Bewertung: 8

Review: #1.08 Achterbahn der Gefühle

"Crossing the Line" ist der englische Titel der achten Folge von "Friday Night Lights", und nach der Episode muss ich sagen, dass dieser ziemlich gut getroffen ist. In jeder der Haupthandlungen schienen die Charaktere entweder einen Schritt zu weit zu gehen oder endlich den entscheidenden Schritt zu wagen. Uns erwarten große Veränderungen, auf die man sicherlich gespannt sein kann. Doch fangen wir einfach mal von vorne an, bei der Storyline, die in dieser Episode ihren Höhepunkt fand.

"You're gonna steal a cripple's girlfriend but you won't fight a cripple?!"

Ich bin mehr als erleichtert, dass die Wahrheit über Tim und Lylas Affäre endlich ans Licht kam. Und so sehr ich Tim auch mag, den Schlag ins Gesicht hat er sich verdient. Erstens: Untreu sein ist falsch. Zweitens: Mit der Freundin des besten Freundes bzw. mit dem besten Freund des Freundes zu schlafen, ist noch schlimmer. Aber eine absolute Frechheit ist es, diesem Freund ins Gesicht zu lügen, wenn er fragt, ob etwas zwischen dir und seinem besten Freund läuft und auch noch empört auf diese Frage zu reagieren. Klar ist die Sache komplizierter, als man denkt. Lyla ist offensichtlich hin und her gerissen. Sie liebt Jason und sein Unfall scheint die gemeinsame Zukunft, die sie sich zusammen ausgemalt haben, zerstört zu haben. Natürlich ist es bei weitem nicht so ein schwerer Schicksalsschlag wie für ihn, doch es ist auch nachzuvollziehen, dass sich ein 16-jähriges Mädchen, dessen Träume fast über Nacht in Schutt und Asche gelegt wurden, verloren fühlt. Vielleicht wollte sie auch Jason vor der Wahrheit schützen, um ihn nicht noch mehr zu belasten, da sie ja jetzt die Affäre beendet hat, so wie es ihr auch Tami geraten hat. Könnte man denken. Aber ihre Blicke, als sie Tyra bei Tim antraf, schienen etwas anderes zu sagen.

Tim dagegen scheint hoffnungslos in Lyla verliebt zu sein. Hier frage ich mich auch, ob das wohl schon länger der Fall ist, oder ob es sich erst nach dem ersten Kuss entwickelt hat. Bei Tim fällt es mir leider etwas schwer objektiv zu sein, dafür tut er mir wegen seiner Familiengeschichte zu sehr Leid. Aber dazu später. Fakt ist einfach, was die Beiden getan haben, ist trotz der Hintergründe nicht zu entschuldigen, und der einzige Leittragende hier ist Jason, der nicht nur die Fähigkeit zu Laufen, sondern auch zwei der wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren hat.

Was an dieser Stelle aber auch erwähnt werden muss, ist die sich anbahnende Freundschaft zwischen Herc und Jason. Natürlich ist Herc ein etwas komischer Kerl und es gibt Momente, wo man doch schon etwas sauer über die direkte Art werden kann, wie er mit Jason redet oder umgeht. Doch es ist schön zu sehen, wie er Jason immer wieder ermutigt, das Beste aus seiner Situation zu machen und sich nicht wegen seiner Behinderung unter Wert zu verkaufen, wie zum Beispiel bei der Sache mit Lyla. Im Endeffekt war es, glaube ich, die Freundschaft zu Herc, die Jason so weit gebracht hat, diese Scharade nicht mehr wortlos hinzunehmen und Tim und Lyla zur Rede zu stellen. Spannend ist es jetzt auf jeden Fall zu sehen, wie diese Beziehungen sich entwickeln werden.

"What happened to your eye?"

Auch wenn ich an Jasons Stelle wohl mehr von Tim enttäuscht wäre als von Lyla, kann ich leider nicht anders, als Mitleid mit dem Jungen empfinden. In dieser Folge erfahren wir etwas mehr über die familiären Zustände der Riggins, und sie sind alles andere als rosig. Scheinbar sind beide Elternteile schon seit Jahren nicht mehr Teil ihres Lebens, und während Tim sie noch in Schutz nimmt, ist Billy mit der Situation sichtlich überfordert, für sich UND seinen kleinen Bruder zu sorgen. Man merkt, wie verzweifelt er ist, denn einerseits ist er wütend, dass seine Eltern ihn mit solch einer Verantwortung alleine gelassen haben, andererseits liebt er seinen kleinen Bruder so sehr, dass er ihn auch nicht einfach auf die Straße setzen kann. Doch während er versucht, Tims mögliche Football-Karriere in Gang zu bringen, führt sich dieser auf wie immer, und zeigt kein Interesse für irgendetwas. Der Streit und die anschließende Rangelei der Beiden, war so voller Emotionen, dass es mir Gänsehaut beschert hat. Man konnte Billys Verzweiflung deutlich spüren, und auch wenn er einige verletzende Dinge zu Tim gesagt hat, habe ich ihm diesen Ausraster doch ein wenig gegönnt, dennoch gleichzeitig tiefes Mitleid mit Tim empfunden.

Umso schöner war es dann zu sehen, wie sich die Brüder letztendlich wortlos über Sandwich, Bier und einer Tüte tiefgekühlte Erbsen für Tims blaues Auge vertragen und uns so zeigen, dass sie trotz allem eine Familie sind, die sich um einander sorgt.

"I can't have another game like it, I can't afford it"

Smashs Storyline ist wohl im Moment diejenige, die mich am meisten stört. Smash wird aufgrund seiner sportlichen Leistungen von einer ganzen Stadt wie ein Held gefeiert. Verständlich, dass das einem Teenager das Gefühl vermittelt, dass Football das einzig Wichtige im Leben ist, schließlich verhalten sich 99% der anderen Einwohner auch nicht anders. Und das erzeugt natürlich Druck, den Erwartungen gerecht zu werden. Es war schon schlimm mitanzusehen, wie er am Anfang seine Mutter, die ja nicht gerade viel verdient, unter einem Vorwand um die stolze Summe von 1200 $ bittet, damit er sich leistungssteigernde Mittel beschaffen kann. Doch als er im Alamo Freeze versucht, an die Tageseinnahmen zu gehen, war mir das doch etwas zu viel. Leider konnte ich nicht ahnen, dass es noch dicker kommen würde: Seine Mutter hat offensichtlich mit dem Pastor ihrer Kirche gesprochen, der daraufhin während der Messe, die restlichen Kirchenmitglieder um eine Spende bittet, damit Smash an einem Vorbereitungskurs für seinen Collegetest teilnehmen kann. Bis jetzt ist Smash für mich kein sonderlich sympathischer Charakter. Er ist überheblich und vorlaut, und seine Leichtsinnigkeit macht es im Moment auch nicht einfacher ihn zu mögen. Doch am schlimmsten fand ich die Tatsache, dass er Leute, denen er wichtig ist, mit in die ganze Situation reinzieht. Es ist zu hoffen, dass er bald zur Besinnung kommt oder dass er wenigstens auffliegt, und so vor sich selbst geschützt werden kann.

"You are beautiful, you are sensitive, you are sweet and I don't wanna see you get hurt"

Kommen wir zu einem der schönsten Momente der Folge. Erst einmal muss ich sagen, dass ich die schüchterne Annäherung zwischen Julie und Matt einfach zum knutschen finde! Die Schreiber haben hier gute Arbeit geleistet und die Geschichte perfekt auf die Rollen der Beiden zugeschnitten. Die bedeutungsvollen, zögernden Blicke, das schüchterne Lächeln... ich jedenfalls kann es kaum erwarten, bis die Zwei ihr erstes Date haben, denn ja, Julie hat ihren Eltern eröffnet, dass sie sich entschieden hat, Matts Einladung anzunehmen! Es war sehr unterhaltsam, Tami in Panik zu sehen. Natürlich hört sie als Vertrauenslehrerin so einiges in ihrem Büro, wie wir auch zu Beginn der Folge sehen konnten. Aber es war einfach herrlich, wie sie die Situation total katastrophisiert und sich ihre Tochter wahrscheinlich schon als schwangeren Teenager vorgestellt hat.

Letztendlich hat sie Eric auf Julie angesetzt, der ein rührendes, wenn auch teilweise witziges Vater-Tochter-Gespräch mit ihr hatte. Beim Ping-Pong-Spielen klärte der Coach sie erst einmal darüber auf, dass Jungs sowieso nur an Essen und Sex denken, und gestand ihr dann, dass er nicht will, dass sie verletzt wird. Familie Taylor ist und bleibt wohl eine meiner Lieblings-TV-Familien. Die Art, wie sie miteinander umgehen, sich streiten und lieben und das alles auf solch eine authentische Art und Weise, ist wirklich einmalig.

Fazit

Erneut eine authentisch dargestellte und emotionsgeladene Darbietung des Casts. Obwohl ich gerne ein wenig mehr von der Familie Taylor gesehen hätte, war es richtig, sich mehr auf das Liebesdreieck, Smash und die Familie Riggins zu konzentrieren. Die Geschehnisse versprechen einige Veränderungen und ich bin gespannt zu sehen, wie sich aufgrund dessen die Dynamik innerhalb der Beziehungen entwickeln wird.

Elena Michailidou - myFanbase

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