Bewertung

Review: #2.15 Liebe ist eine Geisteskrankheit

Die Liebe in der Fantasie auf der einen und die Liebe in der Realität auf der anderen Seite. Eifersucht, gegenseitiges Testen, Verführungen nachgeben und erkennen was wichtig ist, um wieder zu dem zurückkehren, was man gemeinhin Liebe nennt. Soweit die Kurzversion dieser Folge, die nach einem nicht vielversprechenden Anfang doch allmählich aufblüht. Ganz nebenbei erfahren wir, dass Gott auch Joans Tagträume kennt und offenbar mit diesen 'arbeiten' kann.

Joans Tagträume gefallen mir allerdings überhaupt nicht. Sie stellt sich ihre Zukunft vor, zunächst wie sie und Adam verheiratet sind - er ein erfolgreicher Künstler, sie eine anscheinend ebenso erfolgreiche Karrierefrau. Dieses Bild wandelt sich jedoch als Joan angesichts Adams neuer Assistentin Stevie immer unsicherer wird. So ist es in ihren späteren Tagträumen Stevie, die mit Adam verheiratet ist und sie ist nur die Bedienung, die Adam kaum mehr wiedererkennt. Nein, Joans Tagträumereien fand ich nicht unterhaltsam, eher störend und im Grunde überflüssig.

Auch die Liebelei mit Roger, welcher Joan im Buchladen küsst, überzeugt mich nicht. Joans Erklärung hierfür war aus meiner Sicht besonders unverständlich. Aus Eifersucht auf Stevie habe sie sich Roger zugewandt. Hätte sie in dieser Situation nicht eher die Nähe zu Adam suchen müssen? Wäre das nicht naheliegender gewesen? Na ja, zumindest am Ende der Folge werde ich erhört und Joan spricht sich mit Adam aus. Dieser gibt zu, dass er Joan in gewisser Weise mit Stevie hat testen wollen, was für mich wiederum völlig abwegig ist. Es macht einfach keinen Sinn. Das Ganze noch auf eine Fantasie bzw. Illusion der Liebe zu schieben, die damit beiseite gedrängt wurde, um etwas Tieferem Platz zu machen, war für mich vollends verfehlt. Die Liebe ist nicht einfach. Einfach ist jedoch keine zwischenmenschliche Beziehung, ob sie nun auf Liebe, Freundschaft oder sonstiger Verbundenheit basiert. Dass die Liebe eifert und gelegentlich auch testet mag sein, aber der in dieser Folge gebotene Anlass dafür, ist für mein Dafürhalten unglaubwürdig. Wieder einmal wird Adam und Joan eine Geschichte von jetzt auf gleich angedichtet, ohne dass es hier eine Entwicklung gegeben hätte. In einer Folge wird die Beziehung von beiden noch als harmonisch und liebevoll dargestellt, im anderen Moment soll plötzlich Eifersucht und Verunsicherung zu Tage treten. Ein bisschen fühle ich mich hier an die schlechte Episode #2.07 Beweis auf Video erinnert, was die Sache nicht besser macht. Zu meiner Überraschung steigerte sich diese Folge jedoch zum Ende hin. Es ist dieses Mal erneut besonders Amber Tamblyn, welche die eigentlich schlechte Geschichte doch noch sehenswert macht.

Gleiches gilt für Will und Helen. Will erkennt klarer denn je, dass Lucy kein guter Mensch ist. Sie ließ Judiths Killer ermorden und versucht ihm nun einzureden, er sei hiermit einverstanden gewesen. Wills Läuterung ist absolut glaubwürdig. Genau das hatte ich mir seit Langem erhofft. Will ist endlich wieder der Moralapostel der Serie. Nur so funktionieren seine Geschichten für mich. Respekt für Joe Mantegna, der Wills Bestrebungen, wieder zu sich finden zu wollen, brillant in Szene setzt.

Sehr vielversprechend war für mich in dieser Folge daneben die Annäherung von Kevin und Lilly. Für mich ein geniales Paar. Lilly ist unangepasst und bringt die Dinge einfach auf den Punkt. Sie sieht Kevin als Person. Seine Behinderung ist für sie - wie sie es formuliert - einfach nur ein äußerliches Zeugnis dafür, dass Kevin wie jeder andere Mann eben einmal nicht perfekt ist, nur dass es bei ihm offensichtlich ist. Ich kann nur sagen: Lilly Watters ist eine coole Frau!

Neben Lilly waren meine Highlights in dieser Folge zum einen Joan wie sie ihrer Mutter in der Girardi-Küche von dem Kuss mit Roger erzählt. Amber Tamblyn überzeugt hier wieder mit ihrem komödiantischen Talent. Zum anderen Will, der Lucys Charakter ganz klar analysiert. Treffend stellt er fest, dass sich Lucy stets überaus vernünftig gibt, dabei jedoch ihre messerscharfe Logik mehr oder weniger als Waffe einsetzt. Sehr schlau von Will, das zu erkennen. Besonders clever ist meiner Ansicht nach, dass diese Feststellung gerade Will trifft, da er sich ja der Vernunft verschrieben hat. Hier wurde ein wirklich gutes Beispiel dafür aufgezeigt wie sich Vernunft und Verführung verbinden können.

Fazit

Eine sich zum Ende hin steigernde, neue Episode, die nicht zuletzt von Amber Tamblyns mitreißender Darstellung getragen wird. Auch Will und Helen alias Joe Mantegna und Mary Steenburgen überzeugen in dieser Folge auf ganzer Linie. Absoluter Höhepunkt und von mir lange herbeigesehnt war überdies die Annäherung von Kevin und Lilly. So kann es weitergehen! Allerdings aufgrund des langweiligen Anfangs, Joans nervenden Tagträumen, und nicht zu vergessen, Adams grauenhafter Assistentin Stevie, bleibt mein Gesamteindruck dieser Folge dennoch verhalten. Ein Muss-man-unbedingt-gesehen-haben- Level wurde meiner Meinung nach auch mit dieser neuen Folge leider nicht erreicht.

Anne L. - myFanbase

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