Roundtable-Interview mit Steve Toussaint und Abubakar Salim aus "House of the Dragon"
Zum Start der dritten Staffel von "House of the Dragon" sprachen wir mit Steve Toussaint und Abubakar Salim über Corlys Velaryon, Alyn von Holk und eines der größten Ereignisse der neuen Staffel. Die Schlacht in der Gurgel bringt nicht nur Westeros an den Rand des Chaos. Sie zwingt auch Corlys Velaryon und Alyn von Hull dazu, einander auf eine Weise zu vertrauen, die noch vor wenigen Folgen undenkbar gewesen wäre.
Achtung: Die folgenden Abschnitte enthalten Spoiler zur Handlung der ersten Episoden der dritten Staffel von "House of the Dragon".

© Mike Marsland/Getty Images for HBO Max UK
"Hope that the other person has your back."
Als Alyn in der zweiten Staffel eingeführt wurde, stand vor allem seine komplizierte Beziehung zu Corlys im Mittelpunkt. Die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, über die nie offen gesprochen wurde. Entsprechend angespannt ist ihr Verhältnis. Auf die Frage, wie ausgerechnet diese beiden Figuren in der dritten Staffel beginnen, einander zu vertrauen, erklärt Salim, dass die Antwort dafür in den Umständen liegt. Corlys und Alyn wurden direkt in eine Situation geworfen, die "incredibly heated and very visceral and scary" sei. Salim meint, die Schlacht in der Gurgel zwingt sie dazu, sich aufeinander zu verlassen und genau dort beginne Vertrauen zu entstehen. Normalerweise wachse Vertrauen langsam, in der Schlacht aber entwickle es sich beinahe "in dog years". Alles gehe schneller und Entscheidungen müssten sofort getroffen werden. Hätten Corlys und Alyn diese gemeinsame Erfahrung nicht gemacht, wäre ihre Annäherung vermutlich deutlich langsamer verlaufen, da sind sich Toussaint und Salim einig. An Land, fernab von Krieg und Gefahr, hätten beide viel länger gebraucht, um irgendeine Form von Vertrauen aufzubauen. Doch wenn überall Chaos herrscht, könne man nur hoffen, dass die Person neben einem die eigene Seite deckt. Toussaint stimmt mit den Worten "You're not fighting for the cause, you're fighting for the person next to you." augenblicklich zu.
"I think there is a real feeling of cruelty there."
Ein weiterer Teil des Gesprächs widmet sich der komplizierten Vergangenheit, die Corlys und Alyn miteinander teilen. Wir fragen nach den Fehlvorstellungen, die Corlys und Alyn voneinander haben. Für Salim ist die Antwort eindeutig, denn Alyn sehe in Corlys zunächst einen Mann, der vor allem an sich selbst denke. Einen Menschen, der andere zurücklasse, wenn es ihm Vorteile bringe. Dass Corlys seine unehelichen Söhne nie öffentlich anerkannt hat, verstärke dieses Bild zusätzlich. In Alyns Augen ist Corlys lange Zeit kein tragischer Vater, sondern jemand, der sich seiner Verantwortung entzogen hat. Interessanterweise sieht Salim hinter dieser Wut aber noch etwas anderes: Stolz. Alyn habe sich sein Leben selbst aufgebaut, er habe gelernt, ohne Hilfe zurechtzukommen. Gleichzeitig würden andere Menschen ihn immer wieder mit Corlys vergleichen. Für Alyn sei das fast schon beleidigend, denn in seinem Kopf stehe Corlys für alles, was er ablehnt. "I think it comes from a place of pain." erklärt Salim. Er betont aber auch, dass Alyns Meinung sich innerhalb der ersten beiden Episoden der dritten Staffel schlagartig ändert.
Abubakar Salim und Steve Toussaint zu der Frage, was ihre Figur für Fehlvorstellungen über die jeweils andere habe:
Toussaint tut sich schwer, etwas zu finden, das Corlys an Alyn falsch wahrnimmt. Im Gegenteil, Corlys erkenne viele Eigenschaften seines Sohnes sofort wieder: Die Sturheit, die Entschlossenheit, den Wunsch, alles allein schaffen zu wollen. "I think Corlys does see himself in Alyn." meint Toussaint.

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"Going from basically a family drama to a much more widespread thing."
Im Laufe des Gesprächs kommt auch die Entwicklung der Serie selbst zur Sprache. Für Toussaint hat sich "House of the Dragon" seit der ersten Staffel spürbar verändert. Als die Dreharbeiten begannen, habe sich vieles wie ein Familiendrama angefühlt. Die Figuren befanden sich oft am selben Ort. Die Schauspieler arbeiteten täglich miteinander. Toussaint erinnert sich daran, dass eine der ersten Szenen, die gedreht wurden, Laena Velaryons Beerdigung war. Große Teile der Besetzung waren gemeinsam vor Ort. Mit jeder Staffel sei die Welt jedoch größer geworden, Handlungsstränge trennten sich und Figuren verteilten sich über ganz Westeros. Neue Konflikte entstanden. "It became more epic." sagt Toussaint und erinnert sich daran, jemand aus dem Kreativteam sagte, die Serie fühle sich nun deutlich mehr nach "Game of Thrones" an, weil die Handlung nicht länger nur innerhalb einer Familie stattfinde. Für Salim, der erst später zur Besetzung stieß, sieht die Entwicklung etwas anders aus. Obwohl er nicht von Beginn an dabei war, beschreibt er das Set als einen Ort, der mit jeder Staffel vertrauter geworden sei: "More comfortable, more easy, more playful."

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"If what we shot is anything to go by it must be massive."
Wenn die Sprache auf die Schlacht in der Gurgel kommt, leuchten beide sichtbar auf. Die Schlacht in der Gurgel sei "Controlled chaos." und gehört zu den größten Sequenzen, die bislang für "House of the Dragon" produziert wurden. Allein die Dreharbeiten erstreckten sich über mehrere Monate. Hinzu kamen unzählige Wochen Vorbereitung, Stunttraining und Proben. Salim und Toussaint haben die fertige Episode zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht gesehen. "I want to see it on the big screen." sagt Salim und er erinnert sich gemeinsam mit Toussaint daran, wie sie riesige Schiffskulissen betraten, die von Green Screens umgeben waren. Die Schiffe waren real. Das Meer existierte nur in ihrer Vorstellung. Dazu kamen Drachen, Explosionen und ganze Flotten, die später digital ergänzt wurden. Wenn das Endergebnis auch nur annähernd so groß wirke wie die Dreharbeiten selbst, müsse die Episode gewaltig aussehen, meinen die beiden. Als sie beschreiben, wie sich die Dreharbeiten tatsächlich anfühlten, wird schnell klar, warum die Battle of the Gullet mehrere Monate in Anspruch nahm. Für die Schlacht wurden sogenannte Dry Tanks und Wet Tanks gebaut. Zunächst kämpften die Schauspieler auf trockenen Schiffskulissen. Später wechselten die Dreharbeiten in riesige Wasserbecken, in denen die Schiffe auf beweglichen Plattformen montiert waren. Diese Plattformen kippten, schwankten und simulierten die Bewegung echter Schiffe. Das Ergebnis war verblüffend, denn selbst wenn die Kameras ausgeschaltet waren, fühlte man sich noch wie auf See. Alles am Set war bis ins kleinste Detail geplant. Überall lagen Waffen, Kunstblut, Leichenattrappen und Stuntleute. Feuerbälle schossen über die Decks. Menschen stürzten ins Wasser "It was like a theme park ride. Except you're the theme park." beschreibt Salim den Dreh.
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"The experience was totally mad, but incredible."

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So beeindruckend die Schlacht auf dem Bildschirm aussehen mag, die Realität war deutlich weniger glamourös. Auf die Frage, ob sie gerne noch weitere Wochen solcher Actionsequenzen gedreht hätten, müssen beide lachen. Die Vorstellung klingt großartig, aber die Wirklichkeit sei etwas komplizierter. Salim fragt sich scherzhaft, wie Actionstars wie Jason Statham es schaffen, ständig solche Filme zu drehen und sie sind sich einig: "It is so tiring.". Toussaint ergänzt sofort, dass Statham dabei zumindest keine schweren Rüstungen tragen müsse. Während der Dreharbeiten bewegten sich die Schauspieler stundenlang in voller Montur über die Schiffsdecks. Dazu kamen Waffen, Stiefel, Helme und die sommerliche Hitze. "It's relentless." sagt Toussaint. Am Ende seien beide vor allem froh gewesen, die Schlacht erfolgreich hinter sich gebracht zu haben, es war "Great fun to do. But the actual reality of it was like thank god that's over.".
Als sie nach den größten Opfern gefragt werden, die eine Produktion dieser Größenordnung verlangt, sind sie sich lachend einig: "The sacrifice is all about hair.". Salim musste sich monatelang den Kopf rasieren. Besonders irritierend werde das beim Abholen seiner Tochter im Kindergarten, denn die anderen Eltern würden ihn ansehen, als befände er sich mitten in einer Lebenskrise. Toussaints Opfer ist Corlys' Bart. Jedes Jahr beginne die Vorbereitung auf die neue Staffel mit demselben Anruf: "Stop shaving.", eine Nachricht, die er nach eigener Aussage verabscheu: "I hate beards.", das wisse mittlerweile jeder am Set.
"The beauty of knowing that we all just want to tell a really good story."

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Trotz aller Gespräche über Drachen, Schiffe, Spezialeffekte und gigantische Schlachten betonen Toussaint und Salim, dass hinter der Größe von "House of the Dragon" vor allem Menschen stehen, die Geschichten erzählen wollen. Die gewaltigen Produktionswerte seien beeindruckend, die Drachen ebenso. Entscheidend sei für beide jedoch etwas anderes: die Menschen hinter der Serie, die gemeinsam dieselbe Geschichte erzählen wollen. Für Salim liegt einer der größten Reize des Projekts in den "genuinely people who care about storytelling". Autoren, Regisseure, Schauspieler und Crewmitglieder würden gemeinsam versuchen, dieselbe Welt zum Leben zu erwecken. Gerade diese kreative Energie mache Produktionen wie "House of the Dragon" besonders. Toussaint stimmt zu. Der größte Vorteil einer Serie dieser Größenordnung sei die Möglichkeit, mit außergewöhnlich talentierten Menschen zusammenzuarbeiten.
Nach dem Gespräch mit Steve Toussaint und Abubakar Salim bleibt vor allem der Eindruck, dass die Schlacht in der Gurgel weit mehr ist als nur das nächste große Spektakel von "House of the Dragon". Für Corlys und Alyn wird sie zum Katalysator einer Beziehung, die sich jahrelang kaum bewegen konnte und markiert einen Wendepunkt in einer Beziehung, die lange von Misstrauen, Stolz und unausgesprochenen Vorwürfen geprägt war. Ausgerechnet im größten Chaos ihrer bisherigen Geschichte beginnen beide, einander wirklich zu sehen.
"House of the Dragon" feiert am 22. Juni 2026 bei HBO Max, Sky und WOW Deutschlandpremiere, keine 24 Stunden nach dem US-Start auf HBO.
Die Serie "House of the Dragon" ansehen:
Im offiziellen Trailer zur dritten Staffel von "House of the Dragon" gibt es weitere kurze Einblicke zu den Geschehnissen im Drachentanz:
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Marie Müller - myFanbase
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