Lucifer - Review, Staffel 4

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Foto: Tom Ellis & Lauren German, Lucifer - Copyright: 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
Tom Ellis & Lauren German, Lucifer
© 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix

Mit dem Auftakt der vierten Staffel von "Lucifer", die nun bei Netflix bzw. Amazon Prime Video läuft, war ich – wie man in meiner Review nachlesen kann, sehr zufrieden. Der Senderwechsel hat nichts an Qualität einbüßen lassen, vielleicht hat er sogar mehr generieren können, wobei ich das mit einem kleinen Fragezeichen versehen habe, da ich in meiner Euphorie über den Fortgang mit einer rosaroten Brille auf die Episode geschaut habe. Wie schlägt sich nun also die gesamte Staffel?

Erfreulicherweise kann man diese Frage einfach beantworten: der Eindruck der ersten Episoden hat nichts verschleiert, sondern dort wurde das aufgezeigt, was für die nachfolgenden neun Episoden ebenfalls möglich geworden ist. Auffällig ist für mich vor allem, dass die Laufzeit der einzelnen Folgen, die teilweise bis zu 10 Minuten länger sind, als es bei Fox der Fall war, bewirkt, dass sowohl der Fall der Woche als auch das private Drama rund herum genug Raum bekommen. Dadurch wirkt nichts überhastet erzählt und es ergeben sich vor allem keine logischen Löcher. Der bereits vermutete Vorteil von nur zehn Episoden bestätigt sich ebenfalls: es wird wirklich nicht lange gefackelt, es wird nichts künstlich verlängert, stattdessen geht es Schlag auf Schlag mit neuen Entwicklungen, so dass wirklich jede einzelne Episode mindestens eine Überraschung bereithält. Natürlich will ich nicht behaupten, dass jede einzelne Episode eine 8 oder 9 auf unserer regulären Bewertungsskala gewesen wäre. Aber selbst kleinere Schwächen in der Figurenentwicklung oder im Handlungsfortgang wiegen durch das Erzähltempo nicht so schwer, da man kaum zum Luft holen kommt und so über die Schwächen auch nicht so intensiv nachdenken kann. "Lucifer" ist mit seiner vierten Staffel wirklich perfekt zu bingen!

Foto: Tom Ellis & Inbar Lavi, Lucifer - Copyright: 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
Tom Ellis & Inbar Lavi, Lucifer
© 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix

Beim Cast bleibt im Grunde alles beim Alten, so dass man sich hervorragend auf das bereits etablierte Figurenrepertoire konzentrieren und die Figuren weiterwachsen lassen kann. Dennoch gab es einen Neuzugang mit einer deutlich größeren Handlung, der von den Serienmachern bereits angekündigt wurde, nachdem "Lucifer" von Fox offiziell abgesetzt worden war. Es sollte eine Person aus Lucifers (Tom Ellis) Vergangenheit sein und nun wissen wir, dass damit Eve (Inbar Lavi ("Prison Break"), die erste Frau der Menschheit gemeint war. Mir hat es unheimlich gut gefallen, dass hier so offensiv mit der Erzählung aus der Bibel gespielt wird und es war spannend, wie sich dieses Thema in einer modernen Welt eingefügt hat. Dennoch muss ich auch gestehen, dass ich die Entwicklung von Eve als eine einzige Achterbahn empfunden habe. Zunächst fand ich sie unerträglich, da Lavi Eve extrem naiv, kindlich und unschuldig dargestellt hat. Dann wiederum bekommen wir eine Sexbombe präsentiert, die mit ihren Reizen an keiner Stelle geizt. Im Verlauf der Staffel gibt es aber auch immer wieder Momente, wo Eve Empathie und Einfühlsamkeit entwickelt, so dass man richtig mit ihr mitfühlen kann. Da sie wenig später aber wieder wie vom Wahnsinn getrieben wirkt, ist es mir wirklich schwergefallen, mir ein abschließendes Bild von ihr zu machen. Für viele Entwicklungen war sie aber ein entscheidender Faktor, so dass ich ihr Auftauchen auch nicht missen möchte. Sie ist sicherlich eine Figur, die man genauso sehr hassen, wie man sie auch lieben kann.

Es gab auch zwei neue Nebenfiguren, die eine etwas größere Rolle eingenommen haben. Zum einen Graham McTavish ("Outlander"), der Father Kinley mimt und zum anderen Vinessa Vidotto als Remiel, eine Schwester von Lucifer und Amenadiel (D.B. Woodside). McTavish hat dem Kirchenmann etwas unheimlich Fanatisches und Bedrohliches mitgeben können, so dass ich ihn schnell als die perfekte Besetzung auserkoren habe. Daher war ich sehr überrascht, als seine Figur bereits in Episode 3 vermeintlich sein Ende findet, da ich großes Potenzial in ihm sah. Aber es war ja eben eine Staffel der Überraschungen, so dass Kinley zum Ende hin wieder aus dem Hut gezaubert wurde. Gerade in den letzten beiden Episoden wird er noch einmal zu einem passenden Bösewicht. Remiel wiederum kommt auf die Erde, da sie von einem Baby erfahren hat, das ein Engel und ein Mensch gezeugt haben und will es mit in den Himmel nehmen. Ich finde es immer schön, wenn Geschwister von Lucifer und Amenadiel den Weg auf die Erde finden, da man so doch einiges aus erster Hand aus ihrem dortigen Leben erfährt. Auch diese Nebenrolle ist als gelungen zu bezeichnen.

Foto: Lauren German & Tom Ellis, Lucifer - Copyright: 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix
Lauren German & Tom Ellis, Lucifer
© 2019 Warner Bros. Entertainment, Inc.; John P. Fleenor/Netflix

Bei unserem geliebten Hauptcast haben sich einige gute Entwicklungen ergeben. Mir hat wahnsinnig gut die Baby-Story für Linda (Rachael Harris) und Amenadiel gefallen, da sie so unerwartet kam und dann mit einem möglichen Hybrid-Wesen einige spannende Fragen aufgeworfen hat. Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass Amenadiel ansonsten nicht immer so gut ins Geschehen eingebunden wurde. Seine Interaktionen mit Lucifer waren doch eher selten und seine eigenständigen Storylines (siehe Remiel) haben ihn meist abseits der Polizeiarbeit geführt. Bei Linda wiederum ist es wie immer gelungen, sie geschickt in das Geschehen einzubinden, da sie einmal für alle Hauptcharaktere als Psychiaterin fungieren darf. Dan (Kevin Alejandro) und Ella (Aimee Garcia) machen beide eine persönliche Krise durch. Sie nach Charlottes Tod am emotionalen Tiefpunkt zu erleben, ist logisch, aber ich war doch froh, dass das Thema durch die kurze Staffel schnell wieder erledigt war, da vor allem Ella für mich als warmherzige, enthusiastische Figur ein steter Gewinn ist. Da war es dann ein cleverer Schachzug, die beiden zusammenzubringen, auch hier kann man wieder nur von einer fetten Überraschung sprechen.

Wesentlich entscheidender ist natürlich die Entwicklung bei Lucifer und Chloe (Lauren German). In ihren Persönlichkeiten, aber auch in ihrer Beziehung zueinander erleben wir in dieser Staffel so unheimlich viele Facetten, dass ich wirklich begeistert bin, wie vielschichtig das Ganze transportiert wurde. Chloes Ängste und Sorgen waren sehr nachvollziehbar gestaltet, aber genauso sah man auf ihrer Schulter auch immer das Engelchen sitzen, das ihr zuflüstert, wie toll Lucifer doch ist. Dadurch war sie in einem steten Zwiespalt, der auch German schauspielerisch alles abverlangt hat. Dass Ellis Lucifers Entwicklung vom stolzen Teufel zum Teufel in Krise wunderbar würde darstellen können, das war mir absolut klar. Es dann aber auch tatsächlich auf dem Bildschirm zu sehen, war echt ein Genuss. Es gibt wohl kaum eine Figur, die mehr Stimmungsschwankungen hat, aber alles ist authentisch dargestellt. So ist die Beziehung von Lucifer und Chloe wirklich das verdiente Herzstück der Serie.

Das Staffelfinale trägt diesen Namen würdig, da alle Handlungsstränge zusammengeführt werden und in einem spannenden Showdown münden. Hier zeigt sich wirklich sehr deutlich, dass die Serienmacher einen ganz klaren Plan für die Staffel hatten, der auch sauber aufgegangen ist. Bei vielen Aspekten schließt sich ein Kreis, lässt aber gleichzeitig auch genug Raum für weitere Entwicklungen. Lucifers und Chloes gemeinsame Geschichte endet so, wie man es irgendwann auch erwarten kann, aber dieser kleine Cliffhanger ist echt perfekt, da er einer möglichen fünften Staffel eine ganz neue Richtung geben würde. Ich fände es spannend, Himmel und Hölle einmal von Angesicht zu Angesicht zu erkunden. So lange wird von dem Leben dort immer gesprochen und wir haben auch schon einige Figuren von dort erlebt, warum sollten die menschlichen Helden der Serie nicht einmal das Übernatürliche erkunden? Sicherlich wäre dieser Schritt gewagt, da man vielleicht ein wenig vom Fall der Woche abweichen müsste, aber vielleicht gelingt ja eine gut gemachte Mischform. In jedem Fall ist klar, dass der Serie noch lange nicht die Puste ausgegangen ist, so dass sie sich definitiv eine weitere Staffelbestellung verdient hat.

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Fazit

"Lucifer" bietet eine durchweg unterhaltsame vierte Staffel, die sich keine kreativen Pausen gönnt und stetig mit neuen Überraschungen aufwartet. Sicherlich ist nicht alles perfekt, aber gerade in einem Binge-Marathon lässt sich die Staffel wie nichts wegschauen, was definitiv für sich spricht. Schauspielerisch wird wie gewohnt aufgetrumpft und der Cast wurde zudem an den richtigen Stellen mit interessanten Figuren verstärkt. Somit dürfte einer fünften Staffel wahrlich nichts im Weg stehen!

Lena Donth - myFanbase

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