Bewertung: 5

Review: #11.01 Im Wind verloren

Foto: Grey's Anatomy - Copyright: 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor
Grey's Anatomy
© 2016 ABC Studios; ABC/Adam Taylor

Der Start in die nunmehr elfte Staffel von "Grey's Anatomy" hinterlässt doch einen ganzen Haufen gemischter Gefühle. Es erweist sich als nicht so einfach Cristinas Abwesenheit zu kompensieren, auch wenn der offensichtlich verstärkte Fokus auf Meredith vermutlich der beste Weg ist, um genau das zu erreichen. In Seattle geht es stürmisch umher, was sich leider nicht auf die Storylines beziehen lässt, die einen stellenweise nicht mitreißen konnten.

"Yang left me her shares and her board seat. And she left me you, too. It's just us now."

Meredith wieder verstärkt in den Mittelpunkt der Serie zu stellen, gehört sicherlich zu den positiven Aspekten an dieser Episode. Es ist zwar nicht so, als wäre sie innerhalb der zehn Jahre jemals auch nur für eine Sekunde eine Randfigur gewesen, aber Cristinas Weggang hat schon ein Loch hinterlassen, das - wenn überhaupt - maßgeblich nur von Meredith geschlossen werden kann. Sie und Cristina gehör(t)en für mich zu den zentralen Charakteren der Serie, die sie, wenn es mal schlechtere Zeiten gab, immer noch gut genug stemmen konnten. Ohne Cristina beziehungsweise der großartigen Darstellung von Sandra Oh wird der Serie etwas fehlen und deswegen muss sich "Grey's Anatomy" ein wenig umstrukturieren, was an dieser Folge deutlich wird. Meredith braucht eine neue Bezugsperson, die sie in Alex sofort gefunden hat. Das ist ohne Frage auch der Höhepunkt an der ganzen Folge, sind die beiden schlicht und ergreifend ein niedliches Gespann. Es ist nicht bloß die Notwendigkeit, die diese beiden Charaktere zusammenschweißt, da die Freundschaft der beiden eben über Jahre hinweg aufgebaut wurde und bereits eine Bereicherung darstellte, als Cristina noch an Merediths Seite war. Dass die zwei nun die einzig übrig gebliebenen Chirurgen sind, die damals zu Beginn der ersten Staffel als Assistenzärzte angefangen haben, sorgt für Wehmut, aber eben auch für eine neue Ausgangslage, die funktionieren kann. Sie gibt darüber hinaus Alex die Möglichkeit, mehr im Geschehen drin zu sein.

Mit Maggie Pierce wurde ein neuer (Haupt)Charakter eingeführt, der einerseits dafür vorgesehen ist, Cristinas berufliche Lücke als neue Leiterin der Kardiologie zu schließen, andererseits wird mit ihr aber ebenso die Brücke zu Meredith geschlagen. Nach Lexie noch eine Halbschwester in die Serie einzuführen ist überaus gewagt und kann mächtig nach hinten losgehen, doch das wird sich erst zeigen müssen. Maggie und Meredith im Streit einander geraten zu lassen, ist zunächst einmal gar kein so ein schlechter Einstieg. Merediths Abneigung ist sowieso erstmal darin begründet, dass Maggie Cristinas Position übernommen hat. Meine Sorge besteht eher darin, dass das Gezanke überstrapaziert und es zu lange hinausgezögert wird, bis Meredith von ihrer Schwester erfährt. Nach so einer Vorgehensweise sieht es nämlich auch bei Webber aus, der die Wahrheit seinerseits für sich behält, aus Sorge seiner Tochter damit unnötige Probleme zu machen. Das aber genau dadurch noch Probleme entstehen werden, sollten jedem klar sein. Er kriegt ja mit, wie Maggie sich ihm anvertraut und dieses Vertrauen wird er verletzen, wenn Meredith erfährt, wie lange er geschwiegen hat.

Apropos Probleme. Meredith und Derek stecken in einer schwierigen Situation, aus der sie anscheinend nicht so einfach herauskommen werden. Dabei war ich zunächst einmal froh darüber zu sehen, dass die zwei über keine potenzielle Trennung diskutiert haben, sondern über die Möglichkeit, ob Derek nicht alleine nach Washington DC gehen sollte. Meredith gönnt ihm seinen beruflichen Erfolg ja auch, sie will aber eben nicht auf ihre eigenen Vorstellungen für ihr Leben verzichten. Ein typisches Dilemma in einer Beziehung, das für Owen und Cristina das Ende eingeläutet hat, weil sie sich nie einig wurden. So dramatisch möchte ich jetzt natürlich nicht sehen, aber ich gebe Meredith Recht damit, wenn sie befürchtet, dass sowas dem Partner ein Leben lang vorgehalten werden kann. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, warum sie am Ende nicht erleichtert darüber war, zu hören, dass Derek doch in Seattle bleiben wird. Irritiert war ich an dieser Stelle dann nur deswegen, weil Merediths Reaktion zu überdramatisiert in Szene gesetzt wurde und sie etwas viel Schlimmeres impliziert.

Randnotizen

  • Was kuriose Unfälle angeht, wird es nie langweilig im Grey + Sloan Memorial. Ein Krankenbett, was vom Krankenhaus rollt und auf ein Auto kracht, in dem zwei Teenager gerade Sex haben, ist ein aberwitziger Zufall!
  • Callies und Arizonas Nachdenken übers weitere Kinderkriegen wurde fortgeführt, wobei damit zu rechnen war, dass es den beiden wieder mal nicht einfach gemacht wird. Callie entscheidet sich schließlich zwar für eine Leihmutterschaft, aber jetzt wird Arizonas Wunsch nach einer beruflichen Weiterbildung für zusätzlichen Stress sorgen.
  • Ich bin immer noch entsetzt darüber, welche negative Entwicklung Bailey durchgemacht hat. Es ist so, als hätte sie ihre gesamte Reife über Bord geworfen. Auf ihr Wetteifern gegen Alex habe ich jetzt bereits keine Lust. Und zur Zeit hätte er es auch mehr verdient, den Sitz im Vorstand zu erhalten.
  • Amelia könnte noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. Zumindest ist sie gerade die einzige, die von Webbers Geheimnis Bescheid weiß.
  • Jackson sagt Webber, wie gerne er ihn in seiner Familie begrüßt hätte, was ein kleiner aber feiner Moment war.
  • Und die Patientenfälle haben jegliche Subtilität verloren. Nach dem Vorschlaghammer-Prinzip spiegeln sie das Privatleben der Ärzte wieder. Das war früher noch nicht so offensichtlich und dadurch weniger störend.



Fazit

Die Serie war schon einmal spannender. Das Drama berührender. Und doch befinden wir uns gerade erst am Anfang der Staffel und die Serie muss erstmal wieder ihren Kurs finden. Ich bleibe optimistisch, dass "Grey's Anatomy" auch ohne Cristina fortbestehen kann. Die Frage, die bleibt, lautet nur, ob das Ergebnis zufriedenstellend sein wird.

Lukas Ostrowski - myFanbase

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