Lucifer - Review, Staffel 6

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Staffel 5B von "Lucifer" hat mich leider sehr enttäuscht zurückgelassen, denn die recht kurzfristigen Zusatzepisoden sowie gar die Verlängerung um Staffel 6 hat man der Serie einfach angemerkt. Natürlich hat sie ihren Charakter dennoch nicht verloren, aber sie wirkte nicht so ausgewogen, oft überhastet und an manchen Stellen auch lückenhaft. Deswegen war meine Vorfreude auf die (nun aber wirklich) finale Staffel nicht riesig groß, weil ich irgendwie die Sorge hatte, der Trend setzt sich auch weiterhin fort. Dann aber habe ich mich wieder beruhigt und mir gesagt, dass das Serienfinale schon in den richtigen Händen liegen wird. Die tatsächliche Antwort liegt nun eigentlich ziemlich in der Mitte, weswegen ihr nachfolgend eine ausgewogene Mischung an positiven und negativen Aspekten nachzulesen bekommt.

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Foto: Aimee Garcia & Tom Ellis, Lucifer - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
Aimee Garcia & Tom Ellis, Lucifer
© 2021 Netflix, Inc.; John P. Fleenor/Netflix

Contra: Eigentlich die gesamte zweite Hälfte der fünften Staffel war darauf ausgerichtet, dass Lucifer (Tom Ellis) sich in den Kopf gesetzt hat, den Posten von Gott zu übernehmen. Letztlich endete es auch damit, dass er nach einem epischen Kampf gegen seinen Zwillingsbruder Michael (ebenfalls Ellis) endlich am Ziel seiner Träume ist. Und was ist in Staffel 6? Jegliche Euphorie für diesen Job ist verflogen und über die Staffel hinweg zieht sich sein Bemühen, diesen Job nicht antreten zu müssen. Ja, was soll man dazu jetzt sagen? Zwar ist Lucifer alleine aufgrund seines Wesens nicht meine Idealbesetzung für Gott, aber im Grunde hat die gesamte Serie zu diesem Punkt hingeführt, nur damit dann wieder alles mit Füßen getreten wird. Ich glaube, dass das aber weniger am Willen Lucifers lag, sondern viel mehr an der Scheu der Serienmacher, auch wirklich dauerhaft Lucifer im Himmel als Gott darzustellen. Bis dato hatten sie immer nur kleine Einblicke in ihre Vorstellung von Himmel und Hölle gegeben, aber es wäre eben etwas völlig anderes gewesen, einen Großteil dort spielen zu lassen. Ja, es wäre wahrscheinlich auch ein Risiko gewesen, aber diese Lösung jetzt ist einfach ein Verpuffen von inhaltlich konsequentem Aufbau. Aber ich stimme mit der Endlösung von Amenadiel (D.B. Woodside) als Gott völlig zu.

Pro: Ella (Aimee Garcia) hat es in Sachen Liebe nie leicht in "Lucifer" gehabt, aber sie war auch die Einzige aus dem Hauptcast, die dauerhaft nichts von der Anwesenheit des Teufels höchstpersönlich sowie anderer biblischer Figuren auf Erden wusste. Mit beidem ist nun noch aufgeräumt worden und ich bin wirklich froh, dass Ella all das bekommen hat, was sie sich ohne Frage verdient gehabt hat. Carol (vom großartigen Scott Porter dargestellt) war wirklich das perfekte Gegenstück zu ihr. Alleine die Episode, wo die beiden unbeholfen miteinander flirten, war zuckersüß für die beiden, aber auch später, als sie wirklich ein Paar werden, konnte man für die beiden zusammen nur schwärmen. Als Ella wiederum die Wahrheit herausgefunden hat, ja, das war ein Schlag in die Magengrube für sie, aber ihre betrunkene Ansprache war auch pure Unterhaltung. Danach hatten es die anderen auch bitter nötig, sich ihr gegenüber zu erklären. Denn sie war die Gläubigste unter allen und für sie wäre es ein absoluter Traum gewesen, viel früher in alles eingeweiht zu sein.

Foto: D.B. Woodside & Rachael Harris, Lucifer - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
D.B. Woodside & Rachael Harris, Lucifer
© 2021 Netflix, Inc.; John P. Fleenor/Netflix

Contra: Manchmal habe ich mich über die fünf Staffeln hinweg doch geärgert, dass "Lucifer" so sehr an der Fall-der-Woche-Konstruktion gehangen hat. Manchmal wären gewisse Konflikte sicherlich freier inszeniert besser angekommen. Aber ausgerechnet in der letzten Staffel hat es mir dann doch gefehlt, dass es nur noch in drei Episoden einen klassischen Fall der Woche gegeben hat. Es war an vielen Stellen sicherlich sinnvoll, darauf zu verzichten, aber so kurz vor dem endgültigen Ende war es dann doch auch wiederum traurig. Wenn es eben das Schema schlechthin der Serie ist, hätte das Fehlen des Falls der Woche die Ausnahme, nicht die Regel sein sollen.

Pro: Da wir gerade beim Fall der Woche waren, möchte ich gerne direkt daran anschließend die Polizeiermittlung erwähnen, die Amenadiel als seine erste große beim LAPD mit seiner Ausbilderin Harris (Merrin Dungey) übernimmt, denn hiermit ist das Thema des Racial Profilings angegangen worden. Schon zuvor war es mal angedeutet worden, weswegen Polizist Reiben (Brian Oblak) nun auch wieder aufgetaucht ist, denn er ist die perfekte Personifikation davon. Der Fall wurde sehr erschütternd dargestellt, weswegen ich auch froh war, dass Lucifer hier ganz außen vor war, denn es war einfach nichts, was man mit Humor hätte übertünchen können, weswegen ich froh bin, dass die Serie hier Fingerspitzengefühl bewiesen hat. Auch mit der Karriere von Harris wurde angesprochen, wie viel schwerer es für People of Color ist. Insgesamt fand ich es wirklich stark, zum Abschluss noch einmal so ein gesellschaftskritisches Statement zu setzen.

Contra: In Staffel 5B hat mich der Tod von Dan (Kevin Alejandro) wirklich eiskalt erwischt. Ich fand die Episode dazu unheimlich berührend gemacht, auch die unterschiedlichen Trauerprozesse danach sowie die Darstellung der Beerdigung. Doch diese starken Emotionen, die ich auch aus einem wirklich traurigen Moment mitnehmen konnte, wurden mit der Abschlussstaffel leider mit Füßen getreten, denn Dan wandelt wieder als Geist auf Erden. Natürlich verstehe ich, dass noch geklärt werden musste, warum er nach seinem Tod in der Hölle gelandet ist und ich fand es nachher auch überraschend, dass es seine Schuldgefühle, vermeintlich als Vater versagt zu haben, waren. Dennoch hätte ich ihn nicht ständig als Geist dabei haben müssen. Es gab sicherlich ein paar lustige Momente, aber alles in allem hätte man sich das besser gespart. Alejandro hat noch zweimal Regie führen dürfen und ich denke, damit wäre seine Beteiligung an der finalen Staffel perfekt gewesen, denn ansonsten hätte man Dan auch einfach nicht sterben lassen müssen.

Foto: Brianna Hildebrand & Tom Ellis, Lucifer - Copyright: 2021 Netflix, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
Brianna Hildebrand & Tom Ellis, Lucifer
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Pro/Contra: Wo ich mich überhaupt gar nicht entscheiden kann, ob es mir nur gut oder doch eher weniger gut gefallen hat, ist definitiv das Auftauchen von Rory (Brianna Hildebrand). An sich finde ich die Idee einfach bescheuert. Nicht per se, aber wenn man bedenkt, dass "Lucifer" wie "The Flash" auf einem DC-Comic beruht, dann ist es doch wenig einfallsreich, die zukünftige Tochter durch eine Zeitreise plötzlich auftauchen zu lassen. Bei "The Flash" ist es wenigstens noch logisch, weil Speedster bekanntlich in der Zeit hin- und herrennen können, aber für Engel war das völlig neu. Daher sorry, aber das hat mich die Augen sehr oft rollen lassen. Dennoch muss ich zugeben, dass eine sinnige Story drum herum aufgebaut worden ist. Einiges ist sicherlich etwas erzwungen worden, aber dennoch war es auf den Punkt hin, wo die Serienmacher "Lucifer" am Ende haben wollten, nachvollziehbar. Zudem kann ich nicht leugnen, dass die Momente zwischen Lucifer und Rory wirklich schön und lustig waren. Er, der sich immer schwer getan hat, für andere so sehr zu fühlen wie für sich selbst, findet neben Chloe (Lauren German) nun die zweite Person, die er über sein eigenes Leben stellen würde. Zwar hat Chloe mit Trixie (Scarlett Estevez) bereits ein Kind, aber bekanntlich war es für Lucifer jetzt nicht direkt auf Anhieb die große Liebe. Aber bei Rory merkt er etwas und deswegen fand ich die ganzen Unternehmungen der beiden, aber später auch die Familienszenen wirklich schön. Die drei mitsamt Trixie hätte man sich wirklich gut als Badass-Familie vorstellen können. Ob Lucifer am Ende aber auch wirklich seine Bestimmung gefunden hat? Da bin ich eher Fraktion skeptisch. Es ist zwar irgendwie lustig, ihn da als Linda (Rachael Harris) 2.0 in der Hölle zu leben, aber ist er da wirklich ideal aufgehoben? Ich bin nicht restlos überzeugt, aber die Endlösung ist jetzt auch keine Katastrophe.

Pro: Die Abschlussstaffel hatte natürlich noch so viel mehr zu bieten, alleine diese Cartoon-Welt oder Chloe mit neuen Superkräften, dass es schwer wäre, wirklich alles zufriedenstellend abzuarbeiten. Deswegen will ich diese Review mit dem für mich wichtigsten Pro-Argument in einer finalen Staffel abschließen. Und das ist Nostalgie. Wenn bald der endgültige Abschied ansteht, dann muss viel Platz für Wehmut gewährt werden und dann muss es auch an eine Hommage an sich selbst geben. Hier liefert "Lucifer" definitiv ab und das gleich in drei Episoden. Die Hochzeit von Maze (Lesley-Ann Brant) und Eve (Inbar Lavi) ist für die finale Staffel ein wirklich schönes Ereignis und ich gönnen den beiden ihr Happy End wirklich von Herzen. Der Auftritt von Adam (Scott MacArthur) war da echt das I-Tüpfelchen mitsamt seiner Selbstverliebtheit. Da gibt es zum anderen den Moment, als Lucifer herausfinden will, warum er nicht bereit ist, Gott zu werden. Dabei kommt Lindas Manuskript ins Spiel, die ihre gemeinsame Geschichte mit ihm niedergeschrieben hat. Indem die engste Gruppe wichtige Stationen davon noch einmal durchgeht, haben wir auch nochmal Rückblenden zu sehen bekommen; vor allem natürlich in Bezug auf Lucifer und Chloe und ja, die beiden haben eine ganz schöne Reise hinter sich. Aber das gilt auch für alle anderen. Es gibt keine Figur in der Serie, die nicht ihren Weg mit Aufs und Abs gegangen ist. Es war passend, dass in Kurzform noch einmal verdeutlich zu bekommen. Abschließend haben wir dann natürlich die Episode, als Lucifer, der weiß, dass sein Abschied bald ansteht, all die besucht, die ihm etwas bedeuten. Angefangen bei Linda, dann zu Ella, weiter zu Amenadiel und dann zu Maze. Eigentlich fühlte sich das wie die letzte Episode an, denn es gab so viele emotionale Momente, dass hier doch einige Dämme gebrochen sein dürften. Auch wenn das nicht in der letzten Episode geboten wurde, bin ich doch froh, diese Szenen überhaupt zu sehen bekommen zu haben.

Fazit

Ich hätte mir für die abschließende Staffel von "Lucifer" sicherlich die Pro-Argumente in der Überzahl gewünscht; es ist aber ausgewogen geworden. Dennoch habe ich die Staffel wieder etwas besser als 5B gefunden, zumal hier nun auch die Abschiedsstimmung aufkam, die ich mir gewünscht habe. Insgesamt gehe ich auch mit keinem schlechten Gefühl aus der Serie, was auch ein sehr wichtiges Argument ist. Aber es ist schon gut so, dass es nun endgültig vorbei ist, denn die Serie war im Kern auserzählt. Den besonderen Humor hätte man wohl immer bewahren können, aber inhaltlich muss dann auch was Neues geboten werden. Deswegen ist es sicherlich ein wehmütiger Abschied, aber doch auch ein stolzer, weil Netflix dieser wunderbaren Serie mit der Rettung noch einmal ein Denkmal gesetzt hat!

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Lena Donth - myFanbase

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