Bewertung

Review: #4.04 Innerer Frieden

Foto: Ali Larter, Heroes - Copyright: 2011 Universal Pictures
Ali Larter, Heroes
© 2011 Universal Pictures

Als im Dezember 2008 bekannt wurde, dass Bryan Fuller wieder zu "Heroes" zurückkehren würde, wurde er wie ein Messias empfangen. Sämtliche Fans der Serie setzten in ihn die Hoffnung, dass er derjenige sein würde, der die Serie wieder in die richtigen Bahnen lenkt, der ihr zu alter Größe verhilft und der dafür sorgt, dass die Serie wieder Spaß macht. Tatsächlich entpuppte sich Fullers erste Folge nach seiner Rückkehr, #3.20 Hauch des Todes, als ein kleiner Höhepunkt der dritten Staffel. Doch nun, acht Episoden und viele entsetzte DKDNWS-Rufe später, muss man feststellen, dass Fuller sich nicht als der Retter erwiesen hat, den man sich erhofft hatte. #4.04 Innerer Frieden, ebenfalls von Fuller persönlich konzipiert, dümpelt vor sich hin und ertrinkt schließlich in der Belanglosigkeit der Storylines.

"You got your life back Tracy and that's what you wanted, isn't it?"

Ich glaube, es war irgendwo zwischen Matts erstem Kontakt mit Hyänendung und Hiros Versuch, Annapurnas Heirat zu stoppen, dass man die Banalität der Storylines von "Heroes" einfach nicht mehr leugnen konnte. Man hat immer mehr das Gefühl, dass die Autoren mit ihrem Latein am Ende sind und nur noch Drehbücher schreiben, weil sie dafür verpflichtet sind, und nicht, weil sie wirklich etwas erzählen wollen. Tracy zum Beispiel: Sie will ihr altes Leben zurück, kommt aber plötzlich nicht mehr damit klar, dass man sie auf ihre äußeren Reize reduziert. Aha. Ist mir eigentlich schnuppe. Vor allem, weil Tracy sich in dieser Folge wahnsinnig irrational verhält. Zunächst zieht sie sich das heißeste Outfit an, das ihr begehbarer Kleiderschrank hergibt, inszeniert einen Auftritt im Restaurant, dass sämtliche Männer fast vom Stuhl fallen, und ist dann später geschockt davon, dass Malden die Affäre mit ihr wieder entfachen will.

Und noch schlimmer: Noah/Tracy scheint wirklich bald Realität zu werden. Uh-oh. Das sehe ich GAR nicht gerne.

Auch Noah ist diesmal in einer komplett trivialen Storyline gefangen. Er sitzt prinzipiell daheim rum und tut nichts. Peter kreuzt auf und will ihm sein Tattoo zeigen, aber Noah behauptet, dass er die Verschwörungen satt hat – doch es braucht nur einen kleinen Anstoß seitens Claire, damit er wieder anfängt, rumzuschnüffeln und sich doch auf die Suche nach dem Kompass macht. Irgendwie bewegen sich die Charaktere im Kreis. Anstatt ihre Konsequenzen aus den Ereignissen zu ziehen, durchlaufen sie eine Art zirkuläre Entwicklungskurve, die dazu führt, dass sie am Ende genau da stehen wo sie am Anfang auch waren. Wie lange will man uns das noch antun?

"Nobody copies their butt forty-seven different ways without wanting to get fired!"

Auch meine Überzeugung, dass Bryan Fuller als einziger dazu fähig ist, gute Drehbücher für Hiro und Ando zu schreiben, stellte sich diesmal als falsch heraus. Hiro verdrängt weiterhin die Tatsache, dass er stirbt und Ando wirft ihm vor, Kimiko nichts zu... zzzZZZzzzZZZzzzZZZzzzZZZ... sorry, bin kurz eingenickt.

Es ist schwer zu sagen, was stumpfsinniger ist – die Tatsache, dass Tadashis Selbstmord fast schon mit einer gewissen Komik unterlegt wird, oder dass wir echt sage und schreibe drei Mal dieselbe langweilige Szene angucken müssen, in der Hiro den Hörer abhebt, zu Tadashi hinaufgeht und mit ihm redet… zzzZZZzzz. Ich meine, wen interessiert Tadashi? Wen interessiert ein Typ, der sich 47 Mal den Hintern kopiert? Wieder einmal müssen wir feststellen, dass die Storyline nur Mittel zum Zweck ist: Durch die Sache mit Tadashi konfrontiert sich Hiro letztlich mit seiner Situation und realisiert, dass er bald sterben wird. So schön die Szene zwischen ihm und Kimiko am Ende auch ist, man ertappt sich dabei, dass es einem eigentlich ziemlich egal ist, ob Hiro stirbt. Diese Figur ist eh schon seit vielen Episoden für mich gestorben.

"I'm like a Swiss army knife with superpowers now."

Die interessanteste Storyline ist bei weitem die mit Sylathan und seinem trip down memory lane, auch wenn diese nicht weniger konstruiert ist. Angela gibt ihrem Sohn eine Kiste mit alten Sachen und prompt kann Sylathan dank Bridgets Fähigkeit ein paar Erinnerungen einholen, unter anderem die über den Tod seiner Ex-Freundin Kelly. Dies hat zwei positive Nebeneffekte: a) eine Petrelli-Reunion zwischen Peter und Sylathan und b) Swoosie Kurtz kehrt in ihrer Rolle als Millie zurück, die sich als Kellys Mutter entpuppt.

Klar sind einige Aspekte der Geschichte durchaus gelungen: Pluspunkt für Swoosie Kurtz. Pluspunkt für die Szene zwischen Angela und Sylathan, in der Angela ihre zwielichtigen Taten mit der Liebe zu ihren Kindern rechtfertigt. Pluspunkt für Angelas und Millies Abendessen, bei dem sich letztere als mindestens genauso kaltblütig wie die Petrelli-Matriarchin entpuppt. Doch wiederum hinterlässt diese Geschichte den fahlen Beigeschmack, dass sie so hingebogen wurde, dass am Ende genau das rauskommt, was man wollte: Nathans Körper "stirbt" und Nathan erwacht als Sylar. Nun sind die Weichen gestellt, damit das Unumgängliche passiert: Matt wird Sylar helfen, seinen Körper zurückzubekommen und Nathan wird entscheiden müssen, was er will: In Sylars Körper gefangen sein und weiterleben, oder sterben? Oder wird Matt die jeweiligen Psychen wieder in die richtigen Körper stecken?

"Life is a gift, precious and short."

Nach ein paar völlig zusammenhanglosen Szenen vom Karneval ist die Episode dann auch schon wieder vorbei. Und man ist froh drum. Denn #4.04 Innerer Frieden ist eine der langweiligsten Folgen, die "Heroes" je geboten hat. Fuller scheint das sinkende Schiff leider nicht mehr retten zu können und wird dies auch nicht tun, da er nach dieser Folge das kreative Team schon wieder verlässt und zu neuen Ufern aufbricht. Leider ist sein letztes "Heroes"-Vermächtnis eine Episode, die so einschläfernd ist, dass man sie gleich wieder vergisst.

Maria Gruber - myFanbase

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