Review: #3.07 Die Hexeninsel

Blair Witch lässt grüssen. Eine anfangs desillusionierend wirkend geplante Dokumentation entwickelt sich zum unheimlichen Hexenspuk. Eines muss man Dawson's Creek lassen: Ihre Interpretation von Blair Witch war weitaus, bzw. um Längen besser als das Original - aber das nur als persönliche Meinung vorab.

Wir finden in dieser Episode insgesamt vier Handlungsfäden: Der Hexenkult, Dawson und Joey, Pacey und Jen sowie Andie, die auf ihre Weise für Ordnung sorgt.

Zwischen Dawson und Joey gibt es die erste Annäherung seit langem, doch bereits im Videoladen fällt auf, dass Joey ziemlich offensiv gegen Dawson vergeht, warum dieser sie zum Beispiel nicht von vornherein eingeladen habe. Wieder einmal wird die Umkehrung der Verhältnisse im Gegensatz zum Anfang der zweiten Staffel verdeutlicht. Joey ist wie gesagt in der Offensive, sie will Antworten von Dawson. Dieser wiederum sucht Distanz, er geht in die Defensive. Doch der Konflikt ist nachvollziehbarer als in der zweiten Staffel. Während Joeys Distanz damals an und für sich schon nachvollziehbar war, doch die Länge eher unangemessen, ist Dawsons Motiv, die Angst vor dem absoluten Zusammenbruch, gut zu verstehen. Der schwelende Konflikt ist nicht, dass metaphorisch einer die Tür zumacht und der andere sie aufstemmen will und das war es dann, sondern dass im Grunde beide die Tür aufmachen wollen, doch beide wollen sie nach innen aufmachen, so dass die Tür weiterhin geschlossen bleibt. Es ist die Unmöglichkeit etwas zu tun, obwohl die Möglichkeit offensichtlich ist. Dazu kommt jetzt aber in dieser Episode noch das Problem, das eben das dazu führt, dass sie wirklich auseinanderdriften, also möglicherweise sogar die Möglichkeit schwindet. Für Joey ist das ein unmöglicher Zustand, zumal ihr an den alten Zeiten sehr gelegen ist und auch Dawson empfindet im Herzen so, fügt sich aber erst am Ende Joeys Wunsch, so dass wir zumindestens eine erste Annäherung nach langem erzielen konnten. Die Parallelen zur Hexeninsel sind interessant, aber doch teilweise zu offensichtlich. Man hätte den bestehenden Konflikt auch einfach so zeigen können, die zusätzliche Unterstreichung braucht er nicht.

Nett ausgedrückt 'interessant' ist das, was Jen und Pacey widerfährt. Das langsame Annähern am Anfang der Episode, obwohl man sich vorher nie Beachtung schenkte, soll noch Geschmack auf mehr machen, immerhin war das bislang ein noch nie in Erwägung gezogener Handlungsstrang und eine solche Entwicklung ist auch alles andere als unrealistisch. Doch das, was daraus erwächst, die fixe Idee, passt einfach nicht zur Serie. Wer sich über Eve aufregte, wird hierbei wohl endgültig abgeschaltet haben, hätte es nicht den Dawson-Joey-Handlungsstrang gegeben. Jen ist zwar alles zuzutrauen, obwohl man damit das zerschmetterte, was man sich über die letzten Episoden hinweg aufbaute (z.B. ihre Erfahrung in Frage zu stellen). Doch in Bezug auf Pacey ist dieser Handlungsstrang schlichtweg unsinnig. Niemals war er ein Charakter, der total gefühllos agiert. Selbst die Affäre mit seiner Lehrerin sollte zu etwas werden, was auf Emotionen aufbaute. Nun besteht natürlich die Möglichkeit dies dem 'Zaubertrank' zuzuschreiben, bzw. seiner maßgeblichen Wirkung (Einbildung ist auch eine Bildung). Demgegenüber steht jedoch die Szene am Ende der Episode.
Letztlich beließ man es ja beim Spiel mit den Charakteren - es sollte sich also kein Langzeitschaden für die gesamte Staffel ergeben. Dennoch ist dieser Handlungsstrang in meinen Augen ein absoluter Fehltritt.

Nicht viel besser ist da das, was Andie macht: Vom intrigierenden Bösewicht, zur trauernden Persönlichkeit, nun zum disziplinierten Scharfrichter geworden. Offenbar sind ihre Stimmungsschwankungen ihr wohl doch erhalten geblieben und so macht dieser Handlungsstrang zumindestens Hoffnung auf einen grösser angelegten, übergeordneten, doch alleine auf diese Episode bezogen, wirkt er etwas künstlich.

Somit ist "Escape from Witch Island" letztlich eine durchwachsene Episode. Ganz klar für sie spricht - ohne Zweifel - der Dawson/Joey-Handlungsstrang. Gegen sie spricht jedoch mehr oder weniger der Rest. Die Blair Witch-Anspielung ist lustig, zumal auch mehrfach explizit genannt, doch die Atmosphäre trägt nicht viel bei, sie ist bestenfalls nett anzusehen.

Was dagegen auffällt, sind zahlreiche Merkwürdigkeiten. Warum z.B. macht Dawson, der ja immerhin in Bezug auf den Film erfahren ist, Aufnahmen, die einem Anfänger am ehesten ähnlich sind, also total verwackelt, unkontrolliertes Zoomen usw.? Auch fällt auf, dass er maßgeblich filmt, aber an seiner Videokamera kein einziges Mal eine rote Leuchtdiode leuchtet, die die Aufnahme signalisiert, was bei Videokameras, insbesondere dem von ihm verwendeten Modell (Sony Hi8-Camcorder), dem Standard entspricht. Seltsam ist auch, dass der zur Insel gehörende Laden auch nachts begehbar ist, obwohl doch Joeys Schwester Bessie im Interview vorher sagte, dass viele nachts auf die Insel gingen - Diebstahl und Verwüstung liegen also als Möglichkeiten nahe. Und wieso ist man plötzlich wieder in der Kirche, die doch mitten im Wald liegt (wo sich Pacey zunächst verläuft) und angeblich auch niedergebrannt wurde?

Detailtreue vergaß man anscheinend und gerade das mildert den Gesamteindruck nochmals ein wenig. Das Ergebnis lautet dennoch gut, denn der Dawson-Joey-Handlungsstrang für sich ist bereits sehr gut, so dass ihn auch alles andere nicht tiefgreifend herunterreisen kann.

Malte Kirchner

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