Bewertung: 6

Review: #1.07 Echoes

Hmm… das war ja irgendwie… enttäuschend. Okay, die Folge an sich war ja nicht schlecht und es gab einiges Interessantes über die Vergangenheit der Actives (besonders Echo) zu erfahren, aber nach der (für "Dollhouse"-Verhältnisse wirklich genialomatischen) letzten Folge war diese doch ein ziemlicher Spannungsabfall. Aber wenigstens wurde eine wichtige Änderung aus der letzten Woche gegenüber den vorigen Folgen übernommen: die Abschaffung der freischwebenden PotW.

Im Normalfall sehen Staffelhandlungsspannungsbögen (ob ich es wohl schaffe ein noch längeres Wort in dieser Review einzubauen?) ja so aus, dass in den Rahmenhandlungen um Irgendwas-otW-Folgen langsam die Geschichte aufgebaut wird, die die Season tragen sollen; dann gibt es eine Mid-Season-Bogenfolge und danach kommt eigentlich wieder ein paar Folgen Spannungsabfall mit (fast) austauschbaren Folgen. Darauf wurde hier verzichtet. Ist ja ganz schön. Aber die Geschichte die letzte Woche aufgebaut wurde, wird trotzdem nicht wirklich weitergetragen. Es wirkt irgendwie so, als hätten die Schreiberlinge die Idee für diese Folge gehabt und sie dann einfach irgendwo untergebracht.

Rossum

Nachdem wir letzte Woche erfahren haben, dass das Dollhouse, das wir in dieser Serie begleiten, keine einzigartige Einrichtung ist, wird diese Woche gleich ein weiterer Name mit Bezug auf die Organisation hinter dem Dollhouse eingeführt: Rossum. Anscheinend ist Rossum eine der Hintergrundorganisationen, die das Dollhouse umgeben – vielleicht sogar die ganz große, die das ganze ins Leben gerufen hat, aber eher die Research-Abteilung des Ganzen. Und während ich immer ganz hibbelig werde, wenn Folgen Hintergrundinformationen einbringen und Staffelhandlungen vorantreiben, fand ich persönlich diese Entwicklung irgendwie fehlplatziert. Eine solche Erkenntnis sollte doch eigentlich mit Spannung über Wochen aufgebaut werden und nicht (wie hier geschehen) dem Zuschauer hingeworfen werden wie ein Stück Fleisch, das wir nun runterwürgen sollen. Gut, ich nehme mal, was ich kriege.

Rossum scheint also eine wissenschaftliche Organisation zu sein, die sich auf die Manipulation des Gedächtnisses (oder des menschlichen Gehirns ganz allgemein) spezialisiert. Und sie scheinen so mit dem Dollhouse verstrickt zu sein, dass Miss DeWitt nicht nur behauptet, dass es ohne sie das Dollhouse nicht gäbe, sondern es geht soweit, dass leitendes Personal von einer höheren Instanz beiden Institutionen zugewiesen wird. Wenigstens wird ein Mysterium aus der höheren Instanz gemacht.

Rekrutierung

Das eigentlich Interessante an dieser Folge ist aber nicht Rossum an sich, sondern die Verstrickung Carolines mit dieser. Schon in der Review zur Pilotfolge hatte ich die Vermutung geäußert, dass uns solche Flashbacks ab und zu an den Kopf geworfen werden. Aber wieder (wie auch mit Rossum) wird nicht etwa über Folgen hinweg immer ein wenig Interesse mit einem Ausschnitt geweckt, sondern uns wird wieder alles im Stück hingeworfen. Schade, denn gutes Storybuilding sieht wahrlich anders aus.

Aber mal zum Inhalt der Flashbacks: Wie's aussieht sind die Dolls nicht so freiwillig, wie ich gedacht hätte, Dolls geworden. Stattdessen werden Leute ausgesucht, die sowieso zu viel wissen oder der Gesamtkonstruktion hinter dem Dollhouse irgendwie Schaden zufügen könnten (wie in dieser Folge Sam, den wir bestimmt nächste Folge als Active wiedersehen werden) und ihnen wird quasi eine do-or-die-Alternative angeboten. Denn das Personen die dieses "Angebot" ablehnen einfach verschwinden werden, ist für mich irgendwie eine logische Schlussfolgerung, ansonsten wäre das Dollhouse schon längst aufgeflogen.

Caroline ist also Echo geworden, weil sie einfach zu viel wusste. Die Geschichte der schnüffelnden Tierschützerin samt ihres ähnlich engagierten Freundes (der übrigens grauenhaft gecastet war) fand ich persönlich wenig überzeugend, weil wir mal wieder mit einem fetten Klacks Klischee abgefertigt wurden. Mal sehen, ob den Machern noch etwas einfällt, dass sie uns aus Carolines Vergangenheit auftischen können, nachdem sie uns eigentlich alles über ihre Dollwerdung in nur einer Folge dargeboten haben.

Wer Zwiespalt säht...

Eine wirklich interessante Situation ergab sich diese Woche um Mr. Dominic. Dass Topher nicht ihn als Exekutive vor Ort vertraut, sondern ihm seine Imprints vor die Nase setzt, die ihn Rumkommandieren und ihn jeglicher Entscheidungskraft entheben, kann eigentlich nur als bewusste Entmachtung und Konfrontationssuche verstanden werden. Auch am Ende wird noch einmal deutlich, dass Dominic eigentlich als der absolute Hardliner verstanden werden muss – in seinen Augen muss Echo weg (jep, das wurde ja in #1.05 True Believer schon ziemlich deutlich). Das niemand auf ihn hört, könnte das Dollhouse irgendwann noch einmal richtig in den Hintern beißen, genau wie der Fakt, dass er kontinuierlich untergraben wird. Er wird ja förmlich zu Rambo-Aktionen gegen seinen eigenen Arbeitgeber gezwungen!

Eine weitere Situationen, in der bewusst gesäter Zwiespalt dem Dollhouse irgendwann schaden wird, ist eindeutig die um Ballard. War das wirklich der Plan? Ihn dazu zu zwingen, sich nach dem Angriff auf Mellie, zwischen ihr und dem Fall zu entscheiden, war ja nun nicht gerade ein Geniestreich – der Ausgang war klar und Mellies Einfluss auf Ballards Leben verschwindet. Naja, vielleicht hat DeWitt ja noch so eine geniale Idee um sich des lästigen Agenten zu entledigen. Ansonsten von unserem laufenden Klischee-Polizisten nichts Neues.

Nicht wirklich Zwiespalt, sondern vielmehr eine weitere Offenbarung der absoluten Desorganisation des Dollhouses: wie kann es sein, dass die Handler anderer Dolls nicht über eine Situation so gigantischen Ausmaßes informiert werden, um ihre Actives davon fernzuhalten? Kann es sein, dass das Risiko des Einsatzes wirklich dermaßen unterschätzt wurde? Naja, Logiklöcher oder Inkompetenz beides nicht die beste Weise. Wenigstens wurde diesmal Echo nicht gleich als möglicher Schwachpunkt in die Situation eingepflanzt.

Nehmt keine Drogen, Kinder, mmkay?

Die Story um eine Substanz, die die zentralen Personen einer Serie aus der Rolle wirft, ist nichts Neues. Nicht nur nicht neu, sondern auch total uninformativ war sie hier. Normalerweise werden solche Folgen ja eingesetzt um in einem großen Rundumschlag verborgene Eigenschaften und andere Geheimnisse aller Beteiligten offenzulegen. Hier: nichts. Okay, unterhaltsam war die Situation zwischen Topher und DeWitt, aber wirklich was über die beiden erfahren haben wir nicht. Das von Dominic wussten wir schon und Langton wurde komplett aus dem Spiel genommen. Schade...

Schnipsel

  • Victor war also ein Soldat im Irak bevor er Doll wurde. Interessant, denn es könnte sein, dass er einer der wenigen ist, der wirklich Active geworden ist, um einfach zu vergessen.
  • Leider wurde die Chance nicht genutzt, um uns Neues über Sierra zu liefern.
  • Echo wird immer resistenter gegenüber den Schlagworten, die sie kontrollierbar machen sollen. Diesmal schlägt sie ein "Treatment" ganz aus.


Fazit

Eine Seasonarcfolge, die uns Brocken von Informationen vor die Füße wirft und trotz eines gewissen Unterhaltungswertes uninteressant und uninspiriert wirkt.

Jep, nicht so gut gelaufen. Wie gesagt, manche Dinge waren im Ansatz eigentlich gar nicht schlecht: Carolines Werdegang zum Active darzustellen, die Rekrutierungsvorgänge des Dollhouses zu zeigen, weitere Informationen über die Hintermänner des Dollhouses darzustellen, sind ja eigentlich alles Dinge die schon irgendwie interessant sein könnten. Aber hier mangelt es mal wieder deutlich an der Umsetzung. Das Hauptproblem liegt aber nicht so sehr in dieser Folge begraben, sondern dass die Dinge die hier offenbart werden in keiner Weise spannend in vorherigen Folgen aufgebaut wurden. Mit einem ordentlichem Build-Up hätte diese Folge das Potential zu einer absolut genialen "alle-Karten-auf-den-Tisch"-Folge gehabt. Naja, so wie sie war bleibt wieder einmal geduldiges Warten auf Besserung: Immerhin schweben ja aus der letzten Folge noch ein paar wirklich interessante Handlungsbögen da draußen rum.

Martin Schultze - myFanbase

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