Superman & Lois - Review Staffel 1

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In der TV-Season 2020/2021 gab es eigentlich groß keine Serie, die in der Produktion nicht von der weltweiten Pandemie in irgendeiner Form beeinflusst wurde. Bei "Superman & Lois" ist es zwischenzeitlich auch zu längeren Verzögerungen gekommen, so dass die Auftaktstaffel zweigeteilt ausgestrahlt worden ist. Nach einer fast zweimonatigen Pause, die nach den ersten fünf ausgestrahlten Episoden eingelegt wurde, sind noch die restlichen zehn Episoden gezeigt worden. Dass ich das so genau beschreibe, liegt nun daran, dass die Zweiteilung der Staffel auch eine inhaltliche Aufteilung widerspiegelt. Denn die ersten fünf Episoden bestätigen den Eindruck, den ich schon in meiner Pilot-Review bekommen habe, denn hier steht es nicht zentral im Vordergrund, klassische Superheldengeschichten zu erzählen. Stattdessen geht es vor allem um Familie Kent und wie sie mit den jugendlichen Söhnen sich in Smallville einfindet. Supermans (Tyler Hoechlin) Fähigkeiten sind da nur für einzelne kleinere Momente gefragt oder eben, um seinem Sohn Jordan (Alex Garfin) zu helfen, der gerade seine geerbten Fähigkeiten entdeckt. In der zweiten Hälfte haben wir es eher mit einer klassischen Superheldenserie zu tun, denn die Absichten von Antagonist Morgan Edge (Adam Rayner) werden offenbart und mit einem getätigten Schachzug nach dem anderen wird die Lage für die Bewohner*innen von Smallville immer größer.

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Foto: Tyler Hoechlin & Elizabeth Tulloch, Superman & Lois - Copyright: Warner Bros. Entertainment, Inc.
Tyler Hoechlin & Elizabeth Tulloch, Superman & Lois
© Warner Bros. Entertainment, Inc.

Wenn ich mir nun die Frage stelle, welche Hälfte mir besser gefallen hat, dann ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Denn ich habe die Fokussierung auf die Familie wirklich sehr genossen, zumal diese durch die Cushings, die wiederum ihre ganz eigene Dynamik haben, noch einmal verstärkt wurde. Aber es ist natürlich klar, dass eine Superheldenserie auch klassische Inhaltselemente braucht, die für ein solches Genre typisch sind, denn sonst hätte man auch nicht ausgerechnet Clark Kent und Lois (Elizabeth Tulloch) als Eltern auserkoren müssen. Mir persönlich war Edge als erster großer Antagonist der Serie aber zu viel. Gerade weil ich den Familiencharakter der Serie gelobt habe, war mir die ganze damit zusammenhängende Geschichte zu düster und auch zu komplex. Das generelle Vorhaben von Edge war nachzuvollziehen, aber die einzelnen Schritte waren dann teilweise doch zu kompliziert gestaltet.

Dafür ist es aber auf den dadurch ausgelösten Nebenschauplätzen sehr interessant zugegangen. Zuerst möchte ich hier John Henry Irons (Wolé Parks) nennen, der uns zunächst als Captain Luthor vorgestellt wurde. Bei ihm durfte man vorerst davon ausgehen, dass er den Big Bad der Staffel darstellt, aber nein, stattdessen durfte John Henry zu meinem persönlichen Liebling werden. Spätestens in der Episode, wo man seine gesamte Geschichte präsentiert bekommen hat, war es um mich geschehen, denn die Erkenntnis, dass er auf einer anderen Erde mit einer Version von Lois verheiratet war und sie von Superman hat getötet sehen, das war schon heftig. Aber gleichzeitig ist das einer dieser Kniffe in der ersten Staffel, die es in einer großen Stückzahl gibt (siehe Edges wahre Identität) und die der Serie immer wieder eine unerwartete neue Ausrichtung geben. Während John Henry also zunächst auf Rache und Prävention aus ist, wird er schließlich zum Verbündeten der Superheldenfamilie. Doch ich finde es gut, dass immer noch eine gewisse Portion Skepsis in seinem Handeln drinsteckt, selbst wenn er mit den Kents im Kampf gegen das Böse vereint ist. Denn er kann sich emotional nicht zu sehr auf die Familie einlassen, da dazu auch seine Frau gehört, die mit einem anderen Mann glücklich ist. Das erfordert viel Anstrengung, sich immer wieder bewusst zu machen, dass das nicht 'seine' Lois ist. Aber während Superman in der Darstellung für mich oft etwas zu glatt wirkt, was aber in seiner Position als Familienvater verständlich ist, ist John Henry im Ausgleich dazu sehr cool, weswegen sie sich gut ergänzen.

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Dann haben wir wie angesprochen die Cushings, bei denen zu Beginn alles im Argen zu liegen scheint, aber sie sind die zweite Familie neben den Kents, die viel Erzählzeit eingeräumt bekommen. Während gerade Kyle (Erik Valdez) anfangs nur suspekt daherkommen konnte und auch Lana (Emmanuelle Chriqui) zu sehr wie ein Spielball erschien, haben die beiden sich doch sehr gemausert in der ersten Staffel. Dabei werden sie vor allem auch durch ihre Tochter Sarah (Inde Navarette) angetrieben, denn diese legt bei ihren Eltern immer den Finger in die Wunde. Spätestens zum Ende der Staffel hin ist dann auch klar, dass die Cushings zu den Helden von Smallville gehören und dass sie es verdient haben, so im Fokus der Serie zu stehen.

Bei den Kents sieht das Bild etwas ambivalenter aus, aber sie stehen auch noch mehr im Fokus der Serie, wodurch natürlich dann deutlicher auffällt, wenn gewisse Aspekte noch nicht so ganz stimmig sind. Der Fokus auf die Familiendynamik ist wie gesagt in der zweiten Staffelhälfte etwas verloren gegangen, da wünsche ich mir in Staffel 2 doch ganz dringend, dass die Gewichtung aus Kampf gegen das Böse und individuelle Entwicklung in einer besseren Balance liegt. Besonders gut kann man das an den Kents-Jungs demonstrieren. Bei Jordan zeigen sich wie erwähnt seine Fähigkeiten und einige Folgen lang ist es ein dominierendes Thema, wie er einerseits überfordert ist und andererseits aber seine neu gewonnenen Freiheiten und Kräfte austesten will. Dieser Aspekt geht aber im Kampf gegen Morgan Edge völlig verloren. Nur noch selten werden seine Fähigkeiten überhaupt erst erwähnt und das ist doch sehr fahrlässig. Bei Jonathan (Jordan Elsass) gelingt es insgesamt besser darzulegen, wie sehr er daran zu knabbern hat, dass er als bisheriger 'Star'-Bruder nun der 'Normale' ist. Da muss er plötzlich seinen Platz im Leben finden und zeichnet sich mit gewissen Fertigkeiten an Waffen aus. Es wird zwar noch spekuliert, ob Jonathan auch noch Fähigkeiten entwickeln könnte, aber eigentlich finde ich den Gegensatz reizvoll, denn das DC-Universum hat genug wahre Helden, die über keine angeborenen Kräfte verfügen.

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Wichtige Themen innerhalb der Staffel sind auch Mut und innere Stärke und da zeigt sich gerade bei den Kents immer wieder, dass Lois und Jonathan auch ohne besondere Kräfte diese Werte genauso verkörpern, weswegen sie sich auch immer gegenseitig helfen und es nicht nur so ist, dass die Starken die Schwachen beschützen. Gerade Lois verkörpert das auch par exellence, denn als leidenschaftliche Ehefrau, Mutter und Journalistin hat sie gleich eine Dreifachrolle, wo sie einfach nur umhauen kann. Mit dieser Frau ist ganz sicher nicht zu spaßen und wenn du sie auf deiner Seite weißt, dann musst du dir schon keine Sorgen mehr machen. Etwas komplizierter ist es wieder mit ihrem Vater Samuel (Dylan Walsh), der als Leiter der DOD doch viel isoliert agiert und vor allem dadurch beruflicher Natur. Erst hinten heraus wird dieser Umstand immer wieder angesprochen, weil er viele fragwürdige Entscheidungen trifft, oft gegen das Interesse der Familie. Insgesamt endet die Staffel aber so, dass sich einige Umbrüche andeuten, was der Serie wieder neues Potenzial eröffnet und darauf bin ich sehr gespannt.

Was bleibt also nun nach Staffel 1? Auch wenn es möglicherweise nur der Corona-Pandemie geschuldet war und Staffel 2 auf eine volle Episodenanzahl kommen wird, haben die 15 Episoden dem inhaltlichen Geschehen sicher gut getan, denn so gab es eine klare Ausrichtung, ohne große Filler-Episoden. Auch wenn die erste Staffel 1 sicherlich nur an dem kratzt, was im Gesamten möglich sein könnte, so kann ich nachvollziehen, dass "Superman & Lois" nicht gleich alles an Pulver verschossen hat. Die angesprochene Schwester von John Henry und die wahre Identität von Tegan (Kayla Heller), die offensichtlich Verbindungen zu Central City hat, das sind schon zwei Aspekte, die noch viele Enthüllungen versprechen. The CW ist im Übrigen dafür bekannt, seinen Serien (und dabei vor allem den DC-Serien) viel Kredit zu spendieren, so dass mit einer Absetzung ohnehin nicht zu rechnen war. In dieser Gesamtsicht kann ich mit der ersten Staffel sehr zufrieden sein, denn es wurde etwas dargeboten und gleichzeitig ist völlig klar, dass hiernach die Luft noch nicht raus sein wird. Andere DC-Serien wie "The Flash" oder "Arrow" haben in ihren ersten Staffeln einen Maßstab gelegt, der dann nur noch selten bestätigt werden konnte. In diesem Sinne ist es sinnvoll, dass "Superman & Lois" sehr gut, aber noch nicht überragend agiert.

Fazit

"Superman & Lois" bietet alles in allem eine überzeugende Premierenstaffel an, denn inhaltlich sticht die Serie definitiv im DC-Portfolio heraus. Nach hinten heraus wird es den anderen Superheldenserien zwar sehr ähnlich, aber dennoch bleiben die Familie und damit unterschiedliche Generationen und unterschiedliche Themen stets erhalten. Auf die Mischung muss auch unbedingt in Staffel 2 gesetzt werden, denn in den Kents und in den Cushings steckt noch so viel Potenzial. Zudem hat die Serie bewiesen, viele Überraschungseffekte anbieten zu können, was den Faktor unberechenbar besteht. Sollten im nächsten Jahr wieder Crossover möglich sein, bin ich wirklich gespannt, wie gut sich "Superman & Lois" einfügen lässt. Ein erster Gastauftritt von John Diggle hat jedenfalls schon einmal Lust darauf gemacht. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Midseason und mehr von "Superman & Lois".

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Lena Donth - myFanbase

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