Oscarfieber, Teil 3: Bester Film

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In der Königskategorie "Bester Film" des wichtigsten und einflussreichsten Filmpreises der Welt wurden in diesem Jahr neun Filme nominiert, die sich Hoffnungen machen können auf den Gewinn der goldenen Statue. Die Bandbreite der nominierten Filme ist aufgrund der neuen Nominierungsregelung, bei der bis zu zehn Filme nominiert werden können, wesentlich breiter geworden und so befindet sich unter den Nominierten nach dem phänomenalen Triumph der französischen Hommage an die Stummfilm-Ära "The Artist" erneut ein französischer Film auf der Liste der Academy. Alle anderen sind aber erneut amerikanische Produktionen. Dabei hat sich in der Award-Saison ein Film ganz langsam aus der Außenseiterposition hinein zum absoluten Topfavoriten gemausert, wobei diese Kategorie trotzdem nicht so klar ist, wie im letzten Jahr, als es mit "The Artist" einen haushohen Favoriten gab.

Foto: Copyright: 2012 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

Doch der Reihe nach: Die wohl geringsten Chancen auf den Gewinn der Hauptkategorie "Bester Film" hat wohl das Independent-Drama "Beasts of the Southern Wild" von Benh Zeitlin, war hier doch schon die Nominierung eine kleine Überraschung. Die Macher werden aber allein über die Nominierung dieses überaus günstig produzierten Films sehr glücklich sein und mit Quvenzhané Wallis stellt der Film dann dazu auch noch die jüngste Oscar-Nominierte aller Zeiten. Ein weiterer recht klarer Außenseiter ist Quentin Tarantinos Spaghetti-Western-Hommage "Django Unchained", die sich eher in der Drehbuch-Kategorie berechtigte Hoffnungen machen kann und auch eine Auszeichnung von Christoph Waltz als bester Nebendarsteller ist im Bereich des Möglichen. Für den Gewinn des Hauptpreises ist der Film dann aber wohl doch zu sperrig und durchgeknallt.

Etwas bessere Chancen können Michael Hanekes Sterbedrama "Liebe" zugerechnet werden, welches als einzige europäische Produktion einen Platz auf der Nominierungsliste der besten Filme ergattern konnte. Da aber gerade im letzten Jahr eine französische Produktion triumphieren konnte, ist es unwahrscheinlich, dass sich dies in diesem Jahr wiederholt. Mit insgesamt fünf Nominierungen kann das Filmteam von "Liebe" aber mehr als zufrieden sein und aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der Academy könnte es vielleicht schlussendlich doch für einen riesengroßen Überraschungscoup reichen. Sonderlich wahrscheinlich ist dies aber nicht.

Foto: Copyright: 2013 Universal Pictures
© 2013 Universal Pictures

Auch eine große Überraschung wäre der Sieg von "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger". Die bildgewaltige und spirituell aufgeladene Literaturverfilmung ist zwar mit insgesamt elf Nominierungen der am zweithäufigsten nominierte Film in diesem Jahr, wird schlussendlich aber wohl eher in den technischen Kategorien die Preise abräumen. Einst als großer Favorit wurde Kathryn Bigelows Polit-Actionthriller "Zero Dark Thirty" gehandelt und es schien so, als ob Bigelow nach ihrem Triumph mit ihrem letzten Film "Tödliches Kommando The Hurt Locker" wieder die große Siegerin des Abends sein wird. Doch dann wurde in den Medien lang und breit über die angebliche Verherrlichung brutaler Foltermethoden in dem Film diskutiert und die Favoritenrolle war dahin. Auch in der Kategorie "Beste Regie" wurde Bigelow daraufhin übergangen und ein erneuter Gewinn der goldenen Statue für die kontrovers diskutierte Regisseurin rückte in weite Ferne. Nach den ganzen Diskussionen um "Zero Dark Thirty" in den Medien ist ein Sieg also eher unwahrscheinlich.

Foto: Copyright: 2012 Universal Pictures Germany
© 2012 Universal Pictures Germany

Jetzt kommen wir langsam zu den vier Topfavoriten, wovon zwei nochmal eine gehobene Stellung einnehmen. Die Tragikomödie "Silver Linings" ist dabei einer jener Filme, die aufgrund ihrer ungemeinen Beliebtheit bei Kritikern und beim Publikum noch für eine kleine Überraschung sorgen könnten. Dazu wurde der Film in allen wichtigen Kategorien nominiert, unter anderem in allen vier Schauspielkategorien. Der Film erfreut sich großer Popularität, ist aber aufgrund der eher leichten und weniger politisch aufgeladenen Tonart dann aber doch eher ein nicht zu unterschätzender Außenseiter, der schließlich aber noch viele überraschen könnte. Eine Zeit lang ein großer Favorit war auch Tom Hoopers Musicalverfilmung "Les Misérables". Nach dem Gewinn des Golden Globes in der Musical/Komödien-Kategorie und der Vorliebe der Academy für filmische Musicals ist mit einem schlussendlichen Triumph bei den Oscars durchaus zu rechnen. Trotzdem sind da noch zwei Filme, die wesentlich bessere Karten haben.

Foto: Copyright: 2013 Twentieth Century Fox
© 2013 Twentieth Century Fox

Zum einen wäre da Steven Spielbergs Abraham Lincoln-Biopic "Lincoln", welches dem vielleicht beliebtesten amerikanischen Präsidenten ein filmisches Denkmal setzt. Mit Steven Spielberg als Regisseur und einer solch uramerikanischen Thematik avanciert man fast automatsch zum Oscar-Favoriten. Der Film wurde zudem von amerikanischen Kritikern fast durchweg in den höchsten Tönen gelobt und die Vorliebe der Academy für weiter zurückliegende historische Prozesse könnte hier auch zum Tragen kommen. Trotzdem ist "Lincoln" in diesem Jahr nicht der Topfavorit, sondern Ben Afflecks "Argo", den viele lange Zeit überhaupt nicht als Favoriten gesehen haben, der aber einen wichtigen Preis nach dem nächsten abräumen konnte und so plötzlich kurz vor der Vergabe der Goldmänner als Topfavorit dasteht. Will man der Statistik glauben, ist eher unwahrscheinlich, dass ein Film den Hauptpreis gewinnt, welcher in der Kategorie "Beste Regie" nicht nominiert ist. In diesem Jahr aber könnte der Statistik Lügen gestraft werden. Nach seinem Oscar im Jahr 1998 für das Drehbuch zu "Good Will Hunting" wäre dies erst der zweite Oscar für den in der Vergangenheit oft so hart kritisierten Schauspieler Ben Affleck, der sich als Regisseur neu erfunden hat und von da an einen starken Film nach dem nächsten dreht. Ein Oscar wäre ihm so nur zu gönnen.

Der Autorentipp

In diesem Jahr wird es sicherlich spannender, als im letzten Jahr, trotzdem gibt es auch 2013 einen starken Favoriten und das ist Ben Afflecks Politthriller "Argo". Trotzdem sollte auch Spielbergs "Lincoln" und Tom Hoopers "Les Misérables" nicht unterschätzt werden. Aber vielleicht gibt es schlussendlich doch eine größere Überraschung und David O. Russell ist mit "Silver Linings" plötzlich der strahlende Sieger. Zeigen wird es sich bei der großen Preisverleihung in der Nacht von Sonntag auf Montag.

Bester Film: "Argo"

Moritz Stock - myFanbase

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