Bewertung: 7

Review: #7.01 Angriff der H-Vampire

Die letzte Flasche True Blood ist angebrochen. Zehn Schlucke dürfen wir noch nehmen, dann müssen wir satt sein, ob wir wollen oder nicht. Der erste Schluck diser letzten Flasche schmeckt schon einmal gewaltig. Mit Tara wird ein Mitglied der Urbesetzung getötet, auf Sookie prasseln die feindlichen Gedanken ihrer Mitmenschen ein, Pam spielt Russisches Roulette in der nächtlichen Hitze von Marrakesch und Arlene, Holly sowie Nicole geraten in die Gewalt der H-Vampire.

Nachruf auf Tara

In einer Zeitung dürfte man einen ehrlichen, ausführlichen Nachruf auf Tara nicht veröffentlichen - minderjährige Leser könnten davon permanente Alpträume bekommen. Nach einer schweren Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter geriet Tara als Erwachsene immer wieder in schreckliche Situationen voller Gewalt und Verluste. Hinter ihr waren Mänaden, Vampire, Hexen und Werwölfe her, sie wurde ausgenutzt, misshandelt, entführt, erschossen und selbst in einen Vampir verwandelt. Ihr endgültiges Ende ereilt Tara in dieser Folge, während sie ihre Mutter beschützt, die so selten für sie da war, der sie aber gerade wieder etwas näher gekommen ist. Vollendete Tragik.

Zwar habe ich von vornherein erwartet, dass es in dieser Staffel prominente Opfer geben würde, aber dabei habe ich weder explizit an Tara gedacht, noch damit gerechnet, dass das Sterben von Hauptcharakteren derart früh beginnt. Irgendwie vereint die Serie "True Blood" in sich die völlig gegensätzlichen Konzepte, den Tod lange hinauszuzögern und kurzen Prozess zu machen. So zäh viele der Charaktere auch sind und so unerwartete Comebacks sie mitunter erleben, können sie dann doch innerhalb eines Wimpernschlages sterben, noch bevor die Zuschauer richtig Platz genommen haben. Luna war auch so ein Fall.

Darüber, ob wir Tara in irgendeiner Form wiedersehen werden, kann man nun spekulieren. Unter Einfluss von Willas Blut behauptet Lettie Mae, Tara zu sehen und ihr helfen zu müssen. Willa und Reverend Daniels tun dies als drogenindizierte Wahnvorstellungen ab, doch ist es wirklich so simpel? Botschaften aus dem Jenseits haben wir bei "True Blood" schon mehrmals erlebt, auch einen Geister-Vampir hatten wir in Gestalt von Godric bereits. Lettie Mae ist definitiv zuzutrauen, dass sie etwas Verrücktes tut, um mit Tara in Kontakt zu treten. Man muss nur an die erste Staffel und das Kapitel um Miss Jeanette zurückdenken. Außerdem haben wir das Medium Lafayette.

Da Lettie Mae und der Reverend, dem ein Vorname so langsam auch gut zu Gesicht stünde, in dieser Staffel zu den Hauptcharakteren gehören, bin ich gespannt, in welche Richtung ihre Handlungen gehen werden. Beide Charaktere sind mir nicht sonderlich sympathisch und genießen bei mir wenig Vertrauen angesichts ihrer abgehobenen Religiosität und der zur Schau gestellten Moralität, hinter der sich einige Sünden (Ehebruch, eigene Kinder im Stich lassen) verbergen. Ausgerechnet die beiden sind aber momentan Willas einziger Halt.

Sookie, der Sündenbock

Im Angesicht großen Leids gehört das Küren eines Sündenbocks bedauerlicherweise mit zu den ersten Handlungen der Betroffenen. Es wird nichts ungeschehen gemacht oder gelöst dadurch, jemandem die Schuld zu geben, aber es fühlt sich gut an. Man kann seine Wut und Ängste auf den Sündenbock übertragen, kann sich daran aufrichten, diese Person zu hassen und gegen sie zu wettern, und natürlich muss man sich dann nicht mit der eigenen Schuld auseinandersetzen. Sookie bietet sich als Sündenbock hervorragend an. Sie war in Bon Temps schon immer als Freak verschrien und für den Geschmack der meisten Leute viel zu tolerant gegenüber Vampiren. Mittlerweile steht sie sogar offen dazu, eine Telepathin zu sein. Sookies Beziehung zur Mehrheit der Bevölkerung von Bon Temps war nie harmonisch, auch wenn dies nur in einzelnen Episoden explizit hervorgehoben wurde. Bewusst war es uns im Prinzip immer. Die Personen, mit denen Sookie überwiegend interagiert und denen sie nahe steht, sind nur eine Minderheit in Bon Temps.

Die Bedrohung durch die H-Vampire ist die erste Situation, in der wirklich die ganze Stadt erleben kann, was in Sookie steckt und wie viel sie immer wieder bereit ist, zu riskieren, um anderen zu helfen. In der zweiten Staffel gab es durch Maryann Forrester zwar schon einmal eine Bedrohung für ganz Bon Temps, doch wurden den Bürgern da bekanntlich die Gehirne gewaschengewaschen, so dass sie gar nicht wissen, was eigentlich passiert ist.

Im Zuge der neuen Ereignisse erfahren die Bewohner von Bon Temps möglicherweise endlich, dass Sookie und die Vampire bei weitem nicht die einzigen "Freaks" sind, die unter und mit ihnen leben, und sie zum Beispiel einen Gestaltwandler zu ihrem Bürgermeister gewählt haben. Vielleicht lernen die Menschen in Bon Temps nun vollendete Toleranz und richtigen Zusammenhalt, vielleicht zeigt sich aber auch ein für alle Mal, dass die Mehrheit dazu nicht in der Lage ist, und vielleicht gibt es bald überhaupt keine Menschen mehr in Bon Temps. Alles ist zu diesem Zeitpunkt möglich.

Wir lernen eine Gruppe von Bürgern kennen, die schon wieder den falschen Pfad beschreitet und, angeführt von dem gescheiterten Bürgermeisterkandidaten Vince, eigenmächtig, hasserfüllt und unüberlegt handelt. Wird dieser Vince zu einer Kleinstadtversion von Truman Burrell? Oder zu einer etwas weniger verrückten Antwort auf Sweetie Des Arts? Es scheint jedenfalls nicht so, als habe Vince aus den Fehlern von Burrell und Sweetie gelernt und als wäre das Wissen, dass Sam ein Gestaltwandler ist, bei ihm gut aufgehoben. Den ersten Eindrücken nach, wird Vince versuchen, sich die Situation zunutze zu machen, um doch noch die Rolle des Stadtoberen an sich zu reißen, nicht gewählt auf Stimmzetteln, sondern durch Angst und Hass. Wie gesagt, die Menschen in Bon Temps stehen vor ihrer größten (Charakter-)Prüfung.

Ein paar Worte noch zu der Minderheit in Bon Temps alias Sookies Vertrauten. Von denen zeigt auch Alcide Zweifel an Sookie, trotz seiner Liebe zu ihr. Ganz neu ist das für uns nicht. Alcide hatte schon immer Probleme mit Sookies Vampirfreundlichkeit und sah es nie gerne, wenn sie ihr Leben für die Blutsauger riskierte. Dabei spielt und spielte Eifersucht selbstverständlich auch eine Rolle. Man darf Alcides erste Gedanken nach einem solchen Massaker sicherlich nicht zu hart gegen ihn verwenden, aber viele Hinweise darauf, dass Sookie und Alcide eine lange, glückliche Zukunft als Paar vor sich haben, gab es in der gesamten Serie nicht und dies bestätigt sich zum Auftakt der finalen Staffel.

James' Story & Jessicas Sühne

Jessicas Freund James wird in der siebten Staffel von einem anderen Darsteller gespielt als noch in Staffel sechs. Der ursprüngliche Schauspieler, Luke Grimes, war mit der Richtung, die der Charakter nehmen soll, nicht glücklich. Das lässt ja erst einmal aufhorchen. Zum Auftakt der Staffel deutet sich nun an, was dies für eine Richtung ist. Wir erfahren, dass James auch auf Männer steht, und sehen ein leichtes Näherkommen zwischen ihm und Lafayette. Das hat sich in der sechsten Staffel kein bisschen angedeutet, aber bei "True Blood" muss man mit so etwas immer rechnen. Sexuelle Spannung ist hier quasi mit dem CO2 verbunden.

Unterdessen hält die Reue suchende Jessica wie versprochen Wache, um Adilyn zu beschützen. Apropos (unterwartete) sexuelle Spannung. Ich kann nicht umhin, auch zwischen Jessica und Adilyn einen Hauch von körperlicher Anziehung zu erkennen. Der Moment, als Jessica Adilyn ihr Blut gibt, um mit ihr verbunden zu sein, und die Art, wie Jessica Adilyn im Arm hält, als sie von deren Geruch kurz überwältigt wird, haben schon eine erotische Komponente. Das muss wirklich nicht heißen, dass jemals etwas zwischen den beiden passiert, denn natürlich wäre das sehr bizarr, aber, nun ja, "True Blood", letzte Staffel ... wer will da schon Wetten abschließen?!

Die sterbenden Untoten

Vampire können wirklich sehr lange auf Erden weilen, wie wir wissen. Wenn sie die erste Zeit nach ihrer Verwandlung überstehen und stark und clever genug werden, sich nicht pfählen, köpfen oder verbrennen zu lassen, ist ihrer Existenzdauer keine Grenzen gesetzt. Für die H-Vampire, die mit dem Virus Hep V infiziert sind, gilt dies nicht mehr. Ihnen bleibt nur noch eine sehr begrenzte Zeit, denn ihre Körper zersetzen sich. Die H-Vampire haben absolut nichts mehr zu verlieren und lassen die Bestie aus sich raus. Sie sind grausam, hemmungslos und durchaus widerlich. Allerdings scheint es in der Gruppe, die Bon Temps als riesiges Buffet betrachtet, zumindest eine gewisse Kommandostruktur zu geben, den sie hat sich auf ein Signal hin zurückgezogen. Genaueres wissen wir aber noch nicht.

Russisch Roulette - Vampirstyle

Während Bon Temps im Blut versinkt, treibt sich Pam in Marrakesch herum und sucht nach Eric. Da wir diesen zuletzt als wandelnde Fackel im schwedischen Gebirge gesehen haben, können wir mit Marrakesch als Schauplatz wenig anfangen. Vampire beim Russischen Roulette zu beobachten, ist zwar ganz nett, aber wie ich schon in den vergangenen beiden Staffeln des Öfteren angemerkt habe, frustriert Pams Fixierung auf Eric etwas. Pam muss gespürt haben, dass Tara getötet wurde, aber sie zeigt keine eindeutige Reaktion darauf und macht keine Anstalten, nach Bon Temps zurückzukehren. Sie könnte für Tara zwar sowieso nichts mehr tun, aber es dürfte sie doch schon interessieren, was genau mit ihrem Abkömmling passiert ist und wie es Willa geht. Wäre Pam gar nicht erst aufgebrochen, um ihren Macher zu finden, der gar nicht gefunden werden will, hätte sie Tara natürlich beschützen können. Zu Anfang der Serie mochte ich Pams und Erics Beziehung sehr gerne, aber der Charakter Pam leidet zusehends unter diesem Drang, Eric immer hinterher zu laufen, selbst wenn er sie wegstößt. Sie hätte viel mehr für Tara und Willa tun und eine würdevollere Entwicklung nehmen können.

Maret Hosemann - myFanbase

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