Bewertung: 9

Review: #1.10 Herz oder Magen?

Foto: Maggie Siff & Jon Hamm, Mad Men - Copyright: Carin Baer/AMC
Maggie Siff & Jon Hamm, Mad Men
© Carin Baer/AMC

Die Mitarbeiter von Sterling Cooper freuen sich auf ihr verlängertes Wochenende, doch dazu kommt es erst gar nicht. Die Episode baut sich Schritt für Schritt auf und endet mit einigen Antworten zu Don Drapers Vergangenheit.

"I think, this calls for celebration."

Roger Sterling ist der Kern dieser Episode, denn er bringt sie an einen Punkt, ab dem sich vieles ändert. Durch Joan Holloways kalte Schulter braucht Roger Ablenkung. Er wollte mit ihr zusammen das lange Wochenende verbringen, doch sie zeigt sich im gegenüber kalt und bringt ihn dazu, sich mit einer anderen Frau zu amüsieren. Ich muss zugeben, dass ich die Szene mit dem Model-Casting wirklich amüsant fand. Alle Männer tanzen um diese vier Zwillingspaare herum und wollen ihnen schöne Augen machen. Plötzlich stehen Don und Roger im Flur, ähnlich angezogen, wie Zwillinge, und schon machen sich die anderen Männer auf und davon. Hier sieht man die Macht, die beide miteinander verkörpern. Danach steigt dann die große Party im Büro. Sämtliche Mitarbeiter haben die Werbeagentur bereits verlassen. Es fließt natürlich viel Alkohol und das führt dazu, dass Roger schließlich mit einem Herzinfarkt am Boden liegt. Was mich sehr überrascht hat, war das Alter der Mädchen. Mit jungen 20 lassen sie sich auf die älteren Herren ein, als ob das normal wäre. Wahrscheinlich hat es ihnen geschmeichelt, dass sich eine Person mit soviel Geld und Macht für sie interessiert, zumindest in Rogers Fall. Don weist Eleanor nämlich nach einem Kuss ab, was mich sehr überrascht hat. Normalerweise würde Don sich eine solche Chance nicht entgehen lassen. Eine junge hübsche Frau versucht ihn zu verführen, doch er lässt sich nicht darauf ein. Das hat mich sehr gewundert, da ich in dem Moment dachte, Don würde Betty doch zu schätzen wissen. Doch da musste ich mich täuschen.

"I wish, I was going somewhere."

Nach Rogers Herzinfarkt hat dieser eine Erleuchtung im Krankenhaus. Er sieht ein, dass er so nicht weitermachen kann und weint, als er seine Frau Mona und Tochter Margaret sieht. Ein großes Lob an dieser Stelle für die schauspielerische Leistung von John Slattery. Er schafft es jedes Mal, seine Rolle so perfekt zu spielen, dass ich bei solchen Szenen echt staunen muss. Ich bin gespannt, welche Auswirkung Rogers Herzinfarkt auf seine Zukunft hat.

"This is it. This is all there is."

Auf Don hatte Rogers Herzinfarkt eine sehr große Auswirkung. Als er sieht, wie Roger weinend in den armen seiner Familie liegt, will er nichts anderes, als in die Arme von Rachel Menken. Er fährt total aufgelöst zu ihrer Wohnung und braucht einen Drink. Nach dem ersten Kuss weist ihn Rachel zunächst ab, doch dann wird Don ernst und macht ihr deutlich, dass sie die Richtige ist und sich diese Sache zwischen ihnen für ihn richtig anfühlt. Don wird dabei richtiggehend emotional und sein Verlangen und seine Verzweiflung werden deutlich. Für ihn gibt es in dem Moment nichts Wichtigeres, als die Nähe zu Rachel. Sie merkt, dass es ihm ernst ist und lässt sich auf ihn ein.

Nachdem beide miteinander geschlafen haben, öffnet sich Don ihr gegenüber sogar. Er erzählt ihr von seiner Vergangenheit, seiner Mutter und seinem Vater, der Alkoholiker war. Jon Hamm hat hier wieder sein Talent bewiesen. Er hat zwar eine ruhige Stimme, sein Gesichtsausdruck zeigt aber ganz genau, was Don fühlt und wie groß dessen Schmerz ist. Dons Kindheit war alles andere als einfach und es ist wahrscheinlich auch nicht wirklich einfach für ihn, jemandem davon zu erzählen. Rachel ist mit Sicherheit die Erste, die über Dons Kindheit die Wahrheit erfährt. Ich denke nicht, dass Don seiner Frau Betty je von seiner Vergangenheit erzählt hat und so fühlt sich dieser Moment für ihn höchstwahrscheinlich wie eine Erlösung an. Endlich kann er jemandem davon erzählen. Rachel scheint Gefühle in ihm hervorzurufen, die er lange nicht gespürt hat. Er hat Vertrauen zu ihr und sie gibt ihm das Gefühl der zu sein, der er ist, ohne dass er sich verstecken muss. Die Episode endet ziemlich abrupt, mitten im Gespräch zwischen den beiden. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was Don nach dieser Nacht mit Rachel machen wird. War es im Endeffekt doch nur eine Nacht für ihn, oder hat sie einen so großen Einfluss auf ihn, dass er sich von Betty abwendet?

"I cannot believe I am in this conversation."

Ansonsten hat mir Peggys Auftritt in dieser Episode wirklich gut gefallen. Sie macht Pete endlich klar, dass es sehr schwer für sie ist, mit ihm zusammen zu arbeiten. Niemand kann ihr das nach Petes Verhalten übel nehmen. Peggy ist aber so stark und wehrt sich, sodass Pete am Ende gar nichts übrig bleibt, als zu gehen. Ich denke, dass Pete zu stolz ist, um sich die Wahrheit einzugestehen. Deshalb gibt er vor, stark und emotionslos zu sein. Dabei setzen ihm die Gefühle für Peggy ganz schön zu. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in den nächsten Episoden sicherlich wieder dazu kommen wird, dass beide miteinander schlafen werden.

"Don't waste your youth on age."

Ebenfalls gut gefallen, hat mir Joan Holloway in dieser Folge, denn man konnte endlich hinter ihre harte Schale blicken. Normalerweise spielt sie die starke Frau, die nichts und niemanden an sich herankommen lässt. Auch Roger gegenüber hat sie bisher nicht viele Emotionen gezeigt und ihm eher die kalte Schulter gezeigt. Als ihre Mitbewohnerin Carol ihr auch noch ihre romantischen Gefühlen für sie gesteht, kann man keinerlei Regung in Joans Gesicht erkennen. Es ist so, als ob sie keinerlei Gefühle hätte. Doch die hat sie und das zeigt sie auch, indem sie einfach einen Mann mit in die Wohnung bringt und mit diesem in ihrem Schlafzimmer verschwindet, sodass Carol mit ansehen muss, dass Joan ihre Zuneigung oder sogar Liebe nicht erwidert. Denn diese empfindet sie für Roger. Das wird deutlich, als Bertram Cooper sie nachts ins Büro bittet, um ein Telegramm mit der Nachricht von Rogers Herzinfarkt an die Kunden zu schicken. Erst da erfährt Joan von Rogers Zustand und sie ist schockiert und fängt an zu weinen. Ihre Tränen zeigen ihren Schmerz und auch ihr schlechtes Gewissen. Sie hätte bei ihm sein können, doch sie hat seinen Vorschlag nicht angenommen. Nun ist sie mit ihrem Schmerz allein und Roger hat seine Familie um sich herum. Ob sich Roger noch einmal auf Joan einlässt, ist fraglich, aber natürlich nicht auszuschließen.

Fazit

Die Episode war sehr emotional und hat einige Einblicke in die Welt der Charaktere erlaubt. So erfahren wir zum einen etwas über Dons Kindheit und auch das Gefühl der Erlösung, welches er spürt, als er mit Rachel zusammen ist. Zum anderen kommen die wahren Gefühle von Joan ans Licht. Auslöser für beides war der Herzinfarkt von Roger, der dem Zuschauer wirklich zusetzt. Eine sehr gute Episode, die auf jeden Fall die volle Punktzahl verdient hat, da mich nichts daran störte und ich bis zum Ende gespannt war, was als nächstes passieren wird.

Alex Olejnik - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Mad Men" über die Folge #1.10 Herz oder Magen? diskutieren.