Bewertung: 8

Review: #13.21 Beat the Devil

Foto: Misha Collins, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Misha Collins, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Irgendwie scheint sich "Supernatural" zur Zeit etwas schwer damit zu tun, bei den inhaltsstarken Folgen eine gesunde Balance zu finden. Denn wieder hat man es geschafft, #13.21 Beat the Devil dermaßen vollzustopfen, dass man kaum hinterhergekommen ist. Es ist offensichtlich, dass die Serienmacher die Charaktere für das große Finale an eine ganz bestimmte Position bringen möchten. Dafür wird nun etwas brecheisenmäßig die Geschichte zurechtgebogen, bis es auch so klappt. Grundsätzlich kein Problem, denn die Folge war definitiv aufregend und unterhaltsam, aber man hätte sich das ganze Gehetze und das ein oder andere Logikloch locker sparen können, indem man den Hauptplot besser auf die anderen Folgen verteilt.

"I know a thing or two about wounded masculine pride."

Wenn man sich den Anfang der Folge anschaut, könnte man fast meinen, dass die Serie alle Zeit der Welt hat. Teilweise kam ich mir vor wie im falschen Film. Sams Traumsequenz mit den glücklichen Winchesters plus erweiterter Familie? Die ganzen anzüglichen Witze? Und was war das bitteschön mit den hörbaren Gedanken von Gabriel und Rowena, Kitschfilm Atmosphäre inbegriffen? Immerhin konnte ich ihnen die Sache mit den beiden komplett abkaufen. Schließlich sind sie Vergnügungen ja alles andere als abgeneigt und schon ganz alleine die verstörten Blicke von Sam, Dean und Cas, als sie die beiden praktisch in flagranti erwischen, waren das Drumherum wert.

Das war's dann aber auch schon mit dem Großteil des amüsanten Vorgeplänkels. Denn während ihres ernsten Gesprächs in der Küche stellt Team Free Will fest: Nachdem Gabriel als Gnade-Quelle nicht in Frage kommt, bleibt nur noch Luzifer. Natürlich muss es darauf hinauslaufen. Und ebenso klar ist eigentlich auch, dass das Ganze nicht gutgehen kann. Wie Sam schon sagt, am Ende ist Luzifer immer auf freiem Fuß. Zusammen mit Sams kleiner Rede aus der letzten Folge darüber, dass er unbedingt in die Parallelwelt mitkommen möchte, war das ziemlich deutliches Foreshadowing.

"You gave me something to fight for again."

Aber der Reihe nach. Erst einmal musste Luzifer gefangen werden, was alles in allem schockierend einfach war. Wenn es reicht, dem Teufel einfach K.O.-Tropfen zu verabreichen, wieso haben sie das nicht schon längst versucht? Vielleicht musste Luzifer aber auch erst völlig am Boden sein, bevor das möglich war. Wie auch immer, es war eine tolle Aktion, als Rowena und Gabriel gemeinsam Luzifer fangen. Alleine die Genugtuung, als Gabriel Luzifer ausknockt - herrlich. So clever ihre Falle auch war, so blöd war der Rest des Plans. Da kommt Sam schon auf die super Idee, Luzifer als Batterie zu verwenden, und dann versauen sie die Sache bei der Durchführung. Wer bitteschön hat gedacht, dass es reicht, den Teufel nur mit ein paar kleinen Handschellen zu fesseln, ohne Bannring, ohne weitere Zauber, nichts. Und wieso knebeln sie ihn nicht wenigstens, wenn sie ihn denn schon am Leben lassen. Meiner Meinung nach wäre es am einfachsten gewesen, wenn sie Luzifer töten (oder zumindest seine Gnade abzapfen), die dann aufteilen und eine Portion mit in die Parallelwelt nehmen. Tada, Gnade To-Go. Aber nein, man lässt Luzifer munter mitten im Bunker am Boden knien. Der nächste böse Fehler ist, ihn mit Rowena alleine zu lassen. Gehen wir einfach mal davon aus, dass man ihr tatsächlich 100% trauen kann (obwohl sie bis vor kurzem doch dafür bekannt war, gerne mal Seiten zu wechseln). Dann bleibt sie immer noch eines von Luzifers Opfern, die nach wie vor sehr unter ihrem erlebten Trauma leidet. Warum lässt man sie also ganz alleine bei Luzifer zurück, der sich natürlich sofort daran macht, sie weichzukochen?

Egal wie viel zusammengeschustert werden musste, um Luzifer an seine gewünschte Position in der ganzen Geschichte zu bekommen, eines haben sie wirklich sehr gut hinbekommen: Den Übergang vom armseligen Luzifer hin zu der furchterregenden Version, die wir damals in Staffel 5 kennengelernt haben. In der Bar erleben wir ihn am Tiefpunkt und während er Rowena zwar bewusst tyrannisiert, scheint Luzifer erst dann richtig aufzuwachen, als Rowena Jacks Aufenthaltsort erwähnt. Ich weiß immer noch nicht, wie ich Luzifers Fixierung auf Jack deuten soll, aber wenn sie ihn wieder interessant macht, ist mir das Wieso auch egal. Blöderweise ist es ausgerechnet Sam, der als erstes auf den wiedererweckten Luzifer trifft.

"I was the one who brought you back to life."

Die einzige Sache, die ich dieser Folge nicht so wirklich verzeihen kann, ist Sams Tod. Dabei geht es mir gar nicht um den Tod an sich. Es gehört ja schon fast zur normalen Unterhaltung dazu, dass einer der Winchesters mal wieder das Zeitliche segnet, wenn sie sich die Staffel dem Ende nähert. Ich glaube kaum, dass man die Zuschauer damit noch wirklich schockieren kann, es steht ja eh fest, dass es das nicht gewesen sein kann. Doch eines haben sie bisher immer geschafft: Egal wie oft Sam und Dean nun sterben, es hatte immer Bedeutung, hat einen immer mitgenommen. Und genau das hat heute gefehlt. Die Folge ist zusammen mit der Gruppe so schnell durch die Parallelwelt gehetzt, dass es kaum Zeit gab, etwas wirklich auf sich wirken zu lassen. Dabei hat das Tunnelsystem so eine tolle Kulisse dargeboten. Herrlich schaurig, wie aus einem Horrorfilm, in dem hinter jeder Ecke ein Monster lauern kann. Und dann entfernt sich Sam wie ein Anfänger von der Gruppe und lässt sich von ein paar Vampiren überwältigen? Wo sind denn bitte die beiden Engel, von denen zumindest Gabriel doch noch genug Energie hatte, um später die Bannzauber zu überwältigen? Plötzlich ist Sam tot und man hat kaum Zeit, das wirklich ankommen zu lassen, denn schon muss es weitergehen. Keine Frage, die Emotionen von Sam, Dean und auch Cas waren absolut herzzerreißend und überzeugend. Alleine Deans toter Gesichtsausdruck, als sie aus dem Tunnel kommen hatte Gänsehautfeeling. Aber trotzdem hat das nicht gereicht. Dabei hatten wir die Situation doch schon mal. In #11.17 Rotes Fleisch wurde Sam von einem Werwolf getötet und Dean musste ihn zurücklassen. Nur hat man sich da eben die Zeit genommen, den Schock und die Folgen der Entscheidung auf sich wirken zu lassen. Hier wird das mal eben in ein paar Minuten abgehakt. Dabei geht es immerhin noch um einen der beiden Hauptcharaktere.

Aber hey, Sam lebt ja noch. Große Überraschung. Zugegebenerweise, das Warum war dann tatsächlich unerwartet: Luzifer, und zwar wieder mit voller Energie und wiederentdecktem Willen. Man kann nicht umhin, die Ironie in dem Ganzen zu sehen: Dean wurde einst von Castiel gerettet, Sam nun von Luzifer. Ausgerechnet Luzifer. Das muss für Sam so ziemlich das Worst-Case-Szenario überhaupt sein. Dabei hatte er doch endlich einmal die Kontrolle, hatte Luzifer gefesselt vor sich und konnte ihm selbstsicher in die Augen sehen und klarmachen, dass er ihn töten wird, sobald sie ihn nicht mehr brauchen. Jetzt wird ihm wieder jegliche Kontrolle entrissen. Er steht gewissermaßen sogar in Luzifers Schuld, nachdem der ihn wieder zurückgebracht hat. Nicht zu vergessen, dass sie ihn wohl für ihren Kampf gegen AU!Michael brauchen. Trotzdem lässt Luzifer Sam die Wahl. Auch das lässt einen an die Anfänge zurückdenken, als es noch um die wahren Hüllen ging. Sam hat zwar die Entscheidungsfreiheit, doch letztlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als ja zu sagen. So sehr es mir für Sam leid tut, dass er so wieder in diese Abhängigkeit mit Luzifer gezwungen wird, es ändert nichts daran, dass diese beiden zusammen einfach geniale Szenen haben und Luzifer endlich, endlich wieder etwas von seiner anfänglichen Bedrohlichkeit zurückgewonnen hat.

Randnotizen:

  • Da fehlte bei der Beschwörung des Tores doch eine Zutat? Kein Wunder, dass der Riss so schnell zusammengebrochen ist.
  • Mal wieder perfekte Musikwahl: "Father and Son" läuft im Hintergrund, während Luzifer an der Bar sitzt und seiner nicht vorhandenen Beziehung zu Jack hinterher trauert.
  • Nehmen sie den Bergpass oder den Tunnel - "Herr der Ringe" lässt grüßen. Und will man uns wirklich weißmachen, dass es da keinen anderen Weg gab?
  • Es mag nur eine kurze Szene inmitten all der Spannung gewesen sein, aber Rowena, die erst gewohnt schnell verschwinden will und es dann doch nicht übers Herz bringt, war einfach ein schöner Moment, der zeigt, wie sehr sie sich doch verändert hat.
  • Wieso ist Dean nicht einfach zuerst ins Camp gegangen, anstatt Gabriel mal eben so deren einzigen Schutz vor ihren Feinden zerstören zu lassen?
  • Der Raum, in dem Sam lag, hatte mit den großen Deckenventilatoren gewisse Ähnlichkeit mit Bobbys Bunker oder aber auch Luzifers Käfig.
  • Meinte Billie nicht schon seit Ewigkeiten, dass die Winchesters nicht mehr wiederbelebt werden? Oder bezieht sich das nur auf ihre eigenen Rettungsaktionen?
  • Endlich treffen Luzifer und Jack nun aufeinander. Ich bin ja mal gespannt, wie das laufen wird. Bisher war mehr als deutlich, dass Jack sich seine eigene Familie ausgesucht hat und die ihm auch wirklich etwas bedeutet.



Fazit

Es hat eine rasante und teilweise etwas zusammengebastelte Episode voll Action, Plottwists, Humor und tiefen Emotionen gebraucht, um die Charaktere für das Finale in die richtigen Positionen zu bringen. Nachdem sich Team Winchester eigentlich schon wunderbar auf die Mission vorbereitet hat, müssen sie ihre Pläne nun durch Luzifers Erscheinen komplett über den Haufen werfen. Mary und Jack sind zwar gefunden, doch das bringt sie nur näher an die wohl unausweichliche Schlacht mit Michael heran.

Denise D. - myFanbase


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