Bewertung: 6

Review: #13.20 Eine offene Rechnung

Foto: Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Obwohl #13.20 Unfinished Business weiter an der Haupthandlung arbeitet, hatte die Folge eine ganz andere Stimmung, was wohl nicht zuletzt daran gelegen hat, dass Richard Speight, Jr. wieder Regie führte. Alles ist sehr künstlerisch, leicht verrückt und lustig – passt eigentlich perfekt, nachdem es ja um Gabriel und seine Vorgeschichte als Trickster geht.

"Oh, so you have better things to do than save the world?" -
"Exactly!"


Gabriel hat vielleicht keine Lust auf Weltrettung, das heißt aber noch lange nicht, dass er untätig herumsitzt. Stattdessen hat er seine eigene kleine Rachemission am Laufen. Auf den ersten Blick mag es vielleicht etwas übertrieben wirken, so kurz vor dem Finale noch eine ganze Folge fast komplett für Gabriels Vergangenheit zu verbraten, ich fand es aber trotzdem sehr interessant und aufschlussreich. Schließlich scheint alles darauf hinauszulaufen, dass Gabriel einer der größten Spieler im Endkampf werden wird und außerdem war es eine der Fragen der letzten Zeit, wie es sein konnte, dass Asmodeus Gabriel überhaupt erst in die Finger bekommen konnte. Genau darauf haben wir nun eine Antwort bekommen, auch wenn man dafür etwas weiter ausschweifen musste. Viele tausend Jahre sogar. Es wird endlich erklärt, wie es sein kann, dass Gabriel gleichzeitig auch Loki ist, denn der ist ja schließlich ein eigener Gott. Die Auflösung ist eigentlich ganz simpel: Gabriel rettet Loki das Leben und darf dafür in seine Rolle schlüpfen, Tricks inklusive. Etwas merkwürdig ist es ja schon, dass niemand bemerkt hat, dass das nicht der echte Loki ist, aber naja, da sollte man wohl nicht zu genau nachhaken. Spulen wir lieber vor bis zur Beinahe-Apokalypse in Staffel 5, bei der Gabriel noch einmal Schutz bei den nordischen Göttern suchen wollte, all das wohlgemerkt, nachdem er den Tod ihres Vaters Odin verschuldet hat. Aber zerstritten oder nicht, Familie bleibt nun mal Familie und die Götter verraten Gabriel. So lässt es sich zumindest erklären, wie Asmodeus Gabriel überwältigen konnte – er musste es gar nicht tun, sondern hat ihn einfach nur auf dem Silbertablett präsentiert bekommen. Was ist nun die Moral der Geschichte? Abgesehen davon, dass Gabriels Komplexe seiner Familie gegenüber sich eindeutig mit denen von Luzifer messen können, vor allem wohl, dass Gabriel vor seinen Problemen davonläuft.

Jetzt scheint es ganz genauso zu laufen. Sam und Dean brauchen Gabriels Hilfe für ihre Rettungsmission – und der macht sich aus dem Staub. Selbst in dieser Folge kommt er nun deswegen zu den Winchesters, um den Rest seiner Gnade zu bekommen, bevor er sich wieder an seine Vendetta machen kann. Kaum erfährt er, dass das nichts wird, wäre er wieder abgehauen, wenn es ihm denn möglich gewesen wäre. Ja, die ganze Sache lässt Gabriel alles andere als gut dastehen. Trotzdem erkennt man in einigen Momenten, dass da eben doch noch mehr hinter Gabriel steckt. Die Geschehnisse mit Asmodeus haben ihn tief gezeichnet und es ist auch genau der Moment, in dem wir echte Emotionen hinter Gabriels lockerer Fassade erkennen. Ein Blick auf Schmerz, Wut und Rachegelüste.

"Dean, we're going to that place, and we're gonna save Jack and Mom. Together."

Auch wenn es in dieser Folge hauptsächlich um Gabriel ging, hat die Geschichte auch einen ganz aufschlussreichen Blick auf Sam gegeben. Denn der hat sich nicht nur für Rowena eingesetzt, sondern jetzt auch für Gabriel, obwohl sie beide Dinge getan haben, die gegen den Moralcodex der Winchesters gehen. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Es geht ihnen um Rache für die Qualen, die sie durchstehen mussten. Rowena wollte sich mit ihren Hexenkräften vor Luzifer schützen und wäre durchaus bereit, Vergeltung zu üben und Gabriel ist schon dabei, sich an den Göttern zu rächen. Nicht zu vergessen, dass Sam sich danach bei ihm erkundigt hat, wie es ihm jetzt geht, nachdem er seine Rache bekommen hat. Es ist deutlich erkennbar, was in Sam vorgeht. Er will selbst Rache für das, was Luzifer ihm angetan hat, will wissen, ob es die Mühe wert ist. Würde er sich danach besser fühlen? Ich bleibe dabei: Falls wir im Laufe der Serie noch zu sehen bekommen, wie Luzifer stirbt, dann soll es Sam sein, der ihn umbringt.

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Erst einmal geht es ja noch um AU!Michael und dessen himmlische Armeen. Und da war ja noch etwas anderes, was Sam gestört hat. Schließlich hat sich Dean mal wieder dafür entschieden, Sam zu dessen eigener Sicherheit zurückzulassen und stattdessen mit Ketch in die Parallelwelt zu reisen. Das ist nun mal Deans "Ding", wie es Sam so schön ausgedrückt hat. Es ist ihm egal, was mit ihm passiert, solange Sammy nur in Sicherheit ist. So ist es schon immer gewesen und so wird es auch immer sein. Trotzdem war es eine schöne Szene, als Sam klarmacht, dass er dieses Mal sehr wohl mitkommen wird. Dass die beiden zusammen bleiben werden. Zusammen kämpfen. Wenn es sein muss, auch zusammen sterben. Es sind gerade diese Momente zwischen den Brüdern, die das Herz und die Seele der Serie sind. Jetzt hoffen wir mal nur, dass Dean sein Einlenken nicht bald bereuen wird.

"You can't help them if you're dead. And I can't lose another boy."

In der Parallelwelt sieht es derweil erst mal ganz gut aus. Es wurden einige Siege eingefahren und ein Haufen Menschen gerettet. Genug Erfolge, als dass Jack schon den Sieg vor sich sieht. Nur ändert seine unglaubliche Stärke nichts daran, dass es ihm eindeutig an Lebenserfahrung fehlt. Die hat dafür Mary. Sie ist es, die das ganze Bild sieht und misstrauisch bleibt. Denn nachdem Michael es in den vergangenen Jahren problemlos geschafft hat, fast die komplette Welt zu unterwerfen und die Hölle zu vernichten, ist es doch merkwürdig, dass er jetzt so schnell klein bei gibt, starker Nephilim hin oder her. Trotzdem entscheiden sie sich nach Jacks Vision dafür, Michaels Unterschlupf auszukundschaften - und laufen natürlich direkt in die Falle. Kevin als Suizidbomber war schon fast etwas gemein. Auch wenn es nur die Parallelweltversion ist, das hat er nicht verdient. Aber wie auch immer, Michaels Plan geht auf und ein Großteil der Rebellen wird von der Bombe getötet. Selbst Mary überlebt nur, weil Jack sie beschützt (übrigens das erste Mal, dass wir seine Engelsflügel sehen). Damit ist genau das passiert, was Jack doch unbedingt verhindern wollte: Nämlich, dass Menschen wegen ihm sterben. Michael hat erkannt, dass er Jack nicht mit purer Stärke schlagen kann und greift ihn deswegen psychologisch an. Und mit Erfolg, wenn man sich ansieht, wie mitgenommen Jack am Ende war.

Randnotizen:

  • Im Laufe der Folge gab es einige Anspielungen an "Kill Bill".
  • Es hat richtig Spaß gemacht, mal in die nordische Göttersage einzutauchen. Loki und Co. sind nicht zuletzt dank Marvel zur Zeit ja sehr in Mode.
  • Es waren die kleinen Details, die dieser Folge ihren speziellen Humor gegeben haben: Sleipnir, der Pferdegott, der von einer Karotte abbeißt. Loki, der statt einer Zigarren- eine Lollikiste hat. Die skurrile Kampfszene am Anfang zwischen Gabriel und Fenrir, eingeleitet mit einem Kazoo.
  • Abgesehen von den ganzen lustigen Momente, war der Kampf mit den Göttern im Gang sehr cool gedreht. Gabriel, der das Licht löscht, dann alles in kurzen Actionsequenzen – ja ästhetisch hat mir die Folge wieder super gut gefallen.
  • Michael und seine Armeen sind jetzt also auf dem Weg zu einem Durchgang in diese Welt. Alles scheint sich langsam aber sicher der finalen Schlacht zu nähern.



Fazit

In dieser Folge konnte mit Gabriel ein weiterer Mitstreiter für Team Winchester gewonnen werden. Das ist auch mehr als nötig, denn Michael steht praktisch vor den Toren und es ist mehr als ungewiss, ob Jack alleine die Macht hat, ihm Einhalt zu gebieten.

Denise D. - myFanbase

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