Bewertung: 8

Review: #12.06 Die Imitations-Irritation

Foto: Johnny Galecki & Kaley Cuoco, The Big Bang Theory - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Johnny Galecki & Kaley Cuoco, The Big Bang Theory
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Mit einer Halloween-Episode geht es in die sechste Episode der Serie und lässt dabei dem lustigen Schauspiel freien Lauf. Bei allem Spaß ist aber auch ein bisschen Inhalt mit dabei.

"I find you guilty of murder because you are killing it."

Es ist Halloween und Howard hat die geniale Idee, sich als Sheldon zu verkleiden und sich so über ihn lustig zu machen. Sheldon bemerkt es erst überhaupt nicht und ist dann beleidigt und geknickt, dass man über ihn gelacht hat. Ich muss schon sagen, dass Howard hier eine wunderbare Nummer abgezogen hat und Sheldon perfekt imitierte. Das hat richtig Spaß gemacht. Dass es Sheldon verletzt hat, kann man natürlich auch nachvollziehen, ich finde aber ziemlich schade, dass es bei ihm nichts bewirkt hat. Ich hatte gehofft, dass man zwölf Jahren mit dem Charakter dann doch ein bisschen weiter gekommen ist. Schwierig ist dabei auch, dass die Serie nun mal zum Stilmittel hat, dass sich die Charaktere gegenseitig über sich lustig machen. Das trifft manchmal auch Sheldon, der sonst ja immer enorm austeilt. Howard hatte es hier nun sehr offensichtlich gemacht und die Kränkung ist daher nachvollziehbar. Doch muss man Sheldon denn wirklich immer noch so wenig Selbstreflexion geben, dass er bei der späteren Entschuldigung bei Bernadette überhaupt keine Besserung zeigt und sich wieder nur um sich kümmert? Auch finde ich Amy in ihrer Reaktion zu eindimensional. Natürlich verteidigt sie ihren Mann, aber eigentlich gehört es auch zu ihrem Charakter, sich auch in die andere Seite hineinzuversetzen. Sheldon mag für sein Verhalten nicht in dem Maße verantwortlich sein, weil sein Autismus nun mal nicht auszustellen ist. Trotzdem fehlte mir eine Szene, in der Amy zumindest mal deutlich macht, dass Sheldon eben nicht alles richtig macht. Seine Besserwisserei ist da ja eigentlich harmlos und gar nicht der entscheidende Punkt in seinen Eigenschaften. Aus meiner Sicht verhalten sich Amy und Sheldon also eigentlich etwas sehr kindisch. Zumal Howard eigentlich nur lustig war, während Sheldon und Amy es in ihrer Retourkutsche ja auf die pure Verletzung abgesehen haben. Außerdem muss man auch hier sagen, dass es seltsam ist, dass Amy das Gespräch mit Bernadette sucht, damit sie Howard zu einer Entschuldigung bei Sheldon bringt. Da könnte Amy ruhig den direkten Weg suchen und selbst mit Howard sprechen. Da wäre die Erfolgsaussicht auch viel größer gewesen.

Trotz aller Gehässigkeit muss man auch sagen, dass Amy und Sheldon als Bernadette und Howard auch sehr witzig gewesen sind. Wenn man aber auch hier zwei Mal darüber nachdenkt, merkt man, dass es bei deren Darstellung wirklich nur darum ging, gemein zu sein und es damit übertrieben hat. Bei Howard kann man ja auch noch behaupten, dass er so übertrieben hatte, weil Sheldon es nicht gerafft hatte. Dadurch offenbart die inhaltliche Betrachtung der überaus witzigen Verkleidungen (Raj und Leonard hatten auch tolle Kostüme) ein paar Charakterschwächen, die der Episode zwar nicht den Spaß nehmen, es aber auch nicht zulassen, dass man im Gesamtkontext in dieser Staffel erstmals die volle Punktzahl vergeben könnte. Das ist dann doch etwas zu plump gewesen.

Zwiegespalten bin ich auch bei der Auflösung des Konflikts. Gerade weil ich Amys Absichten als eher böswillig angesehen habe, finde ich es schwach von ihr, dass sie im Nachgang nicht die Größe hat, sich zu entschuldigen und die Situation wieder zu entspannen, vor allem, als Howard deutlich macht, dass er über so etwas drüber steht. Als dann nur Sheldon bei Bernadette ist, hat es mir sehr gefallen, wie ihre Gemeinsamkeiten herausgearbeitet wurden und Bernadette deutlich machte, dass Stimme und Größe bei ihr sehr wunde Punkte sind, die ihr auch eine Schlagfertigkeit antrainiert haben. Amy hätte das sicherlich sehr gut verstanden und sich dann entschuldigt. Diese Versöhnung fehlt mir in dieser eigentlich leicht angelegten Episode. Sheldons Entschuldigung fällt dann wie schon erwähnt ja eher aus, weil er mehr auf die Melone schielt, als Bernadette verstehen zu wollen. Das war dann also auf Bernadette betrachtet gelungen, von der anderen Seite eher schwach. Erst beleidigt sein, dann ordentlich zurück schlagen und nichts aus der Situation lernen. Schade.

"I wanted our first kiss to mean something, that's why I said it was the one at your birthday."

Da Penny und Bernadette sich zu Halloween nicht auf Arbeit verkleiden dürfen, beschließen Penny und Leonard kurzerhand, bei sich eine Halloweenparty auszurichten, auch weil Penny das früher gerne gemacht hat. Die Party selbst spielt zwar nur eine kleine Rolle, die Bedeutung von Halloween für Penny und Leonard wird hier aber schön in Szene gesetzt. Leonard erinnert sich nämlich gerne an den ersten Kuss mit Penny auf ihrer damaligen Party zu Halloween und ist zurecht unglücklich, dass Penny sich daran offenbar nicht mal mehr erinnern kann. Mir gefällt es sehr, dass man bei dieser vor allem spaßigen Episoden eine Brücke über zehn Jahre zurück schlägt und man sich auch mal wieder in Erinnerung ruft, unter welchen Umständen sich Penny und Leonard überhaupt erst zu einem Paar entwickelten, welches seit ein paar Jahren auch wie selbstverständlich ist. Dass ihre Geschichte in dieser Episode dann sogar noch einen Aww-Moment bekommt, weil Penny zugibt, sich an den Kuss zu erinnern, ihn aber nicht schön genug findet, um ihn als ersten Kuss dieser inzwischen innigen Liebe anzusehen, war schon sehr romantisch und schön formuliert. Das sagt auch viel über Pennys Entwicklung aus. Wie viel es manchmal ausmacht, wenn man in einer normalen Geschichte noch die richtigen Worte einfügt und damit so viel daraus macht. Das hätte man an so vielen Stellen in den letzten Jahren auch schon machen können. So ist mir in dieser Episode zum Beispiel negativ aufgefallen, dass Stuarts Freundin nicht bei der Party war und das überhaupt keine Rolle spielte, als würde Denise gar nicht existieren. Hier hätte ein ordentlicher Satz doch schon gereicht.

Fazit

Es war eine ungeheuer witzige Episode, die man sich eigentlich jedes Jahr anschauen könnte. Inhaltlich kann es nicht an allen Stellen überzeugen, aber das kann man bei diesem Anlass auch mal etwas in den Hintergrund drängen.

Emil Groth - myFanbase

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