Bewertung: 7

Review: #11.02 Das fehlende Puzzleteil

Foto: Kevin McKidd, Grey's Anatomy - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Kevin McKidd, Grey's Anatomy
© 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

Bereits in der zehnten Staffel zeigte man uns einige Episoden, die sich besonders auf einen Charakter konzentrierten. Nun ist der Neuling Maggie Pierce an der Reihe.

"Bring the thunder."

Als in #10.24 Abschied die Bombe rund um Maggies Existenz hochging, verdrehten viele die Augen aufgrund der spät eingebrachten Geschichte einer zweiten Halbschwester für Meredith. Die Idee ist zwar wenig originell und man gab uns auch keine Zeit, sich erst an Maggie zu gewöhnen, bevor sie uns als Ellis Greys Tochter vorgestellt wurde, aber nach dem Verlust von Cristina verlassen sich die Autoren darauf, die Lücke mit Maggie zu füllen.

Um uns Maggie etwas schmackhafter zu machen, zeigt man die Ärztin nicht nur im Berufsalltag, sondern auch im Gespräch mit ihrer Familie. Man erfährt während der Telefonate nicht wirklich viel über Maggie, doch es zeigt sich, dass sie eng mit ihrer Familie verbunden und sie ein wichtiger Teil ihres Lebens ist. In jeder freien Minute steht Maggie in Kontakt mit ihnen, was sie recht zerbrechlich wirken lässt, da sie in Seattle keinerlei Rückhalt zu haben scheint. Daher kann man sehr leicht mit Maggie mitfühlen und verstehen, warum sie sich eigentlich einen besseren Start mit Meredith erhofft hatte. Doch wir Zuschauer kennen Meredith nun schon seit Jahren und so war es nicht überraschend, dass Meredith Maggie nicht freundlich in ihrem Leben willkommen heißt.

Die angespannte Lage zwischen den beiden Halbschwestern hat sich im Laufe der Episode noch etwas mehr zugespitzt. Aber während man sich im Staffelauftakt damit begnügt hat, die beiden voneinander zu entfremden, legt man es nun darauf an, es Maggie unmöglich zu machen, Meredith nicht zu mögen. Auf diese Weise entstehen einige sehr schöne Szenen. Als Maggie von Zola begrüßt wird, geht einem das Herz auf, obwohl es schon ein bisschen dick aufgetragen wirkt, dass man Meredith nun als die ideale Schwester darstellt. Die Autoren gehen hier mit dem Vorschlaghammer drauf los und dass man den Zuschauer so sehr zwingen will, sich mit der Story um die Halbschwestern anzufreunden, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Anders empfinde ich das erste Aufeinandertreffen von Maggie und Amelia. Denn als sich Amelia und Webber über den verstrickten Stammbaum unterhalten und dann Maggie hinzustößt, nimmt sich "Grey's Anatomy" kurz selbst auf die Schippe. Die Chemie zwischen Amelia und Maggie stimmt auch im Anschluss, als sie sich einem gemeinsamen Patienten widmen, was zwar eher Amelias aufgeschlossener Art zuzuschreiben ist, aber dennoch Spaß macht. Neben Amelia knüpft Maggie noch weitere Kontakte und kann so auch bei Bailey und Jo einen Fuß in die Tür bekommen. Es fällt erneut auf, dass die Autoren zu viel auf einmal wollen und Maggie sehr schnell integrieren und ich bin gespannt, in welchem Tempo man damit weitermachen will. Trotz der hohen Geschwindigkeit, brachte das Aufeinandertreffen allerdings einige lustige Momente mit sich, in denen Maggie zwar jedes denkbare Fettnäpfchen mitnahm, aber dennoch dafür sorgt, dass sie nun nicht mehr der Außenseiter ist.

Nebenbei bringt Maggie dann auch noch die Storyline rund um Familie McNeil zum Abschluss, die ich in der zehnten Staffel als sehr bewegend empfunden habe. Die unglücklichen Eltern, die ein Kind verloren haben, müssen sich nun nicht mehr die Schuld an Ivys Tod geben und dass Maggie dies erreicht hat, bringt ihr echte Sympathiepunkte.

"My mother was your mother: Ellis Grey."

Ich bin sehr überrascht, dass man nach nur zwei Episoden bereits die nächste Bombe hochjagt und Meredith über ihre Halbschwester aufklärt. Einerseits ist es durchaus positiv, dass sich das Geheimnis nicht durch die halbe Staffel gezogen hat und es einem dann endgültig zum Hals heraushing. Andererseits rast man mit durchgetretenem Gaspedal durch diese Maggie-zentrierte Episode und gibt dem Zuschauer keine Zeit, sich nach und nach auf sie einzulassen. Statt langsam den Grundstein dafür zu legen, dass man Maggie als Teil des Casts akzeptiert, zwingt man uns mit allen Mitteln dazu, sich auf sie einzulassen. Es war abzusehen, dass Meredith sie nicht mit einer warmen Umarmung begrüßt und ich muss sagen, dass ich nicht recht weiß, ob ich mich auf das ganze Drama freue, was nun Einzug halten wird. Meredith wird sicherlich für viel Wirbeln sorgen und nun ist es nur noch eine Frage von ein oder zwei Episoden, bis Maggie erkennt, dass Webber ihr Vater sein muss. Damit nimmt man ihr dann die einzige Person weg, der sie sich bisher anvertraut hat, was erneute Konflikte verspricht. Ich hoffe sehr, dass die Autoren ein gutes Mittelmaß finden.

Puzzle

Rund um Maggie werden die restlichen Handlungsstränge nur leicht angepackt, man zeigt aber, dass keine der Geschichten vergessen ist. Denn das halbfertige Gespräch zwischen Meredith und Derek hängt noch immer in der Luft und durch betretenes Schweigen wird klar, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ähnlich ist es bei Arizona und Callie. Auch zwischen ihnen wurde im Auftakt neues Konfliktpotential geschaffen, doch die beiden scheinen sich nun ohne viel Drama zu einigen. Sie wollen ein weiteres Baby und Arizonas Karriere soll weitergehen. Ich denke nicht, dass man die beiden so einfach davon kommen lässt, lasse mich aber gern positiv überraschen.

Die Story rund um die neue Besetzung des Vorstands steht zunächst still, doch nachdem Maggie dafür gesorgt hat, dass Alex aus der Praxis gefeuert wurde, nimmt man den Faden in der nächsten Episode sicherlich wieder auf. Ich denke, dass man Alex nun wieder normal im Krankenhaus arbeiten lassen wird, wenn Arizona sich anderen Themen widmet, wodurch der Vorstandssitz sicherlich an Bailey geht. Gar nicht berührt wurde die Entwicklung von April und Jackson, doch ich hoffe sehr, dass man hier nicht gleich die nächste Krise aus dem Hut zaubert.

Fazit

Obwohl es etwas ungewohnt ist, eine Episode völlig auf einen Nebencharakter auszurichten, kann man mit dieser Folge recht zufrieden sein. Man versucht zwar mit dem Hau-Drauf-Prinzip, uns Maggie näher zu bringen und die Schwestern-Story in den Vordergrund zu stellen, doch da man dabei die restlichen Storys ebenfalls mit aufgreift, bietet man dem Zuschauer ein ausgewogenes Bild.

Marie Florschütz - myFanbase

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