Bewertung: 3

Review: #10.18 Happy Monday

Foto: Melissa McBride & Norman Reedus, The Walking Dead - Copyright: Eli Ade/AMC
Melissa McBride & Norman Reedus, The Walking Dead
© Eli Ade/AMC

Was soll ich zu dieser Episode nur sagen. Da wartet man sehr lange auf die Fortsetzung der Staffel, hat eine ereignisreiche Episode #10.17 Home Sweet Home und dann wird das Tempo mit #10.18 direkt wieder auf fast null gedrosselt. Das ist enttäuschend, zumal der inhaltliche Mehrwert dieser Carol-Daryl-Episode äußerst überschaubar ist.

"Irgendwas ist anders. Als wäre das Gute dieser Welt nicht mehr auf unserer Seite.“

Die ersten Szenen haben schon erahnen lassen, dass diese Episode vor allem Carol und Daryl betrachten wird und der erste fast schon philosophische Austausch war eigentlich noch recht vielversprechend. Carol ist nachdenklich, in gewisser Hinsicht pessimistisch, während Daryl eigentlich kämpferisch und optimistisch, dass sich alles wieder fügen wird und Zerstörtes wieder aufgebaut wird. Das wäre eigentlich ein guter Anfang, der durch verschiedene Ereignisse weiterdiskutiert werden könnte. Stattdessen treffen Carol und Daryl aber auf einen Ort, an dem Daryl früher schon mal eine Weile verbracht hat. Mit dem Start des Rückblickes wird einem bewusst, in dieser Episode werden wir alle anderen Charaktere nicht zu sehen bekommen. Und das ist für mein Serienherz in der Regel ein sehr schlechtes Zeichen, denn in der Regel langweilen mich die auf einen Charakter fokussierten Episoden, insbesondere, wenn etwas erzählt wird, was schon lange her ist und keine wirkliche Relevanz mehr hat. Diese Episode macht da leider keine Ausnahme.

“Irgendwann holt uns das alles ein.“

Wir erinnern uns also an die Zeit, in der Daryl der Gemeinschaft den Rücken gekehrt hat, um mit seinem Kummer, dem Verlust von Rick und allem anderen in der Wildnis allein sein wollte und dabei auf Hund getroffen ist. Fünf Jahre ist das also her. Man kann der Erzählung also positiv abgewinnen, dass man selbst noch mal reflektiert, was eigentlich alles passiert ist. Daryl war allein, hatte aber immer wieder Carol als Freund und jemand, der sich in unregelmäßigen Abständen gekümmert hat und viel Verständnis entgegen gebracht hat. Das mag für die aktuelle Beziehung von Daryl und Carol interessant sein, richtig wichtig empfand ich das nicht. Denn das alle ihr Päckchen zu tragen haben in dieser Welt, die von regelmäßigen Verlusten und schwierigen Entscheidungen geprägt ist, ist absolut nichts Neues.

“Sie hat hier gewohnt?“

Die Rückblicke sind dann auch mit kleinen Zeitsprüngen gespickt, die dann vor allem Daryl und eine Frau zeigen, die ebenfalls sehr lange vollkommen auf sich allein gestellt gewesen ist und sich langsam an Daryl annähert. Was mir hier schon etwas missfällt, ist die Tatsache, dass es immer wieder vollkommen abgeschiedene Einzelpersonen zu geben scheint, die trotz Nahrungssuche etc. nie auf andere treffen. Vielleicht kann ich mir immer die Größe der Wälder nicht vorstellen, aber eigentlich sind doch die Gruppen ständig auf der Suche, wie kann man denn da ständig Häuser übersehen, die vielleicht Nahrung bieten. Noch seltsamer finde ich aber eigentlich, dass Daryl offenbar nie auf die Idee gekommen ist, immer mal wieder nachzuschauen, ob Leah wieder zurück gekommen ist. Er kennt sich so gut aus, liest Fährten, fertigt Karten an und dann muss er zufällig wieder auf das Haus treffen? Auch hier fehlt mir offenbar ein Gefühl für die Dimensionen der Wälder.

Das größte Problem an dieser Episode ist aber wohl einfach, dass der Überraschungseffekt fehlt. Man weiß im Wesentlichen schon, was passieren wird, weil man den Ausgang kennt. Und die Details sind dann bei unbekannten Charakteren wie Leah auch nicht wirklich interessant. Natürlich hatte auch sie ihre Tragödie und irgendwie verschwindet sie dann auf einmal. Das hat mich nicht mal emotional ergriffen, wenn ich mich in Daryl hineinversetze. Das ergreift mich nicht und ist auch an keiner Stelle wirklich außergewöhnlich, als erzählenswert gewesen.

"Vielleicht haben wir unser Glück ja überstrapaziert.“

Die Konsequenz aus den zähen, eher langweiligen 40 Minuten ist dann, dass Daryl und Carol in Streit ausbrechen, weil sie sich endlich mal die Wahrheit sagen, bzw. weil Daryl endlich die Wahrheit sagt. Es war schon etwas faszinierend, wie sehr er seinen Kummer der Freundschaft zu Carol untergeordnet hatte. Da Carol es aber hier wieder schafft, eine empathielose Hexe zu sein und nur ihre Selbstrechtfertigung im Sinn hat um dann ihre selbsterfüllende Prophezeiung zu rezitieren, bin ich sehr froh, dass Daryl darauf keine Lust mehr hat. Das hat sicherlich ein paar Auswirkungen auf das aktuelle Geschehen, auch wenn noch nicht klar ist, in welche Richtung es geht. Ich merke immer wieder, dass ich Carol nicht mehr brauche.

Fazit

Ich kann diesen Episoden, in denen nur ein, zwei Charaktere betrachtet werden, einfach nichts abgewinnen. So schön es ist, intensiv Zeit mit den Charakteren zu verbringen, so wenig bringt es doch die Staffel voran. So fühle ich mich hingehalten, denn der Mehrwert der Erzählung ist mir auch nicht groß genug, um eine ganze Episode damit zu rechtfertigen.

Emil Groth - myFanbase

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