Blu-ray-Rezension: Sherlock - Die Braut des Grauens

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Nachdem im Juli 2014 bekannt gegeben wurde, dass die BBC ein "Sherlock"-Special als Überbrückung zwischen der dritten und der vierten Staffel plant, haben sich Fans der Serie weltweit darauf gefreut und dem Start der Dreharbeiten im Januar 2015 entgegen gefiebert. Zu Neujahr 2016 wurde "Sherlock The Abominable Bride" dann schließlich bei der BBC in Großbritannien und bei PBS in den USA ausgestrahlt. Die deutsche Ausstrahlung mit dem Titel "Sherlock Die Braut des Grauens" folgte am Ostermontag, den 28. März 2016 im Ersten. Am darauffolgenden Tag erschien bereits die DVD und Blu-ray des Specials.

Inhalt

Foto: Martin Freeman & Benedict Cumberbatch, Sherlock - Die Braut des Grauens - Copyright: polyband
Martin Freeman & Benedict Cumberbatch, Sherlock - Die Braut des Grauens
© polyband

Wir schreiben das Jahr 1895 als Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) von einer ihrer Reisen zum Aufklären eines mysteriösen Mordfalles in die 221B Baker Street zurückkehren. Es dauert nicht lange, bis Inspektor Lestrade (Rupert Graves) von Scotland Yard einen neuen Fall für das Ermittler-Duo hat: Emelia Rigoletti. Die mysteriöse Frau habe im Brautkleid von einem Balkon aus scheinbar wahllos in die Menge geschossen, bevor sie per Kopfschuss Selbstmord beging. Nur wenige Stunden später wurde sie von mehreren Zeugen dabei gesehen, wie sie aus einer Kutsche stieg und ihren eigenen Ehemann auf offener Straße erschoss, bevor sie wieder spurlos verschwunden sei. Ihre Leiche habe die Gerichtsmedizin aber nie verlassen. Sherlock soll nun herausfinden, wie das möglich ist und ob die Frau womöglich eine Doppelgängerin hat. Oder haben sie es hier tatsächlich mit einem Geist zu tun? Nicht nur Sherlock und Watson fasziniert der Fall, die ganze Stadt gerät in Aufruhr um die mysteriöse Braut des Grauens.

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Rezension

Foto: Rupert Graves, Sherlock - Die Braut des Grauens - Copyright: Hartswood Films; Robert Viglasky
Rupert Graves, Sherlock - Die Braut des Grauens
© Hartswood Films; Robert Viglasky

"Sherlock"-Fans sind Leid geprüfte Fans; nicht etwa, weil die Serie an Qualität verloren hätte, sondern vielmehr, weil man auf neue Episoden seiner Lieblingsserie immer so lange warten muss. Spätestens seit dem großen Erfolg von "Sherlock" sind auch die beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman aus der Film- und Fernsehbranche nicht mehr wegzudenken und ein Projekt jagt das nächste. Es bleibt also wenig Zeit, diese grandiose BBC-Serie fortzusetzen. Damit die Wartezeit zwischen Staffel 3 und Staffel 4 jedoch nicht noch größer wird, als sie es eh schon ist, haben sich die Produzenten und Schauspieler zum Glück zusammen gefunden, um ein Special zu drehen. Und die Fans wurden davon nicht enttäuscht.

Wir machen eine Zeitreise in das Jahr 1895, wo wir einen Sherlock Holmes und einen Dr. Watson treffen, wie sie der Romanvorlage von Sir Arthur Conan Doyle wohl am nächsten kommen. Sherlock mit Deerstalker-Mütze und Pfeife, Violine spielend und drogenabhängig Watson vom Krieg gezeichnet und mit seinen Geschichten versuchend, Sherlocks Fälle literarisch aufzuarbeiten. Obwohl wir uns mit einem Mal in einer völlig anderen Zeit befinden und die Charaktere sowie auch die Wohnung in der 221B Baker Street einige optische Veränderungen durchgemacht haben, ist es doch beruhigend, dass eigentlich alles beim Alten ist. Besonders schön für jeden Fan der ersten Stunde sind die vielen Parallelen, die zu den ersten drei Staffeln gezogen werden. Das fängt beim Vorspann an, der ebenfalls ins viktorianische Zeitalter katapultiert wurde, geht über die eingeblendeten Telegramme statt heutiger SMS und hört noch längst nicht bei den vielen Aufeinandertreffen der einzelnen Figuren auf. Egal in welcher Zeit ist Sherlock einfach grandios, wenn er die Klienten analysiert und ihre Geheimnisse entlarvt, auch zur großen Verblüffung von Watson, der nicht mal seine eigene Frau Mary (Amanda Abbington) erkennt. Dafür aber Molly Hooper (Louise Brealey), die sich als Mann ausgeben muss, da 1895 eine Frau nicht in der Gerichtsmedizin arbeiten durfte. Es ist schön, wie alle alten Bekannten auch in diesem Special auftauchen oder zumindest Erwähnung finden wie beispielsweise Irene Adler. Das macht direkt Lust noch mal einen Marathon der ersten drei Staffeln zu beginnen.

Foto: Benedict Cumberbatch & Martin Freeman, Sherlock - Die Braut des Grauens - Copyright: Hartswood Films; Robert Viglasky
Benedict Cumberbatch & Martin Freeman, Sherlock - Die Braut des Grauens
© Hartswood Films; Robert Viglasky

Die Serie lebt auch in "Die Braut des Grauens" von den hervorragenden Dialogen, einer wunderbaren Situationskomik und der großen Liebe zum Detail sei es bei der Requisite oder den Spezialeffekten (z. B. als Lestrat vom Emelia Rigoletti erzählt und wir zwischen Wohnzimmer und Tatort hin und her wechseln). Für die größten Lacher sorgten bei mir Watsons Spruch "I had to grow this moustache just so people will recognise me", weil er so unvermittelt daher kam, das Gespräch in Gebärdensprache, bei dem Watson die falschen Vokabeln benutzte, und der adipöse Mycroft (Mark Gatiss), bei dem man einfach merkte, dass die Serienmacher, zu denen Gatiss selbst zählt, ihren Spaß daran hatten "Sherlock" neu zu erfinden, ohne die Seele der Serie zu verlieren. Dabei ließ man es sich auch nicht entgehen, eine der zentralsten Szenen aus Sherlock Holmes' Geschichte an den Reichenbachfällen umzusetzen. Mark Gatiss und Co-Creator Steven Moffat hatten sich so darauf gefreut, dass Moffats Frau Sue Vertue, die als Produzentin für "Sherlock" tätig ist, die beiden nicht davon abhalten konnte.

Auch inhaltlich steht "Die Braut des Grauens" der bisherigen Serie in nichts nach. Das Special ist keineswegs ein reiner Pausenfüller, sondern basiert neben den vielen Anspielungen auf die gesamte Serie auf den Ereignissen aus den letzten Minuten des Staffel-3-Finales. Wer Staffel 3 oder das Special noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle daher besser nicht weiterlesen... Während der Fall rund um Emelia Rigoletti vielleicht anfangs etwas langweilig daher kommt, wird er von Sherlock ganz geschickt genutzt, um das Geheimnis zu lösen, wie und ob Jim Moriarty (Andrew Scott) seinen Tod vorgetäuscht hat. Als man gerade meint, dass der Rigoletti-Fall gelöst wurde (inkl. Bedeutung der Frauenrolle Ende des 19. Jahrhunderts), entspinnt sich ein Verwirrspiel, dass durch die vielen Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit ausgelöst wird, bei dem man als Zuschauer fast nicht hinterher kommt. War alles nur ein Traum, hat Sherlock zu viele Drogen konsumiert oder ist das einfach nur die Arbeitsweise von Sherlocks Gehirn, wenn er sich in seinen Gedächtnispalast zurückzieht? Die Zuschauer dürfen sich auf einige überraschende Wendungen in den letzten 30 Minuten des Films gefasst machen und kommen nicht nur dank Andrew Scotts grandioser Rückkehr voll auf ihre Kosten.

Specials

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Wem der 93-minütige Film nicht ausgereicht hat, findet auf der Blu-ray insgesamt 86 Minuten an Bonusmaterial. Darin kann man tiefer in die Entwicklung des Specials eintauchen, erfährt mehr über die Beweggründe der Serienmacher, ein viktorianisches Setting zu wählen und erfährt alles mögliche über die kleinen Details, die diesen Film zu etwas so Besonderem machen. Wer bisher nicht wusste, mit wieviel Liebe diese Serie produziert wird, bekommt es hier noch mal mit dem Zaunpfahl präsentiert und den nimmt man gerne in Kauf.

Das Bonusmaterial in der Übersicht:

  • Mark Gatiss: A Study in Sherlock
  • Mark Gatiss: Production Diary
  • Writers' interview
  • Creating the Look: 8 inside looks at how this unique Special was created
  • The creators of Sherlock answer questions from Sherlock's #1 fan site


Technische Details

Erscheinungstermin: 29. März 2016
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 93 Spielminuten (+ 86 Minuten Bonusmaterial)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1
Sprachen: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch

Fazit

"Die Braut des Grauens" dient nicht nur als Pausenfüller, sondern hat es in sich. Gerade für eingefleischte "Sherlock"-Fans ist dieses Special ein Hochgenuss. Es gibt so viele wunderbare Anspielungen auf die bisherigen drei Staffeln, die man sicherlich nicht alle beim ersten Mal entdeckt. Dazu bietet das umfangreiche Bonusmaterial wahnsinnig viele Informationen zur Produktion dieses Specials, was einen die Wartezeit auf Staffel 4 sicherlich versüßt.

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Catherine Bühnsack - myFanbase

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