Bewertung

Review: #1.10 Brandwunden

Foto: Susanna Thompson, Arrow - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Susanna Thompson, Arrow
© Warner Bros. Entertainment Inc.

In den USA wurden die Zuschauer mit der Episode #1.09 Schwarze Pfeile in die Weihnachtspause entlassen und mussten über ein Monat lang warten, bis sie erfahren haben, wie Oliver mit seiner Niederlage gegen den Dark Archer alias Malcolm Merlyn umgeht und so steht in dieser Episode nicht die Liste oder der Bösewicht der Woche im Mittelpunkt, sondern Olivers psychische Genesung.

"I'm not afraid to die." – "I know, you are afraid to live."

Obwohl die Suche nach dem Feuerleger einen Großteil der Episode einnimmt, steht auch dort Olivers Genesung im Vordergrund. So ist der Bösewicht in dieser Episode auch kein Name auf der Liste, sondern Arrow handelt eigentlich nur aus reiner Gefälligkeit. Und auch wenn ich kein Fan der Beziehung zwischen Oliver und Laurel bin, so bin ich mir fast sicher, dass Oliver auch nur sein Arrow-Kostüm angezogen hat, weil es eben Laurel war, die ihn um Hilfe gebeten hat. Leider hat sich die Chemie zwischen Laurel und Oliver, trotz der diversen, manchmal auch intensiven Szenen, nicht wirklich verbessert. Ich finde es auch sehr gut, dass die Autoren hier momentan nicht versuchen auf Biegen und Brechen eine Liebesbeziehung zu kreieren, sondern dass es zur Zeit eigentlich klar ist, dass Laurel und Tommy zusammen sind. Trotzdem wäre es eigentlich schön, wenn Oliver und Laurel sich auf eine Art Freundschaft zubewegen würden. Schade ist, dass auch dafür die Chemie der beiden einfach nicht ausreicht.

Doch Chemie hin oder her Laurel schafft es immerhin, den psychisch angeschlagenen Oliver dazu zu bringen, dass er sein Arrowkostüm anzieht und dabei hilft, den Mörder von Joannas Bruder zu finden. Spannend war der Fall vor allem deswegen, weil ein Feuerwehrmann andere Feuerwehrmänner umbringt und man natürlich relativ lange nach dem Grund dafür sucht. Sobald dieser aber dann raus ist, wird dem Fall auch die Spannung genommen, da es eigentlich klar ist, dass Garfield nun an der Benefizgala auftauchen und versuchen wird, seinen ehemaligen Vorgesetzten umzubringen. Schlimm war dieses Ende jedoch nicht, weil mir die Begegnung zwischen ihm und Arrow beziehungsweise Oliver sehr gut gefallen hat. Die Aussage, welche ich hier als Titel gewählt habe, beschreibt für mich sehr gut, dass Oliver genau weiß, wie sich Garfield fühlt. Denn auch er hatte lange Zeit keine Angst vor dem Sterben, sondern eher vor dem Leben, und dass sich dies nun etwas geändert hat, macht ihm jetzt wohl auch wieder irgendwie Angst.

Diese Angst vor dem Leben ist jedoch nicht die einzige Parallele zwischen Oliver und Garfield. Die viel offensichtlichere ist die Rache. Garfield will sich für das rächen was ihm passiert ist, den seiner Meinung nach, hat ihn sein Vorgesetzter im Stich gelassen und ist somit Schuld daran, dass er im brennenden Haus gefangen wurde. Olivers Motivation ist eine andere, jedoch genauso wirkungsvoll. Er hat seinem Vater versprochen, sich an den Menschen zu rächen, welche in Starling City ihr Unwesen treiben. Diese beiden Parallelen zwischen dem Killer Garfield und Oliver haben die Grauzone in welcher sich Arrow bewegt, sehr gut aufgezeigt. Er ist zwar einerseits ein Held, da er die Kriminellen der Stadt zur Strecke bringt, anderseits ist er jedoch auch ein Verbrecher, der Selbstjustiz übt, was laut Gesetz verboten ist.

Massiv gestört an der ganzen Sache um den Feuerleger Garfield, hat mich der mangelnde Einbezug von Joanna De La Vaga. Schließlich war sie es, die überhaupt dafür verantwortlich ist, dass sich Oliver und Laurel mit dem Fall beschäftigt und somit diverse Morde aufgeklärt haben. Wäre Joanna nicht gewesen, wäre die Sache mit ihrem Bruder nämlich als Unfall abgestempelt worden, also wäre es nicht zu viel verlangt gewesen, ihr ein klein wenig mehr Screentime zu verschaffen und wenigstens zu zeigen, dass sie am Gang der Ermittlungen interessiert ist.

"This man in the hood have been a positive force in the city. So where has he been for the past six weeks?" – "Looks like everyone is disappearing."

Oliver ist nach seinem Kampf mit Malcolm Merlyn nicht nur körperlich geschwächt, sondern auch sein Wille und sein Mut sich wieder als Arrow in den Kampf gegen die Verbrecher von Starling City zu begeben, scheint gebrochen zu sein. So legt er in dieser Episode die Liste beiseite und will sich eigentlich ganz seiner Familie widmen, die ihn nach Walters Verschwinden auch gebrauchen kann. Damit hat Oliver auch gleich eine gute Ausrede parat, weswegen er sich momentan nicht als Arrow verkleidet und Verbrecher jagt. Natürlich nimmt Diggle ihm diesen Grund nicht ab, was zeigt wie gut er Oliver inzwischen kennt. Auch, dass Diggle Oliver immer wieder bedrängt und immer wieder auf sein "Problem" anspricht, zeigt von dessen Menschenkenntnis. Denn ich glaube Oliver musste seine Angst zu sterben erst einmal laut aussprechen, um sich diese dann selbst einzugestehen. Denn bis zu dem verlorenen Kampf hat sich Oliver nicht damit auseinandersetzen müssen und hat somit diese Veränderung in sich gar nicht richtig bemerkt.

Diese Veränderung beinhaltet einerseits die Angst zu sterben und anderseits auch, die Menschen, die er liebt und die ihn lieben, erneut zurückzulassen und ihnen Sorgen zu bereiten. Wahrscheinlich hat Oliver nach fünf Jahren auf der Insel und den Vorkommnissen dort nicht damit gerechnet, dass er wieder diese Zuneigung seiner Familie gegenüber verspüren würde, und dass auch umgekehrt ihm diese Zuneigung entgegengebracht wird. Außerdem hat er sich in den letzten Jahren wohl so eine Art Schutzpanzer zugelegt, der ihn glauben machte, dass er unverwundbar sei. Der Kampf mit Malcolm hat ihm gezeigt, dass dies ganz und gar nicht der Fall ist und nun wird er mit Gefühlen und Gedanken konfrontiert, die ihn an seinem Kampf zweifeln lassen. Dass er sich diese Zweifel absolut nicht leisten kann, wird klar, als er sich in dem brennenden Gebäude mit Garfield anlegt. Denn dadurch, dass Oliver sich im Kampf zurückhält, da er Angst hat verletzt oder sogar getötet zu werden, lässt nicht nur seine Konzentration nach, sondern auch seine Kampfkunst, die sicherlich teilweise auch aus Risikobereitschaft besteht, ist nicht die gleiche wie vorher. Das alles hat zur Folge, dass Garfield nicht nur noch einen weiteren Feuerwehrmann umbringen kann, sondern auch Arrow überwältigt.

Schlussendlich sind es dann jedoch, neben Diggle, genau die Menschen die Oliver nahestehen, die verantwortlich dafür sind, dass er wieder zu seinem alten Ich zurückfindet und als Arrow weiter für Gerechtigkeit in Starling City sorgen kann. Denn sobald Oliver merkt, dass der Fall gefährlich wird, nimmt er die Fäden wieder selber in die Hand. Die Sorge um Laurel, der er sozusagen den Fall übertragen hat, beziehungsweise mitgeteilt hat, dass sie sich nun ohne ihn um alles kümmern muss, treibt ihn nämlich dazu, sich seinen Ängsten zu stellen und ihm wieder sein Ziel, die Liste, vor Augen zu führen. Denn wie Diggle sagt, sind es genau die Menschen, die man liebt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Und für seine Familie und wohl auch für Laurel will Oliver sein Versprechen seinem Vater gegenüber einhalten und Starling City zu einem bessern Ort machen.

"Please don't presume to think that you know what I'm going throw." – " I do know. I lost Dad too. I'm worried about Walter too, but I don't get so worried about him, because I'm busy worrying about you."

Walter wird immer noch vermisst und Moira, die so etwas ähnliches schon einmal durchmachen musste, fällt nicht nur in eine tiefe Depression, nein sie stößt auch noch ihre Kinder von sich. In diesem Handlungsstrang ist für mich Thea zum ersten Mal richtig hervorgestochen und hat gezeigt, dass sie nicht nur die kleine, verwöhnte Schwester von Oliver ist. Sie hat ihrer Mutter mit einer Deutlichkeit klargemacht, dass sie nicht die einzige ist, die leidet und sie selbst ihren Vater auch verloren hat und ihre Mutter braucht. Denn egal durch welche schwere Zeit Moira auch geht, sie ist immer noch eine Mutter und hat eine Tochter und einen Sohn, die sie brauchen. Vor allem Thea war beim Tod ihres Vaters und vermeintlichen Tod ihres Bruders noch sehr jung und braucht dadurch ihre Mutter, als verbleibenden Elternteil, vermehrt. Und da Walter für Thea in den letzten Jahren so etwas wie ein Ersatzvater geworden ist, leidet sie natürlich auch unter dessen Verschwinden.

Moira nimmt sich die Worte ihrer Tochter zu Herzen und "erwacht" dadurch aus ihrer Depression und nimmt ihre Stellung bei Queen Consolidated wahr. Es bleibt nur zu hoffen, dass Moira sich dadurch nun nicht in ihrer Arbeit vergräbt, um so mit dem Schmerz von Walters Verschwinden fertig zu werden. Denn damit wäre weder ihr, noch ihren Kindern geholfen. Ich bin also skeptisch, was diese Veränderung angeht und hätte mir eher gewünscht, dass Moira sich erst einmal ein bisschen Zeit für ihre Tochter und natürlich auch für ihren Sohn genommen hätte.

"Next time your daughter calls the vigilante, we're able to listen every word."

Eine weitere Eltern/Tochter Beziehung, um die es nicht wirklich gut steht, ist die zwischen Laurel und ihrem Vater Quentin. Diesem scheint momentan nichts anderes wichtig zu sein, als Arrow zu fassen, dafür belügt er sogar seine Tochter, beziehungsweise benutzt sie für seine Zwecke. Doch auch Laurels Verhalten sagt so einiges über die Beziehung zu ihrem Vater aus. Schließlich stiehlt sie zuerst Arrows Handy vom Schreibtisch ihres Vaters und lügt diesen anschließend auch noch an, indem sie ihm sagt, dass Arrow sein Handy zurückverlangt hat. Ich bin gespannt wie Laurel reagieren wird, wenn sie von dem Plan ihres Vaters erfährt. Wird dies zum endgültigen Bruch dieser doch sehr wackligen Beziehung führen oder können sich die beiden zusammenreißen und die Familienbande erneut knüpfen? Auch wenn ich immer noch nicht mit Laurel warm werden konnte, so bringt dieser Handlungsstrang wenigstens Quentin etwas vermehrt ins Zentrum des Geschehen und das freut mich sehr, da ich finde Paul Blackthorne ist bis jetzt in der Serie noch ein bisschen zu kurz gekommen. Und auch Laurels Charakter wird in dieser Storyline wenigstens ein bisschen greifbarer, als in ihren sonstigen Szenen, wie beispielsweise in ihrer Beziehung zu Tommy, die momentan einfach nur langweilig und völlig ohne Chemie ist. Hier hoffe ich eigentlich vermehrt auf Szenen zwischen Oliver und Tommy, die für mich als Freunde sehr gut harmonieren und auch Potential für interessante Storylines aufweisen, haben sich doch beide in den letzten Jahren unglaublich verändert, sind aber dennoch Freunde geblieben.

Fazit

Eine Folge, die vor allem durch die nähere Beleuchtung von Olivers Gefühlslage und seinen Problemen damit punkten konnte. Auch wenn der Fall einige Schwächen aufweist, ist er aufgrund der Parallelen von Garfield zu Oliver gut gewählt. Die Inselstoryline war dieses Mal sehr nebensächlich und meines Erachtens wohl eher eine Vorbereitung auf ein größeres Geschehen. Dafür hat man für einmal Thea in einem anderen Licht gezeigt und Quentin Lance vermehrt ins Zentrum gerückt. So kann man im Großen und Ganzen von einer Folge sprechen, die etwas über dem Durchschnitt anzusiedeln ist.

Maria Schoch - myFanbase

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