Bewertung: 8

Review: #12.08 Der große Knall

Foto: Justin Chambers & Camilla Luddington, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth
Justin Chambers & Camilla Luddington, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth

Passend vor der Winterpause bietet uns "Grey's Anatomy" eine rasante Folge, die es schafft, die meisten der großen Handlungsstränge zu thematisieren.
Schon häufiger habe ich diese Staffel über kritisiert, dass bei einigen Storylines, wie zum Beispiel Alex und Jo oder auch April und Jackson nicht wirklich viel vorangeht. Scheinbar hat das das Writer-Team rund um Serienschöpferin Shonda Rhimes gehört und es diesmal nach guter alter Grey's-Manier ordentlich krachen lassen.

"I'm not gonna wingman a patient for you."

Während mir Richards Verhalten gegenüber Meredith mit der Einstellung von Penny so gar nicht gefallen hat, freue ich mich jetzt umso mehr, dass er wieder in der Rolle zu sehen ist, in der er in letzter Zeit so brillieren konnte: Der Wingman. Die Szenen mit Arizona und ihm waren richtig amüsant und ich hoffe, dass die beiden auch weiterhin gemeinsam auf Date-Suche gehen. Gleichzeitig sehen wir Richard aber auch wieder als Baileys Mentor, der ihr aufgrund seiner Erfahrung als Chef der Chirurgie zur Seite stehen kann. So konnte er wieder viele der Lacher für sich entscheiden, wie beispielsweise in der Szene, wo er Bailey anweist, auf eine höhere Treppenstufe zu steigen.

Aber das war's eigentlich auch schon größtenteils mit den lustigen Elementen. Auf geht's zum Drama, und darin ist die Serie ja immer schon Meister gewesen.

"It was amazing. It felt like us."

Fangen wir mit der vergleichsweise unspektakulärsten Geschichte an. Dass April und Jackson nicht darüber gesprochen haben, dass sie miteinander geschlafen haben, dürfte wohl niemanden so wirklich überraschen. Kommunikation ist ja nun so gar nicht ihre Stärke. Und so muss Jackson sich seinen Rat woanders herholen, bei Callie. Endlich sieht man mal wieder die gutaufgelegte, schlagfertige Callie, die nicht durch die ganze Sache mit Penny der Buhmann ist. Es war echt lustig anzuschauen, wie die gleich richtig begeistert loslegt und Jackson ausfragt, während Ben neben ihnen steht und eigentlich doch nur in Ruhe seinen Job machen will. Wie auch immer, Callie scheint bei Jackson etwas bewirkt zu haben und so ist es ausnahmsweise mal er, der April aus dem Krankenhaus hinterherläuft und verlangt, dass sie über das Vorgefallene reden. So wie die darauffolgende Diskussion (naja, eigentlich war es ja wieder mal eher ein Monolog von April) abgelaufen ist, habe ich eigentlich nur darauf gewartet, dass Jackson April unterbricht und sie küsst. Aber ganz so einfach machen das einem die Serienmacher nicht und so stehen wir vor dem ersten Cliffhanger. Geben die beiden ihrer Beziehung noch eine Chance oder nicht? Nach all dem Hin und Her, das wir bis jetzt in dieser Staffel gesehen haben, scheint nun endlich der Moment der Entscheidung gekommen. Hoffentlich.

"I love you. Yes or No?"

Während ich vermutlich mit beiden möglichen Ausgängen der Beziehung von Jackson und April zufrieden wäre, ist das mit Jo und Alex schon um einiges komplizierter. Grundsätzlich habe ich bei "Grey's Anatomy" keinen Lieblingscharakter. Dafür gab es einfach viel zu viele, die man im Laufe der Jahre ins Herz geschlossen hat. Alex ist aber ziemlich weit oben auf meiner Liste. Bei Jo war das eher eine kleine Achterbahnfahrt. Erst war sie mir total sympathisch, gerade in den letzten Folgen ist sie aber fast nur noch negativ aufgefallen. Sowohl durch die Streitigkeiten mit Stephanie, als auch durch ihren dauernden Konkurrenzkampf mit Meredith um Alex. Immerhin das erste Problem scheint sich in dieser Folge gelöst zu haben. Es war echt eine schöne Szene zwischen Jo und Stephanie, in der die beiden endlich zugeben, wie sehr sie sich vermissen. Hoffentlich bedeutet das das Ende ihres Streits, denn die beiden gefallen mir als Freundinnen viel besser.

Aber kommen wir zum eigentlichen Hauptthema: Alex' Heiratsantrag. Der war zugegebenerweise trotz all der Planung, wie Jo schon gesagt hat, etwas unpassend. Und auch hier verlässt man die beiden, bevor Jo ihm eine Antwort gibt. Nur was ist hier die richtige Entscheidung - ja oder nein? Nach all dem, was Alex so an Beziehungen durchmachen musste (ich sage nur Ava oder Izzie), hatte ich gehofft, dass er mit Jo vielleicht endlich die Richtige gefunden hat. Die beiden waren größtenteils immer sehr nett anzuschauen und doch stellt sich die Frage, ob Alex und Jo miteinander glücklich werden können, wenn er weiterhin mit Meredith befreundet ist. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein Keil zwischen die Freundschaft der beiden getrieben wird - zumindest hoffe ich das. Immerhin ist er nach Cristinas Weggang am ehesten an das herangekommen, was immer als Merediths "Person" bezeichnet wird. Gleichzeitig weiß ich aber nicht, ob Jo, Liebesbekundung von Alex hin oder her, weiterhin bereit ist, ihn mit Meredith zu teilen, besonders, wenn sie dabei meistens das Nachsehen hat. Wirklich verdenken kann man ihr das nicht. Daher muss man sich fragen, ob es für die beiden Charaktere die richtige Entscheidung ist, tatsächlich zu heiraten. Ein Happy End stelle ich mir zumindest bis jetzt eher schwer vor, so sehr ich es mir für sie auch wünsche.

"Stay the hell away from my family."

Neben den Liebesgeschichten wurde sich aber auch um den brodelnden Krisenherd rund um Owen und Nathan gekümmert. Eine wirkliche Antwort darauf, warum Owen Nathan so hasst, bekommen wir leider immer noch nicht. Ehrlich gesagt wird es sogar immer mysteriöser. Ich bin eigentlich fest davon ausgegangen, dass Nathan irgendetwas im Krieg gemacht hat, was Owen ihm nicht verzeihen konnte. Vielleicht etwas, das mit seiner verunglückten Einheit zu tun hatte. Das würde auch Owens Flashbacks erklären. Aber nein, scheinbar liegt das Problem in der Familie. Irgendwie muss Nathan mit Owens Schwester in Verbindung stehen und gleichzeitig muss es etwas gewesen sein, das Owens Mutter ihm, der herzlichen Umarmung nach, verziehen hat. Nur was könnte das gewesen sein? Etwas in Richtung tödlicher Unfall? Was auch immer es ist, es sorgt dafür, dass selbst bei dem anfangs noch so selbstbewussten Nathan die Fassade etwas zu bröckeln anfängt.

Dass nicht nur die Zuschauer inzwischen einen Haufen Theorien haben, was denn nun wirklich zwischen den beiden vorgefallen ist, sondern auch das Krankenhaus, wurde am Anfang der Folge sehr amüsant dargestellt. Ob die Serienmacher da wohl einen kurzen Blick in die Fanforen riskiert haben? Mein persönlicher Favorit ist ja Arizonas Theorie mit der Affäre.

Wie auch immer, egal was passiert ist, die beiden sollten sich dringend aussprechen. Schließlich kann es ja nicht sein, dass Owen weiterhin auf Nathan einschlägt, wenn ihm danach ist. Wobei ich bei der Szene ja schon fast wieder an Derek und Mark denken musste. Da kann man Meredith nur zustimmen, die meinte, dass Owen sich zusammenreißen soll.

"Fire is very difficult to contain. And just when you think you've extinguished the blast, it reignites."

Es gab viele dramatische Entwicklungen, auf die sich dieser Abschlussmonolog hätte beziehen können und doch scheint es gerade zu perfekt auf Amelia zu passen. Von all dem, was den Charakteren in dieser Folge so wiederfahren ist, scheint Amelia mit Abstand die tragische Figur zu sein. Zunächst ist da ihre Beziehung mit Owen, der ihre Hilfsversuche ziemlich hart abschmettert. Was aber viel schlimmer war, war ihr Streit mit Meredith. Was die beiden sich an den Kopf geworfen haben, hat richtig wehgetan und man kann nur hoffen, dass es Worte der Wut waren und nicht ihre wahren Gefühle. Dabei weiß ich gar nicht, was schlimmer war. Meredith, die meinte, dass Amelia nicht ihre Schwester wäre, sondern Dereks, oder Amelia, die meinte, dass Derek Merediths Trauerverhalten widerlich finden würde. Das waren beides Schläge unter die Gürtellinie.

Nur, dass Meredith genug Menschen um sich hat, an die sie sich wenden kann. Amelia hingegen fühlt sich jetzt komplett alleine gelassen. Wie schlecht sie Dereks Tod verkraftet hat, konnte man schon an ihrem Verhalten Penny gegenüber erahnen und von daher war es nicht wirklich überraschend, dass dieser Streit sie an eine Bar geführt hat. Vermutlich waren Meredith und Owen ihre letzten Sicherheitsnetze, und beide sind so von ihren eigenen Tragödien abgelenkt, dass sie nicht an Amelia denken. Und so sitzt sie an der Bar und trinkt wieder Alkohol (ironischerweise spendiert von Nathan - wenn das Owen rauskriegt). Jetzt bleibt zu befürchten, dass das für Amelia der Beginn einer Spirale nach unten ist.

Fazit

Die Folge schickt einen mit vielen interessanten Handlungssträngen und einigen wirklich gemeinen Cliffhangern in die Winterpause. Das Schicksal vieler Charaktere hängt in der Schwebe und wird hoffentlich in der nächsten Folge aufgelöst.

Denise D. myFanbase

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