Bewertung: 8

Review: #8.09 Gus - Mörderische Träume

Was für eine Episode! Sie war einfach alles: Spannend, witzig, übertrieben, vollkommen ohne Zusammenhang, laut, ekelig, überraschend, langweilig, faszinierend, zum Kopfschütteln und zum Grinsen. James Roday hat mal wieder ganz tief in seinen DVD-Schrank gegriffen, sich einige der Horrorfilmklassiger der 70er und 80er Jahre reingezogen und sie alle irgendwie in einer Folge "Psych"" verwurschtelt. Dass dabei meist die Geschichte etwas unter den vielen Popkultur-Anspielungen leidet, ist keine Überraschung. Aber doch macht sie auch unheimlich viel Spaß, gerade weil man sich alles andere als ernst nimmt.

Gus hat also seit längerem Schlafstörungen und sucht deswegen einen dubiosen Traumtherapeuten auf. Dieser wird herrlich verrückt von niemand geringerem als Bruce Campbell verkörpert. Natürlich erinnert man sich als Horrorfilmfreak gerne zurück an die "Tanz der Teufel" - Reihe, in der Campbell eine tragende Rolle als Ash übernahm und zuerst gegen Dämonen und später gegen Untote in den Krieg zog. Lustigerweise trägt Campbell hier den Namen Dr. ASHford Simpsons. Eine herrlich gelungene Anspielung.

Shawn und Gus werden in einen relativ banalen Fall verwickelt, der die beiden jedoch in allerhand eigenartiger Situationen bringt – so geraten die beiden an einen Cable Guy (mal ehrlich, der Film war horrormäßig!), der einen Job in einem Haus annimmt, das aber sowas von Stark an das "Texas Chainsaw Massacre" erinnert, dass man nicht erst die Kettensäge am Tisch sehen muss, um zu wissen, welcher Film gerade auf den Arm genommen wird. Gerade als er von einem Mann in einer Maske verschleppt wird, wacht Gus auf und findet sich in der Praxis von Dr. Simpson wieder. Ganz ehrlich – witzig ist "Psych" in dieser Montage nicht und wenn ich nicht wüsste, dass es sich um eine Crime-Comedy handelt, würde ich sagen: furchtbar schlecht gemachter, aber doch irgendwie gruseliger Horror. Von daher: großartig Arbeit von Regisseur Roday.

Als nächstes verschlägt es die Ermittler in eine Schule, wo Gus es irgendwie schafft sich in einem dunklen Keller zu verirren, wo er von besessenen Kindern in einem Spinnennetz gefangen sich roten Bällen erwehren muss. Glücklicherweise erweist sich dies als weiterer, angsteinflößender Traum, der jedoch wesentlich besser zu ertragen ist als die Tatsache, dass nur Stunden später mitansehe muss, wie seine Mutter von einem Monsterwurm aus dem Spülbecken aufgefressen wird, ehe er sich in einem Santa Barbara wiederfindet, das von Zombies übernommen wurde, die allen außer Gus am Ende das Leben kosten. Die Szene, in der Henry, Lassiter, Brannigang und Gus sich im Psych-Büro einschließen, hatte eine unglaubliche Ähnlichkeit mit "Night of the Living Dead" und endet für einige Charaktere ebenso brutal, wie schockierend. Dass alles dabei in schwarz-weiß gehalten ist, erweist sich als Glück, denn in dieser Montage spritzt das Blut nur so. Gott sei Dank wird die Szene etwas aufgeheitert, als Gus von den Zombies ausgelacht wird, als er zu einem Tacker als Verteidigungswaffe greift. Und auch Shawn als eitler Zombie lockert die Szene enorm auf.

Hier endet der Horrortrip für Gus, der die ganzen Dinge natürlich nur geträumt hat. Interessant ist jedoch nicht der Horror an sich, der sich in seine Träume einschleicht, sondern der Grund dafür. Und hier findet sich der kleine Ansatz eines roten Fadens wieder, der sich schon in den letzten Wochen angekündigt hat. Es deuten sich Veränderungen an und Gus sieht, wie alle um sich herum weiter entwickeln, während er das Gefühl hat, einen Schritt zurück gemacht zu haben. Er hat seinen Job hingeworfen und befürchtet, dass Shawn bald nach San Francisco gehen könnte, um mit Juliet zusammen zu sein. Zu allem Überfluss scheint er weiterhin einfach kein Glück bei Frauen zu haben, denn seine einstige Eroberung Emmanuelle macht sich rar und verweigert jegliche Kontaktaufnahme. Verständlich, dass er sich Gedanken darüber macht, was sein wird, wenn Shawn sich doch entschließen sollte weg zu gehen. Die beiden hängen zusammen seit sie Kinder sind und alleine die Aussicht darauf, nicht mehr das zu tun, was sie die ganze Zeit machen – nämlich Blödsinn – macht Gus eine Heidenangst.

Das ist ein ungewohnt tiefsinniger Aufhänger für eine Episode von "Psych", der jedoch durch die Inszenierung ein wenig seiner Signifikanz beraubt wird. Der Horroraspekt steht definitiv im Vordergrund und wirkt fast schon ein wenig überpräsent, besonders in Szenen, in denen Gus sein Herz öffnet und auf das Ende der Freundschaft der beiden Protagonisten anspielt. Das ist schade, wenngleich es auch von der Tatsache ablenkt, dass man hier die vorletzte Episode der Serie vor sich hat.

Ganz hervorragend ist jedoch das Wiedersehen mit Curt Smith, Sänger von Tears for Fears, der einer Horde Zombies zum Opfer fällt und auch die Tatsache, dass sich Steve Franks nicht zu schade ist, bei dem Klamauk mitzumachen und selbst als Zombie durch die Gänge zu schlurfen.

Fazit

Mir werden die Verrücktheiten von Steve Franks und James Roday fehlen. Keiner schafft es sonst, so viele Anspielungen in eine Folge einer Serie zu verpacken, dabei so gnadenlos zu übertreiben, dass man mit dem Kopf schütteln muss, nur um sich immer wieder dabei zu ertappen, wie man darüber Schmunzelt, wie durchgedreht der ganze Cast eigentlich ist. Nur noch eine Episode und ich muss gestehen, ich vermisse die Serie jetzt schon.

Melanie Wolff - myFanbase

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