Bewertung: 5
James Foley

Fifty Shades of Grey - Befreite Lust

"Wieso widersetzt du dich?" - "Weil ich es kann."

Foto: Copyright: 2017 Universal Pictures International Germany
© 2017 Universal Pictures International Germany

Inhalt

Obwohl Ana (Dakota Johnson) und Christian (Jamie Dornan) sich erst wenige Wochen kennen, sagt Ana "Ja" und begibt sich mit dem überbeschützenden Gatten in die luxuriösen Flitterwochen. Dort genießen beide das Eheleben bei Radtouren, Museumsbesuchen und Sonnenbädern am Strand. Doch schon bald trüben schlechte Nachrichten das Liebesglück. Jack Hyde (Eric Johnson) ist zurück und hegt keine guten Absichten in Bezug auf Mr. und Mrs. Grey, die ferner mit weiteren Überraschungen und Differenzen zu kämpfen haben.

Kritik

Erleben Sie den Höhepunkt. Mit diesem zweideutigen Slogan lockt das Filmplakat um das finale Kapitel der "Fifty Shades of Grey"-Reihe aktuell wieder zahlreiche Schaulustige ins Kino. Der Hype um E.L. James' Bestsellertrilogie (die Bücher aus Mr. Greys Sicht nicht mitgezählt) geht also munter weiter und spaltet neuerlich die Gemüter. Der Lustgewinn oder -verlust an "Fifty Shades of Grey" ergründet sich eben rein im Auge des Beobachters. Ergo dürfte es, egal aus welchem Blickwinkel betrachtet, ein durchaus befreiendes Gefühl sein, wenn die letzten Bilder über die Leinwand fliegen und das düster-erotische Beziehungsdrama um Liebe, Begierde und Eifersucht ein Ende findet.

In den ersten Szenen wird dann sogleich geheiratet und kurz darauf geflittert. Es dauert nicht lange und Christian kritisiert seine Frischangetraute nach einem spontanen Oben-ohne-Sonnenbad am Strand. Dies wird keineswegs die letzte Szene bleiben, in der Differenzen zwischen Mr. und Mrs. Grey den Alltag überschatten. Doch anderes als in den Romanen werden derartige Konflikte zum Glück nicht ausufernd bis an die Spitze des unerträglichen erörtert. Stattdessen versucht Mrs. Grey Unstimmigkeiten, beispielsweise ihren neuen Nachnamen im Verlag betreffend, zivilisiert auszudiskutieren. Zitat Ana: "So funktioniert das. Weißt du noch? Reden. Zuhören. Probleme lösen…".

Das Drama bleibt dennoch nicht aus. Als bald nach der Hochzeit die längst fällige Kinderfrage am Küchentresen lauert, wird schnell deutlich: Christian ist längst nicht bereit, seine Ana zu teilen. Der von Jamie Dornan ernst dreinblickend gemimte CEO löst vermeidbare Probleme lieber weiterhin mittels ausgefallener Sexpraktiken, wenn er von der eigensinnigen Gattin aufgrund berechtigter Freiheitsansprüche wiederholt gegen die Wand gedrängt wird. Das Konzept von "Fifty Shades of Grey" lebt eben von den Gegensätzen der beiden Hauptfiguren, die sich stetig (charakterlich wie körperlich) aneinander reiben, um sich schlussendlich wieder und wieder lustvoll zu vereinen. Sei es direkt nach einer wilden Verfolgungsjagd auf einem belebten Parkplatz oder im widerentdeckten Spielzimmer.

Die markanteste Veränderung durchlebte unverkennbar Dakota Johnson in der Rolle der Anastasia Steele/Grey. Die diversen Nacktszenen, in denen die US-Amerikanerin teils gänzlich blankzieht, waren sicherlich nicht immer ein Vergnügen. Im ersten Teil stolperte sie noch als unschuldiges Mauerblümchen in die Arme des kontrollsüchtigen Mr. Grey. In "Befreite Lust" befindet sich die erprobte Verlagslektorin nun auf Erfolgskurs, steckt nachdrücklich das eigene Hoheitsgebiet ab und avanciert zur heldenhaften Retterin in der Not. Neckend lockt Johnson den vergleichsweise hölzern anmutenden Gegenpart mehrfach aus der Reserve, was einige komische Augenblicke zur Folge hat. Anas Wandlung offenbart sich nicht zuletzt in einem eleganteren Kleidungs- und Wohnstil.

Man taucht nun endgültig in die Welt der Reichen und Schönen ein. Die auf Chic dekorierte Romanze zelebriert das Jetsetleben förmlich im Privatjet, auf der Luxusjacht oder im PS-starken Fuhrpark, erzählt darüber hinaus aber eine eher überholte Geschichte mit gängigen Klischees (Hauskauf, Clubszene). Gastauftritte von Rita Ora, Eloise Mumford, Marcia Gay Harden und Luke Grimes sind indes kaum der Rede wert, da sie recht kurz angebunden ausfallen. Kim Basinger fehlt außerhalb des Trailers komplett.

Ein gewichtiges Problem zeichnet sich, wie schon in der Buchvorlage, in der thrillerartigen Handlung um Bösewicht Jack Hyde ab. Der von Eric Johnson schmierig gespielte Psychopath treibt erneut sein eindimensionales Unwesen und die Spannungskurve zeitweise an. Sein Motiv ist unglaubhaft und der finale Showdown um seine Person unausgereift. Ohnehin reiht sich von der ersten Minute an eine Szene im Eiltempo an die nächste – plakativ inszeniert und mit einem stets (über)präsenten Soundtrack im Ohr. Mitunter wirkt das permanente Gefühlskarussell zwischen Mr. und Mrs. Grey leider ähnlich ermüdend wie eine Folge von "Der Bachelor" im Fernsehen. Wo wir wieder bei der individuellen Betrachtungsweise ankommen. Schließlich spricht der fragwürdige Erfolg beider Phänomene für sich.

Fazit

Im letzten Akt der "Fifty Shades of Grey"-Reihe ruft die Welt der Reichen und Schönen. Die auf Chic dekorierte Romanze um Liebe, Begierde und Eifersucht bietet optisch durchaus was fürs Auge, fährt ansonsten aber eine eher plakativ komponierte Szenenaneinanderreihung auf, die gängige Klischees bedient und ohne einen überpräsenten Soundtrack anscheinend nicht auskommt.

Doreen B. - myFanbase
25.02.2018

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