Review: #3.04 Das große Spiel

"You have to decide how you want to live your life. You know, what you can tolerate, and what you're willing to lose." (Joey)

Die erste Eve-freie Episode der dritten Staffel besticht durch Charakterhandlungen, so wie wir sie aus der zweiten Staffel gewöhnt sind. Einige Klischees (Football) werden wieder einmal bedient, doch durch den Humor an vielen Stellen und wegweisende Weiterentwicklungen rückt dies in den Hintergrund.

Doch der Reihe nach.

Nachdem Dawson Eve ersteinmal hinter sich gelassen hat, widmet er sich von nun an wieder den häuslichen Problemen. Seinen Karriereplänen, denen er mit der Reportage auf den Weg helfen möchte, vor allen Dingen aber der Beziehung zu seinem Vater. Bisher unerwähnt blieben die Konsequenzen aus der Entscheidung seiner Mutter nach Philadelphia zu ziehen, womit Dawson wieder mit seinem Vater zusammenleben muss. Dem wird in dieser Episode Rechnung getragen und so findet man auch gleich am Ende der Episode eine Lösung für die Problematik.

Viel mehr bewegen soll uns aber Dawsons Beziehung zu Joey, die an keiner Stelle explizit erwähnt wird, jedoch durch ihre Indirektheit direkt auffällt. Seinen Anfang nimmt dies bereits am Anfang der Episode, als Dawson seine Vorliebe für Fiktion ausspricht, statt für Realität, die seiner Meinung nach nur halb so interessant ist. Wie der Zufall es so will, findet er prompt 'reales' Material aus seiner und Joeys Kindheit. Die Message ist klar und Dawsons Vater bringt ihn mit dem Vorwurf der Realitätsfremdheit auch nochmal auf den Punkt: Dawson träumt einfach zu sehr von der Fiktion, weshalb er auch Angst vor der Realität und damit Joey hat, weshalb er ihr nach wie vor aus dem Weg geht, bzw. sein Verhältnis zu ihr auf Distanz bleibt.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Leider nicht. Aber es wird ganz eindeutig, dass Dawson Joey fehlt und umgekehrt genauso, womit sich am Ende der Episode der Rahmen schließt. Man driftet wieder aufeinander zu, aber wirklich vergleichbar ist das mit der zweiten Staffel keinesfalls, weil eben beiderseits die Angst davor besteht, dass es wieder zerbrechen könnte und dass damit möglicherweise auch alles kaputt wäre.

Joey ist ein gutes Stichwort. Sie steht nun wieder mit Rat und Tat zur Seite und vermag als Charakter nun endlich wieder zu überzeugen. Zugleich beginnt aber ein neuer Abschnitt, nämlich die Noch-Freundschaft mit Pacey. Man möchte sogar schon fast von einer Hass-Liebe sprechen, die da begonnen hat und so schön das Ganze anzusehen ist, so dramatisch sind dabei die Vorhersehungen, wie sich das auf Dawson auswirken könnte. Nicht, dass wir hier irgendetwas vorgreifen wollten, was noch kommen könnte, aber Pacey würde wesentlich besser zu Joey passen, als das bei Jack in der zweiten Staffel der Fall war. Also Gefahr für Dawson? Man weiß es nicht. Zumindestens deuten die Symbole daraufhin. Das kaputte Schiff, das man aufbauen will. Der Name "True love"...

Somit erklärt sich eigentlich auch schon von selbst, wie es um Pacey steht. Viel bewegender ist jedoch die Situation von Andie. Ihr Betrug beim Test soll ungestraft bleiben, doch zunehmend offenbart sich ihr Wesenswandel, den sie zwar noch geheimhalten kann, doch der langsam offenkundig wird, z.B. gegenüber Jack. Man will offenbar eine Wende bei ihrem Charakter herbeiführen - weg von der zu bemitleidenden Person hin zur unsympathischen. Dieser Schachzug seitens der Autoren ist nicht unbedingt verkehrt, um den Charakter wirklich neustarten zu lassen.

Sich nicht groß verändert hat sich dagegen Jack. Nach wie vor kämpft er damit, schwul zu sein, zugleich aber auch wieder nicht - also nur formell, damit es die anderen auch ja wissen. Mittlerweile verfehlt dies jedoch so allmählich seine Wirkung und es wirkt auch teilweise so, als wäre dies sein Standardargument zur Ausflucht geworden. Das würde zumindestens erklären, warum er selber immer wieder das Thema anspricht, während andere sich inzwischen damit eher bedeckt halten.

Und dann wäre da natürlich noch Jen, die wieder einmal die Rächerin der Benachteiligten ist und jedem Standard widerspricht. Ihr persönliches Glück soll fortan nicht mehr zu kurz kommen und so trifft sie Henry, eine Person vom Typ 'Ich bin schüchtern und Football-Spieler'. Leider soll uns diese neue Beziehung nun wirklich nicht vom Hocker reissen, entspricht sie doch zu sehr den Klischees. Zumindestens bemüht man sich hinsichtlich Jen um eine eigene Identität. Dieser Ansatz ist zu würdigen und bislang hat man mir ihr auch mehr geschafft, als in den vergangenen zwei Staffeln.

Nicht zu kurz kommen in der Besprechung sollten allerdings auch nicht die oben angesprochenen Humor-Komponenten. Sie werden am besten vertreten durch den neuen Schuldirektor, mit dem die Schule von Capeside nun endlich auch persönlicher geworden und nicht mehr nur Mittel zum Zweck ist. Man kann es kritisieren, dass die Schule bisher nur als Nebensache schien, man kann es aber auch schätzen, weil man sich dadurch mehr aufs Wesentliche konzentrierte. Dennoch schien Capeside bis zum Ende der zweiten Staffel zu sehr eine Freizeitveranstaltung zu sein, so dass eine Betonung des Pflichtteils zumindestens zeitweise recht erfrischend wirkt. Zumindestens vermochte man den Kompromiß zu finden und die Schule mehr zu betonen, ohne sie zum langweiligen Standard-Element verkommen zu lassen.

Alles in allem also schon eine recht gute Episode, "Home Movies". Die dritte Staffel ist auch nach vier Episoden immer noch auf Identitätsfindung, nachdem Kevin Williamson sich zurückzog. In dieser Episode zeigt man aber, dass man durchaus noch imstande ist, Geschichten zu schreiben, die an die zweite Staffel heranreichen. Und wir sind auf einem guten Weg!

Malte Kirchner

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "Dawson's Creek" über die Folge #3.04 Das große Spiel diskutieren.