Bewertung: 6

Review: #8.18 Die richtige Gelegenheit

Ohje. Da versuchte man uns in #8.17 Women and Death noch krampfhaft klarzumachen, wie schmerzhaft Mikes Tod für die vier Freundinnen sei und Bree, Gaby und Lynette sich nun vermehrt Susan annehmen werden, um ihr durch die schwere Zeit zu helfen. Und was bekommt man eine Folge später geliefert? Vieles, aber keine einzige Szene zusammen mit Susan und ihren Freundinnen, keine einzige Szene, in denen die anderen Hausfrauen den Namen Mike überhaupt in den Mund nehmen und noch nicht einmal eine Szene, in der Renée und Ben, die fast die Hauptverantwortlichen an Mikes Tod sind, auch nur mal auf die Idee kommen, sich über Mike zu unterhalten oder irgendeine Form von Reue und Gewissensbissen zu zeigen – NICHTS. Es ist doch wirklich nicht zu fassen, wie krankhaft schnell man nach dem Tod einer der wichtigsten Charaktere der Serie wieder zurück zum Normalzustand gegangen ist. Selbst die Nachwirkungen von Beths Tod aus Staffel 7 waren da ja länger präsent. Also kann man hier schon einmal zusammenfassen: Mikes Tod diente tatsächlich nur für mediale Aufmerksamkeit, denn storytechnisch ist das Ganze eine absolute Nullnummer. Mal davon abgesehen, war #8.18 Any Moment aber überraschenderweise unterhaltsamer, als es die diversen Vorabinformationen vermuten ließen.

When we see an opportunity in life, we have to take it. Whether it’s the chance to show a child the right path …


Mikes Tod spielte erwartungsgemäß immerhin bei Susans Szenen einen große Rolle. Eigentlich selbstverständlich, aber den Autoren hätte ich auch noch zugetraut, dass man sich auch hier weniger auf die Nachwirkungen fokussiert. Zwar war die Handlung rund um den nun rebellischen Halbwaisen (MJ), der nach dem Tod eines seiner Elternteile ein wenig über die Strenge schlägt und der entsprechende noch lebende Elternteil dies der Freude des Kindes wegen toleriert, nicht unbedingt neu und besonders in der ersten Hälfte definitiv nicht interessant, aber mit der Zeit war ich dann doch überrascht, wie toll sich das ganze entwickelt hat. Ein Lob gebührt dabei definitiv mal Teri Hatcher, die die trauernde Witwe wirklich sehr überzeugend spielt, was besonders während der Szene mit MJs Lehrerin oder der Schlussszene in der Garage deutlich wurde. Apropos Garagenszene: Hier hat man wirklich einen richtig starken Moment abgeliefert, der dank Susan extrem emotional ausfiel und die stärkste Szene der Folge war. Und sogar MJ-Darsteller Mason Vale Cotton, den man wegen seines ausbaufähigen schauspielerischen Talents ja hin und wieder doch gerne mal statt Marmeladengläser an die Wand werfen könnte, war mal gar nicht so schlecht wie sonst. Trotzdem: Mit einem etwas begabteren Jungdarsteller wäre diese Szene wohl um das dreißigfache emotionaler geworden. Aber dank Hatchers Performance bleibt diese Szene auch schon gut in den Gedächtnissen hängen, die ganze Geschichte an sich jedoch weniger.

Ob sich die kommenden Folgen wohl nun auch immer wieder darum drehen werden, wie Susan ihr Leben ohne Mike meistert? Ist natürlich ein für die Autoren willkommener Stoff, denn hier kann man Lückenfüllergeschichten en masse daraus machen, aber originell ist das natürlich bei weitem nicht. Bemerkenswert ist im Übrigen, wie oft in dieser Staffel bisher thematisiert wurde, wie sich die Frauen wohl alleine schlagen. Lynette hat es nicht hinbekommen, ohne Tom eine Lampe zu reparieren und Gaby scheiterte an Geschäftsfragen (beides in #8.11 Unbequeme Wahrheit). Jetzt ist also Susan an der Reihe. Was wir wohl in der nächsten Folge dann serviert bekommen? Ein Wasserrohrbruch in ihrem Haus, wodurch Susan dann zusammenbricht, weil ihr klar wird, dass sie ohne Mike keinen Klempner mehr in der Nähe hat? Gut, dass sie ja super Freundinnen hat, die ihr bei allem zur Seite stehen, nur leider kein einziges Mal innerhalb der Folge bei ihr auftauchten. Naja, engagiert sie eben selbst einen Klempner. Und wenn sie das Geld nicht aufbringen kann, kann sie ja immer noch welches bei dem Kredithai Donny leihen, der seit #8.16 You Take For Granted kein einziges Mal erwähnt wurde. Aber weshalb sollten sich die Autoren auch darum bemühen, schließlich ist er nur Mikes Mörder. Übrigens: Mir stehen die Haare zu Berge.

The hope of winning back the love of our life …

Statt sich um Susan zu kümmern, hat Lynette Besseres zu tun, nämlich mit Tom zusammenzukommen. Pietätlos? Nicht für Lynette, die in #8.13 Das soll also Liebe sein? schließlich kurz nachdem sie erfahren hatte, dass Bree sich das Leben nehmen wollte, Sex mit einem Mann hatte. Da hat das noch gut mit den Männern geklappt, denn der Abend mit Tom verlief hingegen dezent suboptimal. Und obwohl ich persönlich kein riesiger Fan von der "Lynette will Tom zurück"-Entwicklung war, so waren die Szenen zwischen den beiden einfach schön mit anzusehen und auch mir wurde dann bewusst, dass es einfach nicht richtig wäre, würden die beiden am Ende der Serie nicht wieder ein Paar sein. Interessant war dann natürlich Toms Verhalten gegenüber Jane, da doch ziemlich deutlich wurde, dass Lynettes Versuche schon kleine Früchte tragen und Tom offenbar wirklich darüber nachzudenken beginnt, mit Lynette einen Neuanfang zu wagen. Ich warte eigentlich nur noch auf einen unangemessenen Fauxpas seitens Jane, bis Tom sie wirklich verlässt und ich glaube, so weit sind wir gar nicht mehr davon entfernt. Da es allerdings noch drei reguläre Episoden gibt und man uns Lynette und Tom sicherlich erst in einer der beiden Finalfolgen wieder als Paar präsentieren wird, darf man mal gespannt sein, welche Hürden Lynette noch in den Weg gestellt werden.

Besser als die Szenen zwischen Tom und Lynetten, haben mir im Übrigen die Momente zwischen Lynette und ihrer Tochter Penny gefallen. Überhaupt gefällt mir die Mutter/Tochter-Dynamik in dieser Staffel ausgesprochen gut und es macht Spaß, zuzusehen, wie beide zusammenarbeiten, um Tom wieder zu Lynette zurückzutreiben. Besonders die Szene, in der beide zusammen im Bett lagen und über den Abend redeten, war wirklich unglaublich süß und zeigte, welch ein tolles Team die beiden doch abgeben. Da fragt man sich schon, weshalb sich Madison De La Garza alias Juanita Solis in dieser Staffel in der Hauptdarstellerriege befindet und Penny-Darstellerin Darcy Rose Byrnes nicht, die meines Erachtens auch noch bessere schauspielerische Fähigkeiten besitzt.

Or a shot at proving our worth …

Für reichlich Humor war in dieser Folge Gaby verantwortlich, bei der wir momentan eine Scavo-ähnliche Ausgangssituation begutachten dürfen: Mann daheim, Frau arbeitet – wenn sie denn überhaupt einen Job erhält. Und erschreckender Weise scheint es gar nicht so einfach zu sein, wenn man gewisse eigene Bedingungen an den künftigen Job hat. Ja, Gaby mit all ihren abstrusen Vorstellungen bei der Jobvermittlungsstelle zu sehen, war wirklich eine sehr witzige Angelegenheit und einfach eine typische Gaby-Szene, die mir in der Form definitiv in Zukunft fehlen werden, sobald die letzte Klappe in der Wisteria Lane gefallen ist. Generell gefiel mir Gaby in der Folge recht gut, denn die Szene auf dem Amt und ihre darauffolgende Shoppingtour, die herrlich in Szene gesetzt war, sorgten für sehr viele witzige Momente, während auch ihr Gespräch mit Carlos überzeugen konnte. Schön war es, wie Carlos vorsichtig versucht hat, seiner Frau klarzumachen, dass sie sich an den neuen Lebensumstand gewöhnen müsse, aber sie gleichzeitig aufbaute, nachdem Gaby ja an gewissen Selbstzweifeln litt. Sehr gerne hätte man Gabys Jobsuche noch ein wenig ausbauen und auch in der nächsten Episode fortsetzen können, denn die Tatsache, dass sie in der einen Sekunde eine Boutique betritt, um aus Geldmangel die Klamotten zurückzugeben und in der nächsten Sekunde schon eine Angestellte ist, die dazu auch noch beachtlich verdient, ging einfach viel zu schnell und wirkte doch extrem an den Haaren herbeigezogen. Auch weiß ich nicht wirklich, was uns nun erwarten soll. Sicher, Gaby als Modeberaterin wird für den ein oder anderen witzigen Moment sorgen, aber da die Serie schließlich schon bald zu Ende ist, muss diese Geschichte ja auch einen tieferen Sinn haben, um dem Charakter einen interessanten Abschluss zu geben. Und momentan wirkt das ganze dann noch mehr nach Füllmaterial für witzige Momente.

But sometimes when we answer the call, we have no idea what opportunity awaits us.


Füllmaterial pur bekamen wir in dieser Episode bei Bree zu sehen, denn ihre Story mit Andrew war eine typische Lückenfüllergeschichte, die wohl auch nur notwendig war, um Andrew noch einmal in der Serie auftauchen zu lassen. Da hätten sie Andrew lieber mal vorbeischauen lassen sollen, als Bree rückfällig wurde, als Stadthure durch die Kneipen Fairviews wankte oder sich in einem Motelzimmer umbringen wollte. Das wären wirklich tolle Gelegenheiten gewesen, zumal wir dadurch einmal gesehen hätten, wie Andrew seiner Mutter zur Hilfe eilt, statt umgekehrt. Aber gut, nun bekamen wir die wahrscheinlich letzten Szenen mit Andrew in einem völlig belanglosen Kontext geliefert, da mich das ganze Drumherum um Andrews Verlobte Mary Beth sowie seinen wahren Intentionen nicht wirklich interessierte, auch wenn Bree für einige Highlights sorgte ("You’re here, you’re queer and I’m used to it.") und auch Mary Beth stellenweise furchtbar herrlich war und ich schallend lachen musste, als sie plötzlich eines ihrer Gnocchis fotografierte. Lediglich die letzte Szene zwischen den beiden war genau das, was ich sehen wollte, nämlich die Tatsache, dass aus der in den ersten Staffeln so omnipräsente Hassbeziehung zwischen den beiden im Laufe der Serie eine wunderschöne Mutter/Sohn-Beziehung herangereift ist, was man zu Beginn der Serie noch nicht mal zu träumen wagte. Zwar wurde uns dies schon des öfteren immer wieder verdeutlicht, zuletzt in den Episoden siebzehn und achtzehn der letzten Staffel, aber als runder Abschluss funktionierte die letzte Szene zwischen Bree und Andrew allemal. Und die Vorstellung, dass Mutter und Sohn irgendwann einmal zusammenwohnen und Bree dadurch vielleicht endlich den Mann gefunden hat, den sie eigentlich fürs Leben braucht, ist doch einfach nur schön.

Schwer würde diese Entwicklung allerdings dann werden, wenn Bree in einigen Monaten eine Zelle in einem Fairviewer Gefängnistrakt als ihr zu Hause bezeichnen müsste. Die allerletzte Szene der Folge lässt nämlich stark erahnen, dass die Storyline um Alejandro nicht nur wieder aufgegriffen wird, sondern nun auch die finale Phase erreicht und sich das ganze noch einmal ordentlich zuspitzen wird. Man kann wirklich gespannt sein, was sich die Macher diesbezüglich für die letzten Folgen der Serie noch haben einfallen lassen, schließlich wird diese Handlung wahrscheinlich ein sehr zentrales Element im Endspurt oder gar im Serienfinale sein. Interessant bleibt auch, dass bisher nur Bree als Hauptverdächtige in Betracht gezogen wird, sodass man sich gespannt die Frage stellt, was Susan, Gaby und Lynette wohl unternehmen werden. Oder wird Carlos gar geständig? Ich freue mich meinerseits jedenfalls schon so richtig auf die heiße und finale Phase der Serie.

Fazit

Es waren nicht wirklich die Geschichten an sich, mit denen #8.18 Any Moment überzeugen konnte, sondern einzelne Momente innerhalb dieser Geschichten, die im Gedächtnis bleiben werden. Zurück bleibt aber dennoch eine lediglich durchschnittliche Episode, deren Handlungen viel zu unspektakulär waren und man praktisch nie wirklich das Gefühl vermittelt bekam, dass uns nur noch drei reguläre Episoden bevorstehen, ehe sich die Serie auf ewig verabschieden wird. Daher wünsche ich mir für #8.19 With So Little To Be Sure Of ein wenig mehr Tempo und Brisanz, und das nicht nur bei dem bevorstehenden Stoyarc um Bree und Alejandros Tod.

Manuel H. - myFanbase

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