Bewertung

Review: #11.23 Die Zeit steht still (1)

Foto: Caterina Scorsone, Grey's Anatomy - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Caterina Scorsone, Grey's Anatomy
© 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

Eine neue Zeit bricht an; der Neuanfang, der schon in der letzten Folge #11.22 Spurlos verschwunden angeteasert wurde, beginnt langsam, aber stetig. Dies lässt sich vor allem daran erkennen, dass neue Anfänger durch die Flure des Sloan Grey Memorial Hospitals strömen und wie alle ihre Vorgänger die wunderbar ikonischen Worte von Dr. Webber hören dürfen. Die Szene, in der beinahe die komplette Belegschaft im OP-Beobachtungsraum sitzt, auf die "Chicks and Ducks" runterschaut und Webber dabei synchronisiert, hat bei mir wunderbare Erinnerungen an glücklichere Zeiten hervorgerufen und war eine der besten Szenen dieser Folge. Doch auch abgesehen davon weiß die Folge nach den letzten, aufwühlenden Entwicklungen zu überzeugen.

Neue Ärzte, neue Methoden

Im Vordergrund dieser Episode stehen vor allem die Chirurgie und die Patientenfälle. Zwar ist der Auslöser dafür abermals eine Katastrophe in Seattle, diese wird jedoch zum Glück nicht in den Fokus gerückt, sondern bringt die großartigen Operationen hervor. Die Risikooperation war einfach nur spannend und unheimlich zugleich inszeniert und hatte mit Owen und Jackson zwei Konfliktpartner, die sich unähnlicher nicht sein könnten. Es gefällt mir vor allem, dass wir endlich mal wieder mehr medizinische Innovation sehen dürfen und eine Operation erleben dürfen, die Gänsehaut verschafft. Apropos Gänsehaut – die Patienten Keith und Heather haben mir sehr gut gefallen und haben für viele berührende Momente gesorgt. Dass sie durch ihr gemeinsames Baby sich in dieser kurzen Zeit kennen und lieben gelernt haben (Keiths Worte "She's my home" gehören zu den schönsten Liebesgeständnissen der letzten Staffeln der Serie!) und nun in diesen fürchterlichen Unfall geraten sind, ist im positiven Sinne so typisch und bezeichnend für diese Serie. Die Geburt im Fahrstuhl war dazu sehr gut in Szene gesetzt und zeigte wieder mal die Besonderheit dieses Ortes – nach Hochzeitsanträgen, Todeskämpfen und Herzoperationen folgt nun die erste Geburt! Keiths Situation, eingesperrt in seinem eigenen Auto, kommt ja wirklich einem Albtraum gleich und da Keith wirklich grundsympathisch ist, kann man die Niedergeschlagenheit seiner Ärztinnen wirklich verstehen, als er verloren schien. Die Zusammenarbeit von Amelia, Meredith, Maggieund April hat mir auch sehr gefallen. In vielerlei Hinsicht standen diese vier Frauen vermehrt im Vordergrund dieser Staffel und haben sie geprägt, was somit unterstrichen wurde.

Stephanie als neue Bailey mit neuen Regeln gefällt mir sehr gut und ich fand ihre Arbeit sehr erfrischend – diese neue Rolle passt einfach zu ihr und gefällt mir außerordentlich. Ihre Anfänger selbst wirken teils sehr nervig (die weibliche Anfängerin!) oder tollpatschig (der mit der Halskrause!) und sind somit typisch Anfänger. Einzig und allein Andrew DeLuca schafft es, einen wirklich positiven Eindruck zu hinterlassen, da er ganz anders eingeführt wird: Er ist so talentiert und so begabt, dass er für einen Oberarzt gehalten wird und dieser Rolle auch bis zu einem gewissen Grad verkörpern kann, bringt aber auch eine gewisse Arroganz mit, dass er diese Lüge verschweigt. Das macht ihn sehr interessant – von ihm werden wir sicherlich noch einiges sehen!

Altbekannte Charaktere, altbekannte Konflikte

In dieser Staffel gab es kaum eine Storyline für Jo und Alex. Insbesondere Jo wurde zur Rolle von Alex' Freundin reduziert, was natürlich nicht gerade gewinnbringend für ihre Entwicklung war. Dass sie die Army als Abenteuer sieht und diesen lebensgefährlichen Einsatz romantisiert, wirkt auf mich eher merkwürdig – mir persönlich ist aber eher Alex' enttäuschendes Verhalten aufgefallen. Im Grunde genommen nimmt er die Rolle von Merediths Person zu ernst, da er nur ihretwegen in Seattle bleiben möchte; er zieht sie Jo eindeutig vor und entscheidet auch über deren Kopf, dass Meredith zu ihnen ziehen darf. Das ist Jo gegenüber ein ziemlich respektloser Schritt, da er ihre Wünsche kaum anzuerkennen scheint, was im krassen Gegensatz zu seinem fürsorglichen, aufmerksamen Verhalten Meredith gegenüber steht. Jo tut mir hier fast schon Leid, obwohl ich sie nicht besonders mag. Ehrlich gesagt fände ich es sogar gut, wenn sie tatsächlich für einige Monate nach Jordanien gehen würde. Ihrem Charakter würde das seit langem mal wieder etwas Interessantes geben.

Ich war ja zu Beginn der Folge noch begeistert von Catherine und Richard, da mir die Leichtigkeit und der Humor zwischen den beiden sehr gefielen. Auch fand ich ihre Auswahl der Trauzeugen großartig; Bailey und Jackson sind einfach die wichtigsten Menschen für die beiden und vor allem Jacksons Interpretation als Catherines Brautjunger fand ich zum Schießen! Doch spätestens durch den Konflikt über den Risikopatienten war ich wieder genervt und hab mich gefragt, warum man die beiden erneut in diese Lage versetzt. Dieser ewige Streit der beiden über die Macht und Kontrolle des Krankenhauses nervt wirklich. So wird ein unablässiges Hin und Her zwischen ihnen verursacht und vor allem Catherine wirkt dadurch unsympathischer. Dagegen ist mir Webber immer noch wichtig und ich hoffe für ihn, dass sie dieses Problem endlich in den Griff kriegen!

Potenzial und Highlights

Endlich gibt es den Konflikt zwischen Amelia und Meredith! Scheinbar hat man sich die Konfrontation der Schwägerinnen auch bloß aufgehoben und nicht, wie ich schon befürchtet hatte, vergessen. Doch ihre Verzögerung beeinträchtigt ihre Wirkung in keinem Fall! Caterina Scorsone war wieder mal so großartig. Ich habe diese Frau über die letzten Reviews immer wieder gelobt, doch sie schafft es einfach immer wieder mich zu überraschen und zu fesseln. Und in der Szene in der Vorratskammer war sie in Kombination mit Ellen Pompeo einfach unschlagbar! Amelia setzt sich nun wirklich aktiv mit Dereks Tod auseinander, was ich für einen wichtigen Schritt für sie erachte: Sie wirft Meredith all die Fragen an den Kopf, die auch ich mir gestellt hatte. Merediths Verhalten war auch einfach fragwürdig; die Entscheidung über Dereks Tod lag zwar als seine Ehefrau rechtlich gesehen in ihrer Hand, sie hätte sich aber auf jeden Fall mit seiner Familie absprechen müssen, sie hätte wenigstens Amelia anrufen sollen! Amelias Wut gegenüber Meredith ist daher absolut verständlich genau wie ihren Gedanken, dass sie Derek hätte retten können. Es ist ein typischer Gedanke von Trauernden, dass sie etwas ändern hätten können, dass sie das Leben des Verstorbenen retten können. Da Amelia, dank Meredith, nie die Chance hatte, sich von Derek verabschieden zu können, wird sie dieser Gedanke wohl noch lange verfolgen. Was mir ebenfalls gefallen hat, dass wir erstmals eine wirklich ehrliche und direkte Reaktion von Meredith erhalten. Ihr Zusammenbruch war zwar kurz, hat aber viel über ihre innere Zerrissenheit und ihren Schmerz über Dereks Tod verraten. Auch ihre Worte "I couldn't breathe, I couldn't exist" waren großartig gewählt. Alles in allem ein notwendiger, hochemotionaler Handlungsstrang, der uns sicherlich noch lange beschäftigen wird.

Ein weiterer Konflikt, der großes Potenzial aufweist, trägt sich wohl zwischen April und Jackson aus. April hat sich scheinbar so sehr verändert, dass Jackson sie kaum wiedererkennt und seine negativen Gefühle an Owen auslässt. Viel bekommen wir noch nicht von ihrer Veränderung mit, aber was wir davon sehen, ist einfach nur großartig! April, die wir sonst als neurotische, oft nervige und hastige Ärztin kennengelernt haben, ist wie verwandelt! Sie ist kontrolliert und fokussiert und die Zeit im Kriegsgebiet hat sie anscheinend härter und weniger emotional gemacht. Gleichzeitig wagt sie solche Badass-Aktionen wie einfach einen Patienten im Auto zum Krankenhaus zu transportieren! Ich hatte erneut Gänsehaut bei dieser letzten Szene und bin wahnsinnig gespannt, mehr von dieser April zu sehen! Diese Entwicklung ist richtig vielversprechend. Damit kann der unsägliche Zeitsprung der letzten Folge endlich mal für etwas Spannendes verwendet werden!

Kurze Eindrücke

  • Es ist völlig verständlich, dass Meredith nicht mehr im Traumhaus leben möchte. Das Haus ist ja nahezu vollgestopft mit Erinnerungen an Derek. Doch warum bindet sie Amelia nicht in die Entscheidung ein?
  • Was hat Maggie da am Telefon erfahren, was sie so erschüttert? Irgendwas wegen ihrer Eltern?
  • War Jacksons triumphierender Blick, als Catherine sich gegen die Risiko-OP ausgesprochen hat, nicht absolut ohrfeigenwürdig?
  • Was ich von Owens Entscheidung, den Job als Chief zu quittieren, halten soll, weiß ich noch nicht. Er hat nie einen besonders schlechten Job abgeliefert, doch irgendwie habe ich ihn nie als den Chefarzt wahrgenommen. Schade, dass Webber den Job nicht wieder dauerhaft übernimmt. Er ist und bleibt der einzige, den ich in diesem Posten wirklich ernstnehmen könnte.
  • Ich mochte ja die besten Freunde des Patienten, die als selbsterklärte Geeks schnell mal die Operationstechnik im Internet recherchieren. Dieser Seitenhieb gegen die digitalen Möglichkeiten hat mir gut gefallen.


Fazit

Eine turbulente und ereignisreiche Folge, in der kaum Zeit zum Nachdenken bleibt, so sehr wird man von den Entwicklungen und Charakteren mitgerissen. Die Chirurgie steht dabei seit langem wieder im Vordergrund und kann durch einen mitreißenden Fall sowie eine besonders risikoreiche OP begeistern. Dazu bieten die Ereignisse um April und Jackson sowie Meredith und Amelia viel Potenzial, was sich hoffentlich in einem grandiosen Finale entladen wird.

Lux H. - myFanbase

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