Bewertung: 8

Review: #7.07 Der Drache und der Wolf

Foto: Lena Headey & Nikolaj Coster-Waldau, Game of Thrones - Copyright: 2017 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.; Macall B. Polay/HBO
Lena Headey & Nikolaj Coster-Waldau, Game of Thrones
© 2017 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.; Macall B. Polay/HBO

Viel zu schnell ging die siebente Staffel von "Game of Thrones" zu Ende, denn auch wenn viele Episoden beinahe Spielfilmlänge hatten, wäre es schön gewesen, noch drei Wochen länger in der Welt von Eis und Feuer zu verweilen. Dennoch bringt man diese Staffel zu einem runden Abschluss, der einige Geschichten zu Ende bringt und gleichzeitig aufzeigt, worauf wir uns in der finalen Staffel einstellen dürfen.

"The beginning of the end."

Es war ein eigenartiges Gefühl, dass sich in dieser Episode fast alle wichtigen Darsteller an einem Ort versammelt haben. Abgesehen vom Beginn der Serie, in dem uns die Hauptfiguren bei einer Zusammenkunft in Winterfell präsentiert wurden, gab es noch nie ein so eindrucksvolles Treffen. Viele Figuren haben sich seit mehreren Staffeln nicht gegenübergestanden, weshalb es umso epischer war, sie nun – fast – alle vereint zu sehen. Den Ort, Dragonpit, dafür wählte man sehr gut, denn er zeigte zum einen die einstige Macht der Targaryens, zum anderen stand er aber auch für den Untergang der Familie, die dort ihre Drachen einsperrte, wodurch die einst so prächtigen Tiere verkümmerten und schließlich ausstarben. Es ist ein bittersüßes Zeichen, das hier gesetzt wird und das ganz besonders nachdem Daenerys in der letzten Episode bereits um einen Drachen ärmer geworden ist.

Man begann nicht gleich mit dem Aufeinandertreffen von Cersei und Daenerys, sondern tastete sich langsam an die Sache heran und schürte die Vorfreude, indem man zunächst kleinere Wiedersehen feierte. So machte es Spaß Tyrion und Bronn wieder Seite an Seite zu sehen, genau so wie Jaime und Brienne. Stets sind es nur ein paar Momente, in denen wir das Aufeinandertreffen der alten Freunde – im Fall von Sandor und Gregor oder Theon und Euron wohl eher der alten Feinde – genießen können. Einerseits sind es wahre Gänsehautmomente, mit denen man den Schlagabtausch zwischen den alten Bekannten feiert, andererseits sind sie so zahlreich, dass man gern etwas mehr Zeit gehabt hätte, um die Wiedersehen alle gebührend genießen zu können.

"Let the monsters kill each other."

Auf allen erdenklichen Wegen demonstriert Daenerys im Aufeinandertreffen der Königinnen ihre Stärke, Auge in Auge mit Cersei strahlt sie dann Selbstsicherheit und vor allem Bescheidenheit aus. Im Gegensatz dazu steht Cersei, die sehr bitter wirkt und der nach der Demonstration des Wiedergängers die Angst aus jeder Pore zu dringen scheint, während sie zuvor versucht hat, trotz des imposanten Auftritts von Daenerys keine Miene zu verziehen. Es fällt mir unheimlich schwer diese beiden standhaften Frauen einzuschätzen, besonders, weil sie so viele Facetten haben, dass man nie voraussagen kann, welche Charaktereigenschaft nun die Überhand gewinnen wird. Bei Cersei war es ein Auf und Ab zwischen Angst, Spott und Überlebensdrang. Ab welchem Punkt plante sie, sich augenscheinlich auf eine Allianz einzulassen, nur um Jaime dann dafür zu verhöhnen, dass er ihre Worte tatsächlich ernst genommen hat? Worüber unterhielten Cersei und Tyrion sich, nachdem wir die beiden verlassen haben? Ahnt Tyrion, dass seine Schwester ein falsches Spiel spielt? Dass man Cerseis Absichten so schlecht einordnen kann, entspricht genau dem Bild von ihr, das uns seit Beginn der Serie gezeichnet wurde. Ihre Brüder kann sie dabei so geschickt um den Finger wickeln wir keine andere. Sie ist ein Mensch, der sich stets einen Ausweg bewahrt und nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist – durch und durch Tywins Tochter. Bisher schloss dies immer Jaime ein, doch mit ihrer Intrige hat Cersei ihren Bruder nun endgültig verschreckt. Die gesamte Staffel über zeigte sich in Jaimes Augen die Liebe zu seiner Schwester, erwidert wurde dieses Gefühl aber nicht. Ja, auch Cerseis Augen wussten zu funkeln, doch nicht etwa auf Gründen der Zuneigung, das Leuchten hing stets mit dem Triumph über einen Feind zusammen. Die Erkenntnis über Cerseis Kaltherzigkeit – vielleicht auch die Aufforderung von Brienne – veranlassen Jaime nun, seiner Schwester den Rücken zu kehren. Ich bin mehr als gespannt, wie sich dieser offene Bruch zwischen den beiden in der letzten Staffel gestalten wird und wie das nächste Wiedersehen zwischen ihnen aussehen wird. Man darf nicht vergessen, dass Cersei schwanger ist.

Ähnlich intensive Momente erleben wir auch mit Daenerys, doch während Cersei die Brücke zur wichtigsten Person in ihrem Leben abbrechen muss, steht bei Daenerys alles im Zeichen des Aufbaus. Immer enger ziehen die Autoren die unsichtbaren Fäden zwischen ihr und Jon zusammen. Im Dragonpit spricht aus Jons Augen bereits die Zuneigung und vor allem auch die Ehrerbietung, die er Daenerys entgegenbringt. Ihr glühender Blick wirkt davon erst ein wenig überrascht, doch schließlich sehen wir die beiden am Ende der Episode zusammen im Bett. Die Autoren spielen dabei ein durchtriebenes Spiel mit uns. Zum einen machen sie uns Daenerys und Jon als Liebespaar schmackhaft und deuten seit ihrem ersten Treffen in #7.02 Sturmtochter an, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Zum anderen wird die Bett-Szene der beiden dann mit dem Gespräch von Sam und Bran unterlegt, sowie mit den Worten von Lyanna und Rhaegar, durch die endgültig bewiesen wird, dass Jon ebenfalls ein Targaryen ist. Man hört keinen Ton des Liebesspieles zwischen Daenerys und Jon, viel mehr nimmt man der eindringlichen Szene die Romantik, indem man aufzeigt, dass die Targaryens wieder einmal Inzest betreiben.

"When the snows fall and the white winds blow, the lone wolf dies but the pack survives."

Mit einem harten Schnitt nach Winterfell läutet man eine Geschichte ein, die seit Beginn der Serie darauf wartet, offen erzählt zu werden und so rächen sich Kleinfingers Machenschaften. Es ist schon fast Tradition geworden, dass Arya im Staffelfinale jemanden tötet und dieses Mal ist es Kleinfinger, den dieses Schicksal ereilt. Einerseits hat man es kommen sehen, andererseits waren seine Intrigen so offensichtlich, dass man sich fragte, ob es nicht zu vorhersehbar wäre, wenn man sein Leben nun beendet. Daher war ich recht erleichtert, dass man uns erst noch einmal in die Irre führte, nur um anschließend damit zu überraschen, dass Arya und Sansa gegen Kleinfinger eine vereinte Front bilden. Aus den Blicken der beiden Schwestern spricht der kalte Hass, so lange hat Kleinfinger schon mit ihnen gespielt und besonders Sansa immer zu manipulieren versucht, dass es ein wahrer Genuss war mit anzusehen, wie Kleinfinger sich vor allen Augen gewunden hat. Viel eindringlicher als sein gerechter Tod war jedoch die Allianz zwischen den beiden Stark-Schwestern. Nachdem die Kluft zwischen ihnen in der letzten Episode wieder genau so groß wirkte, wie damals auf der Reise nach Königsmund, hätte ich eher vermutet, dass Sansa dem Geflüster von Kleinfinger lauscht und sich wieder einmal von ihm einlullen lässt. Es ist erfrischend, dass sie nun endlich aus ihren Fehlern gelernt hat und dass die beiden Schwestern einander mit Respekt für all das begegnen, was die jeweils andere durchstehen musste. Vereint blicken die beiden zum Schluss in den Schnee und machen ihrem Vater alle Ehre.

"Winter Is Here."

Was wäre das Staffelfinale von "Game of Thrones" ohne einen bildgewaltigen Abschied? Vollkommen starr sitzt man da, während die Armee des Nachtkönigs seelenruhig Richtung Mauer marschiert. Die Gelassenheit, die sie ausstrahlen, hat beim Zuschauer genau den gegenteiligen Effekt und versetzt ihn in Panik. Als man dann die Mauer durch das blaue Feuer Viserions kollabieren sieht, ist das Entsetzen perfekt. Das Bild, das sich für die Lebenden abzeichnet, lässt angesichts dieser gigantischen Armee das Blut in den Adern gefrieren.

Randnotizen

  • Noch immer bin ich mir nicht sicher, was Sandors Intentionen betrifft. Fantastisch war auf jeden Fall, dass Brienne ihm ein Lächeln entlocken konnte.
  • Der verwirrte Blick, den Tyrion nach der Unterbrechung durch Euron mit Jaime wechselte, war göttlich. Die beiden stellen ein wunderbares Brüder-Gespann dar und ich hoffe sehr, dass wir in Staffel 8 mehr von ihnen sehen werden.
  • Gut gelungen war auch der Einzug des Winters in Königsmund. Am Anfang sah es rund um Dragonpit noch sonnig und warm aus, auch wenn die langen Roben aller Beteiligten darauf hindeutete, dass die heißen Temperaturen längst vorüber sind. Zum Schluss rieselten dann Schneeflocken über das Land und verkünden somit auch im Süden, dass der Winter da ist. Es ist eine friedliche Szene, die im krassen Gegensatz zu der Gefahr steht, in der sich die Charaktere befinden.
  • Sind noch jemandem die Löwen aufgefallen, mit denen sich die Dothraki geschmückt haben? Sie stammen bestimmt aus der Schlacht aus #7.04 Kriegsbeute.
  • Eddard ist in dieser Episode allgegenwärtig. Sowohl Sansa und Arya zitieren ihn, als auch Jon und Theon.
  • Das Gespräch zwischen Jon und Theon konnte auf ganzer Linie überzeugen. Alfie Allen stellt den gebrochenen Theon, der mühsam versucht sich wieder aufzurichten, so herzergreifend dar, dass man trotz den vielen Fehlern, die Theon begangen hat, genau so milde gestimmt ist wie Jon. Den Beweis dafür, dass er nicht nur Balons sondern auch Eddards Sohn ist, liefert Theon in dem Kampf mit einem der Eisenmännern. Schon ulkig, dass er es ausgerechnet der Verstümmelung Ramsays zu verdanken hat, dass er den Kampf schließlich für sich gewinnen konnte. Als er sich schließlich mit Meerwasser erfrischt, gedenkt Theon schlussendlich noch einmal dem Ertrunkenen Gott und wirkt fast wie neugeboren.
  • Auch Sam und Bran konnten für einen kleinen Lacher sorgen, als Bran auf den Brief verwies.
  • Ob Tormund und Beric den Zusammenbruch der Mauer wohl überlebt haben? Irgendwie glaube ich schon, dass wir die beiden noch einmal wiedersehen werden.


Erwartungen

  • an dieses Staffelfinale: Indem man die Handlung auf zwei Orte eingegrenzt hat, an denen sich alle wichtigen Figuren befanden, konnte man geschickt ein wenig Zeit in jeden von ihnen investieren. Sehr gut verknüpft hat man dabei unausgesprochene Vermutungen mit harten Fakten, wodurch man einige Erkenntnisse gewinnen konnte. Das Staffelfinale ist daher ein Erfolg auf ganzer Linie, die gesamte Episode über hielt man die Spannung hoch und trotz einiger Ereignisse, auf die man schon lange gewartet hat, wirkte nichts davon vorhersehbar.
  • an die finale Staffel: Es bleiben nur noch sechs Episoden, um das Lied von Eis und Feuer zu beenden. Man kann sich kaum vorstellen, dass diese ausreichen werden, um den Kampf gegen den Nachtkönig und den um den Eisernen Thron auszufechten. Ich hoffe sehr, dass charakterstarke Figuren wie Tyrion, Jaime und Jon weiterhin an ihrer positiven Entwicklung festhalten, gleichzeitig bin ich gespannt darauf, wie heißblütige Charaktere wie Daenerys, Cersei und Arya sich auf den Ausgang der Geschichte auswirken werden.


Marie Florschütz - myFanbase

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