coup am Rande. Das Team braucht halt auch mal frische Luft von außen, um drinnen zu entrümpeln, alle zusammen oder eben jeder für sich.

Und zuallerletzt und mal so ganz nebenbei: Den Fall selbst fand ich eher schwach. Indizien, Beweise und Überführung waren im Vergleich eher uninteressant bzw. simpel gestrickt. Aber "Bones" hat eben soviel Substanz, dass man Derartiges immer mal auffangen kann – auch wenn die Qualität dieses Falls nicht zur Regel werden sollte.

Melanie Holtmann - myFanbase

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