Bewertung

Review: #11.15 Erdbeben

Foto: Grey's Anatomy - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Kelsey McNeal
Grey's Anatomy
© 2016 ABC Studios; ABC/Kelsey McNeal

Wenn mir eines in der elften Staffel von "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" aufgefallen ist, dann wie stark man sich auf Altes und Vertrautes bezieht. Das Rezept dafür ist sogar relativ einfach - Figurenkonstellationen, Patienten, Katastrophen und persönliche Probleme verschiedener Staffeln und Episoden werden zusammengewürfelt und ergeben dann ein neues Gesamtbild. Beweis? Den habt ihr hier:

So darf Owen, wie einst im Staffelauftakt der achten Staffel, einen Zivilisten (in diesem Fall das kleine Mädchen Ruby) durch einen chirurgischen Eingriff an einem Familienmitglied anleiten - damals war es per Kamera, diesmal ist es per Telefon. Callies und Maggies Patientin erlebte einen zweiten Frühling wie der Senior mit der Penispumpe aus der sechsten Staffel, die Ärzte zeigen sich abermals abergläubisch und es gibt die Rückkehr des Plastic Posse. Und die Endszene ist eine mehr als deutliche Anspielung an Addisons ikonischen ersten Auftritt. Mal geht das Rezept auf, mal eher nicht - in dieser Folge funktioniert das eigentlich ganz gut.

Ein Highlight stellte hierbei der Fall der kleinen Ruby da. Es ist wohl klar, dass dieses Mädchen entweder mal eine taffe Chirurgin wird (ihre Geschichte hat mich nämlich total an Cristina und ihren Vater erinnert) oder sonst von diesem Ereignis verfolgt wird. Wir sehen zwar nicht, wie sie ihre Mutter untersucht oder wie sie ein Messer in deren Körper sticht, aber allein ihre ängstlichen Schilderungen und ihre spürbare Verzweiflung bringen diese Bilder vor das geistige Auge des Zuschauers. Damit kam eindeutig viel Spannung und viel Dramatik in diese Episode und man kann sich gut in das arme Mädchen hineinversetzen, sodass ich eine Heidenangst um sie bekam. Ein Detail hat mich allerdings gestört: Warum konnte man das Handy nicht orten lassen? Sowas funktioniert doch auch in gängigen Crime-Serials! Wer hier überzeugen konnte, war natürlich Owen - seine Sorge um Ruby war echt rührend und man konnte ihm deutlich ansehen, wie schwer es ihm fiel, so viel von ihr zu verlangen. Als die beiden sich dann treffen und Ruby in Owens Arme rennt, hätte ich am liebsten den Autoren eines zugerufen: GIBT DEM MANN ENDLICH EIN KIND! Ich wurde hierbei nämlich auch an Ethan erinnert, den kleinen Jungen, den Owen einst ins Herz geschlossen hatte und es ist wirklich schade, dass man ihm diesen Wunsch bislang noch nicht erfüllt hat. Ein anderes ENDLICH- Gefühl konnte jedoch abgeschlossen werden: ENDLICH fallen Amelia und Owen übereinander her und landen im Bereitschaftszimmer! Wurde ja aber auch mal Zeit! Die beiden standen sich in dieser Folge wiedermal großartig bei, haben erneut als Team zusammen gekämpft und haben einfach eine richtig tolle Chemie miteinander. Mehr davon, bitte!

Als interessante Kombination erweisen sich Maggie und Callie - die nerdige, unsichere Maggie, die sich ihr Leben lang wie ein Außenseiter gefühlt hat und Callie, die nie mit ihrer Meinung hinter dem Berg hält und immer wieder einen Spruch auf Lager hat. Humortechnisch durfte sich Sara Ramirez in dieser Folge wirklich austoben: Ihre Synonyme für Sex und ihr Austausch über Sextechniken mit ihrer Patientin haben ja schon gut vorgelegt. Aber so richtig zum Lachen hat mich ihr britischer Akzent gebracht, als sie Maggie unterstellt, ein Snob zu sein. Diese ist nun wohl endlich bei "Grey's Anatomy" vollends angekommen, denn sie hat einen Love Interest bekommen! Von Ethan kann man nicht wirklich was sagen - er macht einen charmanten ersten Eindruck und macht Maggie offensichtlich mehr als nervös, doch das sagt noch gar nichts. Maggie selbst erkämpft sich immer mehr Platz in meinem Herzen - wie sie erst überhaupt nicht realisiert, dass Ethan mit ihr flirtet, dann völlig verwirrt annimmt, dass er tatsächlich ihretwegen die Treppe nimmt und schlussendlich völlig überfordert von einem Termin für das Date ist: Das alles macht sie einfach grundsympatisch. Ich fand es aber richtig, dass Callie ihr erklärt hat, dass ihre Ängste einfach nur bescheuert sind und sie ihr Leben einfach genießen sollte - und nicht vergisst, sie dabei gehörig aufzuziehen. Diese kleine Geschichte hat mir wirklich sehr gefallen!

Merediths Storyline hat mich ehrlich gesagt vor allem eins: Enttäuscht. Die Idee mit der Glückssträhne fühlt sich für mich wie an den Haaren herbeigezogen hat und hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn:

  • 1. Kann es nicht nur einer einzelnen Assistenzärztin auffallen, dass eine Oberärztin jede OP erfolgreich abschließt. Erst in der letzten Folge haben wir gesehen, wie die Ärzte bei den großen Operationen sich über die Schulter schauen - wenn Meredith, eine der wohl bekanntesten Ärztinnen im Krankenhaus, so viel Glück haben würde, würde das doch die Runde machen, oder? Was ist mit der alten Gerüchteküche passiert?
  • 2. Dieser Oberärztin fällt es nicht einmal selbst auf - nicht mal Meredith hat so viel um die Ohren, dass ihr nicht auffällt, dass ihr kein Patient unter den Fingern wegstirbt. Das ergibt für mich keinen Sinn.
  • 3. Als Zeichen dafür, dass Meredith auch ohne Derek großartig zurechtkommt und erkennt, was für eine tolle Ärztin sie ist ( Zitat: "I'm pretty amazing."), finde ich es ziemlich ungeschickt gewählt. Denn es kommt vor allem viel zu schnell: Wir arbeiten seit der zehnten Staffel daran, dass Meredith ihren Weg als Ärztin findet und sich selbst beweisen kann, dass sie es, auf gut Deutsch gesagt, drauf hat. Spätestens seit der diesjährigen Staffelpremiere arbeiten wir auch daraufhin, dass Meredith und Derek wieder ein Team sein und zusammenhalten sollten - und nun will Meredith Derek wieder mehr in ihr Leben einbinden? Das alles wird in drei(!) Szenen abgehandelt. What?! Ich meine, es ist schön, wie Meredith erklärt, dass sie ein tolles Leben hat und dass sie glücklich ist, aber warum wird ihre ganze Entwicklung so hastig abgehandelt? Das ist schlichtweg schade und unnötig.

Und nun zu der Frage der Stunde - hat er oder hat er nicht? Wenn sich die Geschichte tatsächlich wiederholt, wäre ich mehr als enttäuscht - ich glaube eher an einen aufgebauschten Cliffhanger, der in der nächsten Folge dann seine Bedeutung verliert. Der große Pluspunkt ist für mich an dieser Geschichte vor allem die Freundschaft von Alex und Meredith - sie halten nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg und sagen sich die Meinung. Gleichzeitig ist Alex auch für Meredith in dem Moment da, als sie realisiert, dass sie seit Dereks Abreise die Glückssträhne hat. Alex ist mit der Zeit wirklich ein guter Cristina-Ersatz geworden - doch er sollte endlich auch mal Meredith selbst wegen einer eigenen Krise brauchen, anstatt in dieser Staffel nur ihren besten Freund spielen zu dürfen.

Kurze Eindrücke

  • Die Patchwork-Familie war mir ziemlich unsympathisch. Dass der Vater die besten Intentionen hatte, um seine Familie zusammenzuführen, daran aber gescheitert ist, könnte aber durchaus ein böses Omen für Meredith sein.
  • Ziemlich gefreut habe ich mich über die Fortführung der Geschichte um Ben und seine Schwester, obwohl diese selbst nicht zu sehen war. Hier konnte vor allem Jackson überzeugen, da er Ben Rosalinds Entscheidung endlich nahebringen konnte und gleichzeitig die Plastic Posse zurück ins Leben gerufen hat. Zwar kommt Jackson dabei, meiner Meinung nach, nicht ganz an Mark heran, schlägt sich aber als Mentor nicht schlecht und es freut mich, ihn nach all den Problemen der letzten Zeit wieder glücklicher zu sehen.
  • Ich weiß, welchen Ohrwurm ich haben werde, sobald ich die nächste Wiederbelebung in "Grey's Anatomy" sehe: Stayin' Alive!
  • Wenn die Schwestern aus Charmed wüssten, was ihre werte Großmutter so treibt..
  • Hermans Erwähnung hat mich sehr gefreut und ihre SMS mich zum Schmunzeln gebracht.
  • April arbeitet wieder, doch es lässt sich nicht viel über ihren Zustand sagen. Ihre Resolutheit ("Shut up") war dennoch überraschend.
  • War Jo nicht nervig?
  • Ob die Autoren eine Bucket Liste mit allen Katastrophen haben, die sie noch in die Serie einbauen wollen? Hinter das Erdbeben können sie nun wohl einen Haken machen - ob das für den Tourismus in Seattle aber gut ist? ;)

Fazit

Die Bewertung dieser Folge ist extrem schwierig - auf der einen Seite haben mir die Geschichten um Ben, Owen und Maggie gut gefallen, andererseits bin ich ziemlich enttäuscht, wie plump man Merediths Selbsterkenntnis verarbeitet hat. Schlussendlich gebe ich sieben von neun Punkten, obwohl sie hart verdient sind - es ist die Freundschaft von Meredith und Alex, Callies fantastische Sprüche oder die Rückkehr der Plastic Posse, bei denen dem langjährigen "Grey's Anatomy"-Fan wahrlich das Herz aufgeht und diese Extrapunkte ausmachen.

Lux H. - myFanbase

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