Partner Track - Review Staffel 1

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Als vor knapp einem Jahr die neue Netflix-Serie "Partner Track" angekündigt wurde, hat alleine die Nachricht, dass Arden Cho für die zentrale Hauptrolle gewonnen wurde, bei mir Freude ausgelöst, denn schon in "Teen Wolf" fand ich sie wirklich großartig als Kira Yukimura. Auch in "Chicago Med" hat sie vorbeigeschaut, doch dort war ihre Rolle Emily Choi vom Drehbuch her nicht unbedingt das, was ihr den roten Teppich ausgerollt hat. Dennoch ist stets eine große Portion Charme von ihr versprüht worden und ich habe mich immer gefragt, warum sie nicht mehr auf dem Bildschirm zu bewundern ist. Ihre Rolle in "Partner Track" wurde aber noch interessanter, als sich später die Meldung verbreitete, dass Cho nicht im "Teen Wolf"-Film zu sehen sein wird, weil sie deutlich niedriger als die anderen weiblichen Hauptdarstellerinnen bezahlt werden sollte. Da war ich nicht nur stolz auf sie, dass sie so konsequent abgelehnt hat, sondern ihre Rolle in "Partner Track" wirkte dadurch noch weitsichtiger, weil es inhaltlich eben um systematischen Rassismus u. a. geht. Wie ist nun also das Endergebnis von Staffel 1?

Foto: Arden Cho & Rob Heaps, Partner Track - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix
Arden Cho & Rob Heaps, Partner Track
© 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix

"Partner Track" beruht auf einem Roman von Helen Wan (englisches Original bei Amazon vorbestellen), den ich selbst nicht gelesen habe, dessen Klappentext aber als inhaltliches Zentrum der Handlung die Vorgänge bei der angesehenen Anwaltskanzlei Parsons Valentine & Hunt beschreibt und das speziell mit Brennglas auf den Themen Sexismus und Rassismus am Arbeitsplatz. Da Klappentexte nur die Aufgabe haben, Lust auf ein Buch zu machen und wahrlich nicht alles verraten dürfen, bleibt hier offen, wie stark die anderen Figuren und das Privatleben der Hauptfigur mitsamt ihrer Liebesgeschichte eingebunden sind. Für die Serienadaption würde ich jedenfalls festhalten, dass wir es zur Hälfte mit Inhalten zu tun haben, die das Anwaltsleben mitsamt den (kritischen) Vorgängen ins Zentrum stellen und zur anderen Hälfte mit Inhalten, die einer klassischen RomCom entsprechen. Die Mischung aus diesen beiden Aspekten ist wahrlich nicht zum Scheitern verurteilt, auch wenn natürlich gewisse Punkte sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen, aber dennoch war ich gespannt, wie sich beide Seiten jeweils entfalten werden.

Fangen wir mit den RomCom-Teilen an, denn das ist in meinen Augen gerade durch Ingrid (Cho) in den ersten Episoden sehr stark repräsentiert, da sie in der ersten Episode mit Jeff (Dominic Sherwood), mit dem sie ein vergangener One-Night-Stand verbindet, und mit Nick (Rob Heaps) gleich zwei Männer zur freien Auswahl hat. Aber auch bei Tyler (Bradley Gibson) und Rachel (Alexandra Turshen), die die anderen beiden Fixpunkte der Geschichte sind, wird Liebe groß geschrieben. Mir persönlich hat die Geschichte von Rachel und Rechtsanwaltsgehilfe Justin (Roby Attal) dabei am besten gefallen, weil sie den besten roten Faden hatte und weil hier die Chemie grandios stimmte. Ihre anfängliche Genervtheit von ihm und dass es aber ausgerechnet er war, der hinter ihre Fassade blicken konnte und wirklich viele tolle Sachen gesagt hat. Deswegen konnte ich mich Tyler in einer Szene nur anschließen, als er meinte, dass Justin Rachel wirklich gut tut. In der Tat. Sie ist zwar auch so herrlich Badass und ihre Art, mit ihren Fällen umzugehen, absolut herrlich, aber sie ist eben nicht nur tough und mit Justin an ihrer Seite kann sie sich mehr ihren verletzlichen Seiten stellen. Aber auch seine Entwicklung war löblich, denn obwohl er zunächst nichts an seinem neuen Job ernst zu nehmen schien, hat er mehr und mehr gelernt, auch für die Themen zu brennen. Tylers Liebesleben mit seinem langjährigen Freund Anthony (Ronald Peet) erschien zunächst die stabilste Beziehung zu sein, aber auch die, hinter deren Fassade wir nie so wirklich blicken konnte. Deswegen fand ich die Trennung nicht schlimm, denn die Zeichen standen vorher schon nicht gut.

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Foto: Dominic Sherwood, Partner Track - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix
Dominic Sherwood, Partner Track
© 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix

Kommen wir zurück zu Ingrid, bei der es mir wirklich schwer fällt, die RomCom-Anteile zu bewerten. Am einfachsten tue ich mich mit der Aussage, dass Nick leider keine Figur war, die Eindruck hinterlassen hat, obwohl er beispielsweise viel mehr auf dem Bildschirm zu sehen war als Anthony und bei dem wir auch mit seiner Familiengeschichte etwas hinter die Fassade blicken durften. Aber ich kann mir nicht helfen, ich fand Heaps Schauspielleistung stellenweise linkisch und unbeholfen. Die erste Begegnung mit Ingrid ging noch gut los, auch weil sie über das Thema Philosophie einen ungewöhnlichen gemeinsamen Ansatz hatten, den ich aber spannend fand. Doch die erste Staffel hat schon deutlich auf das Gaspedal bei denen beiden gedrückt und der Funke kam nicht rüber. Es war sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Figur Ingrid zu keinem Zeitpunkt mit mehr als 50% dabei war, aber es lag eben auch an Heaps, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er wirklich gespielt hat und es so nicht natürlich wirken lassen konnte. Das ist insofern schade, weil ich ihn in "Good Girls" zusammen mit Mae Whitman an seiner Seite großartig fand. Auf der anderen Seite haben wir Sherwood, der in "Shadowhunters" eine langjährige Serienhauptrolle inne hatte. Seine Rolle Jeff ist davon sicherlich nicht weit entfernt, denn auch hier geht es mehr um das Eigenbrötlerische, das Düstere gepaart mit einem gefährlichen Charme. Diese Rolle hat er einfach drauf, aber auch hier: im Zusammenspiel mit Cho wurde es schwierig. Die ersten Szenen hatten noch einen gewissen Reiz, weil dort auch der Schnitt mit Flashbacks zum One-Night-Stand direkt eine heiße Stimmung kreiert hat. Danach war es mir aber zu wiederholend, wie sie sich immer anzogen und wieder abstießen. In meine Wertung fließt sicherlich noch etwas hinein, was ich erst im nächsten Abschnitt ansprechen möchte, aber es sagt doch viel aus, dass ich eher auf die Szenen mit Klient Z Min (Desmond Chiam) geblickt habe, obwohl sie keine einzige zusammen hatten, bei der direkt 'Romantik' in Großlettern über dem Geschehen prangte. Aber bei den beiden Figuren hat man Respekt, gegenseitiges Verständnis und wachsende Freundschaft gemerkt, die sich problemlos zu mehr entwickeln könnte. Ich wäre darum wahrlich nicht böse, von daher, sorry, Nick und Jeff!

Foto: Bradley Gibson, Partner Track - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix
Bradley Gibson, Partner Track
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Wenn man eben so zwei deutlich unterscheidbare Themensektoren hat, dann geben sich durchaus auch Überschneidungen, weil die Grenzen zwischen Systemkritik und RomCom aus vielerlei Gründe dann nicht einfach zu ziehen ist. Ich würde das hier argumentativ mit zwei Charakterentwicklungen aufzeigen wollen, wobei wir Tyler schneller abgehandelt haben. Er ist sicherlich derjenige, der im Gegensatz zu Ingrid viel stolzer mit seinem kulturellen Erbe umgeht und genau weiß, wo seine Position im Leben ist, die er dann zu sprengen sucht. Aber eben nicht, indem er sich anpasst, sondern indem er bewusst auf Füße trifft. Das ist nicht immer einfach, da bei Parsons Valentine & Hunt zu viele Traditionalisten zu finden sind, aber dennoch spricht er seine Kritik stets offen aus. Als die Rahmenbedingungen für ihn nicht mehr zu ertragen sind, kündigt er konsequent, auch wenn damit ein großes Risiko verbunden ist. Bis hierhin war ich wirklich sehr zufrieden mit Tylers Darstellung, doch dann musste es zum Betrug an Anthony kommen. Auch wenn ich diese Beziehung wie gesagt bis dato nicht als Aushängeschild empfunden hatte und auch verstehen kann, dass sich Tyler zu sehr bevormundet gefühlt hat, so finde ich es schade, dass er diesen Schritt gegangen ist, denn es passte nicht zu seiner bisherigen Darstellung. Zwar hat er recht schnell das klärende Gespräch mit Anthony gesucht, aber da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Vielleicht habe ich es auch in der Gesamtsicht noch kritischer gesehen, weil das Thema Betrug auch bei Ingrid auftauchte und in dieser Dopplung hatte ich den Eindruck, dass Unehrlichkeit dem Partner gegenüber hier ein wenig glorifiziert wird. Dazu unterstützend gab es auch ein Gespräch mit dem Freundestrio sowie Anthony (was für ein Ironie!), wo Rachel meinte, dass das Eingeständnis von Betrug mehr für einen selbst, als für den Betrogenen sei, was ich sehr fragwürdig finde. Ich will hier auch gar keine Lanze für strenge Monogamie brechen, weil jede*r in seinem*ihren Lebensmodell leben soll und alles seine Berechtigung hat, aber das Codewort ist immer Ehrlichkeit, weil darauf jede gute Beziehung fußt. Aber echte Ehrlichkeit ist in dieser ersten Staffel nicht vermittelt worden und ich muss sagen, dass solche Aspekte dann auch die Romantik, die entstehen sollte, ordentlich gebremst hat.

Foto: Bradley Gibson, Alexandra Turshen & Arden Cho, Partner Track - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix
Bradley Gibson, Alexandra Turshen & Arden Cho, Partner Track
© 2022 Netflix, Inc.; Vanessa Clifton/Netflix

Bei Ingrid war es charakterlich für mich eine echt wilde Achterbahnfahrt, denn in der ersten Episode wurde ich von Cho sofort eingelullt und war direkt schwer begeistert, bis ich dann von der Figur genervter und genervter wurde und eine regelrechte Hassliebe entwickelt habe. Während ich Cho liebe, so habe ich Ingrid gehasst und das war wirklich ein großes Problem. Ich habe verstanden, warum sie so unbedingt Partnerin werden wollte und es steht für mich auch außer Frage, dass sie eine großartige leidenschaftliche Anwältin ist, aber die Scherben, die sie auf ihrem Weg hinterlassen hat, die waren für mich irgendwann nicht mehr zu entschuldigen. Wie sie mit Nick gespielt hat (Chemie hin oder her) war grausam, wie sie ihre Schwester Lina (Lena Ahn) teilweise angegangen ist, obwohl diese genauso Träume und zu hadern hat, unterirdisch und selbst ihre beiden besten Freunde waren ja vor nichts sicher und speziell ging es dabei um den Verrat an Tyler. Aber schon vorher hatte ich nicht den Eindruck, dass sie die beste Freundin war, denn wenn die drei gemeinsame Szenen hatten, um wen ging es? Ingrid. Wer hat als Einzige nicht kapiert, was in Rachel vorgeht? Ingrid. Wer hat seine Freunde vermisst, als es ihr mies ging und nicht vorher? Ingrid. Der gleich mehrfache Betrug an Nick war dann nur noch die Krone des Ganzen. Auch wenn ich natürlich verstehe, dass diese erste Staffel Ingrid moralisch in die Enge treiben sollte, so hätte ich diese Herausforderungen gerne vor allem auf der beruflichen Ebene gesehen, denn auf der persönlichen Seite hat es sich in einer Art und Weise gestapelt, die ihrem Charakter überhaupt nicht gestanden hat.

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Foto: Matthew Rauch, Arden Cho & Dominic Sherwood, Partner Track - Copyright: 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix
Matthew Rauch, Arden Cho & Dominic Sherwood, Partner Track
© 2022 Netflix, Inc.; Courtesy of Netflix

Nun also zu den kritischen Themen, die ich mir insgesamt etwas dominanter in der Staffel erhofft hatte, aber wo es angeboten wurde, war es überzeugend. Der Höhepunkt wurde sicherlich mit dem Retreat geboten, bei dem Dan (Nolan Gerard Funk) seinen Stand-Up-Beitrag vorträgt, nachdem Tyler ihn wegen Verhaltensweisen von 'weißer Zerbrechlichkeit' zur Rede gestellt hat. Dan, der auch zum Hauptcast gezählt wird, ist sicherlich die widerlichste Figur dieser ersten Staffel und es fehlt sicherlich bei ihm noch einiges an Hintergrund, aber es hilft für die Themenauswahl, ihn hier als so klaren Antagonisten positioniert zu haben, ohne Entschuldigungen für ihn zu suchen. Sein Beitrag war widerlich und tatsächlich schwer zu ertragen, aber eben inhaltlich genau auf den Punkt, weil es gezeigt hat, dass er sich das nur getraut hat, weil er in einem System ist, was ihn schützt. Deswegen hat auch die nachträglich eingeleitete Untersuchung nichts gebracht. Es war eine spannende Montage, in der viele Sichtweisen dargeboten wurden, aber am Ende geht Dan als Sieger hervor. Diese Handlungsbögen finde ich hier auch so wichtig, weil "Partner Track" sich bewusst ist, das System nicht mal eben glücklich aushebeln zu können. Deswegen war es vom charakterstarken Tyler auch so wichtig, seine Konsequenzen zu ziehen. Während Ingrid die Figur ist, die sich immer einredet, dass sie das System verbessern kann, wenn sie an dessen Spitze steht, erkennt er, dass dies unmöglich ist und plant den Widerstand von außerhalb. Das ist schlichtweg in unserer Realität die authentischste Darstellung.

Bei Ingrids Fall mit der Eingliederung von Min Industries in SunCorp, der zu viele Auf und Abs hatte, weil es schon etwas nervig wurde, dass immer ein neues Problem zu lösen war, fand ich auch sehr vielversprechend, dass es thematisch um Klimaschutz ging. Man hat also deutlich gemerkt, dass "Partner Track" sich am Puls der Zeit befindet, denn Z ist an sauberer Technologie interessiert, was eines DER Schlagworte für die nächsten Jahre sein wird. Zudem blitzt hier bei Ingrid auch das durch, was mich immer mal wieder erleichtert hat, denn sie weiß um die Wichtigkeit eines solchen Themas und sie hat ein schlechtes Gewissen, das bewusst zu torpedieren, entscheidet sich aber dennoch für den Betrug. Letztlich wird Ingrid aber an den Punkt getrieben, wo sie aufwacht. Sie wird vermutlich nie Tyler sein können, aber sie ist doch so gepickt worden, dass sie voller Wut ist. Da war es sinnbildlich schön, dass metaphorisch gesehen am Ende der Klimaschutz gewinnt, weil Z dem neu fusionierten Unternehmen vorstehen wird. Es war auch schön, wie alle wichtigen Figuren zusammenkamen und ich wirklich in allen Poren Menschlichkeit verspürt habe. Das waren am Ende genau die Momente, die mich mit der ersten Staffel wieder etwas versöhnt haben. Zumal ich eben sehr positives Potenzial für Staffel 2 sehe. Bei Rachel muss man noch etwas abwarten, wohin ihr Weg führt, komplett weg vom Anwaltsdasein wäre für die Serie wahrscheinlich kontraproduktiv, aber sie steht dafür, den eigenen Traum zu leben, selbst wenn es nicht das große Geld bedeutet. Tyler wird als Anwalt bei Valdo (Alejandro Hernandez) sicherlich genau die Aufgabe haben, die für ihn richtig ist und es wird ihn genau mit denen in eine gegnerische Position bringen, die er besiegen will. Ich freue mich schon jetzt, wenn er und Dan beruflich aufeinandertreffen. Ingrid steht irgendwo in der Schwebe, aber sie ist erstmal aufgewacht und deswegen ist die Hoffnung wohl berechtigt, dass wir eine Ingrid 2.0 erleben und so sieht alles schon deutlich besser aus.

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Fazit

"Partner Track" ist ohne Frage schnell durchzuschauen, weil Unterhaltung in jedem Fall garantiert ist. Aber die Serie setzt sich mit der Systemkritik in der Gesellschaft ein schwieriges Thema, das zwar in einigen Sequenzen sehr gut getroffen wird, eröffnet damit aber auch einen moralischen Kompass, der dann auf der leichteren RomCom-Ebene sehr gefährlich wird. Ich war vom Charakter Ingrid stellenweise unfassbar enttäuscht und sie ist der zentrale Fokus der Serie; womit die Probleme dann auf der Hand liegen. Zum Ende hin wird die Kurve dann versöhnlich gekriegt und ich sehe auch vielversprechende Inhalte für Staffel 2, aber die sollte besser nicht dieselben Fehler noch einmal machen.

Lena Donth – myFanbase

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